Oscars 2011: Nominierungen, Auszeichnungen, Tips

Die Oscarfeier ist vorbei, es war eine insgesamt eher fade Angelegenheit, wie hier im Liveblog nachgelesen werden kann. Die unten fett markierten Filme/Schauspieler_innen/Songs haben die Oscars in ihren jeweiligen Kategorien erhalten. Und ich gehe jetzt schlafen. (5:45 Uhr morgens, Gute Nacht!)

Hier sind die Nominierungen für die diesjährigen Oscars und meine zuweilen recht ahnungslosen Tips darauf, wer wohl in welcher Kategorie gewinnen wird.

Ähnliche Versuche unternommen haben auch Thomas Hunziker, Thorsten Funke (sein Blog), Jannis Walz, die Kritiker_innen des Guardian oder Matt Goldberg von Collider.

Craig Phillips hat sich die Kurzfilme angesehen, die Drehbücher hat Alison Nastasi gesammelt.

Und hier jetzt meine morgen um diese Zeit gewiß schon peinlichen Tips – im Laufe der Nacht werde ich die Sieger_innen jeweils fett hervorheben. Live gebloggt dazu wird dann ab 0:30 Uhr hier im Blog.

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Oscarwoche: True Grit

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Ein sehr postklassisch daherkommender Western, dessen Vorbild ich leider nicht kenne, der aber wohl dem Film von Henry Hathaway sehr viel verdankt, vor allem die Dialoge (die natürlich wiederum auf eine Romanvorlage zurückgehen). Es macht ziemlich viel Vergnügen, dem Ensemble zuzusehen, vor allem Hailee Steinfeld macht rundherum glücklich; der Auftritt von Josh Brolin ist eher bizarr kurz, was angesichts seiner dritten Stelle in den Credits doch eher befremdlich ist. Sonst ist das leider insgesamt zu sehr solide und nett; die Coen-Brüder waren aber schon deutlich besser, subtiler, borstiger.

Nominierungen: Best Picture, Best Director, Best Actor (Jeff Bridges), Best Supporting Actress (Hailee Steinfeld), Best Adapted Screenplay, Best Cinematography, Best Art Direction, Best Costume Design, Best Sound, Best Sound Editing (10)

Chancen: In allen Kategorien gibt es starke, meist stärkere Konkurrenten, so daß ich True Grit für die Verleihung eher nicht auf dem Schirm habe. Natürlich ist das ein prächtig ausgestatteter Western, ein guter Film, aber Bridges und die Coen-Brüder sind gerade erst ausgezeichnet worden, was eine erneute Ehrung eher unwahrscheinlich macht. Sonst ist allenfalls Ms Steinfeld so richtiges Oscarmaterial, aber sie dürfte sich gegen die Mitbewerberinnen (vor allem die Damen aus The Fighter werden ja hoch gehandelt) ebenfalls nicht durchsetzen können.

Oscars 2011: Liveblogging

In der kommenden Nacht werden die Oscars verliehen, und das wollen wir ab 0:30 live bloggend und twitternd begleiten. @peternoster von Mostly Movies hat für uns auf Coveritlive ein schönes Livebloggingtool aufgesetzt. „Wir“ sind neben meiner Wenigkeit noch Peter, Beatrice vom International Comedy Festival, @_peekaboo, Anne von Oh, what a world und Philipp von Delphine Hauen. Im Laufe der Nacht kommen bestimmt noch die einen oder anderen Gäste zu diesem illustren Kreis hinzu, und wir freuen uns natürlich, wenn Ihr mitschreibt, -lästert und -kommentiert!

Wer mit uns zusammen die Oscars ansehen möchte, kann das im Fernsehen tun oder online zum Beispiel bei ustream (unten eingebunden; via). Andere Streams sind hier beschrieben. Falls jemand weitere Streaming-Quellen weiß, bitte gerne in die Kommentare schreiben!

Die Nominierungen, kombiniert mit meinen Tips, findet Ihr hier; im Lauf der Nacht werde ich dort auch die Auszeichnungen nach und nach eintragen, so daß man gleich sehen kann, wie weit ich danebenlag!

Ab 0:30 geht es hier los; Pro7 überträgt vom Roten Teppich ab 1:10 Uhr, die eigentliche Zeremonie beginnt um 2:00 Uhr nachts.


Live streaming video by Ustream

Livebloggen findet außerdem heute nacht bei den Fünf Filmfreunden statt, und international natürlich sowieso, z.B. bei Cinema Blend.

Oscarwoche: How To Train Your Dragon

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Für irgendwann schulde ich diesem Film noch eine ausführliche Besprechung, dem heimlichen Star des Animationsjahrgangs 2010, der vor allem von Toy Story 3 so stark überstrahlt wird, daß man ihn kaum zu sehen bekam. Zudem verfehlte die Marketingkampagne großflächig das Ziel, die eigentlichen Stärken des Films von Dean DeBlois und Chris Sanders hervorzuheben, der weniger actionreiche Drachenkampfgeschichte ist, sondern viel mehr eine clevere Kombination von Coming-of-Age (ein bißchen), Underdog-Story und Actionkomödie ist – und darüber hinaus in seiner politischen wie ästhetischen Positionierung der bessere, der leichtere, der ehrlichere Avatar. So wenig originell es sein mag, den schwächlichen Sohn eines Wikingerhäuptlings zum Helden zu machen, der dann seine intellektuelle wie emotionale Intelligenz zum Vorteil aller einsetzt (hallo, Wickie!), so grandios unterhaltsam wird das hier umgesetzt.

Nominiert für: Best Animated Feature, Best Original Score (2)

Chancen: Als bester Animationsfilm hat How To Train Your Dragon wohl gegen Toy Story 3 keine Chance (zumal dieser doch noch um einiges komplexer und mitreißender ist); bei der Filmmusik traue ich mir kein Urteil zu, aber ein Oscar für diesen Film würde mich doch sehr, sehr freuen.

Oscarwoche: And the nominees for Best Lego Picture are …

Die Designer von Old Red Jalopy haben im Auftrag von Next Movie die Poster aller zehn für den Best Picture-Oscar in Lego neu gestaltet.

Hier gibt es die zehn Poster. (via)

Oscarwoche: Oscar’s Oscar Predictions

Wie Hinz, Kunz und ich hier gibt auch Oscar aus der Sesamstraße seine Vorhersagen für die Oscars 2011 ab:

(via)

Für etwas ernsthaftere, informiertere Positionen empfiehlt sich die Reihe von „Oscar Predictions“ bei The House Next Door, die Betrachtungen von Scott Feinberg oder Brad Brevets Vorhersagen.

Oder wahlweise, wenn Ihnen sonst nichts einfällt, fragen Sie doch einfach die Kellnerinnen ihres lokalen Hooters-Restaurants. Au weia.

Oscarwoche: Iron Man 2

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Nach dem durchaus schwerst unterhaltsamen ersten Iron Man (meine Kritik) war fast schon zu erwarten, daß die Fortsetzung nicht ganz mithalten können würde; und in der Tat bekam man in Iron Man 2 ein lautes, überladenes Spektakel zu sehen, das sich mit dem ironischen Gusto des Vorgängers nicht messen lassen konnte. Der Film wirkt letztlich wie eine zweite Eröffnung, eine Vorbereitung auf die ganzen vage angekündigten Avengers-Filme, in der so viele Figuren schon mal eingeführt und positioniert werden, daß vom eigentlichen Film selbst nicht viel übrigbleibt außer einem immer noch leidlich unterhaltsamen Stück Krawummskino.

Nominiert für: Best Visual Effects (1)

Chancen: Vor allem wegen der Konkurrenz von Inception und Alice in Wonderland und damit völlig zu Recht stark gegen Null tendierend.

Oscarwoche: Kynodontas [Dogtooth]

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Kynodontas ist ein ganz und gar eigener Film, der sein eigenes kleines, abgründiges Universum mit niemandem teilen muß: Eine kleine Familie, Mutter, Vater, drei fast erwachsene Kinder, leben außerhalb einer Stadt in einem ganz abgeschiedenen und abgeschotteten Haus. Der Vater fährt täglich zur Arbeit, aber die Kinder werden systematisch von der Außenwelt abgeschottet und mit wilden Geschichten von deren Gefahren innen gehalten. Bis in die Verästelungen der Sprache und des Lebens hinein treibt Regisseur Giorgos Lanthimos dieses Spiel und versteckt die innere Dramatik gekonnt hinter unerträglich ruhigen Bildern. Erscheint im April endlich (in der Störkanal Edition) auch in Deutschland auf DVD. (Wenigstens das, wenn man schon keinen Kinostart spendiert bekommt…)

Nominiert für: Best Foreign Film (1)

Chancen: Vielleicht täusche ich mich (das würde mich freuen), aber mir erscheint Kynodontas zu sperrig, zu schwierig für einen Oscar zu sein. Fast hat man den Eindruck, legt man den Film neben die anderen, expliziter sozialkritischen Nominierten, als sei er genau dieser Sperrigkeit halber nominiert worden: Als freundliches Zunicken für harsche Filmkost. Eher chancenlos.

Oscarwoche: The King’s Speech

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The King’s Speech ist für mich nach wie vor nicht zuletzt deshalb ein starker Film, weil er aus einer extrem fade klingenden Idee (Stotterer lernt, flüssiger zu sprechen) eine durchaus packende Geschichte zu stricken weiß. Mich hat auch nicht so sehr gestört, daß der Film natürlich unter der Oberfläche ein royalisiertes Buddy Movie ist. Daß der Film es mit der historischen Wahrheit in vielen Punkten nicht so genau nimmt (Slate, blogscanada; via), ist meines Erachtens nach deshalb nicht so bedeutsam, weil diese Verdrehungen keine Punkte betreffen, über die der Film politische Aussagen treffen will; ärgerlich sind sie bei einem derart populären Film gleichwohl doch.

Denn beliebt ist er: Das Publikum kommt (wie zu Black Swan auch) in Strömen, der Film wurde mit BAFTAs überhäuft, und auch ein Großteil der Presse ist einigermaßen hingerissen. Die Kameraführung wird allerdings dann oft ebenso belächelt wie das eher schwachbrüstige Drehbuch, und letztlich sei, da gibt es mehrere Stimmen, der Film

nach dem Standardrezept vom triumphal bewältigten Handicap gebacken […], mit dem man Oscars gewinnt.

Nominiert für: Best Picture, Best Director (Tom Hooper), Best Actor (Colin Firth), Best Supporting Actor (Geoffrey Rush), Best Supporting Actress (Helena Bonham Carter), Best Original Screenplay, Best Cinematography, Best Editing, Best Art Direction, Best Costume Design, Best Original Score, Best Sound (12)

Chancen: In den Hauptkategorien sind die Chancen wohl recht gut, auch wenn vor allem The Social Network da nicht weniger aussichtsreich ist. Vor allem ist Firth ein echter Favorit für die kleine Goldstatue. Interessant wird sicher die Frage werden, ob Helena Bonham Carter (als zukünftige Queen Mum) den Oscar bekommt, und ob die Auszeichnung für den Best Sound ebenfalls an diesen Film geht, bei dem sich so viel um Geräusche dreht, die aus Colin Firths Mund (nicht) kommen.

Addendum: Inzwischen hat jemand festgestellt, daß eines der wichtigsten Sets von The King’s Speech zuvor (unter anderem) für einen Schwulenporno verwendet wurde. Ich finde das ja eher amüsant, die Academy womöglich weniger; auf die Oscarchancen für „Art Direction“ wird sich das nicht auswirken, weil die Abstimmung zum Zeitpunkt des Bekanntwerdens bereits beendet war. Aber die Pressestimmen zu lesen, wenn The King’s Speech diesen Oscar gewinnen sollte – vor allem die Überschriften – das wäre doch lustig und womöglich etwas fremdschäm-peinlich.

Oscarwoche: Alice in Wonderland

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Tim Burtons Variation auf den Klassiker von Lewis Carroll ist bei der Kritik ja ziemlich einhellig durchgefallen; ich selbst fand ihn wirklich unterhaltsam (und habe ihn an dem Abend auch wirklich nur zu dem Zweck gesehen, unterhalten zu werden). Meine Erinnerung an den Film, der natürlich alles andere als eine werkgetreue Verfilmung von Lewis Carrolls Roman ist, ist dadurch womöglich nicht besonders präzise – aber es wundert nicht, daß der Film ausschließlich in Kategorien nominiert wurde, die unmittelbar den visuellen Eindruck betreffen.

Nominiert für: Best Art Direction, Best Costume Design, Best Visual Effects (3)

Chancen: Der Film hat vor allem bei den Spezialeffekten mit Inception einen starken Gegenkandidaten, so daß ich noch am ehesten an einen Preis für Art Direction und/oder (noch eher) Costume Design glaube, denn beides war durchaus vortrefflich.