Terminator: Dark Fate (2019)

Geschichte wiederholt sich im Kino ja gerne einmal; in seiner Grundkonstellation greift Terminator: Dark Fate auf, was James Cameron 1984 mit Terminator gemacht hatte: Ein menschlicher Soldat verteidigt eine junge Frau gegen eine übermenschlich-unmenschliche Maschine.

Nur dass hier die Verhältnisse anders stehen: Es kämpfen drei Frauen gegen eine Maschine, eine der Frauen „enhanced“, mit Implantaten stärker und schneller gemacht.

Für das feministische Filmblog Filmlöwin habe ich mir so drei oder viele Gedanken zu dem neuen Terminator-Film gemacht.

Lady Bloodfight (2016)

Jane Jones (Amy Johnston) hat von ihrem Leben in den USA die Nase voll und geht, etwas unvermittelt; „denkst du an meine Zigaretten?“ fragt ihre Mutter noch. Ihr Ziel ist Hongkong, wo ihr Vater vor vielen Jahren an einem Kampfsportturnier teilgenommen hat und verschwunden ist. Frisch angekommen, wird sie von drei Räubern in die Ecke getrieben, aber die Kampfsportmeisterin Shu (Muriel Hofmann) rettet sie – und will sie als Stellvertreterin für sich selbst bei einem Underground-Kampfturnier rekrutieren und trainieren. Dort trifft sie dann auf Kämpferinnen aus der ganzen Welt, unter ihnen auch Ling (Jenny Wu), die von Wai (Kathy Wu) trainiert wurde. Wai verbindet eine langjährige Rivalität mit Shu – und so geht es bei dem Turnier um mehr als um’s Gewinnen und um die Suche nach dem Schicksal von Janes Vater…

In den 1980er und frühen 1990er Jahren war die Hochzeit amerikanischen Exploitationfilme mit Kampfsportthemen, von Jean-Claude van Dammes Bloodsport bis hin zur American Fighter-Reihe und darüber hinaus. Lady Bloodfight nimmt viele der Themen und Motive auf und modernisiert sie ein wenig: Figurenentwicklung, Kampfstile, Inszenierung. Chris Nahons Film bleibt aber ganz im Exploitation-Modus: Dreckig und blutig – Gesichter und Körper sind immer wieder zerhauen, Blut spritzt und fliegt im Rhythmus der Faustschläge. Die Figurenzeichnung ist eher oberflächlich, die Charaktere bleiben Stereotype, aber dies ist ja auch kein Genre, in dem man komplexe dramatische Handlungsstränge erwartet. Man darf aber bemerkenswert finden, wie viel sich in dem Jahrzehnt seit Corey Yuens Bonbon-Martial-Arts-Spektakel Dead Or Alive getan hat: Hier treten wieder nur Frauen in einem Turnier gegeneinander an, und während Yuen ein klinisch reines Spielzeugland zeigte, wird hier vor Containerkulisse bis aufs Blut aufeinander eingedroschen. Das muss man nicht gut finden, aber für Freunde des Genres bietet Lady Bloodfight genau das, was der Titel verspricht, direkt und roh.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot (2019) – #horrorctober

„What a good-natured romp!“ fällt mir zu diesem Film als erstes ein, und dass ich ihn quasi aus Versehen mit @spinatmaedchen zusammen gesehen habe, was natürlich alles andere als negativ zu bewerten ist.

Samara Weaving (aus Netflix‘ The Babysitter, auch sehr unterhaltsam) steht als Grace nicht nur unmittelbar davor, endlich einmal eine eigene Familie zu haben, es ist auch noch eine äußerst wohlhabende. Ihr Bräutigam Alex Le Domas entstammt einer Gesellschaftsspiel-Dynastie, was schon an und für sich bekloppt genug klingt, vor allem ist die ganze Familie aber herzlich unsympathisch, außer vielleicht noch Alex‘ Mutter Becky, die Andie MacDowell mit so großer Hingabe hinlegt, es ist eine Freude. Um Mitternacht, so will es die unhintergehbare Familientradition, wird ein Spiel gespielt – welches, das legt eine geheimnisvolle Box fest, aus der Grace eine Karte ziehen muss.

Als sie „Hide-and-seek“, also: Verstecken zieht, wird recht bald der wahre Charakter dieses Spiels offenbar: Die Braut muss sich verstecken – und wird, sobald gefunden, in einem blutigen Ritual dem Teufel geopfert. Grace, die noch ahnungslos dem ersten Angriff durch Zufall entgeht, ist von diesen Spielregeln nicht so begeistert, aber aus dem ehrwürdigen Familienstammsitz gibt es auch kein leichtes Entkommen.

Tyler Gillett und Matt Bettinelli-Olpin haben schon ein wenig Genreerfahrung unter anderem in V/H/S gesammelt, hier dürfen sie sich so richtig austoben – mit einem tollen Cast, einem fast noch besseren Setting und einem tollen Drehbuch von Guy Busick und Ryan Murphy. Sie steigern Tempo und Blutigkeit langsam, aber kontinuierlich und halten dies auch bis zum Schluss durch alle Wendungen und Windungen (es gibt viele) durch. Es geht stellenweise sehr splattrig zu, für Genrefans kostet der Film schwarze und weiße Humormöglichkeiten aus… und spielt fleißig mit den Erwartungen.

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Bumblebee (2018)

Man kann den Transformers-Filmen allerhand vorwerfen, und das ist von Sexismus über bodenlose Langeweile durch zu viel CGI und tumbe Roboterprügeleien bis hin zu Rassismus auch alles schon geschehen. Große Emotionalität war bisher jedenfalls nicht ihr Problem. Ein Film wie Bumblebee kommt daher als große Überraschung daher: Ein Transformers-Streifen, der nicht nur glaubhafte Figuren mit einem echten Gefühlsspektrum vorstellt (den titelgebenden Transformer eingeschlossen), sondern dann auch noch seine weibliche Hauptfigur und ihren Schwarzen Sidekick mit Respekt portraitiert. Hailee Steinfeld stolpert in diesem von Travis Knight verantworteten Prequel zu den Michael-Bay-Streifen als Teenager Charlie eher zufällig über Bumblebee, der vor den Decepticons auf die Erde geflohen ist und sich zunächst in Gestalt eines gelben VW Käfers im Kalifornien der späten 1980er Jahre versteckt hat. Sie ist Halbwaise, er allein im weiten Universum – man freundet sich schnell an. Böse Roboter werden später auch noch verkloppt, und John Cena darf den obligatorischen Soldaten mit markigen Sprüchen und großem Unterkiefer mimen. Das ist amüsant, action- und abwechslungsreich, komplexes psychologisches Drama erwartet man aber vermutlich auch vom besten aller Transformers-Filme zurecht wirklich nicht.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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I Am Mother (2019)

Das Licht kühler Neonlampen, klinisch anmutende Korridore, funktionale Einrichtung: Um die Apokalypse zu überleben, müssen wir womöglich auf alle Heimeligkeiten verzichten. Oder doch nicht alle? Wenn „Mutter“, der sorgende und pflegende Roboter, die frisch in der künstlichen Gebärmutter im Expresstempo ausgewachsene „Tochter“ auf den Arm nimmt und mit Wärmelampen bestrahlt, dann wechselt das Farbschema in rote, orange, gelbe Töne: Hier ist Schutz und womöglich gar Zärtlichkeit. Das Rot wird „Tochter“ später in ihrer Kleidung weiter an sich tragen, irgendwann klebt sie ihrer Ziehmutter bunte Sticker auf die matt-metallischen Gliedmaßen.

Grant Sputores Debütfilm I Am Mother beginnt mit Kamerablicken in den Bunker, der, so bekommen wir es erzählt, das Überleben der Menschheit sichern soll. Von außen dringt Donnern durch die Wände, es wackelt und die Lichter flackern, während Einblendungen den Ort des Geschehens beschreiben: Eine „Einrichtung zur Neubesiedelung“ mit „63 000 Embryonen“. Menschen sind keine zu sehen, stattdessen setzen Maschinen den Roboter zusammen, der dann zu „Mutter“ wird, die aus den eingefrorenen Embryonen das erste Kind auswählt: ein Mädchen.

Meine vollständige Kritik von I Am Mother gibt es auf kino-zeit.de.

Mortal Engines: Krieg der Städte (2018)

Wenn man es recht betrachtet, war die Hintergrundgeschichte von Mortal Engines schon in Romanform nicht unbedingt besonders leicht zu glauben. Philip Reeves 2001 erschienener Roman erzählte jedoch eine spannende Steampunk-Fantasy-Geschichte: In einer Welt nach dem „Sechzig-Minuten-Krieg“ wurden die meisten Städte auf große Antriebsmotoren montiert und fahren durch die Welt, immer auf der Suche nach Rohstoffen und kleineren Städten, die sie aufnehmen und deren Baumaterial sie zum Antrieb ihrer Maschinen verwenden können.

Die junge Hester Shaw, frisch per Städtefraß in London angekommen, verübt ein Attentat auf dessen Chef-Archäologen Thaddeus Valentine – als es fehlschlägt, stürzt sie sich von der Stadt herunter, und Tom, ein braver Londoner, stürzt mit ihr. Nach und nach kommt schließlich nicht nur Valentines Vergangenheit ans Licht kommt, sondern auch seine gefährlichen Pläne für die Welt…

Vielleicht ist es schlicht so, dass Reeves Bilderwelten im Buch interessant und faszinierend wirken, auf der Leinwand aber ihre ganze Absurdität überdeutlich wird. Vielleicht gibt uns auch Regisseur Christian Rivers in seinem ersten Langfilm nicht genug Zeit, uns die Wunder gerade Londons in Ruhe anzusehen. Schon in den ersten Minuten ziehen da Alltagssequenzen in hektisch kurzen Sequenzen an uns vorbei; man hätte sie gerne in Ruhe betrachtet und sich in diese Phantasiewelt hineinziehen lassen. (Die Kampfszenen später sind noch viel schlimmer, unfassbar hektisch und unübersichtlich geschnitten.)

Peter Jackson hatte sich die Rechte am Buch gesichert und wollte den Film wohl unbedingt selbst drehen; wer weiß, was daraus geworden wäre. Das von ihm, Philippa Boyens und Fran Walsh verfasste Drehbuch strafft viele Handlungsstränge zu einer einigermaßen filmtauglich verknappten Erzählung; da dabei aber auch die inneren Konflikte der Hauptfiguren rausgeschmissen werden, bleibt nicht viel, was uns außer Spektakel an dem Film interessieren könnte. Die eine clevere Anspielung auf Metropolis kann es jedenfalls nicht sein.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Penny Dreadful – Staffel 3 (2016)

Es lässt sich wahrscheinlich genau zurückverfolgen, wann jemand auf die Idee gekommen ist, die Monster aus verschiedenen Horrorgeschichten zusammenzubringen – eine gute Idee war das beileibe nicht immer, wie sich an solch, sagen wir freundlich: ambivalenten Unternehmungen wie Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen oder Van Helsing ablesen lässt. Und aktuell unternimmt Universal einiges, um den Ruf seiner klassischen Monstergeschichten im „Dark Universe“ zu melken – Die Mumie ist da nicht unbedingt der hoffnungsfroheste Neubeginn.

Aber sei’s drum. Die Serie Penny Dreadful, die jetzt mit der dritten Staffel zu Ende geht (hier meine Besprechung von Staffel 2), ist da eine ganz andere Nummer. Hier durchdringt das Konzept des „gothic horror“ jede einzelne Szene, jede Dialogzeile und, natürlich, jedes Bild. Die Farbtöne leuchten zwischen dunklem Sand und finsterem Blau, und Monster aller Provinienz bevölkern das London (und zeitweise den Wilden Westen) dieser Welt. Dr. Frankenstein und seine Geschöpfe, Dorian Gray, ein Werwolf und Revolvermann: Sie sind hier alle verbunden – in Selbstzweifeln und Hoffnungslosigkeit, und schließlich im Kampf gegen den großen Feind, der die Stadt mit Nebel heimsucht, der Ratten und Ungeziefer auf die Straßen treibt.

Dracula also. Und natürlich dreht sich alles, alles um Vanessa Ives (Eva Green), die schon in den ersten zwei Staffeln der feste Anker von Penny Dreadful war. Zum Ende hin wird es nun alles noch etwas düsterer und nachdenklicher, leiden die Figuren noch etwas mehr an ihren Geschichten, Fehlern und Sünden. Die Serie findet darin ihr zwingendes, auch wohl notwendiges Ende – viele Fäden werden zu Ende erzählt, einige flattern anschließend im Wind. Aber das ist gut so: Penny Dreadful ist und bleibt der eindringliche und tiefgehende Versuch, die moralischen Ambivalenzen der Monster, ihrer Herkunft und Schicksale auszuloten, miteinander zu verknüpfen und daraus mehr zu machen als ein Actionspektakel.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Star Trek: Discovery – Staffel 1 (2017/2018)

Michael Burnham (großartig: Sonequa Martin-Green) ist eine Ausnahmeperson: Als menschliches Waisenkind wurde sie auf Vulkan großgezogen und ist nun Erste Offizierin auf der USS Shenzhou. Auf einer Forschungsmission kommt es zu einem Zwischenfall, der einen Krieg zwischen der Föderation und den Klingonen auslöst; die Shenzhou wird zerstört, ein Großteil der Crew kommt ums Leben. Geächtet und wegen Meuterei verurteilt, wird Burnham während eines Gefangenentransportes vom Kapitän der USS Discovery rekrutiert, Teil seiner Crew zu werden und sie bei geheimen Experimenten zu unterstützen… Jede Erweiterung des Star Trek-Universums wird von den Fans kontrovers diskutiert, und Discovery, dessen Handlung neun Jahre vor dem Beginn der Originalserie angesiedelt ist, war da keine Ausnahme. Wenn man die etwas trägen, eher gewöhnlichen Anfänge hinter sich lässt, wird man dafür nicht nur mit neuen, komplexen Figuren belohnt, sondern auch mit Themen, die dieses SF-Universum bereichern – und die inklusiven, gesellschaftlich fortschrittlichen Traditionen erweitern. Beschenkt wird man außerdem mit interessanten neuen Figuren, allen voran Mary Wisemans nervös-scheue Kadettin Sylvia Tilly, Jason Isaacs‘ Gabriel Lorca und Doug Jones‘ Mr. Saru als Vertreter der ängstlichen Spezies der Kelpien.

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Assassination Nation (2018)

„Bildet Banden!“ Feministinnen wissen: Alleine bekommt man das nicht hin, so wie die Männer sich unterstützen, vom Old Boys‘ Network bis hin zum Sportverein, so hat frau nur eine Chance, wenn sie nicht allein ist. Und wenn die Umstände es erfordern, dann bildet sich halt aus der Clique, die in der Freizeit zusammenhockt, über Jungs tratscht oder lästert, gemeinsam Filme schaut und Eltern aus dem Weg geht, ganz schnell eine Bande, die ihre Interessen auch handfester durchsetzt.

Die Clique sind Lily, Em, Sarah und Bex, und sie machen halt das, was noch junge Frauen in den letzten Zügen der High School halt so machen: Sie probieren sich aus, und natürlich sind Jungs, Sex und Eltern ganz wichtige Themen, die Smartphones sind immer dabei. Sie wohnen in der Kleinstadt Salem – vielleicht jene, in denen die berühmten Hexenprozesse stattfanden, vielleicht auch nicht; es spielt keine Rolle, ist aber als Name dennoch bedeutend für den Verlauf des Films, denn natürlich wird es bald eine Hexenjagd geben, a witch hunt, aber eben nicht so, wie es der amerikanische Präsident gerne behauptet, sondern so richtig mit Fackeln und, statt Heugabeln, Schusswaffen.

Der Funken, der schließlich zu einem Schwelbrand wird und dann zu offenem Feuer, ist ein Leak: Plötzlich stehen alle Mails und Fotos des Bürgermeisters im Netz, auch jene Bilder, auf denen er in Damenunterwäsche posiert. Es folgt recht stereotyp angerichteter bigotter Bürgerzorn und ein Suizid auf offener Bühne. Dann aber geht’s erst richtig los – als nächster ist der Schuldirektor dran, der es gewagt hatte, seine kleine Tochter in der Badewanne zu fotografieren. Und dann immer mehr Menschen, bis schließlich leicht bekleidete Bilder von Lily einen Familienvater in die Bredouille bringen, mit dem sie erotische Fotos und Nachrichten ausgetauscht hatte…

Subtilität ist Sam Levinsons Sache ja nicht unbedingt. In seinem zweiten Langfilm Assassination Nation folgt der Regisseur und Drehbuchautor hingegen weitgehend erwartbaren Entwicklungen auf ziemlich direkte Weise: Wer sowieso daran glaubt, dass sich eine Kleinstadtgesellschaft mit nur wenigen Maßnahmen zum fackeltragenden Mob wandeln lässt, der wird hier im Grunde mit Malen nach Zahlen belohnt. Um die Handlung, um möglichst komplexe Abläufe geht es Levinson aber auch gar nicht. Stattdessen legt er den Fokus aufs Detail: Auf die Diskussionen, auf die Haltungen, die – so erwartbar sie vielleicht auch sein mögen – dann doch mal ausbuchstabiert werden sollen, damit man ihnen dabei zusehen kann, wie sie funktionieren, diskriminieren und zerstören.

Und vor allem: Wie sich diese Haltungen vor allem an Geschlechtergrenzen festmachen. Offensiv sexuell agierende Mädchen und Frauen werden von den Männern hier immerzu als Bedrohung verstanden – und müssen im Zweifelsfall mit Gewalt zurück in die Ordnung gezwungen werden. Und Abweichungen von der Ordnung dürfen gar nicht sein; dafür steht Bex (gespielt von Hari Nef) gewissermaßen exemplarisch: Von den Mädchen ihrer Clique voll akzeptiert, ist sie als Transgender the odd one out. Diejenige, deren heterosexuelles Begehren problematisch ist; und der Football-Spieler, mit dem sie im Bett landet, mag, bei aller Zuneigung, dazu öffentlich nicht stehen.

Ein nahtlos und widerspruchsfrei feministischer Film ist Assassination Nation natürlich nicht; dafür ist er viel zu sehr an halbnackten, schlanken Frauenkörpern interessiert und zu wenig an strukturellen Hintergründen. Eher möchte man den Streifen, der von Heathers ebenso inspiriert ist wie von The Purge, irgendwo als Exploitation-Gemisch von High-School-Komödie und Kill Bill lesen.

Es bleibt also nur Bandenbildung; und das Vorbild dazu schaut die Clique eher nebenher im Fernsehen. Später werden sie die roten Mäntel aus Delinquent Girl Boss: Worthless to Confess, einem Pinky-Violence-Film von 1971, symbolisch selbst tragen und den Männern zeigen, zu was eine Mädchenbande in der Lage ist.

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Proud Mary (2018)

Mary ist Auftragskillerin und arbeitet für eine Familie in Boston, die vor allem vom Drogenhandel lebt. Als sie bei einem Job einen alleinstehenden Buchmacher tötet, bemerkt sie erst nach dem Mord, dass er noch einen kleinen Sohn hat, der im Nebenzimmer ein Videospiel spielt, ohne mitzubekommen, was sich nebenan abspielt.

Ihr schlechtes Gewissen lässt Mary dann nicht mehr los. Ein Jahr später hat sich Danny (Jahi Di’Allo Winston) einige Probleme mit dem Drogenhändler Uncle (Xander Berkeley) eingehandelt, für den er inzwischen als Kurier arbeitet. Mary nimmt den Jungen zu sich und will mit Uncle ein ernstes Wörtchen reden; leider artet das Gespräch zu einer Schießerei aus, an deren Ende nur noch Mary auf beiden Beinen steht. Zwar kann niemand die Todesfälle auf sie beziehen, da Uncle aber unter dem Schutz einer rivalisierenden Drogenfamilie stand, geht es in der Stadt bald deutlich ungemütlicher zu – und auch Marys Ersatzvater Benny (der wunderbar böse Danny Glover) will Blut sehen.

Man hat für Taraji P. Henson, die seit Jahren in der Serie Empire zu sehen ist und in Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen neben Octavia Spencer und Janelle Monáe einen großartigen Auftritt hatte, schon lange auf einen Soloauftritt gewartet, der sie zum Strahlen bringt; und auch wenn Proud Mary nicht auf allen Ebenen überzeugen kann, bringt er doch gute Argumente vor, die Frau nicht nur in Dramen, sondern auch als Actionheldin zu besetzen.

Babak Najafi (London Has Fallen) positioniert seinen Film klar in der Tradition des Blaxploitation-Thrillers – das Milieu ist Schwarz, wenn auch eher Crazy Rich als Sleazy, und der Vorspann, zu den Klängen von „Papa was a rolling stone“ von The Temptations, ruft in seinen Bildern und Schriftzügen überdeutlich deren Ästhetik auf. Seine Heldin will er damit in eine Reihe stellen mit Ikonen wie Cleopatra Jones (von Tamara Dobson gespielt) und natürlich Pam Griers Foxy Brown. Dass der Titel Proud Mary dabei auf einen Song von Creedence Clearwater Revival anspielt (der kurz vor dem entscheidenden Shootout auch zu hören ist), verstärkt diese Traditionslinie noch.

Zugleich ist der Film sehr klar und manchmal vielleicht zu sehr in der Gegenwart: Negativ zeigt sich das in der Vorliebe von Najafi (und seinem Kameramann Dan Laustsen) für dunkle Räume und Gänge, die nicht nur die Actionsequenzen zum Teil unsichtbar machen, sondern selbst in den ruhigeren Szenen den Blick auf die Gesichtszüge der Schauspieler verbergen. Es fehlt Proud Mary etwas an der knalligen Farbigkeit seiner Bezugsfilme – Kleidung und Einrichtung changieren düster zwischen Braun, Schwarz, Gold und Silber.

Dafür ist es gelungen, wie nach und nach sichtbar ist, wie und auf welche Weise Mary in die Geschicke dieser Familie verstrickt ist – nicht zuletzt welche Rolle Bennys erwachsener Sohn Tom (Billy Brown) dabei spielt. Und ebenso schrittweise nähern sich Mary und der sehr skeptische Danny einander an; ihre Beziehung treibt letztlich die Handlung bis zur unvermeidlichen Konfrontation am Schluss voran. Dabei ist Proud Mary genug Exploitationkino, dass ihm im Detail nicht besonders viel an echten Emotionen liegt; das mag eine bewusste Entscheidung für’s Genre sein, die Darstellerinnen und Darsteller könnten sicher wesentlich mehr, wenn man sie ließe.

Dafür gibt es dann Shootouts und Kämpfe zu sehen, die klar am Actionkino der letzten Jahre geschult sind. Die Einflüsse etwa von John Wick sind klar zu sehen, auch wenn Proud Mary dessen exzessiven body count nicht anstrebt. Trotzdem: Schwarze Actionheldinnen dieses Kalibers kann es eigentlich nicht genug geben.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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