Porno, das Musical

Das Projekt PG Porn („For People who love everything about porn… except the sex.“) von James Gunn besteht aus einer langsam wachsenden Reihe von Kurzfilmen, die auf zum Teil eher unsubtile Weise, aber meist sehr, sehr lustig (und stets im Kern jugendfrei), die Stereotype des Pornofilms auf die Schippe und auseinandernehmen.

Schon vor einiger Zeit entstand dabei dieser Clip, auf den Nerdcore jetzt hingewiesen hat; ganz großes Musical!

Einer meiner Lieblingsclips ist der mit Sasha Grey, auch wenn er ein bißchen obvious daherkommt:

Geschichten vom Altern

Wie es ein bißchen der Zufall, mehr aber noch die deutschen Kinotermine so wollen, starten in den nächsten zehn Tagen gleich drei Filme, die ich für critic.de besprochen habe, und die sich auf ihre spezifische Art und Weise mit dem Altern und den Folgen für Liebe und Sexualität auseinandersetzen; zwei tun das in der Form romantischer Komödien, eine indirekter und im Rahmen eines Actionfilms.

surrogates
Foto: Walt Disney Pictures

Damit meine ich natürlich Surrogates (meine Kritik), ein Bruce-Willis-Vehikel, das sich IMHO unter Wert verkauft und viel mehr hätte sein können, als letztlich im Kino zu sehen ist – zum Beispiel eine wirklich spannende Fernsehserie. Aber das ist nur meine erstmal isolierte Meinung. Neben der vordergründigen Mordgeschichte geht es in Surrogates vor allem um die Frage, ob es wünschenswert ist, daß wir unsere so vergänglichen und immerzu vergehenden Körper für den Alltag durch technische Surrogate (Real-Life-Avatare, wenn man so will) ersetzen; und exemplifiziert wird das eben an der von Willis verkörperten Hauptfigur, dessen Ehefrau sich ihres realen Körpers schon so sehr schämt, daß sie damit ihrem Mann nicht mehr gegenübertreten mag.

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Foto: Universal Pictures

So weit würden die Figuren von Meryl Streep und Alec Baldwin in It’s Complicated (meine Kritik) wohl keinesfalls gehen. Denn obwohl sie beide wahrlich nicht mehr jung sind, haben beide zu einem spielerischen und selbstironischen Umgang mit dieser Unvollkommenheit des menschlichen Daseins gefunden. Wobei Streep und Baldwin natürlich, trotz Speck und Falten, beide immer noch unverschämt gut aussehen. Funken schlägt der Film dennoch auch aus dem Alterungsprozeß, auch wenn die Beziehung zwischen Jake und Jane (so heißen, seriously, die beiden Hauptfiguren) Quelle noch weitaus größerer Komik ist. Aber in welcher Komödie führt ein versuchter Liebesakt schonmal zu einem Hausbesuch eines Arztes?

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Foto: Movienet

Für Ariane und Hugo steht das jedenfalls noch nicht an, dafür sind sie noch zu jung. Aber das Ehepaar in De l’autre côté du lit (meine Kritik) ist jedenfalls auch nicht mehr jung und nicht mehr so verliebt wie früher, woran auch die zwei Kinder mitschuldig sein könnten, und so gibt es dann allerhand Händel und Auseinandersetzungen. Und zwischen den von Sophie Marceau und Dany Boon gespielten Protagonisten ist das Alter nur insofern ein Thema, als es für weitere Spitzen im häuslichen Kampf herhalten kann. Aber Teenagerprobleme haben die beiden nicht mehr, sondern einigermaßen erwachsene – das Genre der Romantischen Komödie wird doch nicht etwa einen Reifungsprozeß erfahren?

Ricky Gervais präsentiert die Golden Globes 2010

Ich habe die Golden Globes gestern abend nicht gesehen, aber nach diesem Video, das nahezu zehn Minuten lang Ricky Gervais, der sie präsentierte, solo zeigt, muß ich wahrscheinlich nicht mehr viel sehen, oder? (Die Gewinner hat z.B. Peter.)

Tipps für Szenen, die ich noch ansehen sollte, gerne in die Kommentare. Links are welcome. ;-)

Update: Schade, das Video wurde entfernt, und einen adäquaten Ersatz habe ich noch nicht gefunden. Hier gibt’s wenigstens ein paar der Scherze, ansonsten muß man suchen.

Cloudy with a Chance of Meatballs (2009)

We got diem to carpe!

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Unter den (3D-)Animationsfilmen, die ich im vergangenen Jahr gesehen habe, ist Cloudy with a Chance of Meatballs zwar vielleicht nicht der beste, zarteste, emotionalste – diese Trophäe müßten sich die fantastischen Up und Coraline teilen, wenn man denn da eine Rangliste aufstellen will. Aber er ist jedenfalls die leichtfüßigste, eleganteste und witzigste Komödie, bei weitem unterhaltsamer etwa als der vergleichsweise holprige Monsters vs Aliens.

Cloudy with a Chance of Meatballs (Filmstart in Deutschland: 28. Januar 2010) nimmt die klassische Underdog-Coming-of-Age-Geschichte, mischt ein bißchen sympathischen Mad Scientist dazu und legt dann erst richtig los mit einem wüsten Crossover-Bezugsspiel durch die Filmgenres, daß die Postmoderne nur so mit den Ohren schlackert. Flint Lockwood wächst auf der kleinen und sehr, sehr fiktionalen Insel Swallow Falls auf, die irgendwo im Atlantik vor der amerikanischen Küste liegt, und träumt seit Kindesbeinen davon, ein großer Erfinder zu werden. Er erfindet tatsächlich, nur liegen seine Erfindungen immer jenen haarsträubenden Tick daneben, den es zu wahrer Erfindergröße zu überwinden gäbe. Bis Flint eine Maschine erfindet, die aus dem Wasser von Wolken Essen nach Wunsch produziert und aus der kleinen Insel ein potentielles Schlaraffenland macht – jedenfalls so lange, bis der „perfect food storm“ sich zusammenbraut.

Auf dem Weg zum Finale nimmt der Film von Phil Lord und Chris Miller mit, was mitzunehmen geht: die romantische Komödie für Teenager wird kurzerhand invertiert, indem nicht ein Nerdmädchen mit dicker Brille zur stromlinienförmigen Schönheit mutiert (She’s All That, anyone?), sondern sich die eher zufällig anwesende Wetterfee Sam Sparks als Flints Schwester im Geiste entpuppt, eine Vollblut-Meteorologin, die ihre wissenschaftliche Expertise vor der Welt versteckt, weil diese an klugen Frauen nicht interessiert ist – und die Medienwelt, in der sie arbeitet, schon mal gar nicht. (Flint natürlich schon; daß er im Übrigen der Held des Films bleibt, der Erfinder und Macher, zeigt dann eben doch, wie sehr auch Cloudy with a Chance of Meatballs nicht aus der Haut des Mainstreams herauskann. Und natürlich ist er der emotional unreifere der beiden – „You really thought having allergies would make you more attractive?“ muß sie ihn gar einmal fragen.)

Das alles ist angemessen cartoonhaft überzeichnet; in der Physiognomie der Menschen zeichnet sich immer schon auch ihr Wesen ab. Das kann der Trickfilm, warum sollte er es nicht machen? Die Charakterisierungen, die nicht nur Typen hervorbringen, funktionieren so gut, und zwischendurch darf es dann auch mal flott mit einem fliegenden Auto (Flints zweitem Versuch – „now with wings!“) à la Star Wars durch die Lüfte gehen. Das alles ist rasend schnell, Slapstick und Wortwitz auf Speed.

Vorher sahen wir übrigens schon, wie der Nahrungssturm die Welt in Atem hält. Ganz den Weltuntergangsszenarien à la 2012 (meine Kritik) und Armageddon verpflichtet, werden da London, Paris und andere bekannte Orte unter riesenhaft vergrößerten Speisen begraben. Dieser Sturm, berichtet Sam atemlos in ihre Kamera, verfolgt ein seltsames Muster: Er trifft zunächst nahezu zeitgleich und ausschließlich die weltweit bekanntesten Sehenswürdigkeiten!

Foto: Sony Pictures

The Best & the Wurst of 2009

(Bin spät dran; weitere Gedanken zum Filmjahr 2009 etwa von Peter, Thorsten, Sascha, Stefan, Thomas, Abspannsitzenbleiber und Lukas.)

Ich habe im vergangenen Jahr lange nicht so viele Filme gesehen, wie ich gerne hätte sehen wollen; vor allem habe ich viele (noch) nicht gesehen, die mir wichtig gewesen wären, namentlich etwa The Hurt Locker, Eastwoods Gran Torino, Moon, Milk, In the Electric Mist, The Fall, Thirst, The Wrestler, Adventureland oder Fish Tank. Etwa die Hälfte davon steht schon als DVD in meinem Regal oder ist bestellt, und da ich in den nächsten Wochen mehr Zeit haben werde, bin ich optimistisch, da einiges nachholen zu können.

Beginnen wir ganz unten, und ganz am Anfang. Mein erster Film des Jahres war zugleich einer der schlechtesten, den ich 2009 gesehen habe: The Spirit (meine Kritik). Ähnliche Erlebnisse boten Twilight, 300 und The Unborn, übertroffen allein und fulminant nur von The Mutant Chronicles, dem wirrsten und planlosesten (not in a good way) Film des Jahres, den zu verstehen mir nur dadurch möglich war, daß ich, es irrtümlich für die Romanvorlage haltend, vorher das Buch zum Film gelesen hatte, das in der Tat besser ist als der Film. Was wirklich kein Lob ist.

Weitere echte Belästigungen für Auge und Ohr waren Miss March, ein schwächlich-machististischer Teenagertraum (meine Kritik), und The Marine, der alles vereint, was Actionfilme uninteressant machen kann. Unglücklicherweise gibt es davon sogar noch eine Fortsetzung, allerdings ohne John Cena.

Zu den Besten des Jahres gehören für mich jedenfalls nicht die Großfilme wie 2012 (meine Kritik) oder Avatar. Die laufen allenfalls unter „interessant“, was ebenso auch für die kleine Kontroverse um Gamer gilt, den ich eher mau fand („Schrott auf hohem Niveau, näher kommt das Kino dem Cyberpunk nur selten.“), eine Einschätzung, die wohl die meisten Kritiker_innen teilen, dem aber Ekkehard Knörer und Steven Shapiro einiges abgewinnen können, und das mit guten Argumenten. Ich werde mich wohl bei Erscheinen der DVD noch einmal damit auseinandersetzen.

Viele „meiner“ Filme des vergangenen Jahres waren wirklich gut (die meisten sind hier bei moviepilot aufgelistet, mit vage hilfreichen und immerhin teilweise zutreffenden Bewertungen in Punkten von 10), und ich habe mich zum Beispiel gefreut, daß ich endlich Zeit für Donnie Darko und Southland Tales hatte, kurz bevor Richard Kellys neuer Film The Box hier zu sehen war.

Und dann waren da aber auch noch die Watchmen, die immerhin so gut funktionierten, daß man nicht schreiend aus dem Kino rennen mußte, auch wenn der Film gegen die Wucht und Enzyklopedität der Vorlage eigentlich nicht einmal näherungsweise anrennen konnte und letztlich doch zu sehr in die Falle lief, Superheld_innen primär gut zu finden. Und natürlich hat der Film den besten Vorspann des Jahres.

Was war das Beste am Filmjahr 2009? Erst einmal die Animationsfilme: Up, Coraline und Cloudy With a Chance of Meatballs sind auf ihre je sehr eigene Art witzig, flott, emotional und ernst. Kaum etwas kann die Möglichkeiten dieser Technik besser zeigen als dieser wunderbare, im zweiten Teil fast ohne Worte auskommende Clip aus Up:

Mein Film des Jahres war im Rückblick wohl dann doch Tarantinos Inglorious Basterds, über den Thorsten so kluge Dinge geschrieben hat, daß ich lieber schweigen möchte. Aber die brennende Leinwand: Toll! Die langen Dialogszenen im Bauernhaus und in der Kneipe: Umwerfend! Christoph Waltz: Jeder Auszeichnung würdig. Etcetera.

Die ersten Verfolger fahren dicht auf und in engem Pulk: Antichrist natürlich (meine Kritik), prätentiös und gelegentlich maniriert bis an die Grenze, aber ungemein effektiv und in jeder Hinsicht unter die Gürtellinie zielend. Langweilig ist dieser Film jedenfalls nicht, selbst wenn man Lars von Trier dafür aufrichtig und lange beschimpfen möchte. Dann Hanekes Das weiße Band, der unter seiner Oberfläche so einiges zu verstecken weiß. Zu Bronson (meine Kritik) und The Brothers Bloom (meine Kritik) habe ich mich schon ausführlich geäußert, und so fehlt nur noch ein Film zum Jahresabschluß, über den ich mir zugleich noch nicht ganz sicher bin.

Bei Where the Wild Things Are frage ich mich nach wie vor, ob dieser Film nicht Eltern auf eine sehr direkte Art gänzlich anders anspricht als Nicht-Eltern: Weil mir die ganzen Szenen mit den „Wild Things“ in ihren zugegeben tollen Kostümen recht bald langweilig wurden und zu sehr als küchenpsychologische Rumklempnerei erschienen (um es jetzt mal sehr platt ins Blaue hinein zu formulieren), während ich vor allem den Anfang und den Schluß, die Auseinandersetzungen von Max mit seiner Schwester, deren Freunden sowie mit seiner Mutter, derartig herzzerreißend präzise fand, so sehr mit elterlichen Ängsten um ihre Kinder korrespondierend. Ist das nun längst nicht mehr unbewußte Furcht des Vaters um das Dasein seiner Kinder, oder bin ich da auf eine kleine Wahrheit gestoßen? Da würde mich Eure Meinung doch interessieren.

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