Langtexthinweise

Auf critic.de stehen schon seit einiger Zeit zwei Filmkritiken von mir, auf die ich anläßlich des anstehenden Kinostarts beider besprochener Filme noch einmal hinweisen möchte; beide sind auf ihre je eigene Weise eigenartig.

Das wäre zunächst einmal Fighting mit Channing Tatum, von dem man eigentlich nichts erwartet als ein plumpes Sport-/Kämpferdrama, der dann aber Qualitäten entwickelt, auch wenn er sich nie zu ganz großer Klasse aufschwingen mag.

Und natürlich der nach Cannes heiß und lang erwartete Antichrist von Lars von Trier, den zu sehen ich zumindest Menschen mit einigermaßen widerstandsfähigem Magen sehr ans Herz legen würde. Nicht unbedingt, weil ich ihn für ein Meisterwerk hielte, davon bin ich selbst nach zwei Sichtungen noch nicht hinreichend überzeugt. Aber ein viszeraleres Erlebnis von Abstoßung und Hingabe vom und zum Film muß man lange suchen, und Diskussionsstoff hat man sicherlich für Stunden; wer mag kann sich mit Elfriede Jelineks Text in der druckfrischen Cargo (bitte kaufen & abonnieren!) ja schon einmal ein bißchen aufwärmen.

Weiteres zu Antichrist in aktueller, minimaler Auswahl:

FFF 2009: Final Destination 4 (2009)

Alle Beiträge zum Fantasy Filmfest 2009 unter dem Tag FFF2009

fff09_finaldestination4

Zur Final Destination-Reihe wollte ich mich in den nächsten Tagen, wenn’s meine Zeit erlaubt, noch einmal anders äußern; zum vierten Teil speziell ist letztlich nicht so viel zu sagen. Die Idee, das ist nicht ungewöhnlich, hat sich inzwischen ein wenig abgenutzt; immerhin wurde diesmal darauf verzichtet, allzu komplexe Todesszenarien zu spinnen, allerdings geht das ein wenig auf Kosten der Spannung – Teil 3 hatte durch übertriebenes und gerne mal fehlleitendes Foreshadowing auch Spannung erzeugt. Gleichwohl gerät auch der neue Film zum Lehrvideo zur Vermeidung von Unfällen am Arbeitsplatz und im Haushalt.

Dem Einsatz der 3D-Technik verdanken wir in diesem Film den häufigen Tod durch (Richtung Kamera) herumfliegende Gegenstände, es fliegen Körperteile, Organe und Blutspritzer. Insgesamt ist das zumindest effektvoll und wirkt beileibe nicht so künstlich wie bei My Bloody Valentine (2009; meine Kritik), bei dem mich das 3D-Getrickse eher genervt hatte.

Tatsächlich interessiert sich der Film kaum für seine Figuren und für die Art und Weise, wie sie sich mit ihrem drohenden Tod auseinandersetzen, und auch nicht einmal im Ansatz für die metaphysischen Fragestellungen, die dahinter verborgen liegen; die Final Destination-Reihe arbeitet sich jetzt fast nur noch an der Mechanik des Todes ab, die hier eine Mechanik des Verschleißes, der mangelhaften Technik ist. (Ganz im Gegensatz zu den Saw-Filmen, bei denen es die unerbittlich funktionierende Technik ist, die Schrecken und Tod verbreitet.)

Zum Ende hin leistet sich der Film dann eine geradezu ironische Auseinandersetzung mit seinen eigenen Vermarktungs- und Rezeptionsbedingungen. Zwei der Protagonistinnen sitzen im Kino, es läuft ein Film in 3D, und die beiden tragen Brillen von weitaus geringerer Klobigkeit als der Ziegelstein, der mir schon nach einer Stunde Schmerzen auf der Nasenwurzel bereitete. Das Publikum im Saal ist vom Geschehen auf der Leinwand nicht nur gebannt, sondern wird vor Schreck vor den heranfliegenden Illusionen dramatisch in die Sitze zurückgeworfen. Das wirkt doch arg aufgesetzt und wie aus einem Werbespot für die 3D-Technik, wenn man zeitgleich die insgesamt etwas verhalteneren Reaktionen eines realen Publikums (dem man selbst mit angehört) verfolgen kann.

Der Held derweil versucht die beiden jungen Damen zu finden, weil das Kino alsbald Ort des nächsten Unglücks zu werden droht – Final Destination 4 nutzt das übrigens nur minimal dazu aus, die/den Zuschauer_in an seine eigene Position als Kinogänger_in zu erinnern -, aber er kann sie lange nicht finden, weil der Film nicht nur in einem Kino gezeigt wird, sondern in fünf oder sechs Sälen des Multiplexes gleichzeitig.

Das scheint mehr Gag und retardierendes Mittel als irgendetwas anderes zu sein, aber viel direkter kann man eigentlich kaum thematisieren, mit wieviel Marktmacht die 3D-Technik in immer neuen Spektakeln derzeit in die Kinos gedrückt wird, ohne daß dabei wirklich immer besonders Aufregendes zu sehen wäre.

— Sehr hörenswert und inspirativ ist übrigens der F.LM-Podcast zu Final Destination 4.

Foto: Fantasy Filmfest

(Ergänzt am 7. September 2009)

FFF 2009: Kurzkritiken (3)

Alle Beiträge zum Fantasy Filmfest 2009 unter dem Tag FFF2009

fff09_pontypool

Pontypool: Bruce McDonalds im Anschluß an den ambitionierten The Tracey Fragments (meine Kritik) gedrehter Horrorfilm wird meist als Zombiefilm angekündigt, so recht will diese Beschreibung und Zuschreibung aber nicht passen, zu unklar bleibt das Geschehen, zu wenig wird es visuell wahrnehmbar oder gar ausgewalzt.

Pontypool ist vor allem eins: Talk Cinema. Ein Radiomoderator spricht, und wir sehen ihm dabei zu, sehen noch sein Umfeld und seine Kolleginnen, aber es ist vor allem seine Stimme, also die von Stephen McHattie, die die Wahrnehmung bestimmt. Im Keller einer Kirche hat sich die kleine Radiostation des kanadischen Pontypool eingerichtet, und der neue Moderator hat seinen ersten Tag, während es draußen offenbar zu seltsamen Ereignissen und Unruhen kommt.

Sprache ist das Thema dieses Films, und während das im Filmverlauf zu einigen fürs gewöhnliche Horrorkino zu bizarren Wendungen führt, hat sich hier jemand Gedanken gemacht über die Kraft, die in Wörtern, in Schrift und vor allem in Sprache steckt. Unbedingt sehenswert.

fff09_killingroom

The Killing Room: Eine junge Militärpsychologin muß an ihrem ersten Tag an ihrer neuen Top-Secret-Arbeitsstelle in hochgradig illegales Menschenexperiment beaufsichtigen, dessen Ziel ihr zunächst immerhin ein bißchen weniger unklar ist als den Proband_innen. The Killing Room hat im Grunde ein typisches Reality-Show-Szenario (in dieser Hinsicht Prime Time nicht unähnlich): Einer wird rausgewählt. Freilich sind hier die Methoden wenig zimperlich.

Trotz allem kann der Film weder so recht Spannung oder Betroffenheit aufkommen lassen, noch bewegt er sich ästhetisch auf aufregendem Terrain; es gibt Wechsel zwischen Beobachtungsposten, Überwachungskameras und dicht an den Personen geführten Handkameraeinstellungen, das hat man alles schon einmal gesehen. Leider enttäuschte auch der Auftritt einer meiner Lieblingsschauspielerinnen, Clea DuVall, was aber nicht an DuVall liegt, sondern an ihrer Rolle. Das näher zu erläutern hieße schon viel von der Handlung zu verraten.

Fotos: Fantasy Filmfest