Star Trek: Discovery – Staffel 1 (2017/2018)

Michael Burnham (großartig: Sonequa Martin-Green) ist eine Ausnahmeperson: Als menschliches Waisenkind wurde sie auf Vulkan großgezogen und ist nun Erste Offizierin auf der USS Shenzhou. Auf einer Forschungsmission kommt es zu einem Zwischenfall, der einen Krieg zwischen der Föderation und den Klingonen auslöst; die Shenzhou wird zerstört, ein Großteil der Crew kommt ums Leben. Geächtet und wegen Meuterei verurteilt, wird Burnham während eines Gefangenentransportes vom Kapitän der USS Discovery rekrutiert, Teil seiner Crew zu werden und sie bei geheimen Experimenten zu unterstützen… Jede Erweiterung des Star Trek-Universums wird von den Fans kontrovers diskutiert, und Discovery, dessen Handlung neun Jahre vor dem Beginn der Originalserie angesiedelt ist, war da keine Ausnahme. Wenn man die etwas trägen, eher gewöhnlichen Anfänge hinter sich lässt, wird man dafür nicht nur mit neuen, komplexen Figuren belohnt, sondern auch mit Themen, die dieses SF-Universum bereichern – und die inklusiven, gesellschaftlich fortschrittlichen Traditionen erweitern. Beschenkt wird man außerdem mit interessanten neuen Figuren, allen voran Mary Wisemans nervös-scheue Kadettin Sylvia Tilly, Jason Isaacs‘ Gabriel Lorca und Doug Jones‘ Mr. Saru als Vertreter der ängstlichen Spezies der Kelpien.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Assassination Nation (2018)

„Bildet Banden!“ Feministinnen wissen: Alleine bekommt man das nicht hin, so wie die Männer sich unterstützen, vom Old Boys‘ Network bis hin zum Sportverein, so hat frau nur eine Chance, wenn sie nicht allein ist. Und wenn die Umstände es erfordern, dann bildet sich halt aus der Clique, die in der Freizeit zusammenhockt, über Jungs tratscht oder lästert, gemeinsam Filme schaut und Eltern aus dem Weg geht, ganz schnell eine Bande, die ihre Interessen auch handfester durchsetzt.

Die Clique sind Lily, Em, Sarah und Bex, und sie machen halt das, was noch junge Frauen in den letzten Zügen der High School halt so machen: Sie probieren sich aus, und natürlich sind Jungs, Sex und Eltern ganz wichtige Themen, die Smartphones sind immer dabei. Sie wohnen in der Kleinstadt Salem – vielleicht jene, in denen die berühmten Hexenprozesse stattfanden, vielleicht auch nicht; es spielt keine Rolle, ist aber als Name dennoch bedeutend für den Verlauf des Films, denn natürlich wird es bald eine Hexenjagd geben, a witch hunt, aber eben nicht so, wie es der amerikanische Präsident gerne behauptet, sondern so richtig mit Fackeln und, statt Heugabeln, Schusswaffen.

Der Funken, der schließlich zu einem Schwelbrand wird und dann zu offenem Feuer, ist ein Leak: Plötzlich stehen alle Mails und Fotos des Bürgermeisters im Netz, auch jene Bilder, auf denen er in Damenunterwäsche posiert. Es folgt recht stereotyp angerichteter bigotter Bürgerzorn und ein Suizid auf offener Bühne. Dann aber geht’s erst richtig los – als nächster ist der Schuldirektor dran, der es gewagt hatte, seine kleine Tochter in der Badewanne zu fotografieren. Und dann immer mehr Menschen, bis schließlich leicht bekleidete Bilder von Lily einen Familienvater in die Bredouille bringen, mit dem sie erotische Fotos und Nachrichten ausgetauscht hatte…

Subtilität ist Sam Levinsons Sache ja nicht unbedingt. In seinem zweiten Langfilm Assassination Nation folgt der Regisseur und Drehbuchautor hingegen weitgehend erwartbaren Entwicklungen auf ziemlich direkte Weise: Wer sowieso daran glaubt, dass sich eine Kleinstadtgesellschaft mit nur wenigen Maßnahmen zum fackeltragenden Mob wandeln lässt, der wird hier im Grunde mit Malen nach Zahlen belohnt. Um die Handlung, um möglichst komplexe Abläufe geht es Levinson aber auch gar nicht. Stattdessen legt er den Fokus aufs Detail: Auf die Diskussionen, auf die Haltungen, die – so erwartbar sie vielleicht auch sein mögen – dann doch mal ausbuchstabiert werden sollen, damit man ihnen dabei zusehen kann, wie sie funktionieren, diskriminieren und zerstören.

Und vor allem: Wie sich diese Haltungen vor allem an Geschlechtergrenzen festmachen. Offensiv sexuell agierende Mädchen und Frauen werden von den Männern hier immerzu als Bedrohung verstanden – und müssen im Zweifelsfall mit Gewalt zurück in die Ordnung gezwungen werden. Und Abweichungen von der Ordnung dürfen gar nicht sein; dafür steht Bex (gespielt von Hari Nef) gewissermaßen exemplarisch: Von den Mädchen ihrer Clique voll akzeptiert, ist sie als Transgender the odd one out. Diejenige, deren heterosexuelles Begehren problematisch ist; und der Football-Spieler, mit dem sie im Bett landet, mag, bei aller Zuneigung, dazu öffentlich nicht stehen.

Ein nahtlos und widerspruchsfrei feministischer Film ist Assassination Nation natürlich nicht; dafür ist er viel zu sehr an halbnackten, schlanken Frauenkörpern interessiert und zu wenig an strukturellen Hintergründen. Eher möchte man den Streifen, der von Heathers ebenso inspiriert ist wie von The Purge, irgendwo als Exploitation-Gemisch von High-School-Komödie und Kill Bill lesen.

Es bleibt also nur Bandenbildung; und das Vorbild dazu schaut die Clique eher nebenher im Fernsehen. Später werden sie die roten Mäntel aus Delinquent Girl Boss: Worthless to Confess, einem Pinky-Violence-Film von 1971, symbolisch selbst tragen und den Männern zeigen, zu was eine Mädchenbande in der Lage ist.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Proud Mary (2018)

Mary ist Auftragskillerin und arbeitet für eine Familie in Boston, die vor allem vom Drogenhandel lebt. Als sie bei einem Job einen alleinstehenden Buchmacher tötet, bemerkt sie erst nach dem Mord, dass er noch einen kleinen Sohn hat, der im Nebenzimmer ein Videospiel spielt, ohne mitzubekommen, was sich nebenan abspielt.

Ihr schlechtes Gewissen lässt Mary dann nicht mehr los. Ein Jahr später hat sich Danny (Jahi Di’Allo Winston) einige Probleme mit dem Drogenhändler Uncle (Xander Berkeley) eingehandelt, für den er inzwischen als Kurier arbeitet. Mary nimmt den Jungen zu sich und will mit Uncle ein ernstes Wörtchen reden; leider artet das Gespräch zu einer Schießerei aus, an deren Ende nur noch Mary auf beiden Beinen steht. Zwar kann niemand die Todesfälle auf sie beziehen, da Uncle aber unter dem Schutz einer rivalisierenden Drogenfamilie stand, geht es in der Stadt bald deutlich ungemütlicher zu – und auch Marys Ersatzvater Benny (der wunderbar böse Danny Glover) will Blut sehen.

Man hat für Taraji P. Henson, die seit Jahren in der Serie Empire zu sehen ist und in Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen neben Octavia Spencer und Janelle Monáe einen großartigen Auftritt hatte, schon lange auf einen Soloauftritt gewartet, der sie zum Strahlen bringt; und auch wenn Proud Mary nicht auf allen Ebenen überzeugen kann, bringt er doch gute Argumente vor, die Frau nicht nur in Dramen, sondern auch als Actionheldin zu besetzen.

Babak Najafi (London Has Fallen) positioniert seinen Film klar in der Tradition des Blaxploitation-Thrillers – das Milieu ist Schwarz, wenn auch eher Crazy Rich als Sleazy, und der Vorspann, zu den Klängen von „Papa was a rolling stone“ von The Temptations, ruft in seinen Bildern und Schriftzügen überdeutlich deren Ästhetik auf. Seine Heldin will er damit in eine Reihe stellen mit Ikonen wie Cleopatra Jones (von Tamara Dobson gespielt) und natürlich Pam Griers Foxy Brown. Dass der Titel Proud Mary dabei auf einen Song von Creedence Clearwater Revival anspielt (der kurz vor dem entscheidenden Shootout auch zu hören ist), verstärkt diese Traditionslinie noch.

Zugleich ist der Film sehr klar und manchmal vielleicht zu sehr in der Gegenwart: Negativ zeigt sich das in der Vorliebe von Najafi (und seinem Kameramann Dan Laustsen) für dunkle Räume und Gänge, die nicht nur die Actionsequenzen zum Teil unsichtbar machen, sondern selbst in den ruhigeren Szenen den Blick auf die Gesichtszüge der Schauspieler verbergen. Es fehlt Proud Mary etwas an der knalligen Farbigkeit seiner Bezugsfilme – Kleidung und Einrichtung changieren düster zwischen Braun, Schwarz, Gold und Silber.

Dafür ist es gelungen, wie nach und nach sichtbar ist, wie und auf welche Weise Mary in die Geschicke dieser Familie verstrickt ist – nicht zuletzt welche Rolle Bennys erwachsener Sohn Tom (Billy Brown) dabei spielt. Und ebenso schrittweise nähern sich Mary und der sehr skeptische Danny einander an; ihre Beziehung treibt letztlich die Handlung bis zur unvermeidlichen Konfrontation am Schluss voran. Dabei ist Proud Mary genug Exploitationkino, dass ihm im Detail nicht besonders viel an echten Emotionen liegt; das mag eine bewusste Entscheidung für’s Genre sein, die Darstellerinnen und Darsteller könnten sicher wesentlich mehr, wenn man sie ließe.

Dafür gibt es dann Shootouts und Kämpfe zu sehen, die klar am Actionkino der letzten Jahre geschult sind. Die Einflüsse etwa von John Wick sind klar zu sehen, auch wenn Proud Mary dessen exzessiven body count nicht anstrebt. Trotzdem: Schwarze Actionheldinnen dieses Kalibers kann es eigentlich nicht genug geben.

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Wynonna Earp – Staffel 1 (2016)

Wynonna war lang nicht mehr zuhause. Purgatory, egal ob man es mit Vorhölle oder Fegefeuer übersetzen will, trägt schon in seinem Namen wenig Beglückendes; für die junge Frau, die sich nur für eine Beerdigung aus Griechenland zurück hat holen lassen, ist das Kaff irgendwo mitten im Nirgendwo vor allem mit schlechten Erinnerungen verbunden. Denn Wynonna Earp ist eine direkte Nachfahrin von Wyatt Earp, Revolverheld, zeitweise auch Gesetzeshüter und generell Legende des Wilden Westens. Earp hat allerdings, und das ist das zentrale Element von Wynonna Earps Vorgeschichte, seinen Nachfahren ein beharrliches Problem hinterlassen: Einige der Verbrecher, die er erschoss, sind nicht wirklich gestorben, sondern kehren immer wieder als „Revenants“, als Dämonen von den Toten zurück, bis ein direkter Nachkomme von Earp sie mit dessen Peacemaker-Revolver umbringt.

Wynonna (Melanie Scrofano), die immer noch mit dem Trauma kämpft, dass sie nicht nur den Tod ihres Vaters erlebt, sondern auch den Tod ihrer großen Schwester Willa verursacht hat, will sich in diese alte Geschichte eigentlich nicht mehr hineinziehen lassen – aber schon bald stellt sich heraus, dass sie gar nicht darum herumkommt. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Waverly (Dominique Provost-Chalkley) nimmt sie den Kampf gegen die Dämonen in und um Purgatory auf und wird zum gleichen Zweck auch von Xavier Dolls (Shamier Anderson) für seine „Black Badge Division“ rekrutiert, eine Sondereinheit der amerikanischen Bundespolizei, die sich mit übernatürlichen Phänomenen beschäftigt.

Die Fernsehserie Wynonna Earp geht relativ frei mit der Vorlage um, einer seit 1996 entstandenen Comicserie von Beau Smith – aus Vampiren werden Dämonen, reichlich neue Figuren kommen hinzu. Für eine Serie, deren dritte Staffel in den USA inzwischen bereits ausgestrahlt wurde, ist das aber wenig überraschend. Wynonna Earp lässt sich in der ersten Staffel viel Zeit mit den sieben Dämonen, die Wynonnas und Waverleys Vater umgebracht haben – diese endgültig ins Jenseits zu bringen, ist der beiden Frauen erstes Ziel. Aber schon dabei deutet sich an, dass das Universum des Übernatürlichen größer ist als nur das „Ghost River Triangle“, in dem die Earp’schen Revenants gefangen sind: Eine mysteriöse Hexe spielt eine Rolle, von Vampiren ist die Rede, und nichts an Xavier Dolls ist so geradeheraus, wie es zuerst den Anschein hat.

Und dann ist da natürlich auch noch Doc Holliday (Tim Rozon), vor einigen Generationen Wyatt Earps Partner und bester Freund – und nun erstaunlich jugendlich immer noch lebendig. Wynonna Earp mischt diese Figuren zu einem wilden Gemisch, hält alles in gelegentlich eher flapsigem Tonfall: Mit Wynonna als Bad Girl, das sich in Purgatory sehr unbeliebt gemacht hatte, bevor sie irgendwann nach Europa abgehauen ist. Ihre Schwester Waverley wird zunächst als braves Mädchen gezeigt, jedenfalls intelligenter als der Typ, mit dem sie rumhängt – und ist außerdem die, die seit Jahren gründlichste Recherchen zu den Dämonen gemacht hat, zur Geschichte von Wyatt Earp und den Bedingungen des Fluchs. Hinter der Dämonengeschichte entwickelt Wynonna Earp so noch die Geschichte, wie sich die Hauptfiguren, und schließlich sogar weitere Teile der Bevölkerung des doch sehr provinziellen Purgatory, langsam aber sicher weiterentwickeln.

Dass damit das Fernsehen nicht neu erfunden wird – geschenkt. Dass die Serie nie die auch ästhetischen Höhen von True Blood erreicht – geschenkt. Und dass es hier nie allzu sehr ums große Ganze geht – pffft. Wynonna Earp ist eher leichtere Unterhaltung statt Südstaaten-Schwermut, eher hell beleuchteter Western auf staubigen Hauptstraßen als sumpfige Düsternis. Aber auch das muss es geben – und vor diesem Hintergrund erzählt die Serie ohne jeden Furor von weiblicher Selbstermächtigung, männlicher Arroganz und der schweren Last eines familiären Erbes. Und sieht dabei immer noch gut aus.

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Bad Spies (2018)

Audrey ist so eine Frau, bei dem eigentlich immer alles schiefgeht, vor allem mit den Männern will es nicht so richtig klappen. Drew wäre eigentlich genau der richtige Typ gewesen – gutaussehend, smart, nett… aber dann macht er per SMS einfach Schluss. Noch während ihre beste Freundin Morgan sich darum bemüht, ihre Laune aufzubessern, stellt sich auf einmal heraus: Drew wollte Audrey nur schützen, er ist eigentlich ein Superspion, und ob sie vielleicht diese alberne Statuette nach Wien bringen und dort einer geheimnisvollen Kontaktperson übergeben könnte? Das Schicksal der Welt hänge nämlich davon ab… Unter den Agentenkomödien der letzten Jahre ist der Plot von Bad Spies (The Spy Who Dumped Me) bei weitem nicht der flachste, Susanna Fogels Film trumpft allerdings mit hervorragend inszenierten und choreographierten Kampfszenen auf, die zwar nicht so viszeral und dramatisch ausufern wie z.B. in Atomic Blonde – aber wer behauptet, Frauen ließen sich in Actionthrillern nicht als Hauptrollen besetzen, sollte 2018 endgültig eines besseren belehrt sein. Mila Kunis als zunächst etwas hilflose Audrey und Kate McKinnon als ordinäres Plappermaul, die ihren Eltern alles, wirklich alles erzählt, funktionieren als Duo ausgesprochen gut und bekommen mit Ivanna Sakhno auch noch ein mörderisch-weibliches Gegenüber.

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Red Sparrow (2018)

Dominika Egorova war bis zu einem Unfall auf der Bühne Primaballerina, dann rekrutiert sie ihr Onkel für die „Sparrows“, eine Einheit russischer Agentinnen und Agenten, deren Job es ist, die menschlichen – nicht zuletzt sexuellen – Schwächen anderer zu finden und auszunutzen. Das Training ist brutal, und Dominika (gespielt von Jennifer Lawrence) macht das alles andere als freiwillig. Sie wird auf einen amerikanischen Agenten angesetzt und soll von ihm den Namen eines Maulwurfs im russischen Geheimdienst herausfinden. Wie es sich für Spionage gehört, geht aber einiges schief, jede verrät jeden, und blutig wird es außerdem. Sehr blutig, stellenweise. Regisseur Francis Lawrence (mit der Hauptdarstellerin nicht verwandt) tunkt das Russland der Gegenwart in bedrückende Braun- und unterkühlte Blautöne, und führt in langen, viel zu langen Bewegungen durch die im Roman von Jason Matthews angelegten Verschwörungen. Das wirkt stellenweise übermäßig kompliziert und langatmig, hat aber vor allem weder die stilistische noch die intellektuelle Klarheit von einem Kammerspiel wie Dame König As Spion, und natürlich nicht die Energie von Atomic Blonde. Das kann auch der hochkarätige Cast – neben Lawrence sind Charlotte Rampling, Joel Edgerton und Jeremy Irons dabei – leider nicht retten.

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Orphan Black – Staffel 5

Versucht es gar nicht erst, in der fünften Staffel in Orphan Black einzusteigen; es ist hoffnungslos. Zur Hölle, es ist eigentlich hoffnungslos, mit dieser Staffel loszulegen, ohne die vierte Staffel noch frisch im Gedächtnis zu haben, denn die erste Folge beginnt damit, dass die verschiedenen Klone in sehr unterschiedlich dramatischen Situationen sind: Sarah liegt allein im Wald, blutig und verletzt, Cosima wacht in einem seltsamen Lager in einer Jurte auf, Alison campt mit ihrem Mann und Helena irgendwo in der Pampa – und Dyad-Schergen sind allen gleichermaßen auf der Spur. Und das sind nur die klar umrissenen Umstände der ersten Folge. Mit seiner letzten Staffel geht das SciFi-Drama von BBC America noch einmal rückwärts durch seine ganze Geschichte – alte Bekannte tauchen auf, bekannte Häuser werden bezogen, Allianzen verschieben sich. Und alles kreist zunächst um PT Westmorland, den angeblich 170 Jahre alten Gründer von „Neolution“, der auf einer abgelegenen Insel für eine neue Zukunft der Menschheit und vor allem für Lebensveränderung forscht und intrigiert. Es ist, wie stets, eine Freude – eine komplexe Science-Fiction-Geschichte ohne Superkräfte und absurde Handlungssprünge; Tatiana Maslany glänzt wieder als Sarah, Cosima, Alison usw., und das Ensemble strahlt nicht minder. Das einzige Problem der Serie ist an diesem Punkt womöglich, dass zu viele Handlungsstränge zusammenkommen, verwoben sind und aufgelöst werden müssen. Was Orphan Black in seinen ersten beiden Staffeln so großartig machte – die Interaktionen und dramatischen Momente zwischen den Figuren, vor allem den Klonen –, ist am Anfang dieser Staffel zuweilen auf Dialoge beschränkt, die allein der Exposition und Handlungsentwicklung dienen. Das wird zum Ende hin wieder besser – in Vorbereitung eines möglichst befriedigenden Finales. Und vielleicht Sprungbretts: Maslany jedenfalls dreht jetzt mit Karyn Kusama und Nicole Kidman einen Thriller [Destroyer kommt hoffentlich auch bald ins Kino.]. Ich kann‘s kaum erwarten.

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iZombie – Staffel 3

Lässt man die Zombies einmal raus in die Welt, sind sie kaum noch einzufangen. Das ist das Grundprinzip aller Zombiefilme, bei denen die Apokalypse entweder gerade beginnt (und sich meist explosionsartig ausbreitet) oder schon vorüber ist – so oder so sind die Untoten letztlich qua Überzahl die Herrscher der Welt, immer auf der Suche nach noch warmen menschlichen Körpern oder Gehirnen. iZombie hat von der ersten Folge an dieses Ausbreitungsszenario bis zum Stillstand retardiert, um erst einmal größtmögliche humoristische und kriminalistische Funken aus dem Status Quo zu schlagen: Als freches, „snarky“ im eigentlichen Sinne, Genre-Crossover zwischen Horror, Komödie und Polizeiserie.

Aber im Hintergrund schwelte immer mehr der Konflikt: Was untot ist, will Welt beherrschen. Dabei ist es weniger der Hunger nach BRRRAAAIINNNSS, der sie antreibt, nein, für manche geht es ganz banal um Gewinn, ums Geld – sie beschaffen Gehirne für die hungrigen Zombies, und wenn es nicht genug Nachfrage gibt, dann erschafft man sich halt neue… In dieser dritten Staffel deutet zunächst alles daraufhin, dass es so eine Weile friedlich weitergehen könnte, aber die Zombie-Söldner des Unternehmens Fillmore-Graves werden gezielt unter der Prämisse trainiert, dass irgendwann der Tag kommen müsse, an dem Zombies von der Öffentlichkeit entdeckt – und als Bedrohung wahrgenommen werden.

Derweil löst die Ärztin Liv (Rose McIver) mit ihrem Kollegen Ravi (Rahul Kohli) und dem Polizisten Clive Babineaux (Malcolm Goodwin) weiterhin Kriminalfälle – und muss von mehreren Seiten die Frage angehen, wie sich die Apokalypse möglicherweise doch noch verhindern lässt. Das kommt zwar in der Staffelmitte mit einigen Längen daher, nimmt dann aber zum Ende und zum ziemlich heftigen Finale Furioso dann doch wieder sehr, sehr deutlich an Fahrt auf. Die Fortsetzung läuft schon, in den USA und hierzulande hie und da im Stream.

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Die Bestimmung – Allegiant (The Divergent Series: Allegiant, 2016)

Was gäbe es für Möglichkeiten, wenn sich auf einmal eine neue Welt auftut! Aber die neue Herrin über Chicago, die nach dem Kampf der Fraktionen untereinander in den ersten beiden Filmen der Bestimmung-Dystopie nun wieder Ordnung und Ruhe herzustellen versucht, lässt erst einmal das Tor schließen, das sich im Zaun um die Stadt herum aufgetan hatte. Einen ruhelosen Geist kann das freilich nicht stoppen. Und so macht sich alsbald „Tris“ Prior (Woodley) mit ihrem Bruder und ihren treuen Freunden auf den Weg um herauszufinden, was da draußen liegt.

Man kann schon mal sagen: Erst einmal eine Enttäuschung, und dann noch eine größere Enttäuschung. Zuerst ist da eine nicht nur öde, sondern auch noch giftige Wüste. Und irgendwo dahinter wartet Jeff Daniels als Leiter eines Forschungs-Außenpostens, von dem wir aus irgendwelchen Gründen glauben sollen, dass er wichtig genug für extrem schicke architektonische Sperenzchen sei.

Die Geschichte nimmt dann recht gemächlich ihren sehr vorhersehbaren Lauf: Hinter der Fassade dieser Einrichtung ist auch nicht alles so gut und richtig, wie alle tun; aber obwohl die Handlung des dritten Buchs von Autorin Veronica Roth auf zwei Filme gestreckt wurde, schafft Robert Schwentke es nicht, die zwei Stunden mit mehr als Oberflächlichkeiten zu füllen. Kein Wunder also, dass Film vier zwar wohl produziert, aber nicht mehr ins Kino gebracht, sondern gleich für kleinere Bildschirme geplant wird.

Vielleicht findet er so sein Publikum sogar effektiver.

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The Divergent Series: Allegiant Official Teaser Trailer – “Beyond The Wall”

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Orphan Black – Staffel 4 (2016)

Tatiana Maslany ist ein Wunder. Mit jedem Jahr, in dem sie die Klone aus Orphan Black spielt, wird ihre Darstellung differenzierter. Mit jeder Entwicklung von Sarah, Cosima, Alison, Rachel, Krystal und MK präzisiert sie die Unterschiede. Und in welchem Maße die Schauspielerin da engagiert ist, zeigt sich auch daran, dass sie inzwischen mit als Produzentin der Serie erscheint.

Die Handlung schreitet voran: Nachdem das Dyad Institute anscheinend ausgeschaltet ist, tauchen nun neue Akteure rund um die Neolution-Bewegung auf: Körperveränderungen, Implantate… bis hin zu avancierter Biotechnologie mit eingebautem Verteidigungsmechanismus. Ein Exemplar der letztgenannten Technologie findet Sarah unerwartet in ihrer Mundschleimhaut – und das setzt für sie, ihre Familie samt Adoptivmutter Siobhan und Stiefbruder Felix sowie ihre Klon-Schwestern eine neue Suche in Gang.

Die Stärke von Orphan Black war schon seit der ersten Staffel, dass hier Gedanken zu Biotechnologie, Gesellschaft und Identität (und natürlich Verschwörungstheorien!) in einem Genremix von Thriller, Science Fiction und (ein bisschen) Soap dicht miteinander verwoben werden. Getragen wird es dennoch von den persönlichen Interessen, Zweifeln und Dramen, die sich bei den LEDA-Klonen und ihren Familien und Helfern abspielen – und hier wird der Serie zum Vorteil, wie stark selbst die kleinen Nebenrollen besetzt sind. Nebenbei ist die Serie mit ihren starken Frauenfiguren ein feministisches Statement par excellence und bleibt außerdem eng am Puls nerdiger Subkulturen.

Staffel Vier ist allerdings, das sollte man hinzufügen, nicht der geeignete Platz, um mit Orphan Black zu beginnen. Zwar beginnt die Serie mit einem Flashback zu der Zeit vor der ersten Staffel und springt dann viele Folgen lang in der Timeline hin und her – verstehen kann man das aber nur, wenn man den ersten drei Staffeln einigermaßen aufmerksam gefolgt ist. Das ist der Preis, den man dafür bezahlt, eine der besten SciFi- Serien der Gegenwart zu genießen.

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Official Orphan Black Season 4 Trailer – Thursday, April 14th 10/9c on BBC America

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