30 Days of Night: Dark Days (2010)

Zugegeben, wer sich davon nicht abschrecken läßt, daß es sich bei einem Film um die Direct-to-Video-Fortsetzung eines mäßig gepriesenen Genrestreifens handelt, der rechnet womöglich mit Enttäuschungen, und hängt seine Erwartungen nicht allzu hoch oben aus dem Fenster, zum Trocknen oder was man eigentlich mit Erwartungen macht, die man überhaupt hat.

Egal: Obwohl 30 Days of Night: Dark Days in der Handlungschronologie direkt nach dem Vorläufer 30 Days of Night (meine Kritik) ansetzt, sehen wir hier natürlich nur eine Person wieder, die auch im ersten Film vorkommt. Stella hat als Einzige das Gemetzel in Barrow überlebt, und will nun durch Vorträge Menschen davon überzeugen, daß es Vampire wirklich gibt.

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In Los Angeles trifft sie auf andere Überlebende von Vampirangriffen, die sich zusammengeschlossen haben, um gegen die Blutsauger zu kämpfen und insbesondere deren „Königin“ Lilith (Mia Kirshner) auszuschalten. Mit einiger Mühe können sie Stella davon überzeugen, sich ihnen anzuschließen und gegen die Vampire in den Kampf zu ziehen.

Angeblich waren es Termingründe, die Melissa George davon abhielten, auch in diesem Film wieder die Stella zu geben – vielleicht war sie aber auch einfach klug genug, dem Projekt unter Regisseur Ben Ketai, der hier seinen ersten Langfilm vorlegt, keine besonders große Zukunft vorherzusagen. Kiele Sanchez, die an ihre Stelle getreten ist, macht ihre Sache recht gut, aber auch sie kann gegen die Schwächen in Drehbuch und Inszenierung nicht viel ausrichten.

Die Probleme des Films beginnen schon damit, daß zu viele seiner Plotelemente aus anderen, besseren Genrebeiträgen abgekupfert sind, vor allem Blade: Trinity (meine Kritik) meint man, mit seiner zusammengewürfelten Vampirjäger_innentruppe, der bösen Vampirkönigin (dort: die richtig großartige Parker Posey) und den schwarzblauen Dekors, immer wieder vor sich zu sehen. Nur daß die stilbildenden Blade-Filme nicht nur erheblich schicker aussahen (und ihre Protagonist_innen sowieso), sondern sich auch ihres Camp-Charakters stets bewußt waren.

30 Days of Night: Dark Days stellt da, mit seinen miserabel ausgerüsteten und vorbereiteten Kämpfer_innen, die durch völlig unlogische Handlungsentwicklungen hindurch sich nicht einmal die Zeit nehmen, ihre blutverkrustete Kleidung zu wechseln, schon eher seine eigene Trashigkeit aufs Podest – nur leider weder ironisch noch absichtlich. Wenn die Action losgehen sollte, fängt die Langeweile erst so richtig an; und letztlich ist die in ihrer Inszenierung ans Pornographische grenzende Sexszene, milde charakterlich begründet, nur ein weiterer Beweis dafür, mit wieviel Ratlosigkeit dieser Film entstanden sein muß.

Foto: Sony Pictures Home Entertainment

R.E.D. (2010)

Menschen haben ja unterschiedliche Methoden, mit dem Ruhestand umzugehen – die einen stürzen sich ganz in ihre Hobbies oder fixen Ideen, andere vereinsamen in leeren Wohnungen, weil sie ohne ihre Arbeit und die Kolleg_innen keinen Sinn im Leben finden können. Und dann wieder gibt es die praktisch-pragmatischen, die ihren Alltag mit den Tagesabläufen des bürgerlichen Wohlstands strukturieren – Silber polieren, Blumen schneiden, Kekse backen – und fürs seelische Gleichgewicht arbeiten sie ab und an mal als Freelancer doch noch ein bißchen. „I take the odd job on the side“ gesteht Victoria (Helen Mirren) so auch ihrem Ex-Kollegen Frank (Bruce Willis).

Frank hat ein recht spezielles Problem: Sein Arbeitgeber hat sich seiner erinnert und aus diesem Anlaß gleich eine ganze Todesschwadron auf ihn losgelassen. Denn Frank war früher bei der CIA und hatte einige der brisantesten Geheimaufträge und Ermordungen für den amerikanischen Geheimdienst erledigt; warum aber er seinerseits jetzt sterben soll, wüßte er doch zu gern.

R.E.D. (die Abkürzung steht laut Film ein bißchen bescheuert für „Retired. Extremely Dangerous“) ist an der Oberfläche erst einmal eine ziemlich bleihaltige Geheimdienstklamotte, in der sich ein kleiner Trupp von Ex-Superagent_innen gegen aktive CIA-Kader zur Wehr setzen muß. Darunter versteckt der Film eine clevere kleine Komödie zum Generationenkonflikt (natürlich nicht nur) für die Generation, die mit den James Bond-Filmen groß geworden ist und jetzt meist vergeblich nach Identifikationsfiguren im Agentenfilm sucht.

Die ruheständlerischen Alten, die es mit der Eleganz und Arroganz der größeren Erfahrung natürlich locker aus Hüfte und Handgelenk mit den frechen, jugendlichen Emporkömmlingen aufnehmen, haben jedenfalls alle die Gestalt bekannter Größen des Hollywoodkinos, und ihre Figuren erschließen sich nur vollständig, wenn man ihre vorherigen Rollen im Blick behält. So wird Hellen Mirrens Victoria, ehemalige Agentin des britischen Geheimdienstes, erst dann richtig rund, wenn man Mirrens Arbeit als Auftragskillerin in Shadowboxer oder ihre herausragende Polizistin aus Prime Suspect kennt – und natürlich die Titelrolle in The Queen. Dann wird die gelassene, freundliche und sehr britische Auskunft über ihre berufliche Tätigkeit, die sie Franks junger Freundin Sarah (Mary-Louise Parker) gibt, noch viel herzzerreißend komischer: „I kill people, dear.“

Im Generationenkonflikt kann das aber auch heißen: „Old man, my ass!“, wie es John Malkovich als Marvin Boggs formuliert, ein mit zuviel LSD in die Paranoia getriebener Einzelgänger; aber ist es noch Paranoia, wenn sie wirklich hinter dir her sind? Malkovich wirkt ja derzeit manchmal fast abonniert auf die Rolle der leicht bis schwer Wahnsinnigen (man denke an Burn After Reading oder gar Jonah Hexmeine Kritik), aber hier paßt das hervorragend ins Rentner_innenteam (komplettiert übrigens von Morgan Freeman).

Die Inszenierung von Robert Schwentke ist dann allerdings alles andere als rentenrüstig, sondern ziemlich flott. Wenn die CIA-Agenten angerannt kommen, folgt man ihren Waffen zuweilen wie in Ego-Shooter-Computerspielen, und die Bilder von Überwachungskameras und -satelliten setzen sich wie Comicpanels nebeneinander. Das mag auf die Sehgewohnheiten des jungen Publikums abzielen (die damit natürlich, schließlich sind es die Antagonisten, die wir dabei sehen, ironisch kommentiert werden) und nimmt zugleich darauf Bezug, daß die Geschichte aus dem Comic stammt, aus einer Graphic Novel von Warren Ellis und Cully Hamner.

Die zahlreichen Szenen- und Ortswechsel quer durch Amerika – eine inhaltlich meist leere Geste des Agentenfilms – kippt Schwentke ins Komische, indem er sie durch Bilder animierter Urlaubspostkarten einleitet, und wenn es zu Feuergefechten kommt, dann wird geklotzt und nicht gekleckert – so daß man sich nach 45 Minuten, wenn die fast zwei Stunden Laufzeit des Films noch lange nicht vorbei sind, tatsächlich zu fragen beginnt, was denn jetzt noch alles folgen soll. Und da haben die Protagonist_innen das Komplott, dessen Opfer sie sind, noch gar nicht so richtig verstanden.

Und auch wenn die Verschwörung, um die es hier geht, am Ende ein wenig schlaff in sich zusammensackt – R.E.D. ist ein erfrischender, beschwingter und sehr actionlastiger Beitrag zum Generationenkonflikt. (Und der kalte Krieg, der wird hier sympathischerweise ganz still und leise, aber sehr elegant und romantisch als schon zu seinen Lebzeiten unbrauchbar verabschiedet. Die größere Gefahr liegt eben doch tief im Landesinneren.)

Foto: Concorde Film

Ab morgen: Der Ninja-Marathon

Am morgigen Freitag, den 29. Oktober, wird Oliver Nöding aka funkhundd seinen bereits vor einiger Zeit angekündigten Ninjafilm-Marathon beginnen – u.a. mit Liveblogging hier und anderer Berichterstattung. Das wird gewißlich ein kurzweiliges Vergnügen, auch wenn vermutlich nicht alle Leser_innen sich gleichermaßen für dieses Subgenre der Martial-Arts-Filme interessieren können.

(Bisherige Texte von Oliver zum Ninjafilm finden sich zum Beispiel hier und hier bei F.LM.)

Der Golem (1920) mit neuer Musik

Wie René berichtet, ist seit drei Wochen der Stummfilmklassiker Der Golem, wie er in die Welt kam in der Neuvertonung durch Black Francis (von den Pixies; Homepage) komplett auf vimeo bereitgestellt:

Da der Film mittlerweile im Public Domain ist, ist die Entscheidung des Musikers, den Film auch mit seiner neuen Musik ebenfalls der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, nur zu begrüßen.

Daß der Film für 88 Jahren keinen Ton gehabt habe, wie bei vimeo behauptet wird („Groundbreaking as it was, the film sat ’silent‘ for nearly 88 years until the San Francisco International Film Festival requested Black Francis score the film and perform it live for their annual film festival in April, 2008.“), stimmt freilich so nicht. Es gab natürlich eine Filmmusik von Hans Landsberger, die 1920 bereits gespielt wurde und von der ich annehme, daß sie in dieser Fassung zu hören ist (kann das jemand bestätigen oder verneinen?), und eine Fassung des Films mit der, äh, modernen Musik von P. Emerson Williams ist bei archive.org verfügbar oder hier als Flashvideo.

Darüber hinaus gibt es auch noch eine Filmmusik von Ajoscha Zimmermann, die 2002 für die restaurierte Fassung des Films entstanden ist und u.a. bei arte schon gezeigt wurde.

Weitere zweihundert frei (und legal) verfügbare Filme gibt es übrigens auf dieser Seite recht übersichtlich aufgelistet.

Addendum 2. November 2010: Hier gibt es noch 21 Mini-Essays zum Golem (auf Englisch; via).

Text zu Filmstart (28. Oktober 2010): Wir sind die Nacht

Ich hatte Wir sind die Nacht ja schon vorvergangene Woche auf dem Filmfestival in Sitges gesehen – und mich erfreut (und ein bißchen überrascht) dazu geäußert, einen recht brauchbaren deutschen Vampirfilm gesehen zu haben. Etwas detaillierter habe ich meine Gedanken (und Bedenken) für critic.de aufgeschrieben.

Foto: Sitges Film Festival

Kurzfilm: Der Mieter

Netter kleiner Berliner (Friedrichshainer!) Gruselfilm mit Nina Neubert, Nils Adolf Schulz und mit Musik von Mirko Rizzello. Drehbuch & Ton: James Lane; Kamera, Schnitt, Produktion, Regie: Dave Lojek (Apeiron Films; Blog).

(via)

Kurzfilm: United Monster Talent Agency

Dieser Kurzfilm von Greg Nicotero, der auch auf dem Festival in Sitges zu sehen war, zeigt uns, wo die klassischen (und einiger der postklassischen) Hollywoodmonstren wirklich herkommen. Wenn das eingebettete Video nicht funktioniert: Hier sollte man den Film sehen können.

Und ein paar Cameos gibt es auch…

The Dark Lurking (2010)

Es gibt Momente, da kommt der Job des Filmkritikers einer gesellschaftlich-hygienischen Aufgabe gleich: Wenn wir uns Dinge ansehen, damit die Leser_innen es nicht tun müssen. Wobei es natürlich nicht stimmt, daß irgendjemand The Dark Lurking sich überhaupt je ansehen müßte, nicht einmal ich. Aber manchmal habe ich so masochistische Momente, oder den Drang danach, doch wenigstens einen Blick zu werfen auf das schon vorab von anderen beschimpfte Artefakt.

Und wenn man dann den Blick nicht lösen kann, hat das eben was vom Blick auf den gerade stattfindenden Autounfall. Ganz am Anfang von The Dark Lurking steht irgendwo zu lesen, bei dem Handlungsort handle es sich um eine Station für „Metaphysical Research“, aber wer hier einen Film von irgendwie metaphysischen Qualitäten erwartet, der liegt extrem schief gewickelt. Das steht da halt so, wie auf dem Cover auch als deutscher Verleihtitel Alien vs Zombies steht, obwohl das mit der Handlung nichts zu tun hat – allenfalls sehen die in schlechte Latex-Verkleidungen gesteckten Monsterstatisten entfernt Zombies und in wenigen Fällen Gigers Alien ähnlich – und hier auch nur Menschen gegen alles andere kämpfen.

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Irgendwann im letzten Drittel wird man dann darüber aufgeklärt, daß es sich tatsächlich um irgendwie übersinnlich behaftete Phänomene handle, mit denen man hier lautstark schießend aufräume – tatsächlich sind, wieder einmal, die Nazis mit ihrem Interesse an Übersinnlichem mit Schuld. Wer hätte das gedacht?

Allerdings werden die meisten Menschen kaum bis zu diesem Moment der Offenbarung gelangen, denn sogar mir ging dieser Film schon nach zwanzig Minuten derart auf die Nerven, daß ich ihn über weite Strecken nur noch im schnellen Vorlauf mit Untertiteln ertragen konnte. Die Dialoge – wenn man das so nennen darf, der erste Austausch von mehr als Satzfetzen zwischen zwei Personen findet nach ca. vierzig Minuten statt; in Sharktopus sind die Texte bedeutungstragender – sind emotionslos aufgesagt und gehen über die stereotypsten Aussagen nicht hinaus.

Ansonsten gibt es jede Menge Dunkelheit und Rauch, sowie vor allem feuchte, mit dünnem, grünen Licht kaum gefüllte Gänge, durch die die Figuren mit zahlreichen Waffen und Anschlußfehlern hindurchwanken; daß man sich in den Räumen der angeblich unterirdischen Forschungsstation (Resident Evil, anyone? – am Anfang wacht ja auch noch eine sonst nackte Frau unter einem Laken auf! Wie originell!) nie zu orientieren vermag, ist nur eine der offensichtlichsten Inszenierungsschwächen des Films.

In den letzten zwei, drei Minuten des Films geschieht dann etwas völlig Unerwartetes: The Dark Lurking gelingt ein Bild von emotionaler Düsternis und Grauen. Ernsthaft jetzt. Aber wer will sich dafür schon durch anderthalb Stunden filmisches Grauen winden? Eben.

Foto: WVG Medien

Sitges 2010: die restlichen Filme

Zum Abschluß der Filmübersichten (einige ausführliche Kritiken folgen in den nächsten Tagen) noch eine Handvoll Filme, die ich am Festival auch gesehen habe, die hier aber aus unerfindlichen Gründen bisher unter den Tisch gefallen waren:

After.Life

Als sei sie in die Addams Family zurückgekehrt, so blaß und zombiehaft wirkt Christina Ricci hier, was ihre Schönheit vielleicht noch intensiver erscheinen läßt. Fast leuchtet sie von innen in After.Life, wären da nicht die dunklen Augenringe. Natürlich muß sie zugleich hinfällig aussehen, schließlich ist sie – darum geht es – tot, jedenfalls behauptet ihr Bestatter (ein gruseliger Liam Neeson) das, der ihren Körper langsam für die Beerdigung vorbereitet. Nur er könne mit den Toten sprechen, sagt er, und immer wehrten sie sich gegen das Unvermeidliche. So ganz glaubt die Tote ihm nicht, aber auch die Zuschauer_innen werden bis fast zum Schluß darüber im Unklaren gelassen, was hier eigentlich vor sich geht. Für einen richtig mitreißenden Thriller gerät das gleichwohl ein wenig dünn, für eine Meditation über Leben und Tod ist Agnieszka Wojtowicz-Vosloos erster Langfilm etwas zu unterkomplex. Dennoch ein sehenswerter Film für eine Gewitterherbstnacht.

Sharktopus

Dieses Direct-to-TV-Streifchen des amerikanischen SyFy-Kanals kann sich zwar mit dem Namen Roger Cormans als Produzenten schmücken, aber auch mit dem Titel für die schlechtesten Spezialeffekte des Festivals. Mit einigem Abstand. Außerdem mit dem Preis für das grauenhafteste Drehbuch, die dümmsten Dialoge und schmerzhaft talentfrei agierende Schauspieler. (Newsflash: Wie mir aus gut informiertem Munde zugetragen wurde, wurde bei der hiesigen Mitternachtsvorstellung von Sharktopus auch noch Birdemic gezeigt, der offenbar an dessen Stelle alle hier von mir verliehenen Preise verdient hätte.)

Wenn Sie jemals gegen einen riesenhaften, gentechnisch hergestellten Hai-Oktopus-Hybriden kämpfen müssen sollten, der minutenlang auch außerhalb des Wassers existieren kann und dort auf seinen Oktopus-Armen herumläuft, wäre es klug sicherzustellen, daß Ihr Granatwerfer nicht dauernd klemmt. Andererseits füllt man so Filmzeit, und die ist nicht nur für die Werbekunden wichtig, sondern kann ja z.B. auch dazu dienen, alle paar Minuten ein paar knapp bekleidete junge Damen durchs Bild laufen zu lassen. Schließlich sind wir am Strand in Mexiko.

Andererseits ist das natürlich alles – und dafür steht ja nun der Name Corman auch – beste Trash- und Exploitationtradition. Und wenn man mit ausreichend Bier oder ähnlichen Stimmungsaufhellern versorgt ist, kann Sharktopus sicher der Star jedes Filmabends werden.

Defendor

In Sitges kam Defendor, nur in einer einzigen Vorstellung gezeigt, ein bißchen wie der kleine, nicht so lustige Stiefbruder von James Gunns Super daher, und in der Tat ist der Erstling von Autor und Regisseur Peter Stebbings (der vorher vor allem als Darsteller gearbeitet hatte) ruhiger, ernsthafter als Super, zugleich aber moralisch wie ästhetisch weniger komplex. Woody Harrelsons Hauptfigur Arthur Poppington ist eine klar positiv akzentuierte Person, und sein Wunsch nach Gerechtigkeit wie die Wahl seiner Mittel – Superheldentum mit einfachen Mitteln – wird unter anderem auch dadurch geadelt, daß Arthur als geistig eher schlichtes Wesen gezeichnet wird. Sein Handeln sei dadurch eben nicht gefiltert durch die Strukturen von Recht und Gesetz, habe mit den Grauzonen von Rechtsprechung und Undercover-Ermittlungen wenig zu tun.

The Final

Die High School, noch so ein amerikanischer Filmtopos, ist die Hölle, bzw. dort natürlich die Anderen. In der geläufigsten Tradition der Schulfilme sind es am Ende die Underdogs, die Außenseiter und Geeks, die doch die Oberhand behalten – moralisch natürlich sowieso. The Final spielt einmal eine andere Phantasie einigermaßen konsequent durch: Die brutale, auslöschende Rache der Unterdrückten an ihren Peinigern, und zwar nicht ungeplant und in einer emotionalen Ausnahmesituation wie in, zum Beispiel, Carrie, sondern als kühl kalkulierte, wohlvorbereitete Abendveranstaltung. Alle coolen Leute werden zu einer Party eingeladen, und dort werden dann die Prom Queens und Jocks mit Zangen, Messern und ätzenden Substanzen traktiert. Die Schwäche von Joey Stewarts Film ist nun auch nicht, daß die Grundidee nicht bis zum Schluß tragen würde, sondern daß es zu viele Stränge gibt, die das Drehbuch zwar andeutet, der Film aber nie umsetzt. Denn natürlich gibt es Konflikte zwischen den mörderischen Außenseitern, aber die werden nie dazu genutzt, Spannung zu erzeugen; und die gefesselten Opfer sitzen die meiste Zeit nur passiv herum und sagen gar nichts. Das Problem daran ist nicht, daß der Film nicht alle Möglichkeit ausnutzen würde, sondern vielmehr, daß er an diesen Stellen unglaubwürdig wird, die Figuren zu Erfüllungsgehilfen seiner eigenen Racheidee macht, ohne ihnen ein komplexes Eigenleben zu schenken. So wird dann auch das sukzessive Quälen der Mitschüler zu einer in der Ikonographie offensichtlich an Saw und Hostel geschulten, aber leblosen Nummernrevue ohne emotionale Kraft.

Fotos: Sitges Film Festival