Drei Männer im Schnee (1955)

Drei DVDs des Films gibt es bis kommenden Samstag noch hier zu gewinnen.

Logo Weihnachtsfilm-Blogathon

Wenn es keine Millionäre gäbe, müßten sie erfunden werden. die Menschheit braucht sie. als Steuerzahler, als Wirtschaftskapitäne … und als Lustspielfiguren. Mit diesen Worten beginnt Drei Männer im Schnee, eine Verfilmung der gleichnamigen Erzählung von Erich Kästner (Amazon-Link) aus dem Jahr 1955, und der Geist eines großväterlich-wohltätigen Kapitalismus (und ironischen Verhältnisses zum eigenen filmischen Tun), der aus ihnen spricht, zieht sich denn auch durch den ganzen Film.

[filminfo_box]

Ein Multimillionär, der sich wenig für die Details der Geschäftsführung seines Unternehmens interessiert, hat inkognito an einem Preisausschreiben seines eigenen Unternehmens teilgenommen und einige Tage in einem Luxushotel in den Bergen gewonnen. Dieser Eduard Schlüter (Paul Dahlke) ist ein ganz bodenständig gebliebener Mann, dem es ein wenig auf die Nerven geht, daß sich alle so sehr um sein Wohlergehen bemühen, und er möchte gerne mal schauen, wie ihn die Menschen behandeln, wenn er als armer Tropf daherkommt. Vor Ort trifft er, als Eduard Schulze, den anderen Gewinner, den jungen Dr. Fritz Hagedorn (Claus Biederstaedt) – der ist ein grundsympathischer Mensch natürlich, leider arbeitslos und erst vor kurzem mit seiner Bewerbung bei den Schlüter-Werken gescheitert. Da Schlüters Tochter das Hotel über die Ankunft ihres Vaters informiert hat, hält man dort versehentlich Hagedorn für den Millionär und behandelt ihn mit übertriebener Aufmerksamkeit, während Schlüter/Schulze selbst in einer unbeheizten Dachkammer untergebracht wird, da man den ärmlich gekleideten Mann schnell wieder vergraulen will.

So entspinnt sich eine sehr amüsante, völlig harmlose Verwechslungskomödie, in der Hagedorn ob seiner angeblichen Millionen von einer milde bedrohlichen Frau beharrlich angegraben wird, während Schlüter/Schulze das Geschehen mit großem Amüsement verfolgt – seinen Diener Johann Kesselhut (Günther Lüders), der als Begleitung mitgekommen ist, aber einen wohlhabenden Adeligen zu spielen hat, schickt er auf die Piste, er solle Skilaufen lernen; und dann ergötzt er sich an dessen Mühen.

Seine Filme sind Milieustudien, bisweilen auch Karikaturen deutschen (Spiess-)Bürgertums, von augenzwinkernder Ironie, gemütvoll und mit einem unerschöpflichen Arsenal an skurrilen Charakteren.

Das hat Michael Wenk in der NZZ in einem schönen Portrait über den Regisseur Kurt Hoffmann geschrieben, und es trifft auch hier zu: Natürlich ist der Humor vielleicht nicht der flotteste und frischeste, aber er ist wohlwollend leichtfüßig, was auch heißt: ohne große Gedankenschwere.

Zugleich ist Drei Männer im Schnee nicht nur ein Dokument der anscheinend zumindest für manche besseren, alten Zeit, sondern aus heutiger Sicht auch eine Zeitstudie über Dekor, Manierismen und Haltungen der Nachkriegszeit, in dem sich die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, nicht zuletzt auch und gerade die Geschlechterordnung widerspiegeln. Vielleicht ist es (für mich) an der Zeit, die Filme Hoffmanns, die, aus dem Fernseher heraus, Filme meiner Kindheit waren (Das fliegende Klassenzimmer, Ich denke oft an Piroschka, Das Wirtshaus im Spessart wie auch Das Spukschloß im Spessart) nochmal genauer daraufhin zu sichten: Wie sehr sie – und das mag auch auf Hoffmanns wohl problematischsten Film Quax, der Bruchpilot zutreffen -, immer wohlwollend, und genau darin womöglich entlarvend, als fiktionale Linsen auf ihre jeweilige Zeit taugen. (Aber das trifft vielleicht auf alle Filme zu. Oder nicht?)

(Drei Männer im Schnee ist jetzt von MFA+ neu veröffentlicht worden, worauf manche ja schon seit einiger Zeit warteten.)

Hyperventilierende visuelle Bombe: Sucker Punch

Die Werbemaschinerie zu Zack Snyders Sucker Punch läuft bereits beharrlich, auch wenn der Film erst in drei Monaten, dann aber in vielen Staaten gleichzeitig, zu sehen sein wird. Ich hatte hier schon einmal einen Trailer gepostet, in der neuen „Featurette“ sind noch einige kurze Sequenzen mehr zu sehen; und noch mehr wirkt der Film wie eine hochtourige Variation auf Tim Burton-Filme mit vielen, vielen Schußwaffen und Explosionen. Oder wahlweise DOA: Dead or Alive (meine Kritik) auf Speed.

(via)

Takers (2010)

Was ist eigentlich mit der Kunst geschehen, eine Verfolgungsjagd ordentlich zu inszenieren? Da gab es ja einstmals so revolutionäre Momente wie in The French Connection im Auto quer durch die Stadt einer Hochbahn hinterher – und jeden Moment der Jagd durchlebt man mit, stets weiß man aber auch, was passiert. Nach dem letzten Wochenende muß ich annehmen, dieses spezifische Inszenierungsvermögen sei wohl nach Europa ausgewandert, denn da konnte ich sehen, daß in À bout portant Fred Cavayé zeigt, wie man das macht – und in Takers bekommt man stattdessen den Eindruck, daß John Luessenhop seine Kameraleute gezielt hin- und hergeschubst hat, weil er verwackelte Bilder für spannungsfördernd hält. Örks.

[filminfo_box]

Dabei fängt es alles recht hübsch an. Eine Gruppe von gutaussehenden, wohlgekleideten Männern beschäftigt sich in ihrer Freizeit damit, perfekt durchgeplante Überfälle zu begehen – man kann sie dabei beobachten, wie sie eine Bank mitten in einem Wolkenkratzer ausnehmen, ohne daß jemand zu Schaden kommt, samt der elegantest eingefädelten Flucht der letzten Filmjahre. Am Abend drauf treffen sie sich wieder, man vertraut einander, ist freundlich zueinander und generell macht das viele Geld da keinen Unterschied, denn man kennt sich offenbar noch aus der Kindheit im Rinnstein.

Wer jetzt erwartet, daß da unter der Oberfläche etwas lauern könnte, wird tief enttäuscht werden. Die Figuren bleiben so blaß und wohlerzogen, wie es nur irgend geht – die etwas wichtigeren Personen (Idris Elba, Paul Walker, Tip „T.I.“ Harris) bekommen ein kleines persönliches Problem oder Charakteristikum aus der Grabbelkiste des Genres angepappt (hier eine alkoholkranke Schwester, dort eine hübsche Frau – Zoe Saldana ist als eye candy und trophy wife überqualifiziert und unterbeschäftigt), die sich dann prompt auch ganz den üblichen Erwartungen gemäß verhalten. Dann gibt es noch einen Cop (Matt Damon) mit kaputter Ehe, der keine rechte Beziehung zu seiner Tochter hinkriegt, weil er sich von seiner Arbeit auffressen läßt.

All das führt nie irgendwohin, sondern bleibt funktionales Beiwerk, das die essentielle Leere der Figurenzeichnung verdecken soll; wie zum Ausgleich sind die wahren Antagonisten dann auch aufs Peinlichste reduziert: Trinkende, im Geiste grobschlächtige Russen mit großen Gewehren. Richtung Ende, nachdem ein (das immerhin thematisiert der Film auch explizit) direkt aus The Italian Job geklauter Heist gnadenlos schief geht, wird es dann hektisch und nervös; es gibt jede Menge Schießereien und jede Menge Tote, aber an Komplexität nimmt der Film nicht mehr zu, und seine Nebenthemen versanden in einem pseudoversöhnlichen Schluß.

Foto: Sony Pictures

The Long Kiss Goodnight (1996)

Logo Weihnachtsfilm-Blogathon

Natürlich ist The Long Kiss Goodnight, dem deutschen Verleihtitel Tödliche Weihnachten zum Trotz, kein Weihnachtsfilm im eigentlichen oder auch nur übertragenen Sinne, aber er ist einer meiner liebsten mit Weihnachtsdekor. Darüber hinaus ist er aus mehr als einem Grund einer meiner liebsten Actionfilme und womöglich der Höhepunkt von Renny Harlins Karriere – was er vielleicht aber auch der Zusammenarbeit mit dem Autor Shane Black verdankt, der zum Beispiel auch das Drehbuch für den ganz großartigen Kiss Kiss Bang Bang (meine Kritik) geschrieben hat.

Geena Davis spielt hier Samantha Caine, Grundschullehrerin und Mutter mit Gedächtnisverlust, die eines Tages unsanft daran erinnert wird, daß sie früher einmal Charlene Elizabeth Baltimore war, genannt Charlie, Auftragskillerin der CIA. And thus, the shooting begins…

[amazon_iframe asin=“B000J3OCC0″]

Es ist schon bemerkenswert, daß es Harlin hier über fast zwei Stunden Filmlaufzeit gelingt, den Film kontinuierlich, flott und actionreich am Laufen zu halten. Da wird die zentrale Halle eines Provinzbahnhofs in Schutt und Asche gelegt, es gibt Explosionen und Shoot-Outs galore und schließlich auch noch einen Ausbruchsversuch mit Babypuppenpipi. Echt jetzt!

Die minimalen Längen, die der Film aufweist, verdanken sich eher den Momenten, in denen er und Black sich tatsächlich ein wenig um die Figuren kümmern und so vor allem, aber nicht nur der Hauptfigur auch einiges an Entwicklungspotential einschreiben – das ist mehr, als normale Actionfilme je auf die Reihe bekommen.

Davis‘ Samantha/Charlie ist eines der grundlegenden „Butt-kicking Babes“ der Filmgeschichte, und eine der überzeugendsten dazu – selten hat sich später ein Film getraut, eine Frau derart kompromißlos als Agentin zu positionieren und dies auch durchzuziehen (erst 2010: Angelina Jolies Salt fällt mir noch ein). Sie ist, als sie ihr Gedächtnis wiedererlangt hat, eine völlig rücksichtslose Killerin – „Kill ‚em for me, bitch. What are you good for?“, fragt ihr Sidekick Mitch (Samuel L. Jackson) sie einmal -, die ihren Auftrag (den sie sich hier gleichwohl selbst gewählt hat, eine Verschwörung im Hintergrund gibt es nämlich auch noch) ohne Zögern ausführt.

In Form einer Persönlichkeitsspaltung qua Amnesie agiert diese Figur dabei zugleich die zwei Extreme aus, zwischen denen die Frauenbilder des Hollywoodfilms (bzw. westlicher kultureller Produktion überhaupt; Klaus Theweleit läßt grüßen) üblicherweise changieren: Als Samantha ist sie zwar nicht jungfräuliche Heilige, aber eben doch brave Lehrerin und Mutter; als Charlie ist sie promisk, schminkt sich, schneidet sich die Haare ab und negiert die Beziehung zu ihrer Tochter. (Eine Art gewollte, bewußt herbeigeführte Amnesie, wenn man so will.)

Die beiden Extreme schließen sich zunächst filmisch völlig aus: In Träumen sieht Samantha ihr Alter Ego im Spiegel, und Charlie schneidet ihr aus dem Spiegelbild heraus die Kehle durch.

Das eigentlich Bemerkenswerte an The Long Kiss Goodnight ist nun, daß Black und Harlin diese Differenz der Persönlichkeiten nicht aus dem Weg schaffen wollen: weder bekehren sie Charlie zu Mutterschaft à la Samantha bekehren noch lösen sie das Problem durch den Tod der Mutter. Stattdessen bleibt am Schluß eine facettenreiche Frau zurück, die zwar friedlich Lehrerin, Partnerin und Mutter bleiben will, aber die Regierung auch mit Vergnügen um einen Koffer voll Geld betrügt und Messer immer noch beängstigend präzise werfen kann. Wer weiß schon, was auf die Frau noch für ein Leben wartet.

[filminfo_list]

(Bizarres Randmoment ist übrigens, das ich die Neusichtung von The Long Kiss Goodnight zufällig am gleichen Tag machen konnte wie die Erstsichtung von Mother & Child (Kritik folgt) – in beiden, wirklich sehr, sehr unterschiedlichen Filmen spielen Samuel L. Jackson und David Morse mit. Sehr eigenartig war diese Zusammenschau.)

River Tam

Selten waren Kampfszenen so elegant und zugleich so blutig wie wenn Summer Glaus River die Kontrolle über sich verliert, hatte ich seinerzeit zu Serenity geschrieben, und das ist heute noch so wahr wie vor fünf Jahren. Hier kann man sich noch einmal visuell erinnern, und hier einen klugen Text u.a. dazu lesen, warum wir die Butt-kicking Babes des Kinos wirklich brauchen.

(via)

[filminfo_list]

Kurzfilm: Cute Attack

Autsch. Ein kleiner Film von Eric Kaplan (Drehbuch; der Mann hat schon für Futurama und The Big Bang Theory geschrieben) und Matt Danner (Regie).

(via)

Trash am Mittwoch: Mega Piranha (2010)

Menschenfressende Fische in außergewöhnlich großem Format – da man muß sich als Horrorproduzent doch an die Stirn klopfen und fragen: What could possibly go wrong? Offenbar eine ganze Menge. Mega Piranha, das mit wenig Eloquenz auf der enormen Bugwelle von Alexandre Ajas Piranha 3D (meine Kritik) mitreisen möchte, ist voller Momente, in denen man geneigt ist, die Augen zu verdrehen – teils aus Frustration ob des Gesehenen, teils um das Nachfolgende nicht sehen zu können bzw. nicht mit ansehen zu müssen.

Dabei bietet die Handlung ja genug Vorwände, um positiv besetzte Schauwerte in die Welt zu setzen: Tropische Gefilde, meist befindet man sich im oder am Wasser, und da es um gigantisch anwachsende Piranhas geht (der Name des Films verspricht da nicht zu viel), könnte man nicht nur halbnackte Körper, sondern auch reichlich Feuerkraft und Splatter im Film unterbringen. So man das denn wollte. Das ist schließlich genau die Mischung, mit der Roger Corman den von ihm produzierten und inhaltlich völlig abstrusen Sharktopus (meine Kritik) gefüllt hat, der als hirnbefreite, anspruchslose Trashunterhaltung durchaus seine Stärken hat.

[filminfo_box]

Immerhin kommt Mega Piranha schnell zur Sache: In der ersten Szene wird eine bikinitragende Schönheit nebst Begleiter gefressen. In der zweiten Szene werden gleich mehrere bikinitragende Schönheiten gefressen, ebenso wie der amerikanische Botschafter und der Außenminister von Venezuela, die sich kurz vorher noch über politischen Druck der USA auf den südamerikanischen Staat unterhalten hatten – wo ist eigentlich Wikileaks, wenn man es braucht? Dann wechselt die Szenerie zum Helden Jason Fitch (Special Forces! Oder so), der gerade knapp bekleidet in seinem Heldenbett erwacht, weil er zur Pflicht, also nach Venezuela gerufen wird.

So wird immerhin, auch wenn es nach den genannten Eingangsszenen praktisch keine knapp bekleideten Frauen mehr geben wird, der vom ewig heiser raspelnden Paul Hogan gegebene Held meist in engen T-Shirts und mehrmals mit freiem, wohlgeformtem Oberkörper gezeigt, da mag zumindest ein Teil des Publikums kurzzeitig angetan sein. (So lange er den Mund nicht aufmacht.) Erst kurz vor Schluß werden mit einer Schwimmerin und einer Nachrichtensprecherin wieder Frauen gefressen, ansonsten ist das weibliche Geschlecht fast ausschließlich durch Tiffany vertreten, die als Protagonistin gecastet wurde. Das wäre womöglich ein Marketinggag, wenn sich irgendjemand allein ihretwegen den Film ansehen würde – aber da sie leider zu keinem Zeitpunkt spontan in Gesang ausbricht, scheint mir auch dies kein unique selling point des Films zu sein.

Es stapeln sich dann Unglaubwürdigkeiten auf Planloses. Technisch allein schon ist der Film eine Katastrophe auf digital verstärktem Zelluloid: Die Effekte sind in der Tat so schlecht gemacht, wie sie im Trailer wirken, und sie werden auch dann nicht besser, als das Filmmilitär versucht, die Piranhas mit Maschinengewehren und Raketen zu erledigen. Vermutlich hat man sich dafür entschieden, um größeres Bumm zu zaubern, dem Auge bieten sich gleichwohl die schlechtesten Spezialeffekte diesseits von Sharktopus dar (gut, in Birdemic [Trailer] mögen sie noch schlechter sein, aber der darf wohl als Extremfall gelten).

Schlimmer noch: Daß die Piranhas beharrlich und „exponentiell“ wachsen, ist ja das eigentliche Feature des Films, aber trotz kontinuierlicher Beschwörungen der Figuren scheinen sich die dummen Biester nicht so recht daran zu halten. Im Gegenteil, sie ändern von Einstellung zu Einstellung die Größe – man sieht sie riesig groß heranfliegen, bevor sie auf Unterarmgröße reduziert zur Landung ansetzen; dann wieder springt ein Fisch von eher bescheidener Schiffsgröße aus dem Wasser, wird aber dann auf einem ungleich größeren Mast auf eine Weise aufgespießt, die suggeriert, daß er außerhalb des Wassers noch rasch einiges an Umfang und Masse zugenommen haben muß. Erst sieht man irgendwelche Riesenfische, die auf Hausdächer springen, später dann beteuern die Protagonisten: „Bald sind sie so groß wie Pferde!“, obwohl ich dieses Stadium für längst überstanden hielt.

Daß die Piranhas mal zu schrumpfen und mal zu wachsen schienen, bestätigte meinen Eindruck, es in Mega Piranha mit einem beschädigten Raum-Zeit-Kontinuum zu tun zu haben. Besonders deutlich wurde das in den Telefonaten zwischen Fitch und seinem Vorgesetzten in Washington: Je nach Telefonat befanden sich die beiden offenbar (das Sonnenlicht verrät’s) mal in etwa der gleichen Zeitzone (so müßte es in der realen Welt sein), mal an entgegengesetzten Enden der Welt.

Eric Forsberg, der z.B. schon bei Snakes on a Train für das Skript verantwortlich zeichnete, hat sich hier außer mit der Regie vor allem mit dem Drehbuch verausgabt – offenbar war keine Zeit mehr, den ersten Rohentwurf zu überarbeiten. So hat man es hier mit offensichtlich beknackten Szenarien zu tun, mit unterentwickelten Figuren, die nichts tun, was irgendwie anders motiviert wäre als durch die Notwendigkeit, irgendwann ans Ende des Films zu gelangen.

Tiffany gibt die Biologin Sarah Monroe, aus deren Labor die mörderische Spezies entwischt, aber nie macht ihr jemand Vorwürfe (oder sie sich selbst), und Held Fitch findet es völlig normal, erstmal wieder ins Wasser zu steigen, nachdem er die Existenz der menschenfressenden Superfische entdeckt hat.

Die Idiotie der Ereignisse wird von den Fähigkeiten der Schauspieler wie der Crew gespiegelt. Als ein Kollege von Monroe dabei zusehen muß, wie Soldaten aufgefressen werden, und seinerseits daran gehindert wird, ihnen helfend hinterherzuspringen, drückt der Schauspieler seinen Rettungswillen durch – subjektiv: minutenlanges – planloses Herumzappeln aus. Tiffany vermag es, selbst einen Satz wie „I just wanna kill them all!“ ohne emotionale Beteiligung auszusprechen, und von Logans komplexer Darstellung will ich gar nicht erst anzufangen.

Der Hauptdarsteller war zugleich für die Choreographie der Kampf- und Unterwasserszenen zuständig; mein Lieblingsmoment ist der, in dem er liegend mit den Füßen Piranhas wegtritt, die nachgerade rhythmisch auf ihn zugeflogen kommen (die Szene ist im Trailer auch kurz zu sehen). Die Inszenierung versucht gelegentlich, Geschwindigkeit durch Unschärfe zu simulieren, Dringlichkeit wird über Kameraschwenksreißen und immer die gleichen drängenden Töne vermittelt, was innerhalb von ca. zwanzig Sekunden massiv auf die Nerven beginnt, nicht zuletzt aus dem Grund, daß Dringlichkeit solcher Natur von den ersten Filmszenen an bis zum Schluß hin durchbehauptet wird.

Und dann gibt es eine Sache, in der der Film auf einmal vielleicht mit gnadenloser Offenheit und Ehrlichkeit hantiert. Was der Film als eine Militärbasis ausgibt, die für die Handlung nicht ganz unwichtig ist, scheint in der Gesamtansicht real doch eher für andere Zwecke erbautes Areal zu sein. Ich mag mich täuschen, aber mir sah das sehr nach einer Kläranlage aus.