Bumblebee (2018)

Man kann den Transformers-Filmen allerhand vorwerfen, und das ist von Sexismus über bodenlose Langeweile durch zu viel CGI und tumbe Roboterprügeleien bis hin zu Rassismus auch alles schon geschehen. Große Emotionalität war bisher jedenfalls nicht ihr Problem. Ein Film wie Bumblebee kommt daher als große Überraschung daher: Ein Transformers-Streifen, der nicht nur glaubhafte Figuren mit einem echten Gefühlsspektrum vorstellt (den titelgebenden Transformer eingeschlossen), sondern dann auch noch seine weibliche Hauptfigur und ihren Schwarzen Sidekick mit Respekt portraitiert. Hailee Steinfeld stolpert in diesem von Travis Knight verantworteten Prequel zu den Michael-Bay-Streifen als Teenager Charlie eher zufällig über Bumblebee, der vor den Decepticons auf die Erde geflohen ist und sich zunächst in Gestalt eines gelben VW Käfers im Kalifornien der späten 1980er Jahre versteckt hat. Sie ist Halbwaise, er allein im weiten Universum – man freundet sich schnell an. Böse Roboter werden später auch noch verkloppt, und John Cena darf den obligatorischen Soldaten mit markigen Sprüchen und großem Unterkiefer mimen. Das ist amüsant, action- und abwechslungsreich, komplexes psychologisches Drama erwartet man aber vermutlich auch vom besten aller Transformers-Filme zurecht wirklich nicht.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Geostorm (2017)

Ich habe überhaupt keine rechten Worte dafür, wie unfaßbar schlecht Geostorm ist, aber meine Güte, das muss ich mir von der Seele schreiben. Die Handlung ist so doof wie Doomsday: Der Klimawandel entlud sich in subkomplexen Phänomenen, nämlich spezifischen Freak-Wetter-Ausfällen, insbesondere Stürmen, die dann aber durch ein Netz von Satelliten, die nicht näher beschriebene Dinge tun, irgendwie eingehegt wurden. Verantwortlicher ist Jake Lawson, den Gerard Butler als subtilen Denker, nein, LOLSOB, den Butler als gerne auf die Nase hauenden Macher anlegt, kein Gedanke an intellektuelle Komplexität, weil ist ja nur Wetter. Weil er so undiplomatisch ist, wird er rausgeschmissen und wohnt alleine in einem Trailer, seine Tochter besucht ihn ab und zu, natürlich ist auch seine Ehe in die Brüche gegangen. Das gibt dann später ein paar Heuleszenen mit dem armen Kind.

Denn lo and behold, irgendein Bösewicht nutzt anscheinend das „Dutch Boy“ getaufte Satellitennetzwerk, um einzelne Katastrophen auszulösen, die einen „Geostorm“ aka weltweites Wetterchaos auslösen würden, und das internationale Team auf der sehr aufgepimpten ISS, wo aus irgendwelchen Gründen im gesamten Gebiet Schwerkraft zu herrschen scheint, obwohl sich nur minimale Teile drehen (und die zu langsam für Erdschwerkraft), hat keinen Schimmer, aber irgendwie infiltriert ist es doch. Jakes Bruder Max ist inzwischen zuständig, schickt seinen Bruder wieder auf die ISS, wo inzwischen die Deutsche Ute Fassbinder den Laden schmeisst (ich hoffe, Alexandra Maria Lara wurde richtig gut bezahlt für diesen schwarzen Ölfleck auf ihrer Karriere), während er seine Freundin und Secret-Service-Agentin Sarah dazu bringt, irgendwelche verbotenen Sachen zu tun…

Es ist noch schlimmer, als es sich anhört. Der Film hat Löcher in seiner Logik, durch die größere Raumschiffe durchfliegen könnten, Satelliten haben aus irgendwelchen Gründen Platz für mitfliegende Astronauten, das Space-Shuttle-Programm wurde wiederbelebt, im Weltraum hört man jedes Knarzen und an Bord der ISS scheinen überall Schusswaffen herumzuliegen. What on Earth bzw. What in Space

Butler spielt halt sein Ding, Lara wirkt fast durchgehend desorientiert, zwischendrin täuschen Andy Garcia und Ed Harris Schauspielerei vor, und Zazie Beetz kriegt hoffentlich bald wieder bessere Rollen. Und wer der Handlung folgen konnte (bizarrer Quatsch von Anfang bis Ende, generische Katastrophenszenarien, die nicht einmal Sinn ergeben), sieht den einen winzigen Twist schon mehrere Wetterfronten im Voraus kommen. Hundert Wirbelstürme über der Sahara könnten nicht soviel heiße Luft durch die Gegend pusten wie dieser Film.

(Aktuell auf Netflix; Werbelink: Bestellen bei amazon.de)

I Am Mother (2019)

Das Licht kühler Neonlampen, klinisch anmutende Korridore, funktionale Einrichtung: Um die Apokalypse zu überleben, müssen wir womöglich auf alle Heimeligkeiten verzichten. Oder doch nicht alle? Wenn „Mutter“, der sorgende und pflegende Roboter, die frisch in der künstlichen Gebärmutter im Expresstempo ausgewachsene „Tochter“ auf den Arm nimmt und mit Wärmelampen bestrahlt, dann wechselt das Farbschema in rote, orange, gelbe Töne: Hier ist Schutz und womöglich gar Zärtlichkeit. Das Rot wird „Tochter“ später in ihrer Kleidung weiter an sich tragen, irgendwann klebt sie ihrer Ziehmutter bunte Sticker auf die matt-metallischen Gliedmaßen.

Grant Sputores Debütfilm I Am Mother beginnt mit Kamerablicken in den Bunker, der, so bekommen wir es erzählt, das Überleben der Menschheit sichern soll. Von außen dringt Donnern durch die Wände, es wackelt und die Lichter flackern, während Einblendungen den Ort des Geschehens beschreiben: Eine „Einrichtung zur Neubesiedelung“ mit „63 000 Embryonen“. Menschen sind keine zu sehen, stattdessen setzen Maschinen den Roboter zusammen, der dann zu „Mutter“ wird, die aus den eingefrorenen Embryonen das erste Kind auswählt: ein Mädchen.

Meine vollständige Kritik von I Am Mother gibt es auf kino-zeit.de.

Axel der Held (2018)

Natürlich ist Axel (Johannes Kienast) kein Held. Kein strahlender Prinz in weißer Rüstung, der auf seinem Ross die schöne Prinzessin aus den Fängen eines Drachens befreit. Wie ein Märchen fängt Axel der Held dennoch an: „Es war einmal…“ Und dann wird die Welt beschrieben, in der sich dieses Märchen bewegt, während die Kamera über ein Modell hinwegfliegt, auf der kleine Figuren die Protagonist_innen repräsentieren.

Das kleine Dorf inmitten von Wäldern, das von seiner Hühnerfarm lebt, und alles – Hühnerfarm, Casino, die meisten Häuser – gehört dem einen König, der hier Manne (Sascha Alexander Geršak) heißt und meist seine Schergen losschickt. In seinem Schlösschen hält er sich außerdem als Prinzessin und zukünftige Königin die junge Jenny (Emilia Schüle), die aber anscheinend auch ganz gerne auf seinem Anwesen in der Sonne liegt.

Meine vollständige Kritik von Axel der Held gibt es auf kino-zeit.de.

Mortal Engines: Krieg der Städte (2018)

Wenn man es recht betrachtet, war die Hintergrundgeschichte von Mortal Engines schon in Romanform nicht unbedingt besonders leicht zu glauben. Philip Reeves 2001 erschienener Roman erzählte jedoch eine spannende Steampunk-Fantasy-Geschichte: In einer Welt nach dem „Sechzig-Minuten-Krieg“ wurden die meisten Städte auf große Antriebsmotoren montiert und fahren durch die Welt, immer auf der Suche nach Rohstoffen und kleineren Städten, die sie aufnehmen und deren Baumaterial sie zum Antrieb ihrer Maschinen verwenden können.

Die junge Hester Shaw, frisch per Städtefraß in London angekommen, verübt ein Attentat auf dessen Chef-Archäologen Thaddeus Valentine – als es fehlschlägt, stürzt sie sich von der Stadt herunter, und Tom, ein braver Londoner, stürzt mit ihr. Nach und nach kommt schließlich nicht nur Valentines Vergangenheit ans Licht kommt, sondern auch seine gefährlichen Pläne für die Welt…

Vielleicht ist es schlicht so, dass Reeves Bilderwelten im Buch interessant und faszinierend wirken, auf der Leinwand aber ihre ganze Absurdität überdeutlich wird. Vielleicht gibt uns auch Regisseur Christian Rivers in seinem ersten Langfilm nicht genug Zeit, uns die Wunder gerade Londons in Ruhe anzusehen. Schon in den ersten Minuten ziehen da Alltagssequenzen in hektisch kurzen Sequenzen an uns vorbei; man hätte sie gerne in Ruhe betrachtet und sich in diese Phantasiewelt hineinziehen lassen. (Die Kampfszenen später sind noch viel schlimmer, unfassbar hektisch und unübersichtlich geschnitten.)

Peter Jackson hatte sich die Rechte am Buch gesichert und wollte den Film wohl unbedingt selbst drehen; wer weiß, was daraus geworden wäre. Das von ihm, Philippa Boyens und Fran Walsh verfasste Drehbuch strafft viele Handlungsstränge zu einer einigermaßen filmtauglich verknappten Erzählung; da dabei aber auch die inneren Konflikte der Hauptfiguren rausgeschmissen werden, bleibt nicht viel, was uns außer Spektakel an dem Film interessieren könnte. Die eine clevere Anspielung auf Metropolis kann es jedenfalls nicht sein.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Die Wildgänse kommen (1978)

Was macht man im gerade so postkolonialen Afrika, wenn man schmutzige Geschäfte machen und einen Gefangenen befreien will? Man bezahlt einen Trupp Söldner – nicht mehr ganz junge, ehemalige Soldaten, die den Auftrag sicher ausführen, zur Not aber auch verzichtbar sind. Andrew V. McLaglens Die Wildgänse kommen gehört zu den durchaus umstrittenen Klassikern des Söldnerfilms, ist aber in vierzig Jahren seit seiner Entstehung nicht gut gealtert. Das liegt zum Teil daran, dass der Rassismus mancher Szenen unwidersprochen bleibt – laut Darsteller Hardy Krüger wurden entscheidende Stellen, die das konterkarierten und insbesondere die Entwicklung des südafrikanischen Söldners, den Krüger spielte, im Schnitt geopfert. Durchaus progressiv ist, dass ein offen schwuler Söldner mitkämpft – aber alles andere wirkt eben nicht mehr zeitgemäß: Von den unglaubwürdigen Ballereien rechts und links, der lebensverachtenden Macho-Haltung der Söldner bis hin zur relativ steifen Inszenierung der Intrigen, die natürlich im Hintergund vor sich hin schwelen. Ganz zu schweigen eben davon, wie sehr der Film hier pauschal ehrenwert kämpfende Weiße gegen das böse, folternde Afrika setzt. All das können auch Granden vom Format Richard Burton, Roger Moore, Richard Harris und Stewart Granger nicht wirklich retten.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Tobruk (1967)

September 1942: Eine Spezialeinheit aus britischen Soldaten und deutschen Juden soll sich durch die nordafrikanische Wüste aufmachen, um als Deutsche getarnt das Treibstofflager des Afrikakorps in der Küstenstadt Tobruk zu sprengen. So einfach ist die (lose auf historischen Ereignissen basierende) Prämisse des amerikanischen Kriegsfilms Tobruk (früher auch als Die Kanonen von Tobruk), aber wie jede Undercover-Operation hat das Abenteuer so seine Tücken. In der Tat hat es womöglich zu viele Tücken, so dass sich hier Spionage und Gegenspionage in verschiedenen Ebenen überlagern, ohne dass deshalb fortwährend in größerer Menge Spannungsfunken schlügen – da ist ein wenig Potential verschenkt. Dafür gibt es zu Beginn des Films und ausgedehnt am Ende Actionsequenzen, die sich auch fünfzig Jahre später nicht verstecken müssen – bis hin zum etwas abrupten Ende. Vor allem die Befreiung (und Zwangsrekrutierung) eines kanadischen Offiziers (Rock Hudson) am Anfang ist wirklich sehenswert. Neben Hudson glänzen noch George Peppard (Das A-Team lässt grüßen) als jüdischer Kämpfer und aber vor allem Nigel Green als sehr steif-trockener britische Kommandant. Und selbst wenn die Umgebung gelegentlich sehr nach Studio-Kulisse aussieht: Immer wieder hört man förmlich Sand aus dem Bildschirm rieseln.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Assassination Nation (2018)

„Bildet Banden!“ Feministinnen wissen: Alleine bekommt man das nicht hin, so wie die Männer sich unterstützen, vom Old Boys‘ Network bis hin zum Sportverein, so hat frau nur eine Chance, wenn sie nicht allein ist. Und wenn die Umstände es erfordern, dann bildet sich halt aus der Clique, die in der Freizeit zusammenhockt, über Jungs tratscht oder lästert, gemeinsam Filme schaut und Eltern aus dem Weg geht, ganz schnell eine Bande, die ihre Interessen auch handfester durchsetzt.

Die Clique sind Lily, Em, Sarah und Bex, und sie machen halt das, was noch junge Frauen in den letzten Zügen der High School halt so machen: Sie probieren sich aus, und natürlich sind Jungs, Sex und Eltern ganz wichtige Themen, die Smartphones sind immer dabei. Sie wohnen in der Kleinstadt Salem – vielleicht jene, in denen die berühmten Hexenprozesse stattfanden, vielleicht auch nicht; es spielt keine Rolle, ist aber als Name dennoch bedeutend für den Verlauf des Films, denn natürlich wird es bald eine Hexenjagd geben, a witch hunt, aber eben nicht so, wie es der amerikanische Präsident gerne behauptet, sondern so richtig mit Fackeln und, statt Heugabeln, Schusswaffen.

Der Funken, der schließlich zu einem Schwelbrand wird und dann zu offenem Feuer, ist ein Leak: Plötzlich stehen alle Mails und Fotos des Bürgermeisters im Netz, auch jene Bilder, auf denen er in Damenunterwäsche posiert. Es folgt recht stereotyp angerichteter bigotter Bürgerzorn und ein Suizid auf offener Bühne. Dann aber geht’s erst richtig los – als nächster ist der Schuldirektor dran, der es gewagt hatte, seine kleine Tochter in der Badewanne zu fotografieren. Und dann immer mehr Menschen, bis schließlich leicht bekleidete Bilder von Lily einen Familienvater in die Bredouille bringen, mit dem sie erotische Fotos und Nachrichten ausgetauscht hatte…

Subtilität ist Sam Levinsons Sache ja nicht unbedingt. In seinem zweiten Langfilm Assassination Nation folgt der Regisseur und Drehbuchautor hingegen weitgehend erwartbaren Entwicklungen auf ziemlich direkte Weise: Wer sowieso daran glaubt, dass sich eine Kleinstadtgesellschaft mit nur wenigen Maßnahmen zum fackeltragenden Mob wandeln lässt, der wird hier im Grunde mit Malen nach Zahlen belohnt. Um die Handlung, um möglichst komplexe Abläufe geht es Levinson aber auch gar nicht. Stattdessen legt er den Fokus aufs Detail: Auf die Diskussionen, auf die Haltungen, die – so erwartbar sie vielleicht auch sein mögen – dann doch mal ausbuchstabiert werden sollen, damit man ihnen dabei zusehen kann, wie sie funktionieren, diskriminieren und zerstören.

Und vor allem: Wie sich diese Haltungen vor allem an Geschlechtergrenzen festmachen. Offensiv sexuell agierende Mädchen und Frauen werden von den Männern hier immerzu als Bedrohung verstanden – und müssen im Zweifelsfall mit Gewalt zurück in die Ordnung gezwungen werden. Und Abweichungen von der Ordnung dürfen gar nicht sein; dafür steht Bex (gespielt von Hari Nef) gewissermaßen exemplarisch: Von den Mädchen ihrer Clique voll akzeptiert, ist sie als Transgender the odd one out. Diejenige, deren heterosexuelles Begehren problematisch ist; und der Football-Spieler, mit dem sie im Bett landet, mag, bei aller Zuneigung, dazu öffentlich nicht stehen.

Ein nahtlos und widerspruchsfrei feministischer Film ist Assassination Nation natürlich nicht; dafür ist er viel zu sehr an halbnackten, schlanken Frauenkörpern interessiert und zu wenig an strukturellen Hintergründen. Eher möchte man den Streifen, der von Heathers ebenso inspiriert ist wie von The Purge, irgendwo als Exploitation-Gemisch von High-School-Komödie und Kill Bill lesen.

Es bleibt also nur Bandenbildung; und das Vorbild dazu schaut die Clique eher nebenher im Fernsehen. Später werden sie die roten Mäntel aus Delinquent Girl Boss: Worthless to Confess, einem Pinky-Violence-Film von 1971, symbolisch selbst tragen und den Männern zeigen, zu was eine Mädchenbande in der Lage ist.

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Proud Mary (2018)

Mary ist Auftragskillerin und arbeitet für eine Familie in Boston, die vor allem vom Drogenhandel lebt. Als sie bei einem Job einen alleinstehenden Buchmacher tötet, bemerkt sie erst nach dem Mord, dass er noch einen kleinen Sohn hat, der im Nebenzimmer ein Videospiel spielt, ohne mitzubekommen, was sich nebenan abspielt.

Ihr schlechtes Gewissen lässt Mary dann nicht mehr los. Ein Jahr später hat sich Danny (Jahi Di’Allo Winston) einige Probleme mit dem Drogenhändler Uncle (Xander Berkeley) eingehandelt, für den er inzwischen als Kurier arbeitet. Mary nimmt den Jungen zu sich und will mit Uncle ein ernstes Wörtchen reden; leider artet das Gespräch zu einer Schießerei aus, an deren Ende nur noch Mary auf beiden Beinen steht. Zwar kann niemand die Todesfälle auf sie beziehen, da Uncle aber unter dem Schutz einer rivalisierenden Drogenfamilie stand, geht es in der Stadt bald deutlich ungemütlicher zu – und auch Marys Ersatzvater Benny (der wunderbar böse Danny Glover) will Blut sehen.

Man hat für Taraji P. Henson, die seit Jahren in der Serie Empire zu sehen ist und in Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen neben Octavia Spencer und Janelle Monáe einen großartigen Auftritt hatte, schon lange auf einen Soloauftritt gewartet, der sie zum Strahlen bringt; und auch wenn Proud Mary nicht auf allen Ebenen überzeugen kann, bringt er doch gute Argumente vor, die Frau nicht nur in Dramen, sondern auch als Actionheldin zu besetzen.

Babak Najafi (London Has Fallen) positioniert seinen Film klar in der Tradition des Blaxploitation-Thrillers – das Milieu ist Schwarz, wenn auch eher Crazy Rich als Sleazy, und der Vorspann, zu den Klängen von „Papa was a rolling stone“ von The Temptations, ruft in seinen Bildern und Schriftzügen überdeutlich deren Ästhetik auf. Seine Heldin will er damit in eine Reihe stellen mit Ikonen wie Cleopatra Jones (von Tamara Dobson gespielt) und natürlich Pam Griers Foxy Brown. Dass der Titel Proud Mary dabei auf einen Song von Creedence Clearwater Revival anspielt (der kurz vor dem entscheidenden Shootout auch zu hören ist), verstärkt diese Traditionslinie noch.

Zugleich ist der Film sehr klar und manchmal vielleicht zu sehr in der Gegenwart: Negativ zeigt sich das in der Vorliebe von Najafi (und seinem Kameramann Dan Laustsen) für dunkle Räume und Gänge, die nicht nur die Actionsequenzen zum Teil unsichtbar machen, sondern selbst in den ruhigeren Szenen den Blick auf die Gesichtszüge der Schauspieler verbergen. Es fehlt Proud Mary etwas an der knalligen Farbigkeit seiner Bezugsfilme – Kleidung und Einrichtung changieren düster zwischen Braun, Schwarz, Gold und Silber.

Dafür ist es gelungen, wie nach und nach sichtbar ist, wie und auf welche Weise Mary in die Geschicke dieser Familie verstrickt ist – nicht zuletzt welche Rolle Bennys erwachsener Sohn Tom (Billy Brown) dabei spielt. Und ebenso schrittweise nähern sich Mary und der sehr skeptische Danny einander an; ihre Beziehung treibt letztlich die Handlung bis zur unvermeidlichen Konfrontation am Schluss voran. Dabei ist Proud Mary genug Exploitationkino, dass ihm im Detail nicht besonders viel an echten Emotionen liegt; das mag eine bewusste Entscheidung für’s Genre sein, die Darstellerinnen und Darsteller könnten sicher wesentlich mehr, wenn man sie ließe.

Dafür gibt es dann Shootouts und Kämpfe zu sehen, die klar am Actionkino der letzten Jahre geschult sind. Die Einflüsse etwa von John Wick sind klar zu sehen, auch wenn Proud Mary dessen exzessiven body count nicht anstrebt. Trotzdem: Schwarze Actionheldinnen dieses Kalibers kann es eigentlich nicht genug geben.

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Metaluna 4 antwortet nicht (1955)

Jack Meacham ist schon ein Teufelskerl – man sieht es schon an Rex Reasons markantem Kinn. Der Mann ist promovierter Wissenschaftler und steht womöglich kurz davor, aus Blei Uran herstellen zu können, fliegt locker und allein in einem Kampfjet durch die Gegend und legt im Labor natürlich selbst Hand an. Es waren die aufregenden 1950er Jahre, als Atomenergie schon bedrohlich und dennoch wissenschaftlich alles möglich schien, und Science Fiction-Filme noch mit seltsamem Licht, mit Plastik und Gummi fremde Welten in Szene setzen konnten. Metaluna 4 antwortet nicht (The Island Earth) war bahnbrechend, was die Spezialeffekte anging (Jack Arnold mischte auch mit), aber sonst hat hier noch alles seine Ordnung, die Männer sind klug und heldenhaft, die Frauen zwar vielleicht auch klug, aber jedenfalls oft hilflos und gelegentlich schmachtend. Dr. Meacham erhält seltsame Postsendungen, dann jede Mengen Holzkisten, und unversehens steht er im Kontakt mit außerirdischen Wesen. Anders als in vielen anderen Filmen seiner Zeit sind die Aliens aber keineswegs nur böse; Joseph Newmans Film zeichnet (in breiten Pinselstrichen) auch die außerirdische Zivilisation als moralisch zerstritten. Am Ende stürzt eine fliegende Untertasse ins Meer, die Wissenschaftlern lehnt sich an Meachams Schulter – alles ist gut.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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