Die Bestimmung – Allegiant (The Divergent Series: Allegiant, 2016)

Was gäbe es für Möglichkeiten, wenn sich auf einmal eine neue Welt auftut! Aber die neue Herrin über Chicago, die nach dem Kampf der Fraktionen untereinander in den ersten beiden Filmen der Bestimmung-Dystopie nun wieder Ordnung und Ruhe herzustellen versucht, lässt erst einmal das Tor schließen, das sich im Zaun um die Stadt herum aufgetan hatte. Einen ruhelosen Geist kann das freilich nicht stoppen. Und so macht sich alsbald „Tris“ Prior (Woodley) mit ihrem Bruder und ihren treuen Freunden auf den Weg um herauszufinden, was da draußen liegt.

Man kann schon mal sagen: Erst einmal eine Enttäuschung, und dann noch eine größere Enttäuschung. Zuerst ist da eine nicht nur öde, sondern auch noch giftige Wüste. Und irgendwo dahinter wartet Jeff Daniels als Leiter eines Forschungs-Außenpostens, von dem wir aus irgendwelchen Gründen glauben sollen, dass er wichtig genug für extrem schicke architektonische Sperenzchen sei.

Die Geschichte nimmt dann recht gemächlich ihren sehr vorhersehbaren Lauf: Hinter der Fassade dieser Einrichtung ist auch nicht alles so gut und richtig, wie alle tun; aber obwohl die Handlung des dritten Buchs von Autorin Veronica Roth auf zwei Filme gestreckt wurde, schafft Robert Schwentke es nicht, die zwei Stunden mit mehr als Oberflächlichkeiten zu füllen. Kein Wunder also, dass Film vier zwar wohl produziert, aber nicht mehr ins Kino gebracht, sondern gleich für kleinere Bildschirme geplant wird.

Vielleicht findet er so sein Publikum sogar effektiver.

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Orphan Black – Staffel 4 (2016)

Tatiana Maslany ist ein Wunder. Mit jedem Jahr, in dem sie die Klone aus Orphan Black spielt, wird ihre Darstellung differenzierter. Mit jeder Entwicklung von Sarah, Cosima, Alison, Rachel, Krystal und MK präzisiert sie die Unterschiede. Und in welchem Maße die Schauspielerin da engagiert ist, zeigt sich auch daran, dass sie inzwischen mit als Produzentin der Serie erscheint.

Die Handlung schreitet voran: Nachdem das Dyad Institute anscheinend ausgeschaltet ist, tauchen nun neue Akteure rund um die Neolution-Bewegung auf: Körperveränderungen, Implantate… bis hin zu avancierter Biotechnologie mit eingebautem Verteidigungsmechanismus. Ein Exemplar der letztgenannten Technologie findet Sarah unerwartet in ihrer Mundschleimhaut – und das setzt für sie, ihre Familie samt Adoptivmutter Siobhan und Stiefbruder Felix sowie ihre Klon-Schwestern eine neue Suche in Gang.

Die Stärke von Orphan Black war schon seit der ersten Staffel, dass hier Gedanken zu Biotechnologie, Gesellschaft und Identität (und natürlich Verschwörungstheorien!) in einem Genremix von Thriller, Science Fiction und (ein bisschen) Soap dicht miteinander verwoben werden. Getragen wird es dennoch von den persönlichen Interessen, Zweifeln und Dramen, die sich bei den LEDA-Klonen und ihren Familien und Helfern abspielen – und hier wird der Serie zum Vorteil, wie stark selbst die kleinen Nebenrollen besetzt sind. Nebenbei ist die Serie mit ihren starken Frauenfiguren ein feministisches Statement par excellence und bleibt außerdem eng am Puls nerdiger Subkulturen.

Staffel Vier ist allerdings, das sollte man hinzufügen, nicht der geeignete Platz, um mit Orphan Black zu beginnen. Zwar beginnt die Serie mit einem Flashback zu der Zeit vor der ersten Staffel und springt dann viele Folgen lang in der Timeline hin und her – verstehen kann man das aber nur, wenn man den ersten drei Staffeln einigermaßen aufmerksam gefolgt ist. Das ist der Preis, den man dafür bezahlt, eine der besten SciFi- Serien der Gegenwart zu genießen.

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

iZombie – Staffel 2 (2016)

Wenn uns der Schwung an interessanten Horrorserien der letzten Jahre etwas gelehrt hat, dann das: Das Zombiegenre lässt sich eigentlich mit allen anderen zu interessanten Formen mixen, vom medienkritischen Drama (Dead Set) bis hin sogar zur komödiantischen Familiensoap (Santa Clarita Diet). iZombie nimmt das Komödiantische und mischt es mit dem Polizeidrama – wobei sich in der nun zweiten Staffel (und die dritte folgt sogleich, ab 4. April 2017 in den USA) vor allem zu Ende hin die Zeichen und Handlungsstränge schon arg verdüstern. Eine logische Entwicklung, sind doch die humoristischen Funken aus der Grundkonstellation schon weitgehend herausgeschlagen.

Livs Exfreund Major wird nun angeheuert, Zombies zu jagen – statt sie umzubringen, friert er zumindest diejenigen lieber ein, die aus ihrem Zustand kein bösartiges Kapital schlagen. Mit ihrem Kollegen Ravi sucht Liv derweil weiter nach einem Heilmittel und löst mit dem Polizisten Clive Kriminalfälle. Am Ende der Staffel steht dann plötzlich eine
ziemliche Umwälzung bevor.

iZombie hat einen geradezu humanistischen Blick auf die Untoten. Zombies bleiben, solange ihr Hunger gestillt wird, bei klarem Verstand, neigen nur zu Stimmungsschwankungen – sie übernehmen Stimmungen und Verhaltensweisen aus dem zuletzt verzehrten Gehirn. Liv scheint aus jedem Gehirn etwas für ihr Leben zu lernen. Das muss nicht immer positiv sein: Einmal verspeist sie das Gehirn eines Misanthropen, den sein ganzes Viertel nicht leiden konnte – und schimpft dann fortwährend herum, bis hin zu rassistischen Sprüchen.

Dass ihre Persönlichkeit sich immer wieder verschiebt, funktioniert zuallererst natürlich als Reibungsfläche für komische Momente, eröffnet aber zugleich die Frage, was uns als Personen eigentlich ausmacht. Das Gehirn? Unsere dort eingeschriebenen Haltungen und Gewohnheiten? Die Serie fragt das nur implizit, ohne alle Schwere – und kann doch mehr als nur reine Unterhaltung sein.

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Penny Dreadful – Staffel 2 (2015)

Penny Dreadful ist viele Dinge, aber jedenfalls kein fröhlicher Tanz bekannter Monstren. Nicht die x-te postmoderne Variation auf alte Monstren vor blaugrauer Kulisse und mit reichlich Steampunk-Action. Penny Dreadful ist, vor allem in seiner zweiten Staffel, die Verdichtung des „Gothic“, des Schauerromans zu wortreichem Drama, eine geradezu Dichte Beschreibung des Wesentlichen, was seit Mary Shelleys Frankenstein den Kern der Geschichten ausmachte: Schuld, Sühne, Verbrechen, Glauben, Einsamkeit, Versuchung.

In dieser Serie kommen sie alle zusammen: Ein Werwolf, Doktor Jekyll, Dorian Gray (der ewig jung Bleibende), Frankenstein – hier wirklich ein „moderner Prometheus“, leidend und ringend mit der Welt – und seine Monstren. Und alles gruppiert sich um Vanessa Ives, die Schuld auf sich geladen hat – mehr, als man ahnt. Eva Green scheint wie geboren für diese Rolle, mit ihrer weißen Haut, dem ernsten Gesicht, den schwarzen Haaren, der aufrechten, schmalen Gestalt. Immer fast durchscheinend, verletzlich, bis sich ihr Gesicht verhärtet, die ganze Figur vor Entschlossenheit gewissermaßen unsichtbar vibriert. Das Zentrum von allem.

In mehr als einem Sinne. In der zweiten Staffel sind es nicht mehr Vampire, die im London des späten 19. Jahrhunderts aufgetaucht sind, sondern Hexen, mit denen Vanessa durchaus eine gemeinsame Vergangenheit teilt. Währenddessen sucht sich Frankensteins ursprüngliches Monster, verliebt, in Weltschmerz gefangen und Gedichte lesend, Arbeit: So etwas wie ein reales Leben führen für Lily, die Frau, die Frankenstein ihm zur Seite erschaffen hat. Aber auch Lily entwickelt ein Eigenleben, und alles entwickelt sich anders.

Penny Dreadful ist nicht im Geringsten wie die „Penny Dreadfuls“ aus dem Titel, die Pulp-Romane, Schundheftchen. Hier wird ganze Folgen lang nur geredet und gebrütet, aber so immer mehr verdichtet, hin zu plötzlichen, schonungslosen Explosionen von Blut und Hoffnungslosigkeit.

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Orphan Black – Staffel 3

Man kann es ja schier nicht oft genug sagen und betonen, wie großartig Orphan Black ist. Die dritte Staffel der Serie von BBC America beweist das aufs Neue, mit weiteren Drehs und noch höherer Komplexität als die beiden Jahre zuvor. Für Neulinge: In der Serie geht es um Sarah (Tatiana Maslany) und ihre diversen Klone, die versuchen herauszufinden, woher sie kommen, warum das mysteriöse Dyad Institute sie beobachtet und jagt, und schließlich warum eine von ihnen eine plötzlich und heftig krank wird.

Am Anfang der dritten Staffel mischt auch noch eine Bruderschaft männlicher Klone (Ari Millen) mit, alle mit militärischer Ausbildung – aber es ist beileibe nicht alles, wie es scheint. Orphan Black zeichnete sich von Anfang an dadurch aus, dass es sich die Sache in Handlung und Charakteren nie einfach gemacht hat. Motive aus Science Fiction, Drama und gelegentlich Komödie mischen sich elegant, Bündnisse und Machtverhältnisse sind kontinuierlich in Bewegung. Und ebenso entwickeln sich die Figuren: Die brave Hausfrau Alison startet einen florierenden Drogenhandel, Helena ist immer noch wahnsinnig, während Cosima sich eine neue Freundin sucht und Rachel Mühe hat, wieder zusammenhängende Sätze zu sprechen, nachdem Sarah ihr einen Bleistift durchs Auge bis ins Gehirn gerammt hatte.

Das Glück von Orphan Black ist, dass alle diese Handlungsstränge stets verständlich bleiben, und das liegt nicht nur am Drehbuch und der sauberen Inszenierung, sondern vor allem und wieder an Tatiana Maslanys großartigem Können. Sie gibt jeder ihrer Figuren – und es kommt noch der eine oder andere Klon dazu – eine ganz eigene Persönlichkeit, eigene Körpersprache und Redeweisen. Ari Millen bringt ähnliches mit seinen „Castor“-Brüdern zustande; aber auch die anderen Darsteller haben nicht einen Moment der Schwäche. Orphan Black ist eine Serie, die aus einem SciFi-Thema eine enorm dichte Erzählung macht; ein irrwitziger Versuch, grandios gelungen.

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Die Bestimmung – Insurgent (2015)

Es ist der zweite Film in der Divergent-Trilogie, auf der Oberfläche einem weiteren Vertreter der „Young Adult“-Welle, die sich vornehmlich an junge Frauen richtet. Veronica Roths Romane surfen natürlich auf der Gischt, die mit Twilight und vor allem den Hunger Games über die Welt schwappte und schwappt. Die Rahmenhandlung ist eine klare Dystopie: In einer anscheinend zerstörten Welt überleben die Menschen nur in einer einzigen Stadt (die sehr an ein zerstörtes Chicago erinnert) und sind dort in fünf „Fraktionen“ aufgeteilt. Dieses Kastensystem, das die Menschen nach ihren hervorstechendsten Charaktermerkmalen einteilt, soll die Stabilität der Gesellschaft wahren. Genauso wie das aber mit den arbeitsteilenden Distrikten in Hunger Games ist, so haben auch die Grenzen zwischen den „Fraktionen“ heftige Risse.

Verkörperung dieser Risse ist Tris (Shailene Woodley), die zu den „Ferox“, den mutigen Kämpfern der Stadt zugeteilt wurde, bald aber erfahren muss, dass sie, wie (welch ein Zufall!) auch ihr Schwarm Four (Theo James), eigentlich „Divergent“ ist: Abweichend von der Norm, weil sie eben nicht nur mutig ist, sondern auch klug, mitfühlend etc. Der erste Film, Die Bestimmung – Divergent, setzte vor allem die Rahmenhandlung in Bewegung. In Die Bestimmung – Insurgent müssen sich nun die Abweichler gegen die zum Polizeistaat mutierte Herrschaft von Tris’ Antagonistin (Kate Winslet als sehr, sehr kalte Diktatorin) zur Wehr setzen, die alle „Divergent“ einsperren lassen will.

Insurgent kann nicht wirklich überzeugen; die Actionsequenzen sind teils solide, teils aber übertrieben fantastisch (und spielen sich auch zeitweise nur in der Fantasie von Tris ab), vor allem aber ist das ein klassischer Mittelteil, der sich auch wie ein unausgegorenes Füllsel anfühlt. Immerhin rückt das Finale die Künstlichkeit der ganzen Handlungskonstruktion in ein anderes Licht und ergibt sogar ein wenig Sinn. Den Film rettet das allerdings nicht mehr.

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Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Rabbit Fall – Finstere Geheimnisse (2007)

Ein neuer Cop in der kleinen Stadt: So beginnen unzählige Krimis und Thriller, aber Rabbit Fall – Finstere Geheimnisse unterlegt die Ankunft von Tara (Andrea Menard) in dem kanadischen Kaff Rabbit Fall schon von Anfang an mit einem unheimlichen Ton. Sie macht ein Foto von sich am Ortseingang, erkennt auf ihrem Display jemanden, der am Waldrand steht, und macht sich auf die Suche. Als sie zurückkommt, hat jemand ihr Auto geklaut…

Da sind noch nicht einmal zehn Minuten um, aber die Themen von Auftauchen, Verschwinden und seltsamen Erscheinungen setzen sich durch die ganze Staffel der kanadischen Mystery-Serie fort. Taras Vorgänger im Amt des Constable hat sich anscheinend umgebracht, und das Verhalten ihrer Kollegen ist bestenfalls fragwürdig – schwankend zwischen polizeilichem Corpsgeist und undurchsichtigen eigenen Interessen. Im Dorf kennt jeder jeden, und dass zahllose Menschen vor allem unter den Native Americans verschwunden sind, scheint niemanden so richtig zu stören. Und dann beginnt Tara, Geister zu sehen.

Rabbit Fall versteht es sehr gut, die Schraube der Geheimnisse immer weiter anzudrehen. Am Anfang scheint vieles noch nach einer etwas unheimlich inszenierten Krimiserie auszusehen, samt Albträumen und Visionen, aber das Übernatürliche – Taras eigene Vergangenheit eingeschlossen – nimmt immer größeren Raum ein, hin zum zur zweiten Staffel weit offenen Ende. Entsprechend wirken auch nur die ersten Folgen so, als folge die Serie dem üblichen Format von einem Kriminalfall pro Sendung; stattdessen entwickelt sich bald ein Spannungsbogen, der über die ganze Staffel reicht.

Damit ist Rabbit Fall auch eher etwas für geruhsame Gemüter, denn die Serie lässt sich, kanadisch entspannt, viel Zeit für ihre Entwicklung. Ungeduldige Geister wird das gelegentlich enervieren, zumal die etwas lieblose DVD-Ausgabe selbst die immergleichen Zwischensequenzen beibehalten hat, die zur TV-Ausstrahlung vor und nach den Werbeblöcken kamen und mit einem recht nervtötenden Jingle unterlegt sind.

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Taxi Brooklyn – Staffel 1 (2014)

Die Serie (ob im Fernsehen oder als Stream) gilt inzwischen immer mehr als Königsdisziplin des filmischen Erzählens – ein Ruf, den sich die Serie natürlich durch einige herausragende Beispiele erarbeitet hat. Nicht in allen Fällen funktioniert das gleichermaßen, und schon gar nicht, wenn mehr oder minder erfolgreiche Filme in Serienform gegossen werden. In manchen Fällen wirkt das gar wie verzweifelte Restemisshandlung am Ende einer langen Verwertungskette. Mit TAXI hatte Luc Besson als Produzent 1989 einen kleineren Hit – eine clevere kleine Actionkomödie um einen ungeschickten Cop und einen autoverliebten Taxifahrer in Marseille. Besson molk das Thema noch für diverse Fortsetzungen und setzte schließlich mit NEW YORK TAXI 2004 noch eine Variante drauf: Cop und Taxifahrerin im Big Apple auf der Jagd nach einer Truppe supermodel-förmiger Bankräuber (u.a. Gisele Bündchen in einer ihrer glücklicherweise seltenen Filmrollen).

Und jetzt ist aus dem Stoff also die Serie Taxi Brooklyn geworden, diesmal mit der Polizistin Cat Sullivan (Chyler Leigh), die nicht mehr selbst fahren darf, und einem semi-legal aus Frankreich eingewanderten schwarzen Taxifahrer Leo (Jacky Ido), die gemeinsam Fälle lösen und nach dem Mörder von Cats Vater suchen. Die Polizistin mit dem toten Elternteil: Das stammt natürlich tief aus der Stereotypenkiste, und leider ist es auch ziemlich genau so interessant. Die Folgen sind so spannend wie eine kräftige Dosis Schlaftabletten, daran ändern auch die Geschwindigkeit suggerierenden Schnitte oder die Andeutungen von Intrigen in Cats Revier und andere Nebenhandlungen nichts, zumal die eingestreuten Scherze schlichtweg überhaupt nicht zünden. Vor allem wirkt Leigh völlig blass und freudlos – während Ido neben ihr deutlich sichtbar reichlich Spaß mit seiner Rolle hat. So gern ich eine neue Serie mit einer starken Frauenrolle im Lead sähe, Taxi Brooklyn liefert das nicht, sondern nur die schwächelnden Überreste einer bis aufs letzte ausgesaugten Story in neuem Gewand.

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Profiling Paris – Staffel 1 (2009)

Die Psychologin Chloé Saint-Laurent ist die neue im Team, und den Polizisten passt sie gar nicht in den Kram, allein schon deshalb, weil sie ihnen einfach vor die Nase gesetzt wurde. Chloé (Odile Vuillemin) ist aber selbst für eine Profilerin etwas extravagant. Anstatt kühl zu kalkulieren und zu recherchieren steigert sie sich geradezu in den Kopf der Opfer und Täter hinein. Sie trägt bunte Klamotten, riecht an Beweisstücken und fasst alle an, redet abwechselnd fast nichts oder allen zu viel. Kommissar Matthieu Pérac (Jean-Michel Martial) ist anfangs wirklich sehr genervt von dieser Kollegin, die aus einer völlig anderen Welt stammt, aber natürlich kommt man sich im Lauf der Zeit dann doch endlich näher.

Man muss sich ja eigentlich schon recht anstrengen, um eine Krimiserie so richtig langweilig zu machen, aber offenbar wurde für Profiling Paris so einiges an Aufwand betrieben. Die Serie kann sich nie so richtig entscheiden, ob sie nun die Polizeiarbeit zeigen will oder eher psychologische Profile schnüren – vor allem letzteres scheitert aber schon daran völlig, dass die Waschküchenpsychologie, die Chloé in den Mund gelegt wird, eigentlich nicht einmal Leute vom Schlage Péracs überzeugen können sollte.

Noch dazu sind die Fälle, mit denen sich das Team konfrontiert sind, nicht besonders gut konstruiert – um von spannend mal zu schweigen. Und auch die schönen Bilder von Paris, die man zwischendurch zu sehen bekommt, und die einen frankophilen Menschen wie mich eigentlich besänftigen sollten, können die Schwächen dieser Serie nicht übertünchen. Gleichwohl gibt es sechs Staffeln von Profiling Paris, die jüngste und wohl letzte wurde im vergangenen Jahr abgedreht. Die erste Staffel wurde seit Februar auch bei Sat.1 ausgestrahlt; aber vielleicht muss man diese Qual ja nicht unbedingt bis zum Ende durchziehen?

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

The Transporter Refueled (2015)

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Eine kurze Notiz nur zu The Transporter Refueled, der ja heute in die Kinos kommt. Der Film verlässt sich natürlich primär auf seine Kombination auf Testosteron, Männerschweiß und Benzingeruch, und actionweise funktioniert das auch ganz gut, wenngleich ohne große Besonderheiten, die man jetzt ernst nehmen müsste. Und der Charme von Jason Statham fehlt.

Die Frauen sollen hier natürlich angeblich diejenigen sein, die die Initiative übernehmen, die ihren (oft nur wenig bekleideten) Körper als Waffe einsetzen, die bestimmen, wie es läuft. Der Film reduziert sie leider auf nur vermeintliche Femmes fatales, welche Männer, die ihnen helfen, gerne mit Sex belohnen. Und die Männer schalten dann natürlich sofort ihr Hirn ab und die Hoden ein (oder so).

Es geht dauernd um Sex, vom Phallus Auto bis hin zu dieser Szene, in der im Trailer (siehe unten) der Moment weggelassen ist, als die weibliche Hauptfigur, nachdem der „Transporter“ dem ersten Hydranten einen Wasserstrahl entlockt hat, ein verzücktes „Oh!“ ausruft. Vier Frauen, ein Mann, aber bei ihm ejakuliert es trotzdem aus vier Richtungen.

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Und mögen die Frauen, allesamt Zwangsprostituierte, sich auch im Lauf des Films noch so kompetent zeigen – im Umgang mit Schußwaffen wie komplexen Computersystem und Bankrechnern -, so verlässt sie doch ihre Selbstsicherheit und Planungsstärke im letzten Viertel auf einmal völlig, sobald es ein wenig ernster zur Sache geht. Die Männer hingegen (auch noch Vater und Sohn, die sich die Frauen teilen, oh my) kommen natürlich ohne große Kratzer aus der Sache heraus.

(Foto: Universum)