Mirages

Seltsamer Trailer zu einer marokkanisch-französischen Koproduktion.

Die IMDb hat folgende Synopsis:

Five individuals with contrasting profiles compete for a position within „Matsuika“, a multinational corporation recently set up in Morocco. Following an interview with the CEO, they are advised to undertake a mysterious test in a secret location. It will determine who will hold the position. All five applicants accept and are led into a distressing bus with no windows. After endless driving, an accident occurs with the candidates trapped in the wreck. Thanks to a joint effort, they manage to evacuate the bus only to find themselves lost in the desert with their driver nowhere to be found. They start to wander, questioning the nature of the accident. Is it part of the test? Despite their will to survive and an urge to find clues, mirages of their most intimate fears start to haunt them.

Gérardmer 2011 – Tag 0 (Ankunft)

Gérardmer 2011 - SchriftzugIrgendwie ist in diesem Jahr von meiner Anreise und Ankunft in Gérardmer zum hiesigen Festival des fantastischen Films deutlich weniger zu sagen als im vergangenen, und auch ohne Bilder. Denn in der kleinen Vogesenstadt bin ich erst deutlich nach Einbruch der Dunkelheit angekommen.

Aus diversen, hier völlig uninteressanten Gründen, konnte ich heuer erst später von zuhause aufbrechen, habe die Fahrt mit Film, Festivalplanung, Lektüre und Dösen verbracht; der Bus, die letzte Etappe, fuhr von Épinal bis Gérardmer zügig und ohne Halt durch, das alles war einfach ganz und gar nicht aufregend, sogar hier im Ort dann ein bißchen gemütlich, weil ich schon vieles wiedererkannte.

Das Pressebüro – die organisierende Agentur hatte mich in den vergangenen Wochen und Tagen schon durch eher erratisch zuverlässiges Antworten auf E-Mails und Anfragen irritiert – war da natürlich schon nicht mehr besetzt, weil sich die ganze Equipe auf der Eröffnungsveranstaltung befand (die ich mir aus Termingründen sparen mußte, was aber filmisch kein großer Verlust ist: meine Kritik zum Eröffnungsfilm Devil steht ja schon eine Weile hier im Blog). Dann werde ich also morgen früh meine Akkreditierung/Badge abholen und mich in die Tiefen der Filmwelt begeben.

Ich freue mich aber schon sehr darauf, mich mit zwei deutschen Kolleg_innen zu treffen, die morgen ankommen werden, sowie eine Horde französischer Twitterati und Blogger_innen, die offenbar schon in die Stadt eingefallen sind (hier meine Twitter-Liste der Festivalbesucher_innen). Vielleicht kennen die auch einen Ort, wo man ordentlich essen kann; ich habe bislang hier noch nichts Brauchbares finden können, und noch einmal möchte ich keine 8,50 Euro für ein Nachtisch-Crêpe ausgeben, das Blaubeerschnaps mit ekligster Sprühsahne verbindet. Berk!, wie der Franzose mit Recht und Betonung sagt.

Und wer weiß, vielleicht ergibt sich ja das eine oder andere Interview in diesen wenigen Tagen, das dann vielleicht auch schon rasch hier im Blog zu finden sein wird…

Post Scriptum: Fast vergessen hatte ich aufzuschreiben, was morgen alles auf dem Programm steht: Dream Home, Quarantine 2: Terminal (das Sequel zum [REC]-Remake), Mirages sowie als Double feature am späten Abend die beiden Dokumentarfilme American Grindhouse und Machete Maidens Unleashed, die beide in Sitges schon gut beim Publikum ankamen. Aktuelles Kurzes dazu gibt es stets von mir bei Twitter.

In eigener Sache:
Festivalberichterstattung ist für mich aufwendig und erst einmal mit einigen Kosten verbunden. Ich versuche dennoch, möglichst viel darüber in meinem Blog zu schreiben. Daher würde ich mich besonders freuen, wenn viele meine Einträge mit einem Klick auf die
flattr-Knöpfchen oder sogar mit einer kleinen Spende über PayPal unterstützen würden. Vielen Dank!

Teeth (2007)

Manchmal braucht es ja nur einen passenden Anlaß… das International Comedy Film Festival zeigt kommende Woche in der Berliner Komischen Filmnacht den ganz hervorragenden Film Teeth von Mitchell Lichtenstein (Sohn von Roy, dem Maler); ich wurde netterweise gebeten, einen kurzen Text zum Entwicklung des Frauenbildes in der Komödie beizusteuern, den ich gerne (an manchen Stellen, wie es mir zu eigen ist, vielleicht etwas weiter ausholend als unbedingt nötig) geschrieben habe – und das war natürlich genau der Vorwand, den ich brauchte, um mir den Film selbst auch endlich noch einmal anzusehen.

Teeth beginnt mit einer harmlos und bürgerlich-friedlich anmutenden grünen Stadtlandschaft, die Kamera schwenkt schließlich auf das Elternhaus der Protagonistin Dawn O’Keefe (Jess Weixler), hinter dem unmittelbar und deutlich sichtbar die Kühltürme eines Atomkraftwerkes den Himmel dominieren. Wer angesichts dieser Darstellungen freilich Simpson-haften Humor in dieser Komödie erwartet, wird sicher enttäuscht werden; und auch die offenbare Anspielung auf durch Strahlung induzierte Genomveränderungen wird der Film nie anders als durch das Bild dieser Kühltürme explizieren. Ähnliches gilt für die diversen psychologischen Prädispositionen, die Dawn und ihr unangenehmer Stiefbruder Brad (John Hensley) mit sich herumtragen, und deren mögliche Genese zwar gezeigt wird, ob man dem aber Bedeutung verleihen will, muß man schon selbst entscheiden.

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Überhaupt ist die Zuschreibung von Bedeutung eines der zentralen Themen des Films, das sich unter der zunächst eigenartig zurückhaltenden Oberfläche verbergen. Dawn engagiert sich für eine Gruppe, die an Schulen für Enthaltsamkeit wirbt – „True love waits“ und derlei Dinge -, ohne daß sie oder ihre Freunde wirklich etwas von Sexualität wüßten. In den Schulbüchern der prüden Gemeinde sind sogar die Darstellungen der weiblichen Sexualorgane mit einem großen, golden glänzenden Stern überklebt.

Was Sexualität aber bedeutet oder bedeuten könnte, das ändert sich im Laufe des Films ebenso oft wie die Bewertung von Dawns besonderen (dem Film seinen Titel gebenden) Eigenschaften – sowohl durch sie selbst wie auch möglicherweise durch die Zuschauer_innen. Denn der Film nimmt es sich ja schließlich auf sich, den alten Mythos der Vagina dentata in die moderne Gegenwart zu versetzen und ihr einen feministischen Dreh zu geben, der sich gewaschen hat.

Er erzählt dies mithilfe einer Geschichte von weiblicher Selbstermächtigung, in der die zunächst als überaus „rein“ inszenierte Dawn (blond, hellhäutig, enthaltsam) sich mit ihrer (nomen est omen) erwachenden Sexualität auseinandersetzen muß – vor allem aber damit, daß sie als Frau sexuell von Männern (und auch gewaltsam) unter Druck gesetzt wird. Die Gefahr, die von den Sexualorganen ausgeht, ist dadurch in diesem Film keineswegs sittlich-moralisch, sondern ganz konkret.

Während anfangs aber Dawn, ihre Lehrer und alle sonstwie Beteiligten nicht einmal die Namen der weiblichen Sexualorgane in den Mund zu nehmen bereit sind, spricht Dawn mit ihrer Flamme Tobey (Hale Appleman) fortwährend über das Verbot, sich sexuell zu betätigen – ein sehr im Sinne von Michel Foucault gedrehtes Verbot, das erst recht einen Diskurs hervorruft. Aber der Film wendet das schließlich in reine Taten, in den Sturz des Macht eben nur behauptenden, nie tragenden Phallus.

Es mag sein, daß Lichtenstein in Teeth zuweilen etwas zu eindeutige Bilder verwendet – eine zahnbewehrte Spinne gehört etwa dazu – aber der Film versteckt seine Subtilität eher in den Figuren und vor allem in seiner Protagonistin; und glatt geleckt ist das alles dennoch keineswegs.

Der Humor ist denn auch weniger schenkelklopfend – er lebt aber ebenso von den Momenten puren Splatters, von der grotesken Verletzung der Körpergrenzen (und dem reißenden, beißenden Geräusch, mit dem sie sich vollzieht), wie von der Umkehrung der Machtverhältnisse, die er mit Dawn vollzieht.


Als die Hauptdarstellerin Jess Weixler den Film 2007 auf der Berlinale vorstellte (damals hat Tillmann den Film auch gesehen), kam sie nach der Vorstellung in einem leuchtendroten Kleid auf die Bühne. Allein dafür hätte ich sie umarmen können, und deshalb ist es natürlich auch hervorragend, daß das Comedy Film Festival mit diesem Film den Women in Horror Recognition Month (Februar 2011) einleiten.

Für die Berliner Komische Filmnacht am 2. Februar mit Teeth gibt es hier bei uns auch einmal zwei Freikarten zu gewinnen. Das Gewinnspiel läuft für noch eine Woche bis zum 31. Januar 2011; das Teilnahmeformular findet sich hier.

Foto: International Comedy Film Festival; Logo: Women in Horror Recognition Month

Gérardmer 2011: The Objective (2008)

Gérardmer 2011 - SchriftzugSchon bevor das Festival in Gérardmer am kommenden Mittwochabend beginnt, werde ich einige der Filme besprechen, die dort zu sehen sein werden, aber mir entweder schon auf Festivals begegnet oder schon – wo auch immer – auf DVD erhältlich sind. Kritiken gibt es von mir zudem schon zu Rare Exports: A Christmas Tale, Devil, Proie, Prowl und Vanishing On 7th Street.

The Objective ist ein eigenartiger Film. Er beginnt wie einer dieser typischen Harte-Jungs-Militär-Streifen: Aus dem Off erzählt die Stimme eines CIA-Agenten, direkt nach dem 11. September 2001 habe man in Afghanistan an bestimmten Punkten seltsames Hitzeaufkommen gemessen – man habe zuerst befürchtet, die Taliban hätten eine Atomwaffe in die Finger bekommen, aber vermutete dann doch, es handle sich um etwas ganz, ganz anderes…

Bei solchen dunklen Andeutungen bleibt es dann erstmal, wenn der CIA-Mann Keynes (Jonas Ball) mit ein paar Männern von den Special Forces und einem ortskundigen Dorfbewohner in die Berge aufbricht. Angeblich will er sich der Unterstützung eines Geistlichen versichern, aber auch den Soldaten geht langsam auf, daß das ein vorgeschobener Auftrag ist.

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Worum es dann eigentlich genau geht, erfährt man bis zum Schluß kaum, und der Film changiert da einigermaßen unentschlossen bis gezielt verwirrend mit den Möglichkeiten des Horror- und des Science-Fiction-Films herum, ohne sich je ganz aufzulösen. Das ist zwar zunächst bezaubernd anzusehen, verliert aber nach einer Weile an Reiz, auch wenn zwischendrin immer ein paar kleine Seltsamkeiten passieren (Trinkwasser wird zu Sand, elektronische Geräte funktionieren nicht mehr und ein Hubschrauber scheint ganz nahe zu sein, bis sein Geräusch plötzlich abbricht – derlei).

Regisseur Daniel Myrick ist weniger für seinen vorherigen Film Solistice bekannt denn für seine Beteiligung an The Blair Witch Project, und man entdeckt hier noch den ans Dokumentarische erinnernden Eifer dieses Erstlings wieder – es fehlt gleichwohl an interessanten, vielschichtigen Figuren, die mehr miteinander verbinden (oder voneinander trennen) würde als das Standardgequatsche, das solche Commando-Filme üblicherweise aufbringen, auch wenn The Objective sicher dialoglastiger ist als die meisten Vertreter dieses Genres. Die Schwangerschaft der Partnerin reicht als Alleinstellungsmerkmal für eine Persönlichkeit eben doch nicht aus.

Richtig nervtötend wird der Film allerdings durch das permanente Voice Over des Protagonisten, das vermutlich halbgar tiefsinnig sein soll, aber letztlich neben seiner expositorischen Funktion nur Stereotypen aufwärmt. Da mögen die akustischen Täuschungen und seltsamen Sandfiguren, die im letzten Drittel auftauchen, noch so geheimnisvoll sein: Der Mann redet das alles in Grund und Langeweile.

Natalie Portman, schwarzer Schwan

Heute startet Black Swan mit der wunderbaren Natalie Portman – eine gute Gelegenheit, nochmal auf ihren keineswegs jugendfreien Rap bei Saturday Night Live hinzuweisen…

Paranmanjang (Night Fishing)

Ein erster Teaser für den experimentellen Kurzfilm von Park Chan-wook, der ganz mit einem iPhone gedreht wurde. Der 30 Minuten lange Film soll ab Ende Januar für ein paar Tage auch in südkoreanischen Kinos zu sehen sein und wird in Deutschland im Kurzfilmprogramm der Berlinale gezeigt.

(via)

Kurz verlinkt, 18. Januar 2011

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (20. Dezember 2010 bis 18. Januar 2011):

Black Death (2010)

In meiner Besprechung zu Season of the Witch (demnächst bei filmstarts.de), dem neuen Dominic Sena-Nicolas Cage-Vehikel, habe ich bereits auf die Ähnlichkeiten zu Black Death hingewiesen. Aber während Senas Abenteuerfilm sich schon mit den ersten Szenen klar ins Fantasygenre positioniert, bleibt eine solche oder andere Zuordnung bei Black Death im Grunde bis kurz vor Schluß unsicher. Das ist vor allem ein metafilmischer Effekt: Es gibt einfach schon so viele Filme, die sich vor einem Mittelaltersetting mit Pest und Hexerei beschäftigen, weil das (wie eben auch in Season of the Witch) einen so malerischen Hintergrund für Fantasygeschichten abgibt.

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Black Death ist freilich grimmiger als der durchschnittliche Fantasyfilm, auch wenn er schließlich mangels Komplexität nicht wirklich zur Reflektion über Religion, Gut und Böse und dergleichen taugt. Eine Gruppe von Kriegern reist, mit einem Klosternovizen als ortskundigem Führer, in ein abgelegenes Dorf inmitten eines Sumpfes – als einziger Ort weit und breit scheint es von der Pestepidemie verschont geblieben zu sein, es gibt Gerüchte von Hexerei, schwarzer Magie; es sollen sogar Tote wieder zum Leben erweckt worden sein. Die Männer (mit Sean Bean an der Spitze) sind natürlich keine friedlichen Männer des Glaubens, sondern Handlanger des Todes, ein Folterer ist dabei, Mörder und Vergewaltiger – im Dorf angekommen, lassen sie sich aber doch zurückhaltend auf die Gastfreundschaft der Bewohner_innen ein.

Christopher Smith hatte zuletzt nach dem Splatterfilm Severance mit Triangle (meine Kurzkritik) einen äußerst sehenswerten Zeitreisen-Mindfuck hingelegt, der mich nach dem eher verunglückten Creep (meine Kritik) sehr für ihn eingenommen hatte. Mit Black Death liefert er eine formal konsequente (aber wenig aufregende) und durchaus ambitionierte Mittelaltergeschichte ab, die letztlich nur deshalb nicht ganz gelungen erscheint, weil sie die selbst gesteckten, oben angedeuteten Ambitionen unmöglich erfüllen kann.

Es fehlt einfach ein wenig Speck auf den Rippen der Geschichte – den Darsteller_innen, allen voran Sean Bean und Carice van Houten, ist das nicht unbedingt anzulasten. Ich persönlich hätte mich gefreut, wenn die am Schluß thematisierte Rolle der Frau als konkrete Versuchung (im Gegensatz zu einem immateriellen Gott; wir haben es getan, „because she was beautiful and real“) etwas mehr Platz und Konkretisierung bekommen hätte – denn auch im Rest der Geschichte ist dieser Geschlechteraspekt angelegt, aber eben an keiner Stelle ausreichend mit differenzierten Bildern, Gedanken und Entwicklungen versehen. Selbst Centurion (meine Kritik) mit seinem eigenartigen Frauenbild scheint dem mehr Raum zu geben.

Foto: Central Film