Buchkritik: Reader Superhelden. Theorie – Geschichte – Medien

Nachdem Superhelden in den vergangenen Jahren weit über die Grenzen von Comics hinaus zu kulturellen Gemeinplätzen geworden sind, hat auch die Forschung über diese Figuren an Sichtbarkeit gewonnen. In ihrem Reader Superhelden haben Lukas Etter, Thomas Nehrlich und Joanna Nowotny nun Texte zu Theorie – Geschichte – Medien der Superhelden zusammengetragen – aus allen Epochen von der Antike bis zur Gegenwart, von Homer bis Stan Lee. Der Sammelband bringt Quellen und Aussagen von Comicautoren wie Lee oder Frank Miller und Alan Moore in direkten Zusammenhang mit der Forschung: Sei es Dirck Lincks Aufsatz zu homosexuelles Begehren bei Batman & Robin, sei es die Frage nach Erzählstrukturen im Comic, seien es neuere Ansätze zu Fragen von nationaler und sexueller Identität – und was ist eigentlich mit arabischen oder Schwarzen Superhelden? Während Fans sich über Wonder Woman und Black Panther freuen oder aufregen, bietet der Reader einen Schritt zurück, eine größere und wissenschaftlich fundierte Perspektive auf Traditionen und Topoi, die es eben auch schon vor dem ersten Auftritt von Superman in den „Action Comics“ gab. Das hier versammelte Wissen dürfte manchem Text, der über Superhelden entsteht, sehr gut tun.

Lukas Etter, Thomas Nehrlich, Joanna Nowotny (Hg.): Reader Superhelden. Theorie – Geschichte – Medien. Bielefeld: transcript, 2018. 536 Seiten. 29,99 Euro.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Star Trek: Discovery – Staffel 1 (2017/2018)

Michael Burnham (großartig: Sonequa Martin-Green) ist eine Ausnahmeperson: Als menschliches Waisenkind wurde sie auf Vulkan großgezogen und ist nun Erste Offizierin auf der USS Shenzhou. Auf einer Forschungsmission kommt es zu einem Zwischenfall, der einen Krieg zwischen der Föderation und den Klingonen auslöst; die Shenzhou wird zerstört, ein Großteil der Crew kommt ums Leben. Geächtet und wegen Meuterei verurteilt, wird Burnham während eines Gefangenentransportes vom Kapitän der USS Discovery rekrutiert, Teil seiner Crew zu werden und sie bei geheimen Experimenten zu unterstützen… Jede Erweiterung des Star Trek-Universums wird von den Fans kontrovers diskutiert, und Discovery, dessen Handlung neun Jahre vor dem Beginn der Originalserie angesiedelt ist, war da keine Ausnahme. Wenn man die etwas trägen, eher gewöhnlichen Anfänge hinter sich lässt, wird man dafür nicht nur mit neuen, komplexen Figuren belohnt, sondern auch mit Themen, die dieses SF-Universum bereichern – und die inklusiven, gesellschaftlich fortschrittlichen Traditionen erweitern. Beschenkt wird man außerdem mit interessanten neuen Figuren, allen voran Mary Wisemans nervös-scheue Kadettin Sylvia Tilly, Jason Isaacs‘ Gabriel Lorca und Doug Jones‘ Mr. Saru als Vertreter der ängstlichen Spezies der Kelpien.

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Designated Survivor – Staffel 2 (2017/2018)

Der „Designated Survivor“, der „Eingeplante Überlebende“ ist jenes Mitglied der amerikanischen Regierung, das zum Beispiel bei der Ansprache des Präsidenten zur „State of the Union“ nicht zugegen ist, sondern an einem sicheren Ort warten muss, damit im Falle einer Katastrophe nicht die gesamte US-Regierung samt der Parlamentarier auf einmal ausgelöscht wird. Die nach dieser Person benannten Serie drehte sich natürlich genau um die Folgen einer solchen Katastrophe, genauer: die Folgen eines Terroranschlags, durch den der unerfahrene Minister Tom Kirkman (Kiefer Sutherland) auf einmal Regierungschef wird.

Die erste Staffel von Designated Survivor konnte sich sehr erfolgreich an dieser Prämisse entlang hangeln – und auch wenn es nebenher kleine Intrigen und Probleme rechts und links gab, war das meiste noch unmittelbar auf die durch den Anschlag entstandene Krise bezogen und wurde die Handlung vor allem dadurch vorangetrieben, dass der Urheber des Anschlags noch unklar oder wenigstens auf freiem Fuß war.

Womit nach diesem Start nicht zu rechnen war ist die glorifizierte Seifenoper, die daraus in der zweiten Staffel wird. Die FBI-Ermittlung, vorangetrieben von Agentin Hannah Wells (Maggie Q), spielt zwar immer noch eine Rolle, verfranst sich aber in zahlreichen, zum Teil hanebüchenen Nebensträngen; daneben gibt es Geblubber in Familie Kirkman, Intrigen im Weißen Haus und derlei mehr – in jeder Folge wird außerdem irgendein Alltagsproblem der Regierung thematisiert und deshalb ernsthaft ein Fall ausgebreitet, in dem eine Ehefrau die Bienen ihres Mannes vergiftet.

Erst nach der ersten Staffelhälfte nimmt die Handlung etwas Fahrt auf, auch indem zentrale Figuren etwas unsanft zur Seite geräumt werden; man muss schon Durchhaltevermögen mitbringen, um so weit zu kommen. Leider wird es nicht besser dadurch, dass Kirkmans Rolle als besonnener Präsident – in der ersten Staffel als Fels der Ruhe im Wahnsinn der Krise erscheinend – immer deutlicher nur salbungsvoll daherredet.

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Assassination Nation (2018)

„Bildet Banden!“ Feministinnen wissen: Alleine bekommt man das nicht hin, so wie die Männer sich unterstützen, vom Old Boys‘ Network bis hin zum Sportverein, so hat frau nur eine Chance, wenn sie nicht allein ist. Und wenn die Umstände es erfordern, dann bildet sich halt aus der Clique, die in der Freizeit zusammenhockt, über Jungs tratscht oder lästert, gemeinsam Filme schaut und Eltern aus dem Weg geht, ganz schnell eine Bande, die ihre Interessen auch handfester durchsetzt.

Die Clique sind Lily, Em, Sarah und Bex, und sie machen halt das, was noch junge Frauen in den letzten Zügen der High School halt so machen: Sie probieren sich aus, und natürlich sind Jungs, Sex und Eltern ganz wichtige Themen, die Smartphones sind immer dabei. Sie wohnen in der Kleinstadt Salem – vielleicht jene, in denen die berühmten Hexenprozesse stattfanden, vielleicht auch nicht; es spielt keine Rolle, ist aber als Name dennoch bedeutend für den Verlauf des Films, denn natürlich wird es bald eine Hexenjagd geben, a witch hunt, aber eben nicht so, wie es der amerikanische Präsident gerne behauptet, sondern so richtig mit Fackeln und, statt Heugabeln, Schusswaffen.

Der Funken, der schließlich zu einem Schwelbrand wird und dann zu offenem Feuer, ist ein Leak: Plötzlich stehen alle Mails und Fotos des Bürgermeisters im Netz, auch jene Bilder, auf denen er in Damenunterwäsche posiert. Es folgt recht stereotyp angerichteter bigotter Bürgerzorn und ein Suizid auf offener Bühne. Dann aber geht’s erst richtig los – als nächster ist der Schuldirektor dran, der es gewagt hatte, seine kleine Tochter in der Badewanne zu fotografieren. Und dann immer mehr Menschen, bis schließlich leicht bekleidete Bilder von Lily einen Familienvater in die Bredouille bringen, mit dem sie erotische Fotos und Nachrichten ausgetauscht hatte…

Subtilität ist Sam Levinsons Sache ja nicht unbedingt. In seinem zweiten Langfilm Assassination Nation folgt der Regisseur und Drehbuchautor hingegen weitgehend erwartbaren Entwicklungen auf ziemlich direkte Weise: Wer sowieso daran glaubt, dass sich eine Kleinstadtgesellschaft mit nur wenigen Maßnahmen zum fackeltragenden Mob wandeln lässt, der wird hier im Grunde mit Malen nach Zahlen belohnt. Um die Handlung, um möglichst komplexe Abläufe geht es Levinson aber auch gar nicht. Stattdessen legt er den Fokus aufs Detail: Auf die Diskussionen, auf die Haltungen, die – so erwartbar sie vielleicht auch sein mögen – dann doch mal ausbuchstabiert werden sollen, damit man ihnen dabei zusehen kann, wie sie funktionieren, diskriminieren und zerstören.

Und vor allem: Wie sich diese Haltungen vor allem an Geschlechtergrenzen festmachen. Offensiv sexuell agierende Mädchen und Frauen werden von den Männern hier immerzu als Bedrohung verstanden – und müssen im Zweifelsfall mit Gewalt zurück in die Ordnung gezwungen werden. Und Abweichungen von der Ordnung dürfen gar nicht sein; dafür steht Bex (gespielt von Hari Nef) gewissermaßen exemplarisch: Von den Mädchen ihrer Clique voll akzeptiert, ist sie als Transgender the odd one out. Diejenige, deren heterosexuelles Begehren problematisch ist; und der Football-Spieler, mit dem sie im Bett landet, mag, bei aller Zuneigung, dazu öffentlich nicht stehen.

Ein nahtlos und widerspruchsfrei feministischer Film ist Assassination Nation natürlich nicht; dafür ist er viel zu sehr an halbnackten, schlanken Frauenkörpern interessiert und zu wenig an strukturellen Hintergründen. Eher möchte man den Streifen, der von Heathers ebenso inspiriert ist wie von The Purge, irgendwo als Exploitation-Gemisch von High-School-Komödie und Kill Bill lesen.

Es bleibt also nur Bandenbildung; und das Vorbild dazu schaut die Clique eher nebenher im Fernsehen. Später werden sie die roten Mäntel aus Delinquent Girl Boss: Worthless to Confess, einem Pinky-Violence-Film von 1971, symbolisch selbst tragen und den Männern zeigen, zu was eine Mädchenbande in der Lage ist.

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Proud Mary (2018)

Mary ist Auftragskillerin und arbeitet für eine Familie in Boston, die vor allem vom Drogenhandel lebt. Als sie bei einem Job einen alleinstehenden Buchmacher tötet, bemerkt sie erst nach dem Mord, dass er noch einen kleinen Sohn hat, der im Nebenzimmer ein Videospiel spielt, ohne mitzubekommen, was sich nebenan abspielt.

Ihr schlechtes Gewissen lässt Mary dann nicht mehr los. Ein Jahr später hat sich Danny (Jahi Di’Allo Winston) einige Probleme mit dem Drogenhändler Uncle (Xander Berkeley) eingehandelt, für den er inzwischen als Kurier arbeitet. Mary nimmt den Jungen zu sich und will mit Uncle ein ernstes Wörtchen reden; leider artet das Gespräch zu einer Schießerei aus, an deren Ende nur noch Mary auf beiden Beinen steht. Zwar kann niemand die Todesfälle auf sie beziehen, da Uncle aber unter dem Schutz einer rivalisierenden Drogenfamilie stand, geht es in der Stadt bald deutlich ungemütlicher zu – und auch Marys Ersatzvater Benny (der wunderbar böse Danny Glover) will Blut sehen.

Man hat für Taraji P. Henson, die seit Jahren in der Serie Empire zu sehen ist und in Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen neben Octavia Spencer und Janelle Monáe einen großartigen Auftritt hatte, schon lange auf einen Soloauftritt gewartet, der sie zum Strahlen bringt; und auch wenn Proud Mary nicht auf allen Ebenen überzeugen kann, bringt er doch gute Argumente vor, die Frau nicht nur in Dramen, sondern auch als Actionheldin zu besetzen.

Babak Najafi (London Has Fallen) positioniert seinen Film klar in der Tradition des Blaxploitation-Thrillers – das Milieu ist Schwarz, wenn auch eher Crazy Rich als Sleazy, und der Vorspann, zu den Klängen von „Papa was a rolling stone“ von The Temptations, ruft in seinen Bildern und Schriftzügen überdeutlich deren Ästhetik auf. Seine Heldin will er damit in eine Reihe stellen mit Ikonen wie Cleopatra Jones (von Tamara Dobson gespielt) und natürlich Pam Griers Foxy Brown. Dass der Titel Proud Mary dabei auf einen Song von Creedence Clearwater Revival anspielt (der kurz vor dem entscheidenden Shootout auch zu hören ist), verstärkt diese Traditionslinie noch.

Zugleich ist der Film sehr klar und manchmal vielleicht zu sehr in der Gegenwart: Negativ zeigt sich das in der Vorliebe von Najafi (und seinem Kameramann Dan Laustsen) für dunkle Räume und Gänge, die nicht nur die Actionsequenzen zum Teil unsichtbar machen, sondern selbst in den ruhigeren Szenen den Blick auf die Gesichtszüge der Schauspieler verbergen. Es fehlt Proud Mary etwas an der knalligen Farbigkeit seiner Bezugsfilme – Kleidung und Einrichtung changieren düster zwischen Braun, Schwarz, Gold und Silber.

Dafür ist es gelungen, wie nach und nach sichtbar ist, wie und auf welche Weise Mary in die Geschicke dieser Familie verstrickt ist – nicht zuletzt welche Rolle Bennys erwachsener Sohn Tom (Billy Brown) dabei spielt. Und ebenso schrittweise nähern sich Mary und der sehr skeptische Danny einander an; ihre Beziehung treibt letztlich die Handlung bis zur unvermeidlichen Konfrontation am Schluss voran. Dabei ist Proud Mary genug Exploitationkino, dass ihm im Detail nicht besonders viel an echten Emotionen liegt; das mag eine bewusste Entscheidung für’s Genre sein, die Darstellerinnen und Darsteller könnten sicher wesentlich mehr, wenn man sie ließe.

Dafür gibt es dann Shootouts und Kämpfe zu sehen, die klar am Actionkino der letzten Jahre geschult sind. Die Einflüsse etwa von John Wick sind klar zu sehen, auch wenn Proud Mary dessen exzessiven body count nicht anstrebt. Trotzdem: Schwarze Actionheldinnen dieses Kalibers kann es eigentlich nicht genug geben.

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Metaluna 4 antwortet nicht (1955)

Jack Meacham ist schon ein Teufelskerl – man sieht es schon an Rex Reasons markantem Kinn. Der Mann ist promovierter Wissenschaftler und steht womöglich kurz davor, aus Blei Uran herstellen zu können, fliegt locker und allein in einem Kampfjet durch die Gegend und legt im Labor natürlich selbst Hand an. Es waren die aufregenden 1950er Jahre, als Atomenergie schon bedrohlich und dennoch wissenschaftlich alles möglich schien, und Science Fiction-Filme noch mit seltsamem Licht, mit Plastik und Gummi fremde Welten in Szene setzen konnten. Metaluna 4 antwortet nicht (The Island Earth) war bahnbrechend, was die Spezialeffekte anging (Jack Arnold mischte auch mit), aber sonst hat hier noch alles seine Ordnung, die Männer sind klug und heldenhaft, die Frauen zwar vielleicht auch klug, aber jedenfalls oft hilflos und gelegentlich schmachtend. Dr. Meacham erhält seltsame Postsendungen, dann jede Mengen Holzkisten, und unversehens steht er im Kontakt mit außerirdischen Wesen. Anders als in vielen anderen Filmen seiner Zeit sind die Aliens aber keineswegs nur böse; Joseph Newmans Film zeichnet (in breiten Pinselstrichen) auch die außerirdische Zivilisation als moralisch zerstritten. Am Ende stürzt eine fliegende Untertasse ins Meer, die Wissenschaftlern lehnt sich an Meachams Schulter – alles ist gut.

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Wynonna Earp – Staffel 1 (2016)

Wynonna war lang nicht mehr zuhause. Purgatory, egal ob man es mit Vorhölle oder Fegefeuer übersetzen will, trägt schon in seinem Namen wenig Beglückendes; für die junge Frau, die sich nur für eine Beerdigung aus Griechenland zurück hat holen lassen, ist das Kaff irgendwo mitten im Nirgendwo vor allem mit schlechten Erinnerungen verbunden. Denn Wynonna Earp ist eine direkte Nachfahrin von Wyatt Earp, Revolverheld, zeitweise auch Gesetzeshüter und generell Legende des Wilden Westens. Earp hat allerdings, und das ist das zentrale Element von Wynonna Earps Vorgeschichte, seinen Nachfahren ein beharrliches Problem hinterlassen: Einige der Verbrecher, die er erschoss, sind nicht wirklich gestorben, sondern kehren immer wieder als „Revenants“, als Dämonen von den Toten zurück, bis ein direkter Nachkomme von Earp sie mit dessen Peacemaker-Revolver umbringt.

Wynonna (Melanie Scrofano), die immer noch mit dem Trauma kämpft, dass sie nicht nur den Tod ihres Vaters erlebt, sondern auch den Tod ihrer großen Schwester Willa verursacht hat, will sich in diese alte Geschichte eigentlich nicht mehr hineinziehen lassen – aber schon bald stellt sich heraus, dass sie gar nicht darum herumkommt. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Waverly (Dominique Provost-Chalkley) nimmt sie den Kampf gegen die Dämonen in und um Purgatory auf und wird zum gleichen Zweck auch von Xavier Dolls (Shamier Anderson) für seine „Black Badge Division“ rekrutiert, eine Sondereinheit der amerikanischen Bundespolizei, die sich mit übernatürlichen Phänomenen beschäftigt.

Die Fernsehserie Wynonna Earp geht relativ frei mit der Vorlage um, einer seit 1996 entstandenen Comicserie von Beau Smith – aus Vampiren werden Dämonen, reichlich neue Figuren kommen hinzu. Für eine Serie, deren dritte Staffel in den USA inzwischen bereits ausgestrahlt wurde, ist das aber wenig überraschend. Wynonna Earp lässt sich in der ersten Staffel viel Zeit mit den sieben Dämonen, die Wynonnas und Waverleys Vater umgebracht haben – diese endgültig ins Jenseits zu bringen, ist der beiden Frauen erstes Ziel. Aber schon dabei deutet sich an, dass das Universum des Übernatürlichen größer ist als nur das „Ghost River Triangle“, in dem die Earp’schen Revenants gefangen sind: Eine mysteriöse Hexe spielt eine Rolle, von Vampiren ist die Rede, und nichts an Xavier Dolls ist so geradeheraus, wie es zuerst den Anschein hat.

Und dann ist da natürlich auch noch Doc Holliday (Tim Rozon), vor einigen Generationen Wyatt Earps Partner und bester Freund – und nun erstaunlich jugendlich immer noch lebendig. Wynonna Earp mischt diese Figuren zu einem wilden Gemisch, hält alles in gelegentlich eher flapsigem Tonfall: Mit Wynonna als Bad Girl, das sich in Purgatory sehr unbeliebt gemacht hatte, bevor sie irgendwann nach Europa abgehauen ist. Ihre Schwester Waverley wird zunächst als braves Mädchen gezeigt, jedenfalls intelligenter als der Typ, mit dem sie rumhängt – und ist außerdem die, die seit Jahren gründlichste Recherchen zu den Dämonen gemacht hat, zur Geschichte von Wyatt Earp und den Bedingungen des Fluchs. Hinter der Dämonengeschichte entwickelt Wynonna Earp so noch die Geschichte, wie sich die Hauptfiguren, und schließlich sogar weitere Teile der Bevölkerung des doch sehr provinziellen Purgatory, langsam aber sicher weiterentwickeln.

Dass damit das Fernsehen nicht neu erfunden wird – geschenkt. Dass die Serie nie die auch ästhetischen Höhen von True Blood erreicht – geschenkt. Und dass es hier nie allzu sehr ums große Ganze geht – pffft. Wynonna Earp ist eher leichtere Unterhaltung statt Südstaaten-Schwermut, eher hell beleuchteter Western auf staubigen Hauptstraßen als sumpfige Düsternis. Aber auch das muss es geben – und vor diesem Hintergrund erzählt die Serie ohne jeden Furor von weiblicher Selbstermächtigung, männlicher Arroganz und der schweren Last eines familiären Erbes. Und sieht dabei immer noch gut aus.

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Bad Spies (2018)

Audrey ist so eine Frau, bei dem eigentlich immer alles schiefgeht, vor allem mit den Männern will es nicht so richtig klappen. Drew wäre eigentlich genau der richtige Typ gewesen – gutaussehend, smart, nett… aber dann macht er per SMS einfach Schluss. Noch während ihre beste Freundin Morgan sich darum bemüht, ihre Laune aufzubessern, stellt sich auf einmal heraus: Drew wollte Audrey nur schützen, er ist eigentlich ein Superspion, und ob sie vielleicht diese alberne Statuette nach Wien bringen und dort einer geheimnisvollen Kontaktperson übergeben könnte? Das Schicksal der Welt hänge nämlich davon ab… Unter den Agentenkomödien der letzten Jahre ist der Plot von Bad Spies (The Spy Who Dumped Me) bei weitem nicht der flachste, Susanna Fogels Film trumpft allerdings mit hervorragend inszenierten und choreographierten Kampfszenen auf, die zwar nicht so viszeral und dramatisch ausufern wie z.B. in Atomic Blonde – aber wer behauptet, Frauen ließen sich in Actionthrillern nicht als Hauptrollen besetzen, sollte 2018 endgültig eines besseren belehrt sein. Mila Kunis als zunächst etwas hilflose Audrey und Kate McKinnon als ordinäres Plappermaul, die ihren Eltern alles, wirklich alles erzählt, funktionieren als Duo ausgesprochen gut und bekommen mit Ivanna Sakhno auch noch ein mörderisch-weibliches Gegenüber.

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Rampage: Big Meets Bigger (2018)

Die Älteren unter uns werden sich erinnern, dass es in den später 1980er Jahren ein Videospiel namens „Rampage“ gab, in dem man die ehrenvolle Aufgabe hatte, als einer von drei Menschen, die zu riesenhaften Monstern in Tiergestalt (Gorilla, (Wer-)Wolf und Dinosaurier) wurden, in diversen Städten möglichst viel Bausubstanz zu zerlegen. Jüngere Menschen kennen vielleicht auch die späteren Fortsetzungen und Adaptionen – jedenfalls hielt irgendjemand es für eine Super-Idee, Brad Peyton das als Monster-Katastrophenfilm inszenieren und Dwayne Johnson die Hauptrolle spielen zu lassen – leider nicht als George, der Gorilla, sondern als dessen menschlicher Freund Davis. What could possibly go wrong? Erstaunlich wenig. Es gibt eine neue Rahmenstory – irgendwas mit CRISPR, genetischen Experimenten und spontanen Mutationen, also völlig pseudowissenschaftlicher Quark –, durch die Naomie Harris als reuige Wissenschaftlerin zu Johnsons Sidekick gemacht werden kann, und dann geht’s los mit Monstern, die Wolkenkratzer zermalmen und sich außerdem mit Söldnern und dem Militär herumstreiten. Das ist ein einziges wildes CGI-Gekloppe, aber als solches macht es erstaunlich viel Spaß, auch wenn es für den humoristisch angelegten Grundton gelegentlich zu brutal (aber jugendfreigabefreundlich recht unblutig) zugeht.

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Per Anhalter durch die Galaxis (TV, 1980)

Wer betont, wie eigentlich unverfilmbar Douglas Adams‘ Per Anhalter durch die Galaxis (nebst seiner Fortsetzungen) ist, kommentiert vermutlich auch den Umstand, dass morgens die Sonne aufgeht. Die Geschichte des Erdlings Arthur Dent, der von seinem Freund Ford Prefect, eigentlich ein Außerirdischer, kurz vor der Zerstörung der Erde gerettet wird und anschließend in einem Raumschiff mit Unwahrscheinlichkeitsantrieb das Universum bereist, ist eigentlich schon als reines Wortkunstwerk so bizarr und vielfältig – jede visuelle Ausgestaltung nimmt gewissermaßen der Fantasie zu viele Möglichkeiten aus der Hand. Neben Garth Jennings‘ fehlgeleitetem Versuch von 2005 gab es allerdings auch noch eine 1981 erstmals ausgestrahlte TV-Serie der BBC gibt, die durch zeitgenössische Spezialeffekte voller Charme ebenso glänzt wie durch universelle „Britishness“, die den Geist von Adams‘ Meisterwerk trifft – schließlich hat Adams selbst – auf Basis der Hörspiels, als das der ANHALTER ursprünglich die Welt erblickte – das Drehbuch geschrieben und ist sogar mehrfach selbst zu sehen. Die neue Blu-ray-Ausgabe zeigt die Serie digital überarbeitet und restauriert in neuem Glanz und legt auf einer zweiten Disk noch zahlreiche Special Features drauf, die es in Deutschland bisher nicht zu sehen gab.

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