8-Bit-Zombieabenteuer von Matt/Hairburger.
Monat: Dezember 2010
Monster House (2006)
Vielleicht muß ich ja in die latent kulturkritische Klage einstimmen, daß die Jugend von heute schon so verroht sei, daß man ihr keine Angst mehr machen kann. Oder in das absurde Gejammer von Seiten der FASZ über die angeblich nicht zutreffenden Kennzeichnungen der FSK. Aber eigentlich halte ich das für Blödsinn, und sehe die Eltern (und damit meine ich jetzt, ganz ernst, zu allererst: mich) in der Verantwortung, sich bei Filmen vorher bewußt zu werden, was sie ihren Kindern zugänglich machen wollen und warum.
Und daher würde ich zum Beispiel einem sechsjährigen Kind den ab diesem Alter freigegebenen Film Monster House nicht zeigen – weniger, weil ich glaube, daß der Film seine Entwicklung beeinträchtigen, sondern vielmehr, weil er ihm wahrscheinlich einen ganzen Wurf an ziemlich beeindruckenden Ängsten in den Kopf setzen würde. Denn Monster House, der ostentativ als Kinderfilm positioniert wird, ist vor allem ein Grusel-, wenn nicht gar ein Horrorfilm, auch wenn natürlich nie ein Tropfen Blut fließt. Erst ganz am Schluß, wenn im Abspann alle vermeintlichen Opfer nur mit leichten Kratzern wieder auftauchen, wird dem ganzen Budenzauber ein wenig die Bösartigkeit wieder ausgetrieben, die der Film vorher vor allem visuell mit viel Einsatz hergestellt und gehalten hat.
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Das Nachbarhaus des frisch pubertierenden DJ, so geht die Geschichte, ist offenbar verhext, besessen gar, und als dessen feindseliger Bewohner Mr. Nebbercracker nach einem Unfall wie tot weggebracht wird, verschwinden erste Leute darin. Schließlich machen sich DJ, sein Freund Chowder und die junge Jenny, die dem Tod durch Haushunger nur knapp entronnen ist, daran, den Spuk zu beenden.
Die Animation der Figuren schwankt zwischen recht gelungen (vor allem der genervte Gang von Babysitterin Zee ist überzeugend, und das Haus bewegt und verändert sich auf gar schröckliche Weise – diese Mimik!) und tief im Uncanny Valley der Animation – ein wenig soll das irgendwie, Robert Zemeckis läßt als ausführender Produzent schön grüßen, in Richtung Photorealismus gehen, und das geht gnadenlos schief.
Immerhin ist die Handlung mit ein, zwei Ausnahmen recht straff organisiert, gelegentlich finden sich sogar witzige Stellen („What is your problem?“ – „Ahm. Puberty. I’m having lots of puberty!“) und es bleibt sogar Platz für anderthalb interessante weibliche Figuren (die aber gleichwohl nicht den Raum bekommen, den sie verdienten. Ach, nie endende Klage).
Nachdem der Film seine richtig angstmachenden Momente hinter sich gelassen, den Verdauungstrakt des Hauses thematisiert und das Rätsel um das Gebäude aufgeklärt hat, wandelt sich die Story noch schnell zu einer klassischen Abenteuergeschichte, samt Verfolgungsjagd, Sprengstoff und großen Maschinen. Hinter allem aber lauert ein fast schon an Braindead gemahnendes Konstrukt mit einer übermächtigen Frauenfigur (die zwar als Liebespartnerin beschrieben wird, m.E. ob ihrer Physis aber als Mutterfigur erscheint) ohne Maß. Und diese finde ich, ehrlich gesagt, schon wieder so problematisch und so unterkomplex, daß ich allein wegen ihr diesen Film meinen Kindern nicht zeigen würde. Oder sonst jemandem zur Ansicht empfehlen.
Kurzfilm: Alice in Wonderland (1903)
Die erste Filmfassung von Alice in Wonderland, Regie: Cecil Hepworth und Percy Stow; Anfang des Jahres in restaurierter Fassung vom BFI National Archive veröffentlicht. Von den ursprünglichen zwölf Minuten Laufzeit sind noch etwa acht erhalten.
Arthur Christmas
Aus den Aardman Studios kommen mit dem ersten Trailer zu Arthur Christmas erfreuliche Aussichten fürs nächste Jahr:
(via)
Inception Timelapse/Real-Time Splitscreen
Dieses Video ergibt vermutlich nur Sinn, wenn man Inception schon gesehen hat, und ob es dann noch tiefere Erkenntnisse vermitteln kann, erscheint mir mindestens fraglich. Aber cool ist es schon: Die verschiedenen Traumebenen des Films zeitparallel zueinander in Beziehung gesetzt:
(via)
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Tangled (2010)

Wir hatten viel Spaß in Disneys neuem Märchenfilm Tangled, dessen deutscher Verleihtitel präzise passend beginnt („Rapunzel“) und auf dem Niveau deutscher Fernsehcomedy verendet („Neu verföhnt“, WTF?). Denn der Film, wie auch in meiner ausführlichen Besprechung nachzulesen ist, ist flott, witzig, ein wenig schmalzig, wie es sich für Disney-Streifen zu Weihnachten gehört, also vor allem: erfolgreich unterhaltsam.
Daß die Geschlechterverhältnisse immer noch nicht wirklich als modern gelten dürfen, habe ich in meiner Kritik angedeutet, ausführlich und komplexer hat das Natalie Wilson bei Women & Hollywood diskutiert. Denn obwohl Rapunzel in der Disney-Version schon ganz schön frech, selbstbewußt und eigen ist, sie braucht doch immer noch den Mann, um errettet und befreit zu werden – sexuelle Untertöne (die Kinder werden sie übersehen, die Erwachsenen nicht übersehen können) eingeschlossen.
Aber der Abend war einfach vergnüglich (ein Sonntagabend ohne Kinder…) und das lag auch daran, daß wir bei der Vorpremiere im Grand Rex, das schon allein seines außergewöhnlichen Innenraums wegen einen Besuch wert ist (Größe und Dekor kann man auf den Fotos hier immerhin erahnen) nicht wußten, was uns erwarten würde. Das Kino war schon im Vorraum ganz auf den Film ausgerichtet (siehe Foto oben, meins), und als Vorprogramm war „La Féérie des Eaux“ angekündigt – wir Ahnungslose dachten an eine kleine Vorführung, eher noch einen Kurzfilm… weit gefehlt.
Das Grand Rex verfügt, weil es nicht nur Kino ist, über eine richtige Bühne, und diese läßt sich offenbar wasserfest machen, so daß für eine Show mit Springbrunnen, Laserstrahlen und Musik Platz und Möglichkeiten bereitstehen. Zumal in diesem Raum, der für 2650 Personen Platz bietet, eine fast surreale Erfahrung, die das ausschließlich erwachsene Publikum von vielleicht fünfzig Zuschauer_innen (es war die englischsprachige Abendvorstellung) mit großem Amüsemang aufsaugte.
Dieses Video (nicht meins) gibt einen Eindruck von dem „Spectacle“:
Und hier gibt es noch (via) einen Clip, der wohl einen frühen Entwurf des Rapunzel-Films widerspiegelt, wie ihn Glen Keane überlegt hatte:
Das wäre wohl ein gänzlich anderer Film geworden.
Kurzfilm: Mr. Jingles — a childhood nightmare
So incredibly scary. Nur mit starken Nerven und bei Tageslicht zu sehen.
(via)
Black Christmas (2006)
Ich muß gestehen, daß ich das Original von 1974 nicht kenne, das diesem Remake aus der Hand von Glen Morgan (der sonst als Regisseur bisher nur Willard mit Crispin Glover gemacht hatte) zugrunde liegt. Der Inhaltsangabe bei Wikipedia nach gibt es aber zumindest in Sachen der Handlung doch einen klaren Bezug, auch wenn Morgans Neufassung stärker Themen einbindet, die sich zum Beispiel in den zahlreichen Halloween-Slashern ebenfalls finden. Ein Metahorrorfilm wird sein Black Christmas dadurch freilich noch lange nicht – und ich vermute, daß man ihn nicht nur aufgrund seiner expliziten Brutalität auch kaum als ironische Neuauflage lesen kann.
Die Handlungskonstruktion besteht aus nachgerade archetypischen Versatzstücken: Studentinnen einer amerikanischen „Sorority“ sind zum Weihnachtsfest noch versammelt, können das Haus aber wegen eines Schneesturms eigentlich nicht verlassen, um zu ihren Familien und Freund_innen zu fahren. Stattdessen versammelt man sich unter Ägide der „house mother“ am Weihnachtsbaum und verteilt offenbar gewichtelte Geschenke. Parallel dazu bricht ein psychisch kranker Mörder aus seiner Zelle aus, der im gleichen Haus vor vielen Jahren seine Eltern ermordet hatte – und alsbald dezimiert sich die Zahl der jungen Frauen deutlich und auf wenig angenehme Weise.
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Die brutale Gewalt, die der Film mit einiger Inbrunst ausstellt – schon die Zahl der Toten in den ersten Minuten ist einigermaßen bemerkenswert -, hat wenig mit dem humorig unterlegten Splatter zu tun, den etwa der Zombiefilm oft präsentiert; stattdessen will Morgan hier eine ganz und gar grimmige Geschichte erzählen. Dazu wird das Familienthema („echt“, Patchwork oder Wahlgemeinschaft?) schmerzhaft mit dem Weihnachtstamtam zusammengebracht („She’s my family now“ ist ein Refrain, der hier aus Mördermunde immer wieder zu hören ist, und gemeint sind meist jüngst Verstorbene). Ein Flashback auf die Vorgeschichte des Mörders (samt Ermordung seines Vaters und Inzest – the whole nine yards) oszilliert so in einer gewissen bösartigen Harmonie mit den Streitereien und Unfreundlichkeiten zwischen den Sorority-„Schwestern“, die da zusammen wohnen. Das ganze Haus mag innen und außen bunt und fröhlich dekoriert sein, im ganzen Haus findet sich kein Frohsinn und kein Glück.
Black Christmas wird aber nie zu einer metaphysisch aufgeladenen Meditation über Liebe, Familie und das Weihnachtsfest – das ist ein ganz und gar basaler, diesseitiger, gelegntlich inszenatorisch interessanter, vor allem aber mörderischer Slasher, der es am Schluß sogar vermag, seine vermeintlichen logischen Schwächen noch geschickt wegzuerklären. Und dennoch ist er, wie die meisten Slasher, vor allem ein Abzählreim auf Zelluloid, bei dem am Schluß nur noch die Frage übrig bleibt, wen es als nächsten, wen als letzten trifft.
Die Brautprinzessin im Krieg der Sterne
Moment, einen habe ich noch!
Eigentlich wollte ich dieses großartige Poster von Matt Ranzetta, das meine große, alte Liebe für Star Wars mit meiner etwas frischeren, aber nicht weniger heftigen Zuneigung für The Princess Bride (mehr noch für das herausragende Buch als für den Film) in Verbindung bringt (Ranzetta hat noch vier weitere Motive entworfen, die es jetzt auch auf T-Shirts und Postern gibt – macht den Mann reich! – via) dafür nutzen, auf ein Video hinzuweisen, das die beiden genannten Artefakte aufs schönste verbindet.
Leider kann ich mir das Video aber nicht einmal ansehen, weil es angeblich irgendwelche Rechte verletzt, obwohl es mir vor allem Lust darauf macht, mir nochmal alle sieben betroffenen Filme anzusehen. Nunja. Wer mir das hier bei Topless Robot eingebundene Video „Star Wars meets The Princess Bride – The Chatty Duelists“ in einer Form findet, die ich mir auch ansehen kann, bekommt ein großes, großes Fleißsternchen mit Prinzessin dran.
Inception, Baby!
Ab heute gibt es Inception (meine Kritik) auf DVD und auf Blu-Ray zu kaufen. Kürzer ist jedenfalls dieses Video, samt Grand Finale! Und damit entlasse ich Euch ins Wochenende.
(via)

