Violet & Daisy (2011)

Noch haben sie einen gewissen Schockwert, mordende Mädchen, junge Frauen mit der Knarre in der Hand. Aber VIOLET & DAISY legt es gar nicht auf den Schockwert an. Es gibt einen furiosen Einstieg, ein choreographiertes Gemetzel, in dem die Kugeln nur so fliegen und das Blut spritzt, und danach wird es fast bedächtig, nachdenklich; dann löst sich der Film auch vom dröge Chronologischen und fängt an zu forschen, in den Gedanken und Träumen der beiden Titelheldinnen (wunderschön: Alexis Bledel und Saoirse Ronan). Die sind noch nicht so richtig erwachsen, das Dasein als Auftragskillerinnen scheint eher zufällig, sie sind fast erschreckend harmonisch und genügsam miteinander, aber gelegentlich stammen die Sätze, die sie sagen, aus den Ratgeberspalten ihrer Illustrierten: „Everything’s a test when you’re a career woman.“ Die machen einen Job eigentlich nur, weil sie ihrem Popstar-Idol nacheifern, zum Konzert wollen, ihre Kleider kaufen. Und dann geht alles schief – sie schlafen in der Wohnung der Zielperson auf dem Sofa ein, und als der nach Hause kommt (James Gandolfini in einer seiner letzten Rollen), deckt er sie warm zu und macht ihnen dann was zu essen.

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Im Grunde schickt der Mann, längst todgeweiht und zum Tod bereit, sie auf eine Reise zu sich selbst; da wird es dann gelegentlich surreal und blutig, eine andere Killerin, ganz oben in der Hierarchie der Unterwelt, wird zum Schutzengel, und am Ende des Tages gibt es viele Tote, Geschenke und das vage Gefühl von etwas mehr Reife. Das ist zu bedächtig und verworren, um richtig spannend zu sein; aber Geoffrey Fletcher (er hat vorher das Drehbuch zu PRECIOUS geschrieben) gelingt in seinem Erstling eine verträumte Atmosphäre mit rabiaten Brüchen, von der man sich gerne aufsaugen lässt. Und clever ist es zudem, anspielungsreich und schön anzusehen, nicht nur der beiden Protagonistinnen wegen.

(Zuerst erschienen im September 2013 in der deadline #41.)

Cold Blooded (2012)

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Eine ganz normale, langweilige Nacht in einem Copleben soll das werden; Constable Frances Jane (Zoie Palmer) soll – das Haus ist überfüllt – in einem ansonsten stillgelegten Teil eines Krankenhauses auf den Juwelendieb Cordero (Ryan Robbins) aufpassen, bis er in ein Gefängnis verlegt werden kann. Cordero wurde auf der Flucht verletzt und hat vorher angeblich seinen Komplizen erschossen hat; seiner Bewacherin gegenüber aber streitet er das ab und setzt seinen ganzen Charme ein, um wenigstens interessante Gespräche zu führen und im Idealfall das Weite suchen zu können. Jane geht auf seine Avancen nicht ein, aber die Lage ändert sich schlagartig, als mit Louis Holland (William MacDonald) plötzlich einer von Corderos Komplizen auftaucht, der nicht nur seinen toten Kumpel rächen will, sondern auch gerne wissen würde, wo denn eigentlich die geklauten Diamanten stecken. Jason Lapeyre, Regisseur und Drehbuchautor, ist mit diesem Film und I DECLARE WAR gleich mit seinen ersten beiden fiktionalen Langfilmen auf dem Fantasy Filmfest vertreten. Er macht aus diesem Set-Up ein stark reduziertes Kammerspiel mit wenig Personal und engen Räumen – man darf vermuten, dass hier auch Budgetgrenzen den Rahmen begrenzten, aber das tut dem kleinen Film sehr gut, der zu den ersten gehört, die unter dem neuen Filmlabel der OFDb erscheinen.

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Cold Blooded konzentriert sich auf seine Figuren und gibt jeder einzelnen einen Hauch von Leben (nur der Oberbösewicht wirkt schlicht unfreundlich) – den Rest erledigt eine immer wieder Haken schlagende Jagd, bei der Jäger, Gejagte und Allianzen gerne hin- und herwechseln, während reichlich Blut fließt. Das ist nicht immer alles großartig; gelegentlich wirken die Finten und Wendungen auch mal konstruiert, aber für all das wird man entlohnt, wenn man wieder einmal direkt und unverstellt (oder hinter Strömen von Blut) in Zoie Palmers Gesicht blicken kann, vor allem diese AUGEN! Die machen vieles wett, was ansonsten stören würde. Und Holland schließlich findet ein würdiges, hingezogenes Ende; wie, das soll nicht verraten werden.

(Zuerst erschienen im September 2013 in der deadline #41.)

(Foto: OFDb Filmworks/Ascot Elite)

Hansel & Gretel: Witch Hunters (2013)

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Es gibt, wenn man ehrlich ist, nur wenige Möglichkeiten, das Märchen „Hänsel & Gretel“ wirklich einigermaßen authentisch zu verfilmen. Denn um ein weichgespültes Märchen, das sich problemlos in disneyfiziertes Wohlbefinden übertragen ließe, handelt es sich dabei eigentlich nicht. Dem Geist der Quelle getreu können eigentlich nur zwei Varianten sein: als düsterer Horrorfilm oder als einigermaßen entfesselter Splatterfilm – wahlweise den Schrecken betonend oder den Sieg über die Hexe.

Für die erstere Variante gibt es inzwischen einige Versuche, die zweite wird – in konsequenter Fortsetzung des in den ersten zehn Minuten stark reduziert und leicht abgewandelt erzählten Märchens – in Hansel & Gretel: Witch Hunters bis zur Kenntlichkeit entstellt. Denn der Film, inszeniert von Død snø-Regisseur Tommy Wirkola, ist ein B-Movie mit A-Budget, das keine Gefangenen nimmt und sich für guten Geschmack nur so lange interessiert, wie er cool aussieht.

Gemma Arterton und Jeremy Renner spielen das erwachsen gewordene Geschwisterpaar, das aus ihrem Zufallserfolg in Kindertagen eine Karriere gemacht haben, self-made Witch Hunters gewissermaßen, und so natürlich durch pittoreske „deutsche“ Lande ziehen – die Handlung verschlägt sie nach Augsburg, wo die Kinder gleich en gros verschwunden sind und weder Bürgermeister noch Polizeichef so recht wissen, wie man dem Hexenfluch begegnen soll.

Dann spritzen Flüche, Blut, Eingeweide und Maden („The curse of hunger for crawling things… I fucking hate that one.“) en gros und en detail – die Extended Version für’s Heimkino wirft noch einige Szenen obendrauf –, die Hexenjäger_innen schwingen allerlei Waffen, die (klarer Pluspunkt für den Film) ihre Herkunft aus dem Steampunk nicht verleugnen können – das ist alles historisch inakkurat, dramaturgisch eher vage aneinandergefügt, aber sehr unterhaltsam.

Die Hexerei als weibliche Angelegenheit wird hier ohne großes Federlesens und ohne große Kümmerei um Gender-Sensibilitäten einfach behauptet und durchgezogen, und wo mich das meistens nerven würde, scheint es hier recht: zum einen, weil dem ganzen Unterfangen soviel Camp und Albernheit innewohnt, dass man nichts ernst nehmen muss, und zum anderen, weil daraus eben kein Geschlechterkampf wird, allenfalls so herum: Sieht man von Hänsel ab, haben die Männer hier allesamt überhaupt keinen Schimmer, und nur die wenigsten meinen es wenigstens gut.

Es ist dann nur leider inkonsequent, dass Artertons Gretel nicht etwas mehr im Fokus ist – aber das hier ist eh kein Charakterdrama. Aber auch kein Exploitation: Es bleibt, das ist vielleicht der einzige Kritikpunkt, den man aufbringen könnte, alles schön brav im Rahmen des heute akzeptablen Schmodders; dies ist kein Film, der Lanzen brechen oder Grenzen aufweichen will, sondern knallige Unterhaltung mit viel Blut und viel Drive.

Hit & Miss (TV, 2012) – mit Verlosung

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Ab und an kommen alle Dinge, mit denen man sich beschäftigt, wie in einem Brennglas zusammen. Und so war ich denn auch (über mich) amüsiert und (über die Aussicht) begeistert, als ich von Hit & Miss hörte, einer britischen Serie, in deren Zentrum die präoperative transsexuelle Auftragskillerin Mia steht, die von Chloe Sevigny verkörpert wird.

Portraits von Auftragskillerinnen gehen schon mal gerne schief, wie das etwa bei, wenn auch in Maßen, bei Colombiana und Requiem pour une tueuse der Fall war (auf Violet and Daisy warte ich noch einigermaßen gespannt). Bei Hit & Miss ist Mias Profession aber zunächst eher Nebensache: Sie erhält einen Brief von einer Ex-Freundin, aus dem sie erfährt, dass sie einen elfjährigen Sohn habe; sie möge sich doch um ihn und seine Halbgeschwister kümmern. Die Freundin, todkrank, ist schon verstorben, als Mia dort eintrifft – und unversehens sieht sie sich mit den Folgen ihrer Vergangenheit ebenso konfrontiert wie mit einer Verantwortung, auf die sie eigentlich nicht vorbereitet ist.

Und natürlich erwarten sie bei Ryan und seinen Geschwistern bereits neue Konflikte: Es mangelt an Geld, der Besitzer des kleinen Hofes, auf dem sie leben, will sie loswerden – und überall schwebt stets eine Ahnung und Drohung von Gewalt im Raum. Mias Transsexualität, die die Serie bereits in den ersten Minuten mit einer Duschszene von Sevigny sehr offensiv in den Vordergrund rückt, wird glücklicherweise nicht nur als sensationalistische Volte verwendet, sondern eröffnet rasch Fragen nach Geschlecht, Identität und Rollenbildern, als die Kinder von Mias Identität und Vergangenheit erfahren.

In den für britische Serien üblichen knapp-flotten sechs Folgen passiert dann eine ganze Menge, was hier nicht alles verraten werden soll; aber lobpreisen muss man Sevigny für ihr zurückhaltendes, dichtes Spiel, und die Serie dafür, es sich nicht leicht zu machen und in Blut zu waten.

Und damit Ihr Euch auch ein Bild von der Serie machen könnt, kann ich hier – mit freundlicher Unterstützung von Ascot Elite – zwei DVD-Boxen und zwei Blu-Boxen von Hit & Miss verlosen. Alles, was Ihr tun müsst, ist: Einen freundlichen Kommentar hinterlassen, in dem ihr mir Eure liebsten Auftragskiller in Film oder Fernsehen nennt. Wenn es eine Frau ist, freue ich mich besonders. ;-) Und bitte schreibt dazu, ob Ihr Blu oder DVD bevorzugt!

Das Gewinnspiel endet am 15. Juni 2013 um 23.59 Uhr; der Rechtsweg ist ausgeschlossen, Barauszahlung is nicht usw.

Violet & Daisy

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Nachdem ich den Film selbst auf dem Fantasy Filmfest im vergangenen Jahr leider verpasst habe, ist vorgestern nun endlich, endlich der erste Trailer zu Violet & Daisy erschienen. Ich freue mich sehr.

„Evil Lair“: Ein Clip aus Kick-Ass 2

Kurze Momente dieser Szene waren in den Trailern zu Kick-Ass 2 schon zu sehen, aber vor allem „Mother Russia“ war bisher noch nie so ausführlich im Bild. Ein Gefühl dafür, ob der Film irgend etwas taugt, habe ich aber nach wie vor nicht; dass er wie sein Vorgänger Geschmacksgrenzen testen will, scheint hingegen schon durch.

„Spoiler Alert“: Der Clip spricht einige Dinge offen an, die als Teil der Handlung vielleicht nicht jedeR schon wissen will.

(gefunden wegen dieses GIFs)

Action Women Supercut

Da sind sie, (fast) alle meine Heldinnen, schlagend, schießend, tretend, butt-kickend, wie sie sein sollen. Ein Feuerwerk der starken Action-Frauen, kompiliert von Clara Darko (hier ihr Blog) und entdeckt und mir ans Herz gelegt (hach! Danke!) vom lieben Peter. Das kracht, und jeder einzelne der eingebauten Filme ist einen Blick wert. Oder zwei.

Guns, Girls and Gambling (2012) – mit Verlosung!

Schon der Filmtitel ist eine freche, sagen wir, Dehnung der Wahrheit (der deutsche Verleihtitel Guns and Girls, dem also nur das Glücksspiel fehlt, ist da nicht viel besser) – denn um Waffen, junge Frauen und Casinos geht es in Michael Winnicks Film nur insofern, als sie Bestandteil der Handlung sind und zum Teil (dem im deutschen Namen enthaltenen) auch extensiv in den Vordergrund gestellt werden, namentlich in Person einer geheimnisvollen Killerin (Helena Mattsson), die mit viel Ausschnitt und zwei Pistolen die Teilnehmer dieses herzallerliebsten Trash-Stelldicheins dezimiert.

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Der Film schützt ja auch gar nicht erst vor, mehr sein zu wollen als gepflegte Unterhaltung mit Peng: Ein ironischer Kommentar aus dem Off, übersteigerte Figuren, ein absurder MacGuffin und endlose Diskussionen der Figuren miteinander darüber, wie sie sich politisch korrekt anzusprechen hätten – das ist alles sehr amerikanisch, aber insgesamt doch immer noch lustig, wenn auch nicht jeder Scherz zünden mag. Ein augenscheinlich unschuldiger, aber etwas trotteliger Teilnehmer eines Elvis-Ähnlichkeitswettbewerbs mit dem so vagen wie bedeutungsschweren Namen John Smith (Christian Slater) gerät in eine dumme Sache hinein, denn direkt nach dem Wettbewerb wird dem Casinobesitzer eine wertvolle Holzmaske gestohlen. Weil der Diebstahl offenbar von den Elvis-Imitatoren ausging, wird auch John verwechselt; und im Handumdrehen sind alle möglichen Leute auf der Jagd nach ihm und der Maske. Neben der Auftragskillerin sind das auch noch die anderen Elvisse und mehrere gedungene Mörder, im Auftrag des Casino-Chefs oder seines Widersachers, so genau weiß man das nicht…

Das Konzept von Guns, Girls and Gambling besteht im Wesentlichen darin, einen Irrsinn auf den anderen zu häufen, bis ein großes Kuddelmuddel von Misthaufen entsteht, das dann am Schluß — aber das muss man ja noch nicht verraten. Der Schluß ist jedenfalls niedlich; und alles was vorher kommt, erträglich durch eine Ansammlung von sehr brauchbaren B-Schauspielern, neben Slater vor allem noch Jeff Fahey, Sam Trammell und Dane Cook. Und Gary Oldman – man weiß nicht genau, was ihn dazu gebracht hat, hier mitzuspielen… Spielschulden? Freundschaft? – jedenfalls hat Oldman einen kleinen Gastauftritt, den er fast wortlos, aber mit Verve absolviert. Da stiehlt er fast ohne Mühe den ganzen Film, aber das ist bei Oldmans Auftritten ja fast immer so.

Ascot Elite hat mir freundlicherweise zur Verlosung hier zwei Blu-rays und zwei DVDs von Guns and Girls überlassen – ihr habt die Chance auf einen Gewinn, wenn Ihr bis kommenden Samstag (9. Februar 2013) um 22:00 Uhr hier drunter in einem Kommentar hinterlasst, welcher der gar nicht so wenigen Filme mit waffenschwingenden Frauen Euch der liebste ist. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Foto: Ascot Elite

Spring Breakers

Harmony Korine. Schon bei Nennung des Namens wird mir ganz warm ums Herz, dank Trash Humpers. Und nach einigen ersten Videos gibt es seit gestern einen großartigen Trailer zu Spring Breakers, der derzeit schon auf Festivals herumgereicht wird und reichlich, reichlich Lorbeeren bekommt.