Dictado – Childish Games (2012)
Ursprünglich erschienen in Deadline #32, März 2012.
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Das spanische Kino erprobt sich seit einigen Jahren immer wieder recht erfolgreich im phantastisch angehauchten Thriller, an dem die Balance zwischen psychologischem Drama und Horrorfilm immer prekär ist, immer zu kippen droht. Hier ist es der Lehrer Daniel, dessen Lebens ins Wanken gerät, als er von Mario besucht wird, einem Bekannten aus Kindertagen. Kurz darauf nimmt sich Mario das Leben, und seine Tochter, die Daniel und seine Frau Laura in Pflege nehmen, erinnert Daniel mehr und mehr an das dunkle Geheimnis, das er mit Mario teilte.
Childish Games oder Dictado, wie der Film von Antonio Chavarrías im Original heißt, ist sicher nicht der originellste Vertreter seiner Art und hält sich gelegentlich zu sehr an Grundregeln des Drehbuchschreibens, in denen man eine gefährliche Klippe einführt, um sie dann auch gefälligst zu dramatischem Effekt nutzen zu können. Aber ein solider Thriller ist er eben doch, der zwischen Horror und Wahnsinn lange Zeit keinen Unterschied macht – und am Schluss allenfalls ein wenig zu brav daherkommt.
Trash am Mittwoch: Night of the Flesh Eaters (2008)
Ursprünglich erschienen in Deadline #32, März 2012.
Zum Film
„All this devouring and flesh-eating“, beschwert sich mittendrin eine der Figuren: All dieses Verschlingen und Menschenfleishessen! Dabei wird in Night of the Flesh Eaters davon vor allem viel gesprochen, in den end-, ziel- und planlosen Dialogen, denen man immer wieder ausgesetzt wird. Das soll, wohlgemerkt, komisch sein, wie ein schlecht bezahlter Killer sich Gedanken darüber macht, dass gerade Waldbrand- und Nistsaison sei. Alsbald betritt ein menschenfressendes Zwergvolk die Szene, ein rothäutiger Dämon und diverse andere übernatürliche und stets unfreundliche Erscheinungen, deren Existenz stets ausführlich diskutiert werden muss, bevor es zu wenig aufregenden, grausig inszenierten und nur milde splattrigen Zweikämpfen kommt. Dazwischen serviert uns Regisseur J.R. McGarrity witzig gemeinte Kameraeinstellungen, die einfach nur langweilig sind. Mit anderen Worten: McGarritys zweiter Film nach einem Streifen über fleischfressende und (selbstverständlich weibliche) Strippervampire ist ein völlig unkomisches, technisch ineptes, fades Stück Schrott, das so gerne witziger Trash sein möchte. Latexmonstren einfachster Art hopsen in billigen Pappmachédekors herum, zwischendurch rennen drei bis fünf Personen durch einen Wald, und drumherum wird mythisch gefaselt.
DVD-Kritik: V – Die Besucher (Staffel 2)
Ursprünglich erschienen in Deadline #32, März 2012.
Es geht erst einmal so weiter, wie es in der ersten Staffel endete: Die Außerirdischen um Kommandeurin Anna (Morena Baccarin) planen die Invasion der Erde, geben sich aber wohltätig und friedfertig. FBI-Agentin Erica Evans (Elizabeth Mitchell), eigentlich als Leiterin einer Sondereinheit zu Annas Schutz abgestellt, will weiterhin mit ihrer kleinen Gruppe von Widerständlern genau diese Invasion verhindern.
Die Neuverfilmung der Serie V – Die Besucher (hier meine Anmerkungen zur ersten Staffel), die nach der nun auf Blu-ray vorliegenden zweiten Staffel eingestellt wurde, gab sich schon von Anfang an nicht mit reiner Oberfläche zufrieden. Darunter schwelten Fragen nach Begrifflichkeiten – wer ist ein Terrorist, wer ein Freiheitskämpfer? –, die mitten ins Herz amerikanischer Selbstwahrnehmung trafen. Und war es schon vorher allein dadurch kompliziert, dass Ericas Sohn Tyler (Logan Huffman) sich in Annas Tochter Lisa (Laura Vandervoort) verliebte, so gehen in der zweiten Staffel die Verwicklungen noch etwas tiefer in Fragen von körperlicher Identität hinein.
Auch wird gut und böse hier fröhlich durcheinander gemischt, wird der Krieg schmutziger. Es geht immer noch um Information und Desinformation, aber mehr noch darum, wie weit man bereit ist, für seinen Kampf zu gehen – was tue ich meiner Seele an, was kann und will ich zu welchem Preis noch mittragen? Und ab wann verrate ich die Menschen, die Echsen an meiner Seite? Aber so fundamental sich V – Die Besucher dann auch immer wieder gibt, die Verwicklungen nehmen doch zuweilen fast schon Soap-Charakter an. Und auch wenn die Serie sich jedesmal einigermaßen glimpflich in die nächste Folge rettet, so merkt man die Mühen des Drehbuchschreibens dem Endprodukt doch ebenso an wie man auf der Blu-ray die Schwächen der CGI deutlich zu Gesicht bekommt. Ein echter Lichtblick ist das regelmäßige Auftauchen von Jane Badler, die in der alten V-Miniserie aus den 1980ern die Alienkönigin gab und nun als Annas Mutter in fast jeder Folge bösartige Kommentare über das Walten ihrer Tochter abgeben kann.
Trash am Mittwoch: Sharktopus (2010)
Ursprünglich erschienen in Deadline #31, Januar 2012.
Es gibt ja für alle Formen von Fiktion, besonders aber wohl fürs fantastische Kino, die Notwendigkeit der „suspension of disbelief“, also etwa der „Aufgebung des Unglaubens“ über das erstaunliche Geschehen, was sich da auf der Leinwand abspielt. Und während sich die meisten Filme mehr oder minder deutlich darum bemühen, wenigstens innerliche Glaubwürdigkeit herzustellen, kümmert sich Sharktopus einen Schnurz um solche gewöhnlichen Dinge.
Warum auch? Der Streifen wurde von Roger und Julie Corman als TV-Movie produziert, und seine Hauptattraktion ist ein Monstrum, das halb Hai, halb (WTF?) Krake oder Oktopus ist, als solches sich gerne auch mal über Land bewegt und generell für viel schlecht gerendertes Computerblut verantwortlich zeichnet. Wer solche CGI-Monstren à la Mega Piranha mag oder einfach finsteren Trash, wird vielleicht ein Double Feature mit Birdemic (Trailer) in Betracht ziehen wollen. Alle anderen sehen nur eine Handlung, die sich des Prinzips der Aufeinanderlagerung generischer Elemente bedient (eine ganze Küstenregion in Angst und Schrecken! einsame Kämpfer gegen die Gefahr!), bis die ganze Konstruktion über den Köpfen der gnadenlos herumstolpernden Hauptdarsteller zusammenbricht. Bestimmt ein großer Spaß also mit einem noch größeren Kasten Bier.
Nur unter Intoxikation wirklich genießbar
Brave: Japanischer Trailer
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Dieser japanische Trailer (via) zu Pixars Brave aka Merida - Legende der Highlands erzählt eine gänzlich andere Geschichte als die bisher veröffentlichten englischsprachigen Trailer und Clips: Weniger Komik, mehr Mystik, reichlich Dramatik. Alles wiederum ganz anders als das verhuschte deutsche Poster. Marketing ist eine unglobalisierte Wildsau.

Ghost Rider: Spirit of Vengeance
Ursprünglich erschienen in Deadline #31, Januar 2012.
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Eigentlich hat man gar nicht mehr daran geglaubt, dass im von Sequels durchsetzten Reich der Comicverfilmungen doch noch ein zweiter Teil von Ghost Rider herandonnern würde, aber jetzt hat sich Nicolas Cage ein zweites Mal auf den Motorradsitz geworfen, um als verdammter Stuntfahrer Johnny Blaze auf die Jagd nach bösen Seelen zu gehen und sich gelegentlich unter viel Geschrei in ein brennendes Skelett in Lederkluft zu verwandeln.
Den Regiestuhl teilten sich diesmal Mark Neveldine und Brian Taylor, was immerhin zu einigen Hoffnungen berechtigt: denn als Neveldine/Taylor hat das Duo mit den beiden Crank-Filmen und Gamer drei hochgradig flirrende, hyperkinetische Beispiele für ein Actionkino abgeliefert, in dem sich Kamera wie Handlung schlicht nicht mehr an die üblichen Konventionen halten wollten. Dass das nicht allen gefiel, versteht sich fast von selbst.
Und so drehen sie auch in Ghost Rider: Spirit of Vengeance erst einmal kräftig auf und durch, bringen die Zeit zum Schwingen, entfesseln die Bilder und rücken ihren Figuren nah auf die Pelle. Nic Cage schmeißt sich mit Verve und Overacting in seine Rolle, aber in den Momenten, in denen seine Figur zwischen Besessenheit und Wahnsinn flottiert, fügt sich das mit der Herangehensweise der zwei Filmemacher nicht nur über die Spezialeffekte aufs Allerfeinste.
Das geht gut, so lange der Film seine Figuren hochtourig vor sich her treibt; aber in der zweiten Hälfte des Films ist davon fast nichts mehr zu spüren. Dem Finale geht eine lange, fade Phase von Ruhe voraus, mit der die hyperaktiven Regisseure keinen Umgang finden, und in der man viel zu viel Zeit dafür bekommt, über die abgedroschenen Figuren und Handlungselemente nachzudenken; dass das Drehbuch nun zudem ins vollständig Vorhersehbare kippt, hilft da leider überhaupt nicht. Vom Cast werfen sich immerhin außer Cage noch Idris Elba und Ciarán Hinds (als Antichrist auf Erden) so richtig ins Zeug.
Über die ersten dreißig, vierzig Minuten aber ist das ein Höllentrip.
Hyperaktiv, hyperkinetisch und dann poff
Avengers: nur echt mit dem Krawooom
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Sieht überraschend gut aus. Vielleicht schafft Joss Whedon es ja doch, aus den zusammengewürfelten Franchises ein solides Ganzes zu machen. Und die Szene, in der der Hulk Ironman auffängt: priceless.
Oscars 2012: Liveblogging
Ab irgendwann heute nacht werde ich hier bzw. direkt hier im Blog über die Oscars livebloggen, zusammen mit Anne, Beatrice, Peter und Philipp - und allen Gästen und Kommentator_innen, die dazu stoßen mögen. Minus all jenen Leuten, die zwischendrin einschlafen. Enjoy!
Oscars-Vorglühen 2012: Razzies, Liveblog und Chat
Als Vorbereitung auf die Oscars auf der Gegenfahrbahn wurden gestern die Nominierungen für die diesjährigen Razzie Awards aka Goldene Himbeeren verkündet.
Heute abend nacht werde ich in illustrer Gesellschaft bei nomnomnom livebloggen, so gut lange ich kann. Zwischendrin schaue ich aber sicher auch im Oscar-Chat von moviepilot vorbei, auch wenn ich die Nacht nicht im Büro verbringe, sondern lieber vom heimischen Sofa aus blogge und schnarche.
Kommt vorbei, schaut und mischt Euch ein! Oder so!
Vorab könnt Ihr noch schnell bei Peter Euren Tipp für die Oscargewinner abgeben oder den Großteil der fünf nominierten Animated Shorts ansehen.
Und dann die Frage: Kommt er?





