Supervized (2019)

Es wird im Alter halt nicht leichter: Die Prostata, der Schließmuskel, die Gelenke. Für die Bewohner_innen dieses speziellen Altenheims in Irland ist es vermutlich noch ein wenig schlimmer, denn in ihrer Jugend waren sie allesamt Superheld_innen – enorm stark oder schnell, telekinetisch begabt oder teleportierend. Und nun? Nur noch ein Schatten ihrer selbst, eingesunken auf dem Sofa, und es bleibt unklar, ob die Enkelkinder endlich mal zu Besuch kommen.

Für kino-zeit.de habe ich mir den durchaus knarzigen Supervized von Steve Barron angesehen.

Wild Rose (2019)

Tom Harper braucht nur wenige Minuten, um uns Hals über Kopf in seine Protagonistin Rose-Lynn (Jessie Buckley) verknallt zu machen. Mit offenen Augen und heißem Herzen, hoffnungslos. Wie sie aus dem Gefängnis entlassen wird, die Ungeduld in den Fingern, die Freiheitslust in den Augen, das Lächeln — dieses Lächeln! — im Gesicht. Sie sitzt im Bus zurück nach Glasgow, die Kopfhörer auf dem Kopf, Country im Ohr, ihrem und unserem, ein kurzer Besuch bei ihrem Freund, ein schneller Fick auf dem Rasen, unterm offenen Himmel.

Wild Rose war für mich die Entdeckung und Beglückung des ausgehenden Jahres 2019. Meine ausführliche Lobpreisung, Bejauchzung und Bejubelung (singen kann ich leider schlecht) gibt es bei kino-zeit.de.

Knives Out – Mord ist Familiensache (2019)

War es Colonel Mustard im Arbeitszimmer mit dem Revolver? Oder doch Miss Scarlett mit dem Strick im Billardzimmer? Bei Knives Out – Mord ist Familiensache scheint die Sache wesentlich klarer zu sein als im heute leicht angestaubt wirkenden Gesellschaftsspiel Cluedo, sieht man doch schon in den ersten Minuten: Es war Harlan Thrombey selbst, mit dem Dolch, im Arbeitszimmer.

Aber nichts ist, wie es scheint. Rian Johnsons „Murder Mystery“ mag zunächst sehr altmodisch daherkommen, aber das ist elegante, sehr zugestellte Oberfläche – ähnlich wie das Haus, in dem Thrombey lebte, ein Haus, wie einer der anwesenden Polizisten bemerkt, gleich einem Cluedo-Spielbrett.

Knives Out ist ein Genuß, eine Feier vor allem des Ensembles, das offenbar wahnsinnig viel Spaß hatte. Die Kritik (eher dringende Empfehlung) gibt es auf kino-zeit.de.

Terminator: Dark Fate (2019)

Geschichte wiederholt sich im Kino ja gerne einmal; in seiner Grundkonstellation greift Terminator: Dark Fate auf, was James Cameron 1984 mit Terminator gemacht hatte: Ein menschlicher Soldat verteidigt eine junge Frau gegen eine übermenschlich-unmenschliche Maschine.

Nur dass hier die Verhältnisse anders stehen: Es kämpfen drei Frauen gegen eine Maschine, eine der Frauen „enhanced“, mit Implantaten stärker und schneller gemacht.

Für das feministische Filmblog Filmlöwin habe ich mir so drei oder viele Gedanken zu dem neuen Terminator-Film gemacht.

Lady Bloodfight (2016)

Jane Jones (Amy Johnston) hat von ihrem Leben in den USA die Nase voll und geht, etwas unvermittelt; „denkst du an meine Zigaretten?“ fragt ihre Mutter noch. Ihr Ziel ist Hongkong, wo ihr Vater vor vielen Jahren an einem Kampfsportturnier teilgenommen hat und verschwunden ist. Frisch angekommen, wird sie von drei Räubern in die Ecke getrieben, aber die Kampfsportmeisterin Shu (Muriel Hofmann) rettet sie – und will sie als Stellvertreterin für sich selbst bei einem Underground-Kampfturnier rekrutieren und trainieren. Dort trifft sie dann auf Kämpferinnen aus der ganzen Welt, unter ihnen auch Ling (Jenny Wu), die von Wai (Kathy Wu) trainiert wurde. Wai verbindet eine langjährige Rivalität mit Shu – und so geht es bei dem Turnier um mehr als um’s Gewinnen und um die Suche nach dem Schicksal von Janes Vater…

In den 1980er und frühen 1990er Jahren war die Hochzeit amerikanischen Exploitationfilme mit Kampfsportthemen, von Jean-Claude van Dammes Bloodsport bis hin zur American Fighter-Reihe und darüber hinaus. Lady Bloodfight nimmt viele der Themen und Motive auf und modernisiert sie ein wenig: Figurenentwicklung, Kampfstile, Inszenierung. Chris Nahons Film bleibt aber ganz im Exploitation-Modus: Dreckig und blutig – Gesichter und Körper sind immer wieder zerhauen, Blut spritzt und fliegt im Rhythmus der Faustschläge. Die Figurenzeichnung ist eher oberflächlich, die Charaktere bleiben Stereotype, aber dies ist ja auch kein Genre, in dem man komplexe dramatische Handlungsstränge erwartet. Man darf aber bemerkenswert finden, wie viel sich in dem Jahrzehnt seit Corey Yuens Bonbon-Martial-Arts-Spektakel Dead Or Alive getan hat: Hier treten wieder nur Frauen in einem Turnier gegeneinander an, und während Yuen ein klinisch reines Spielzeugland zeigte, wird hier vor Containerkulisse bis aufs Blut aufeinander eingedroschen. Das muss man nicht gut finden, aber für Freunde des Genres bietet Lady Bloodfight genau das, was der Titel verspricht, direkt und roh.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
Werbelink: Bestellen bei amazon.de.

Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot (2019) – #horrorctober

„What a good-natured romp!“ fällt mir zu diesem Film als erstes ein, und dass ich ihn quasi aus Versehen mit @spinatmaedchen zusammen gesehen habe, was natürlich alles andere als negativ zu bewerten ist.

Samara Weaving (aus Netflix‘ The Babysitter, auch sehr unterhaltsam) steht als Grace nicht nur unmittelbar davor, endlich einmal eine eigene Familie zu haben, es ist auch noch eine äußerst wohlhabende. Ihr Bräutigam Alex Le Domas entstammt einer Gesellschaftsspiel-Dynastie, was schon an und für sich bekloppt genug klingt, vor allem ist die ganze Familie aber herzlich unsympathisch, außer vielleicht noch Alex‘ Mutter Becky, die Andie MacDowell mit so großer Hingabe hinlegt, es ist eine Freude. Um Mitternacht, so will es die unhintergehbare Familientradition, wird ein Spiel gespielt -- welches, das legt eine geheimnisvolle Box fest, aus der Grace eine Karte ziehen muss.

Als sie „Hide-and-seek“, also: Verstecken zieht, wird recht bald der wahre Charakter dieses Spiels offenbar: Die Braut muss sich verstecken -- und wird, sobald gefunden, in einem blutigen Ritual dem Teufel geopfert. Grace, die noch ahnungslos dem ersten Angriff durch Zufall entgeht, ist von diesen Spielregeln nicht so begeistert, aber aus dem ehrwürdigen Familienstammsitz gibt es auch kein leichtes Entkommen.

Tyler Gillett und Matt Bettinelli-Olpin haben schon ein wenig Genreerfahrung unter anderem in V/H/S gesammelt, hier dürfen sie sich so richtig austoben -- mit einem tollen Cast, einem fast noch besseren Setting und einem tollen Drehbuch von Guy Busick und Ryan Murphy. Sie steigern Tempo und Blutigkeit langsam, aber kontinuierlich und halten dies auch bis zum Schluss durch alle Wendungen und Windungen (es gibt viele) durch. Es geht stellenweise sehr splattrig zu, für Genrefans kostet der Film schwarze und weiße Humormöglichkeiten aus… und spielt fleißig mit den Erwartungen.

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Bumblebee (2018)

Man kann den Transformers-Filmen allerhand vorwerfen, und das ist von Sexismus über bodenlose Langeweile durch zu viel CGI und tumbe Roboterprügeleien bis hin zu Rassismus auch alles schon geschehen. Große Emotionalität war bisher jedenfalls nicht ihr Problem. Ein Film wie Bumblebee kommt daher als große Überraschung daher: Ein Transformers-Streifen, der nicht nur glaubhafte Figuren mit einem echten Gefühlsspektrum vorstellt (den titelgebenden Transformer eingeschlossen), sondern dann auch noch seine weibliche Hauptfigur und ihren Schwarzen Sidekick mit Respekt portraitiert. Hailee Steinfeld stolpert in diesem von Travis Knight verantworteten Prequel zu den Michael-Bay-Streifen als Teenager Charlie eher zufällig über Bumblebee, der vor den Decepticons auf die Erde geflohen ist und sich zunächst in Gestalt eines gelben VW Käfers im Kalifornien der späten 1980er Jahre versteckt hat. Sie ist Halbwaise, er allein im weiten Universum – man freundet sich schnell an. Böse Roboter werden später auch noch verkloppt, und John Cena darf den obligatorischen Soldaten mit markigen Sprüchen und großem Unterkiefer mimen. Das ist amüsant, action- und abwechslungsreich, komplexes psychologisches Drama erwartet man aber vermutlich auch vom besten aller Transformers-Filme zurecht wirklich nicht.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Geostorm (2017)

Ich habe überhaupt keine rechten Worte dafür, wie unfaßbar schlecht Geostorm ist, aber meine Güte, das muss ich mir von der Seele schreiben. Die Handlung ist so doof wie Doomsday: Der Klimawandel entlud sich in subkomplexen Phänomenen, nämlich spezifischen Freak-Wetter-Ausfällen, insbesondere Stürmen, die dann aber durch ein Netz von Satelliten, die nicht näher beschriebene Dinge tun, irgendwie eingehegt wurden. Verantwortlicher ist Jake Lawson, den Gerard Butler als subtilen Denker, nein, LOLSOB, den Butler als gerne auf die Nase hauenden Macher anlegt, kein Gedanke an intellektuelle Komplexität, weil ist ja nur Wetter. Weil er so undiplomatisch ist, wird er rausgeschmissen und wohnt alleine in einem Trailer, seine Tochter besucht ihn ab und zu, natürlich ist auch seine Ehe in die Brüche gegangen. Das gibt dann später ein paar Heuleszenen mit dem armen Kind.

Denn lo and behold, irgendein Bösewicht nutzt anscheinend das „Dutch Boy“ getaufte Satellitennetzwerk, um einzelne Katastrophen auszulösen, die einen „Geostorm“ aka weltweites Wetterchaos auslösen würden, und das internationale Team auf der sehr aufgepimpten ISS, wo aus irgendwelchen Gründen im gesamten Gebiet Schwerkraft zu herrschen scheint, obwohl sich nur minimale Teile drehen (und die zu langsam für Erdschwerkraft), hat keinen Schimmer, aber irgendwie infiltriert ist es doch. Jakes Bruder Max ist inzwischen zuständig, schickt seinen Bruder wieder auf die ISS, wo inzwischen die Deutsche Ute Fassbinder den Laden schmeisst (ich hoffe, Alexandra Maria Lara wurde richtig gut bezahlt für diesen schwarzen Ölfleck auf ihrer Karriere), während er seine Freundin und Secret-Service-Agentin Sarah dazu bringt, irgendwelche verbotenen Sachen zu tun…

Es ist noch schlimmer, als es sich anhört. Der Film hat Löcher in seiner Logik, durch die größere Raumschiffe durchfliegen könnten, Satelliten haben aus irgendwelchen Gründen Platz für mitfliegende Astronauten, das Space-Shuttle-Programm wurde wiederbelebt, im Weltraum hört man jedes Knarzen und an Bord der ISS scheinen überall Schusswaffen herumzuliegen. What on Earth bzw. What in Space

Butler spielt halt sein Ding, Lara wirkt fast durchgehend desorientiert, zwischendrin täuschen Andy Garcia und Ed Harris Schauspielerei vor, und Zazie Beetz kriegt hoffentlich bald wieder bessere Rollen. Und wer der Handlung folgen konnte (bizarrer Quatsch von Anfang bis Ende, generische Katastrophenszenarien, die nicht einmal Sinn ergeben), sieht den einen winzigen Twist schon mehrere Wetterfronten im Voraus kommen. Hundert Wirbelstürme über der Sahara könnten nicht soviel heiße Luft durch die Gegend pusten wie dieser Film.

(Aktuell auf Netflix; Werbelink: Bestellen bei amazon.de)

I Am Mother (2019)

Das Licht kühler Neonlampen, klinisch anmutende Korridore, funktionale Einrichtung: Um die Apokalypse zu überleben, müssen wir womöglich auf alle Heimeligkeiten verzichten. Oder doch nicht alle? Wenn „Mutter“, der sorgende und pflegende Roboter, die frisch in der künstlichen Gebärmutter im Expresstempo ausgewachsene „Tochter“ auf den Arm nimmt und mit Wärmelampen bestrahlt, dann wechselt das Farbschema in rote, orange, gelbe Töne: Hier ist Schutz und womöglich gar Zärtlichkeit. Das Rot wird „Tochter“ später in ihrer Kleidung weiter an sich tragen, irgendwann klebt sie ihrer Ziehmutter bunte Sticker auf die matt-metallischen Gliedmaßen.

Grant Sputores Debütfilm I Am Mother beginnt mit Kamerablicken in den Bunker, der, so bekommen wir es erzählt, das Überleben der Menschheit sichern soll. Von außen dringt Donnern durch die Wände, es wackelt und die Lichter flackern, während Einblendungen den Ort des Geschehens beschreiben: Eine „Einrichtung zur Neubesiedelung“ mit „63 000 Embryonen“. Menschen sind keine zu sehen, stattdessen setzen Maschinen den Roboter zusammen, der dann zu „Mutter“ wird, die aus den eingefrorenen Embryonen das erste Kind auswählt: ein Mädchen.

Meine vollständige Kritik von I Am Mother gibt es auf kino-zeit.de.

Axel der Held (2018)

Natürlich ist Axel (Johannes Kienast) kein Held. Kein strahlender Prinz in weißer Rüstung, der auf seinem Ross die schöne Prinzessin aus den Fängen eines Drachens befreit. Wie ein Märchen fängt Axel der Held dennoch an: „Es war einmal…“ Und dann wird die Welt beschrieben, in der sich dieses Märchen bewegt, während die Kamera über ein Modell hinwegfliegt, auf der kleine Figuren die Protagonist_innen repräsentieren.

Das kleine Dorf inmitten von Wäldern, das von seiner Hühnerfarm lebt, und alles – Hühnerfarm, Casino, die meisten Häuser – gehört dem einen König, der hier Manne (Sascha Alexander Geršak) heißt und meist seine Schergen losschickt. In seinem Schlösschen hält er sich außerdem als Prinzessin und zukünftige Königin die junge Jenny (Emilia Schüle), die aber anscheinend auch ganz gerne auf seinem Anwesen in der Sonne liegt.

Meine vollständige Kritik von Axel der Held gibt es auf kino-zeit.de.