Die Abenteuer des Robin Hood (1938)

Die Geschichte von Robin Hood muss man eigentlich nicht groß erzählen: Der verräterische Prinz John greift nach der Macht, als König Richard von den Kreuzzügen nicht zurückkehrt; gegen seine Gefolgsleute wie Guy of Gisbourne und den Sheriff von Nottingham stellt sich vor allem ein junger Landadeliger mit seinen Männern, die im Sherwood Forest ihr geheimes Lager aufgeschlagen haben.

In der Verfilmung von Michael Curtiz und William Keighley aus dem Jahr 1938 klappert aus heutiger Sicht die Handlung womöglich etwas brav, aber straff erzählt die Standardpunkte von Robin Hoods Karriere ab und verzichtet völlig darauf, Robins Vorgeschichte groß zu thematisieren.

Aber Errol Flynn strahlt durchgehend und fast kontinuierlich selbstbewusst in die Kamera, muss dafür aber die ganze Zeit in den gleichen (stets makellos sauberen) Strumpfhosen herumlaufen, während Olivia de Havillands Marian in jeder Sequenz ein neues, sensationell aussehendes (Technicolor sei Dank) Kleid trägt. Spätestens im so elegant inszenierten wie sensationell reduzierten Schwertkampf Robins gegen Gisbourne am Schluss des Films wird klar, wie elegant und aufregend der Film im Kontext seiner Zeit war und heute noch ist: Das Vorbild, an dem sich alle Robin-Hood-Filme seitdem messen und messen müssen.

Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

SAS: Red Notice (2021)

Ruby Rose hat sich mit ihrer androgynen, markanten Erscheinung aktuell eine ganz eigene Nische für ihre Star Persona entwickelt: Als Allzweckwaffe im Actionkino, mal als etwas kühle, vage mysteriöse, aber freundliche Figur in Neben- und Hauptrollen wie in The Meg und The Doorman, mal als ans soziopathisch grenzende Killerin wie John Wick: Chapter 2 oder nun SAS: Red Notice. Hier ist sie Grace Lewis, designierte Erbin und Nachfolgerin des Gründers der „Black Swans“, einer Söldnertruppe, die rund um die Welt schmutzige Aufgaben übernimmt, mit denen die Regierungen nichts zu tun haben wollen. Nachdem Aufnahmen eines ihrer Massaker an die Öffentlichkeit gelangen, wird gegen Graces Vater und die „Schwäne“ ein Haftbefehl erwirkt, ein SAS-Team, mittendrin Tom Buckingham (Sam Heughan aus Outlander), stürmt ihr Anwesen. Grace entkommt mit einem Team und nimmt anschließend einen Zug im Eurotunnel nach Frankreich in Geiselhaft – just den, in dem Tom mit seiner Verlobten auf dem Weg nach Paris ist. Die Geiselnahme geht also nicht so glatt wie erhofft, und dann mischen sich auch noch zahlreiche Figuren mit unklaren Motiven ein…

SAS: Red Notice ist von Magnus Martens, der bisher vor allem TV-Erfahrung hat, recht routiniert in Szene gesetzt, auch wenn eine Geiselnahme in einem Zug natürlich etwas antiklimaktisch verläuft, wenn dieser fast die ganze Zeit in einem Tunnel stillsteht. Leider verliert man auch im begrenzten Tunnel leider gelegentlich die Übersicht, wer nun gerade wo was macht. Interessanter wird der Film aber durch seine Figuren, die keinem einfachen Gut-Böse-Schema folgen wollen: Hier wird Grace als Soziopathie in Menschenform gegen Tom gesetzt, der seinerseits keinerlei moralische Hürden kennt, die ihn am Töten hindern… Für ein richtiges Drama ist der Konflikt dann leider doch nicht komplex und scharf genug, zumal die Auflösung charakterlich ganz und gar nicht überzeugend ist. Etwas mehr Fokus, etwas weniger als zwei Stunden Laufzeit hätten dem Film gut getan.

Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Der schwarze Korsar (1976)

Herzog Van Gould ist nicht nur ein skrupelloser Piratenjäger, sondern auch sonst kein guter Mensch. Mit seinen Brüdern wollte sich der Schwarze Korsar (Kabir Bedi) an ihm für den Mord an ihren Eltern rächen, nun schwört er auch Vergeltung für den Tod der zwei jüngeren Geschwister. Eine Jagd auf Leben und Tod quer durch die Karibik beginnt.

Sergio Sollimas Piratenabenteuer ist ein Spektakel, wie es das italienische Kino der 1970er in seinen besseren Momenten in die Welt geworfen hat. Nach Karibik sieht es zwar nirgends wirklich aus, auch die Schiffe liegen meist eher dümpelnd im Wasser herum, aber das macht der Film locker durch aufwändige Kostüme, große Gesten, Geschrei und vor allem ausführliche Schwert- und Pistolenschlachten wett.

Als Titelhelden holt Sollima hier Kabir Bedi ins Boot, den er erst kurz vorher mit Sandokan – Der Tiger von Malaysia zum Star gemacht hatte; aus der TV-Serie (die dann zum Film wurde) ist auch Carole André als mit dem Korsaren tragisch in Liebe verbundene Schönheit wieder dabei.

Nachdem der Film in Deutschland lange Zeit nur verstümmelt zu sehen war, gibt es seit 2005 auch eine FSK-12-Freigabe für die ungeschnittene Fassung, und diese ist auch auf dem neuen Mediabook zu finden; früher entfernte Stellen gibt es statt mit deutscher Synchro auf Italienisch mit Untertiteln.

Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Monos – Zwischen Himmel und Hölle (2019)

Irgendwo in den südamerikanischen Bergen hält eine Gruppe von Teenie-Guerilleros eine Stellung, ein ziemlich heruntergekommenes Betontürmchen. Sie bewachen eine amerikanische Ingenieurin, die die „Organisation“ gefangengenommen hat, sie sollen außerdem noch auf die Kuh Shakira achtgeben, die ihnen als Leihgabe gestellt wurde. Sie nennen sich Rambo und Lobo, Pitufo und Bum Bum. Ab und an kommt ein Bote vorbei, der ihnen neue Aufgaben übermittelt, ansonsten halten sie den Kontakt zur Außenwelt nur über ein Funkgerät. In der nebligen Landschaft machen sie Übungen und Sport, am Lagerfeuer wird geknutscht und gefeiert.

Für wen sie kämpfen, interessiert Monos – Zwischen Himmel und Hölle überhaupt nicht – es könnte die FARC sein, aber über Ideologie oder Ziele wird nie gesprochen: die „Organisation“ scheint mehr Kult als Armee. Befehlsketten müssen eingehalten werden, bis zur letzten Minute des Films, bis dahin sieht man der Gruppe dabei zu, wie sie sich entwickelt, wie sie auseinanderfällt, wie die Sehnsucht nach körperlicher Berührung, Ängste und Konflikte die jungen Erwachsenen zerreißt. Zwischen gedankenloser Gewalt und Drama entzünden Alexis Dos Santos und Alejandro Landes in ihrem Film eine bild- und tongewaltiges Parabel über unsere Menschlichkeit, ein Herr der Fliegen in den Farbtönen des Dschungels.

Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Die drei Tage des Condor (1975)

Joseph Turner arbeitet in der American Literary Historical Society in New York. Sein Job: Aus ausländischen Büchern und Presseerzeugnissen Informationen herausdestilliern, die auf mögliche Gefahren für die USA hindeuten könnten. Denn das Büro mit den eher wenig bedrohlich wirkenden Menschen ist eine geheime Niederlassung der CIA. Als Turner an einem Tag von einem kleinen Einkauf zurückkommt, findet er alle seine Kollegen ermordet vor – und wird dann alsbald ebenfalls zum Gejagten.

Sydney Pollacks eleganter, zurückgenommener Thriller aus dem Jahr 1975 ist inzwischen ein Klassiker; stets schwingt mit, wie fragwürdig die moralische Integrität der amerikanischen Institutionen, allen voran der Geheimdienste, geworden ist. Robert Redford spielt den strahlenden (und ambivalenten) Helden, der in Max von Sydow als gedungenem Killer sein Gegenüber findet. Turner kann sich erst bei einer Fotografin (Faye Dunaway) gegen ihren Willen einnisten, überzeugt sie aber schließlich von seiner Unschuld, während er von Auftragsmördern gejagt wird. Pollack lässt sich Zeit damit, seine Figuren vorzustellen und in Bedrängnis zu bringen und zieht seine Spannung weniger aus Verfolgungsjagden als mehr auf direkten, verbalen Konfrontationen, in denen die Kamera den Figuren ganz dicht auf die Pelle rückt.

Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Lost Girls and Love Hotels (2020)

Die junge Amerikanerin Margaret lebt in Tokio und verdient ein wenig Geld, indem sie jungen Japanerinnen, die Flugbegleiterin werden möchten, an einer Schule die richtige Aussprache des Englischen beibringt. Abends trifft sie sich oft mit ihren Freunden Ines (die wunderbare Carice van Houten in einer viel zu kleinen Rolle) und Liam in einer Kneipe und betrinkt sich, anschließend sucht sie nach sexuellen Abenteuern mit japanischen Männern, mit denen sie dann gemeinsam in ein „Love Hotel“ geht.

Alexandra Daddario ist für diese verletzte, verletzliche Figur natürlich eine physisch perfekte Besetzung, mit blasser Haut und großen runden, blauen Augen, zugleich ein ätherischer Fremdkörper in einer Welt, die Regisseur William Olsson nachts in Dunkelheit und Neonlichter hüllt, die aber tagsüber so gewöhnlich und durchschnittlich wirkt, ein wenig desaturiert, dass man Margarets Wunsch nach Flucht noch einmal anders verstehen kann.

Sie will jedenfalls fort von ihrem Zuhause in den USA; anders als wohl in der Romanvorlage von Catherine Hanrahan (sie schrieb auch das Drehbuch) geht der Film nicht näher darauf ein, welches Trauma sie von dort mitgebracht hat – nur der Wunsch nach Betäubung und Selbstvernichtung bleibt.

Dazu passt, dass Margaret sich dann in Kazu verliebt, einen Yakuza, der sie erst umwirbt, aber schließlich zurückweist, weil er heiraten wird. Die junge Frau verlangt dennoch nach mehr: Ausnüchtern, indem man einfach weitertrinkt, so nennt sie ihr Verhalten gegenüber einer Freundin am Ende. Der Film folgt dieser Erzählung, dass es erst schlimmer werden müsse, bevor es besser wird, einigermaßen konsequent; und während Daddario und ihr Co-Star Takehiro Hira das mit Leben, Sehnsucht und Traurigkeit füllen, kann der Film am Ende seine großen Gesten von Heilung und Wiedergeburt dann doch nicht ganz überzeugend auch in Handlung und Figuren gießen. Da ist ein wenig zu viel Oberfläche an und zu wenig Tiefe in den Figuren.

Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

The intergalactic Adventure of Max Cloud (2020)

Es ist das Jahr 1990, bei Computerspielen erkennt man immer noch die einzelnen Pixel auch auf den kleinen Fernsehern, die man sich ins Jugendzimmer stellen darf. Sarah steckt gewissermaßen bis zum Hals in „Max Cloud“, dem aktuell angesagten Spiel um den gleichnamigen Raumpiloten. Ihr Vater sagt, sie solle das Ding abstellen, aber stattdessen steckt Sarah auf einmal ganz und gar in dem Spiel – im Körper von Jake, dem Schiffskoch, der zusammen mit Commander Rexy und dem sehr von sich eingenommenen, so arroganten wie chauvinistischen Kapitän Cloud auf einem Gefängnisplaneten strandet, dessen Bewohner ihnen alles andere als freundlich gesonnen sind.

Die Grundidee von The intergalactic Adventure of Max Cloud ist mehr als charmant (und erinnert natürlich nicht von ungefähr an das Jumanji-Reboot), und mit Scott Adkins als Titelheld, John Hannah und Lashana „007“ Lynch als richtig fiese Sleaze-Bösewichte wäre da auch ein solider Cast zusammen. Adkins darf ab und an mal kräftig zutreten und gesichtslose Ninjas köpfen (auch wenn es 8-Bit-konform unblutig zugeht), viele Kampfszenen werden aber auch nur auf der Spieloberfläche gezeigt. Lynch hat sichtbar Spaß an ihrer Quatschrolle – aber auch sie kann nichts dagegen ausrichten, dass das Drehbuch von Regisseur Martin Owen und Co-Star Sally Collett lauter Ansatzpunkte für große und kleine Komik streift und dann einfach fallenlässt.

Weder spielt der Film wirklich erfolgreich mit Adkins‘ „star persona“ noch mit den (durchaus nachdrücklich eingeführten) Konventionen der Actionspiele. Max Clouds Raumschiff sieht aus wie ein playmobil-Spielzeug, der Thronsaal des Oberbösewichts Revengor(!) wie das in Orangerot getauchte Set eines 1950er-Science-Fiction-Films. Da sind lauter Momente, über die man sich freuen möchte, aber es kommen weder verbale noch visuelle Gags. Und dass die weibliche Hauptfigur 90% des Films als männlicher Avatar herumläuft, wird durch die zwei Wandlung zweier männlicher Figuren kurz vor Schluss auch nicht wettgemacht.

Die Verlorene Welt – The Lost World (1925)

Man muss sich nur vage vorstellen, wie absolut sensationell es im Jahr 1925 gewesen sein muss, auf der Leinwand, übermenschlich groß, sich bewegende Dinosaurier zu sehen, noch dazu zeitgleich im Bild mit Menschen – wie die Menschen einen brennenden Holzscheit nach der angreifenden Echse werfen und dieses den Scheit in seinem Maul auffängt und hin und her bewegt. Nur so lässt sich verstehen, welche nie dagewesene Sensation Die Verlorene Welt war, ein Spektakel sondergleichen, Vorbild für alle Dino-Filme nach ihm – dahinter wird gern vergessen, dass Harry O. Hoyts Film über das Abenteuer von Professor Edward Challenger und seinen Begleitern (Wallace Beery als Challenger, neben ihm vor allem Bessie Love, Lewis Stone und Lloyd Hughes) auch ein ziemlich solider Abenteuerfilm ist, mit ein wenig Slapstick, reichlich exotisch wirkenden Settings, Raubkatzen und Schlangen, und nonchalant eingestreuten zeittypischen Rassismen, vor allem den Schwarzen Diener Zambo, für den der weiße Schauspieler Jules Cowle in Blackface Grimassen zieht. Für die Animation der Saurier war vor allem Willis O’Brien verantwortlich, der später auch bei King Kong für die Technik verantwortlich war. Die neue Ausgabe kommt mit überflüssiger Kolorierung und vor allem leider ziemlich liebloser musikalischer Untermalung.

Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Dr. Jekyll & Mr. Hyde (1920)

John S. Robertsons Dr. Jekyll & Mr. Hyde, bei weitem nicht die erste Verfilmung von Robert Louis Stevensons berühmter Erzählung, gehört zu den frühesten Exemplaren des Horrorfilms avant la lettre: Die Kritiker warnten davor, Makeup und Grimassen des Hauptdarstellers John Barrymore, seine Verwandlung in den bösartigen Mr. Hyde könne auf Kinder verstörend wirken. Das liegt auch daran, dass Barrymore an diesem Stummfilm aus dem Jahr 1920 das ist, was noch lange im Gedächtnis bleibt. Sein Dr. Jekyll ist ein Altruist, ein wohlhabender Arzt, der von seinem eigenen Geld eine Art Hospital für die Ärmsten finanziert und sich hier aufopferungsvoll um Kinder, Alte und Schwache kümmert. Von seinem Schwiegervater in spe ein wenig angestachelt, entwickelt er ein Elixier, dass seine bösen Charaktereigenschaften von seinen guten abspaltet – so entsteht Mr. Hyde, der nachts sündhaft durch die Straßen der Stadt zieht. Bis hin zum zwingend tragischen Ende ist das ein aufregender Film, stilistisch nicht so entschieden wie die expressionistischen Meisterwerke (z.B. Nosferatu), die bald darauf folgen sollten. Aber Robertsons Film war ein Wahnsinnserfolg seinerzeit, und wird bis heute in Jekyll/Hyde-Filmen referenziert – am schönsten vielleicht in Stan Laurels Parodie Dr. Pyckle and Mr. Pride.

Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

French Streetfighter (1988)

Marco (Clovis Cornillac in seiner zweiten Filmrolle) und Luc (Luc Thuillier) sind beste Freunde, draußen in der Pariser Vorstadt La Défense, wo hinter den schicken neuen Bürotürmen in den späten 80er Jahren auch noch Bauzäune, langsam verfallende Altbauten, kleine Brasserien und Kneipen herumstehen. Luc klaut gerne mal ein bisschen, Marco will da eigentlich raus, hat große Träume; aber dann wird Marco mit einer Uhr erwischt, die Luc gestohlen hat, und am nächsten Morgen ist der Polizist tot, der sie an sich genommen hatte… Wer ob des Verleihtitels French Streetfighter einen Martial-Arts-Film erwartet, wird enttäuscht werden: John Berrys Film ist eher zahmes Sozialdrama mit eingestreuten Actionsequenzen, und die sind eher Verfolgungsjagden als dramatische Kämpfe. Berry verließ die USA in den 1950ern, nachdem er dort als Kommunist denunziert worden war, drehte dann mit Eddie Constantine und vielen anderen in Europa. Il y a maldonne („Es gibt ein Missverständnis“), so der Originaltitel, ist einer seiner letzten Filme, auch das Drehbuch ist von ihm, die Beton- und Glasbauten sind hart und eckig, der Himmel irgendwo dahinter, die Menschen unten in den Schluchten. Es geht um Freundschaft und Verrat, am Ende sind alle schuldiger als vorher und niemandem ist geholfen.

Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.