Und noch ein Clip aus ‚Hanna‘

Zum sehr sehenswerten Actionfilm Hanna (ausführliche Kritik folgt demnächst) mit Saoirse Ronan in der Hauptrolle gibt es jetzt einen neuen Clip zu sehen, in dem Cate Blanchett und Eric Bana die Hauptrollen spielen.

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(via)

Text zu Filmstart (28. April 2011): Mother and Child

Auch wenn es gut sein kann, daß ich heute abend noch Thor zu sehen bekomme (dessen kritische Rezeption bislang aber eher schlechte Vibes abstrahlt), es gibt einen Film, der morgen startet und den ich zur Sichtung sehr empfehlen kann: Mother and Child aka Mütter und Töchter. Verschorftere Gemüter mögen das Drama etwas zu schmalzig finden, aber mit gewöhnlich gutem Menschenverstand sieht man darin eher eine enorm dichte und nur selten zu viel Pathos verströmende Betrachtung über Elternschaft, Kindschaft und wie wir miteinander umgehen. Die ganz großen Themen also; meine Detailkritik steht bei filmstarts.de.

Foto: Universum

Texte zu Filmstarts (21. April 2011)

Zwei der in dieser Woche startenden Filme habe ich vorab sehen können, und diesmal muß man klar sagen: die Signalfarbe Rot steht für Stop! Warum man sich Red Riding Hood nicht ansehen sollte, habe ich hier ausführlicher aufgeschrieben.

Unbedingt einen Besuch wert hingegen ist Four Lions. Die schwarze britische Komödie über eine Gruppe Möchtegern-Selbstmordattentäter ist brüllend schmerzhaft komisch. Vergangene Woche habe ich auch ein bißchen über die angebliche Zensurdebatte geschrieben, die es im Januar um den Film (nicht) gab.

Foto: Fantasy Filmfest

Red Riding Hood (2011)

Kommt es mir nur so vor, als ob sich in letzter Zeit besonders viele Filme auf das Rotkäppchen-Märchen beziehen? Die britische Red Riding-Trilogie ist natürlich noch die offensichtlichste, in Trick’r Treat spielt die Geschichte eine Rolle, in Hoodwinked! natürlich sowieso, von Hard Candy zu schweigen. Und auch Hanna versteckt (nicht nur) dieses Märchen unter seiner Actionoberfläche.

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Wollte man böse sein, so bräuchte man nur zu behaupten, Regisseurin Catherine Hardwicke (Twilight) habe sich allein deshalb für dieses Projekt interessiert, weil es (wie in Twilight) eine pseudo-starke, schmachtende weibliche Hauptfigur gibt und im Hintergrund (wie in Twilight) ein Werwolf lauert. Natürlich ist der Film dennoch ganz anders als die Vampir-Schmonzette (sorry, ich bin schon beim zweiten Buch immer eingeschlafen und konnte Hardwickes Verfilmung kaum ertragen), aber eine wirklich aufregende neue Sicht auf den Märchenstoff bietet das Drehbuch von David Johnson auch nicht.

Der Film beginnt mit einem ausführlichen Flug über eine anscheinend am Computer erzeugte Märchenwelt – und genau dieser ästhetische Zugriff, das Märchenhaft-Artifizielle, bleibt dann auch die entscheidende Perspektive des Films. Sobald das Böse hier sein behaartes Haupt regt (auch wenn man’s noch nicht sieht), beginnt es zu schneien, und hört dann für den Rest des Filmes nicht mehr auf. Die Holzhütten in diesem angeblich ärmlichen Dorf sind solides Blockhäusermaterial, das alles pittoresk, aber eigentlich unpraktisch an- und nebeneinandergetürmt. Natürlich gibt es zwei Männer, die um die Hand der schönen Valerie (Amanda Seyfried) werben, und natürlich könnte jeder von ihnen auch der Werwolf sein, der den Ort heimsucht. Sie mögen sich nicht besonders, und zwar auf die plattest mögliche Weise. („If you are the wolf, I will chop your head off.“ – „And I will do the same to you.“ Werdet mal erwachsen, Jungs.)

Mit Gary Oldmans Father Solomon bricht dann ein bißchen dringend benötigter Wahnsinn in diese Geschichte ein, und gerne sähe man ihn seine Dracula-Zähne ausfahren, selbst auf das Risikio, damit wieder näher an Twilight zu rutschen; einfach nur, damit Oldman mehr zu sehen ist. Aber, alas, seine Rolle beschränkt sich hier auf den milde historisch begründbaren Wahnsinn (und zugleich eine Zwischenfigur zwischen Dracula und van Helsing), das wird recht bald geklärt und sich dann seiner vorhersehbar entledigt; wie man im übrigen auch recht blind sein muß, um die sonstigen Andeutungen über die Identität des Monstrums zu übersehen. (Man kann sich aber dennoch ein wenig täuschen.)

Es gibt haufenweise Seltsamkeiten in diesem Film; eine sehr steampunky daherkommende Apparatur, groß und aufwändig, die nach einer kurzen Szene niemand mehr braucht; ein rotes Cape, das zwar viel rumgezeigt, herumgetragen und ausgebreitet wird, aber doch seine ja nicht nur vagen Bedeutungsebenen psychosexueller und anatomischer Art bloß auf keinen Fall ausstellen soll. Was dabei herauskommt, ist ein ziemlich lieblos dahinkleckernder Film, der aus dem Märchen kaum mehr macht als ein Werwolf-Whodunnit mit schmalzigem Ende und seltsamer Geschlechterpolitik und -ikonografie, in der das Männliche (Schwarz, Mut, Ehre, Kraft, Lust) und das Weibliche (Rot/Weiß, Weisheit, Verständnis, Sehnsucht) einander Kontrastfolie sind. Altbackener geht’s ja nun kaum.

Immerhin sieht das alles von Anfang bis Ende gut aus, und nicht allein wegen Amanda Seyfried.

Foto: Warner Bros.

Kurz verlinkt, 16. April 2011

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (8. März 2011 bis 16. April 2011):

  • Culture Warrior: 3 Rules of Child Assassin Movies – Child assassins are quite different from the overall category of child killers. And while two recent films in two subsequent spring movie seasons that feature child assassins, Kick-Ass and Hanna, hardly constitute a trope as far-reaching as child killers in horror films, they do seem to be rising with their own rules of representation that constitute a possible emerging trend of their own.
  • An exegesis of sexual subtext in “Predator.” – An excerpt from Sir J. Thurgood Snorpington-Pittwickett’s classic “Sexual Tyrannosaurus: ‘Predator’ and the masculine struggle with homosexual self-identity,” first published in the 1988 Journal of Psychosexuality and Cinematical Hermeneutics 6, p. 122-254. (via)
  • Deutsche Filmakademie: Genug ist nicht genug – Ein Round-Table-Gespräch in der Deutschen Filmakademie zur aktuellen Lage in den deutschen Kinos. Am Nachmittag des 8. März 2011 trafen sich Manuela Stehr (Produzentin/Verleiherin), Herbert Schwering (Produzent), Jan Schütte (Regisseur/ Direktor der dffb) und Rüdiger Suchsland (Filmjournalist) zu einem Gespräch über den Zustand und Ideen für die Zukunft des deutschen Kinos. Die Gesprächsleitung hatten Alfred Holighaus (GF der Deutschen Filmakademie) und Linda Söffker (Leiterin der Perspektive Deutsches Kino, Berlinale).

Die Störkanal-Edition: Interview mit Nando Rohner

Die Störkanal-Edition von I-On New Media ist eine DVD-Reihe von mittlerweile vierzehn zum Teil sehr aufregenden Filmen, zu denen sich ab heute der hervorragende griechische Streifen Dogtooth/Kynodontas (meine Kurzkritik) hinzugesellt. Zu den bisherigen Highlights gehörten auch schon 5150 Elm’s Way (meine Kritik) aus Kanada sowie der bestürzend intensive südkoreanische Bedevilled (Trailer). Für Ende April ist zudem Red White & Blue angekündigt, den ich nur mit Nachdruck empfehlen kann.

Ich habe Nando Rohner, der für I-On New Media als Pressesprecher und journalistischer Betreuer der Störkanal-Reihe arbeitet, per E-Mail eine Handvoll Fragen zum Projekt gestellt.

Wie ist das Projekt Störkanal-Edition entstanden und welches Konzept steht dahinter?

Nando Rohner: Die Idee zu der Störkanal-Edition kam Michael Kraetzer, seines Zeichens Chef und Initiator von I-On New Media und ANIMAZE, im Jahr 2009.

Die Störkanal-Reihe soll anspruchsvollen, außergewöhnlichen und preisgekrönten Filmen abseits des Mainstreams einen würdigen Rahmen bieten, den solche Filme unserer Meinung nach auch verdienen. Neben unserem bekanntem Themen-Schwerpunkt bestehend aus Horrorfilmen und Filmen aus Asien, hatten wir bei I-On New Media schon immer auch Filme im Angebot, die aufgrund ihrer anspruchsvollen und unkonventionellen Machart nur schwer einem Genre zuzuordnen waren. Mit Störkanal tragen wir diesem Umstand nun Rechnung, weswegen wir uns dazu entschlossen haben, neben vielen exclusiven Titeln, auch ein paar ausgewählte Titel aus der Vergangenheit innerhalb der Störkanal-Reihe nochmals neu aufzulegen. Unserer Meinung nach ist die heutige Filmlandschaft zu stark vom anspruchslosen Mainstream-Kino beherrscht. Die kleineren Filme, die nicht mit einem großen Werbebudget beworben werden, haben es deswegen sehr schwer ihr Publikum zu finden. Dies ist ums so bedauerlicher, weil gerade diese Filme dem Zuschauer oftmals eine besondere Art von Unterhaltung bieten. Sie nehmen den Zuschauer noch ernst, erlauben es sich ihn intellektuell und emotional zu fordern, anstatt ihn nur als seelenlosen Konsumenten zu betrachten. Genau dieser Art von Filmen soll die Störkanal-Reihe ein zu Hause bieten. Dabei war es uns von Anfang an wichtig, dass die Störkanal-Reihe auch mit einem optisch ansprechenden Gesamtkonzept versehen wird. Störkanal soll nicht nur ein Name sein, sondern für den Film-Sammler auch ein Garant auf ein optisch einheitliches Erscheinungsbild darstellen. Alle Filme erscheinen in einem Slim-Digi inkl. einem 12 Seiten dicken Booklet. Zusätzlich sind alle Filme durchnummeriert und verfügen über ein Störkanal-typisches Cover-Motiv, welches in seiner Gestaltung einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Wir von I-On New Media sind im Endeffekt auch nur Filmsammler und haben die Störkanal-Reihe so gestaltet, wie wir sie gerne in unserer Filmsammlung sehen würden.

Wie muss man sich den Entscheidungsprozess vorstellen, welche Filme veröffentlicht werden sollen? Wie sucht Ihr also die Filme aus?

Als langjähriger Label-Chef verfügt Michael Kraetzer über die entsprechenden Kontakte und bekommt auch viele Filme zur Ansicht zugeschickt. Auch ist er stetig auf der Suche nach neuen Filmen, die ins Störkanal-Konzept passen könnten. Wenn er auf einen Film gestoßen ist, der seiner Meinung nach ein Störkanal-Film werden könnte, wird dieser vom Team angesehen und darüber diskutiert, bevor Michael Kraetzer die finale Entscheidung trifft.

Inhaltlich gibt es nur im weitesten Sinne einen Referenz-Parameter, welchem die Filme gerecht werden müssen, um als Störkanal-Film in Betracht gezogen zu werden. Natürlich hat ein reiner Action- oder Horrorfilm, oder auch eine Komödie keine Chance in die Reihe aufgenommen zu werden, aber ansonsten lassen wir uns von irgendwelchen Genre-Grenzen nicht einschränken. Wenn ein Film unserer Meinung nach unbequem ist, zum Nachdenken anregt, in seiner Art den Zuschauer intellektuell anspricht, oder emotional herausfordert, dann hat er eine gute Chance darauf, ein Teil der Reihe zu werden. Neben den inhaltlichen Qualitäten entscheidet natürlich auch die Gesamtumsetzung darüber, ob ein Film ins Störkanal-Konzept passt oder nicht. Billige Dutzendware hat in der Reihe nichts zu suchen. Störkanal repräsentiert für uns Qualität in jeglicher Hinsicht. In diesem Zusammenhang sind wir besonders Stolz darauf, mit Dogtooth einen Film im Programm zu haben, der bei der letzten Oscar-Verleihung für einen Oscar als bester nicht englischsprachiger Film nominiert war.

Wie ist die Resonanz auf die Edition bisher ausgefallen? Immerhin sind die Filme ja alles andere als leichte Kost.

Wir haben bisher nur gute Resonanzen auf die Edition erhalten, sei es von der Presse oder den Kunden. Dies hat uns auch darin bestärkt, die Störkanal-Edition weiterzuführen, da unserer Meinung nach definitiv ein Bedürfnis nach anspruchsvollen Filmen besteht, die entsprechend aufgemacht die heimische Filmsammlung veredeln.

Wie sind Eure bisherigen Erfahrungen in Bezug auf die Freigabe der Filme durch die FSK? Habt Ihr stark schneiden müssen, um Freigaben zu bekommen?

Bis jetzt hatten wir keine nennenswerten Probleme. Es muss aber auch ganz klar gesagt werden, dass kein Störkanal-Film in irgendeiner Form auf reißerische Gewaltdarstellungen setzt. Wenn Gewalt in den Filmen vorkommt, dann resultiert diese stets aus der Geschichte heraus und ist auch psychologisch nachvollziehbar. Viele Störkanal-Filme zeichnen ein Bild der menschlichen Seele oder vom Tun und Handeln von Menschen in Extremsituationen, da gehört auch Gewalt dazu. Die FSK hat in diesem Zusammenhang jedoch ganz klar erkannt, dass die Gewalt innerhalb der Störkanal-Reihe immer in einem entsprechenden Kontext stattfindet und auch nie zum Selbstzweck verkommt.

Four Lions: Wir erfinden uns eine Zensurdebatte

In der kommenden Woche läuft in den deutschen Kinos endlich der britische Film Four Lions an, eine durchaus sehr großartige schwarze Komödie über eine Handvoll sehr bemühter, aber sehr ahnungsloser Möchtegernterroristen in Großbritannien – ich habe mich schon vor einiger Zeit ausführlich zu dem Film geäußert.

Zum Start hin wird sicher wieder darauf hingewiesen werden – das ist ja immer auch ein bißchen Sensation und damit ein Marketingargument -, daß aus der deutschen Politik der Ruf nach einem Verbot des Filmes erschallte. Zensur also!

Aber stimmt das so?

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Am 9. Januar veröffentlichte Spiegel Online als Vorabmeldung (und Werbung) für das am gleichen Abend ausgestrahlte Spiegel TV Magazin einen Text, der mit der Überschrift versehen war: CSU will Islamistensatire verbieten. Im Text selbst ist dann von der Gesamtpartei nicht mehr die Rede, sondern nur noch vom einzelnen CSU-MdB Stephan Mayer (Homepage), und auch ein Verbot muß man sich zumindest zusammenkonstruieren. Dort ist zu lesen:

Ganz anderer Meinung ist jedoch der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer. Gegenüber SPIEGEL TV Magazin fordert er, den Film wegen der aktuellen Terrorgefahr nicht zu zeigen: „Ich glaube, dass es sehr gefährlich sein könnte, diesen Film jetzt in deutschen Kinos zu zeigen. Es könnte Öl ins Feuer gegossen werden.“

Begierig wurde die angebliche Verbotsforderung von den Filmmedien aufgenommen; moviepilot schrieb gleich am nächsten Morgen:

Den Christsozialen ist der Film Four Lions ein zu heißes Eisen – schließlich zeigt der Film, dass auch Terroristen nur Menschen sind, und Allah behüte, dass wir uns in Zeiten der Angst und des Schreckens über solche Monster lustig machen oder noch schlimmer, sie menschlich darstellen. Darum möchte die CSU den Film verbieten lassen.

Von solchen Begründungen für die angebliche Verbotsforderung ist freilich nichts überliefert, aber das nennen wir mal literarische Freiheit. Und nein, es sind nicht nur Blogs und die üblichen Verdächtigen, die brav von Spiegel Online die Überschrift abschrieben; die Geschichte vom angeblichen Verbotswunsch findet sich auch in neueren Veröffentlichungen der angesehenen Qualitätspresse, innerhalb und außerhalb von Deutschland:

„Ein deutscher Politiker wollte die Terroristen-Satire verbieten – wegen Terrorgefahr.“ (Thurgauer Zeitung, 6. April 2011)

„Schon forderte der CSU-Abgeordnete Stephan Mayer ein Kino-Verbot für den Film, damit kein „Öl ins Feuer“ gegossen werde.“ (Tagesspiegel, 21. Januar 2011)

„Die CSU sagt: Schluss mit lustig. Sie befürchtet eine erhöhte Terrorgefahr und will den Kinostart verbieten.“ (on3, „das junge Programm des Bayerischen Rundfunks“, 19. Januar 2011)

Und, ach und weh, selbst die sehr geschätzten Kolleg_innen von F.LM nahmen die Story als Aufhänger für ihren Bericht zu Four Lions. Zugegeben, die Sache mit der Zensur ist auch einfach zu schön. Und der Verleih Capelight freute sich sicher über die ganze kostenlose Publicity.

Das Problem ist eben nur: Die CSU hat nie etwas in Bezug auf Four Lions gefordert, und auch Stephan Meyer Mayer hat weder von Zensur noch von Verbot gesprochen. Sieht man sich das fragliche Video aus der Sendung selbst an, so stellt man fest, daß der als „CDU-Bedenkenträger“ eingeführte MdB insgesamt Folgendes sagt:

Ich glaube, daß es sehr gefährlich sein könnte, diesen Film jetzt in deutschen Kinos zu zeigen, es könnte Öl ins Feuer gegossen werden, und wir haben nunmal ganz konkrete Hinweise, daß es potentielle Islamisten in Deutschland gibt, aber auch in vielen anderen europäischen Ländern, die vielleicht gerade diesen Film als die letzte Provokation empfinden könnten, und aufgrund dessen auch einen Anschlag in Europa oder auch in Deutschland unternehmen könnten. Und deswegen sollte die Politik meines Erachtens schon den dringenden Appell an die Filmschaffenden, vor allem auch an potentielle Verleihunternehmen richten, diesen Film zumindest mal in diesem Jahr nicht in Deutschland zu zeigen.

Nun kann man mit allem Recht der Meinung sein, daß das ziemlicher Quatsch ist; auch daß das Bedrohungsszenario, das dahinter steht, vermutlich übertrieben ist, kann man denken, und daß es wohl nicht sinnvoll ist, sich in seinen Freiheiten selbst zu beschneiden, weil anderen diese nicht gefallen. Diese Debatten sind ja im Kontext der Mohammed-Karikaturen seinerzeit großflächig geführt worden, und weder Herr Mayer noch seine schlecht informierten Spötter_innen haben da noch Interessantes im Kontext von Four Lions hinzugefügt. Aber, und ich sage das als jemand, der sich wahrlich nicht als Freund und Förderer der CSU versteht: ein Verbotsaufruf sieht anders aus.

Spiegel Online hat also, um für das eigene Fernsehnebenprodukt ein bißchen die Werbetrommel zu rühren, Mayer die Worte so lange im Mund herumgedreht, bis sich daraus ein bißchen Sensation herstellen ließ; und die Medien, sie sind brav und freundlich hinterhergehechelt und verbreiten solche Geschichten bis heute weiter.

Mayer selbst hat sich Zeit gelassen, auf die Unterstellungen (denn in einem freiheitlichen Rechtskontext würde ich es als Unterstellung werten, wenn man mir Zensurwut vorwürfe) zu reagieren. Am 10. Januar hatte ich ihm eine Mail geschickt:

Sehr geehrter Herr Mayer,

ich bin deutscher Filmjournalist und bin über den Spiegel auf ihre Äußerungen zur britischen Satire „Four Lions“ aufmerksam geworden.

Sie werden bei Spiegel Online mit den Worten zitiert „Ich glaube, dass es sehr gefährlich sein könnte, diesen Film jetzt in deutschen Kinos zu zeigen. Es könnte Öl ins Feuer gegossen werden.“ Leider liegt mir aktuell keine Aufzeichnung des Spiegel TV Magazins vor, in dem Sie wohl ausführlicher zur Sprache kommen.  Daher meine Bitten um Präzisierung:

– Wie genau haben Sie sich gegenüber Spiegel TV geäußert?

– Beruht Ihre Haltung zum Film auf einer eigenen Sichtung?

– Wie genau würden Sie die mögliche Verbindung zwischen der Aufführung des Films und seiner Wirkung auf Terroristen beschreiben?

Für eine rasche Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Mit herzlichen Grüßen
Rochus Wolff

Erst drei Wochen später, am 31. Januar 2011, kam von Mayer folgende Antwort:

Sehr geehrter Herr Wolff,

nach meiner Stellungnahme im Spiegel TV Magazin am Sonntag, den 09.01.2011 bezüglich der Satire „Four Lions“, die bisher nicht in Deutschland ausgestrahlt wurde, erlaube ich mir unter Bezugnahme auf Ihre E-Mail vom 10. Januar 2011 auf die von Ihnen geäußerte Kritik einzugehen.

Vorab möchte ich deutlich machen, dass ich weder im Fernsehinterview, noch im Gespräch mit den Journalisten ein Verbot des Films gefordert oder in irgendeiner Hinsicht angeregt habe. Sämtliche Unterstellungen hinsichtlich einer Forderung nach Zensur oder Verbot entbehren somit jeder Grundlage und sind auch inhaltlich nicht mit der von mir geäußerten Position zu vereinbaren.

Selbstverständlich bin ich der Auffassung, dass zentrale demokratische Werte, wie die Pressefreiheit in keiner Weise eingeschränkt werden dürfen. So wie beispielsweise im Umgang mit Personen von hohem öffentlichen Interesse von seriösen Medien in aller Regel eine Abwägung zwischen öffentlichem Interesse und der Privatsphäre vorgenommen wird, habe ich den Appell an die Medien gerichtet in den Wochen erhöhter Terrorgefahr nicht unbedacht „Öl ins Feuer zu gießen“. Bei der Diskussion um die so genannten Mohammedkarikaturen habe ich selbstverständlich eindeutig Position für die freie Meinungsäußerung bezogen. Grundsätzlich hielte ich es auch für sehr bedenklich mit Blick auf mögliche Reaktionen in vorauseilendem Gehorsam unsere Lebensgewohnheiten zu verändern.

Unter Berücksichtigung der derzeitigen besonderen Bedrohungssituation, die sich unter anderem in den deutlich erhöhten Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen, Bahnhöfen und zentralen Liegenschaften oder Veranstaltungsorten, manifestiert, habe ich lediglich in Frage gestellt, ob es sinnvoll ist, die Befindlichkeiten in dieser besonderen Situation – ausdrücklich zeitlich begrenzt –  durch eine derartige komödiantische Auseinandersetzung zu verstärken. Die Fehlinterpretation, mir ein Verbotsersuchen zu unterstellen, weise ich entschieden zurück. In der offenen Diskussion müssen derartige Überlegungen angestellt werden dürfen, um sich letztlich nicht der Gefahr des leichtfertigen Umgangs mit zum Teil erheblichen Gefährdungen auszusetzen.

Auch weiterhin werde ich mich mit diesem hochsensiblen Thema konstruktiv auseinandersetzen, auch wenn dabei die Gefahr besteht durch mediale Verkürzung teilweise erhebliche Missverständnisse mit  zu verursachen. Für Rückfragen stehe ich selbstverständlich jederzeit zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Stephan Mayer,
MdB

Natürlich beantwortet Mayer in dieser Mail keineswegs die Fragen, die ich ihm gestellt hatte; die Formulierung „die von Ihnen geäußerte Kritik“ auf meine doch recht neutral gehaltenen Fragen hin erklärt sich vermutlich daraus, daß Mayer genau dieses Schreiben wortgleich an verschiedene Blogger_innen und Journalist_innen verschickt hat (Beispiele hier und hier), von denen er vermutlich zum Teil deutlich kritischere Mails bekommen hatte.

Dennoch ist es zumindest irritierend, daß Mayer drei Wochen brauchte, um auf Anfragen zu antworten. Vielleicht ist er einfach im Umgang mit Medien nicht besonders gewandt, oder es gab Vieles und Wichtigeres zu tun; vielleicht aber fand er es auch ganz gut, ein bißchen als Hardliner und Terrorismusbekämpfer durch die Medien zu geistern, bevor er sich dann ganz entspannt daran setzen konnte, sich zu distanzieren und hehre Werte wie die Pressefreiheit ins Scheinwerferlicht zu halten.

So haben am Ende womöglich alle Beteiligten – Spiegel TV, Stephan Mayer und Capelight – die gewünschte Aufmerksamkeit bekommen, viel Wind rauschte durch den Blätterwald, und in China, Sie wissen schon, ist ein Sack Reis umgefallen.

Hoodwinked! (2005)

Das Grundkonzept von Hoodwinked! hat einen gewissen Charme: mit Rotkäppchen ein bekanntes Märchen zu nehmen und dann eine Kriminalgeschichte darum herum zu stricken, die völlig die Grenzen der althergebrachten Geschichte verläßt und stattdessen vor Spielereien mit anderen Märchen und popkulturellen Referenzen nur so strotzt. (Jasper Fforde macht ähnliches, womöglich noch besser in der Literatur zum Beispiel in Big Over Easy und The 4th Bear auf ziemlich beeindruckende Weise.)

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Daß das Ganze dann in eine Kriminalgeschichte eingebettet wird (der postmodernen Erzählform par excellence) gibt dem Pastichespiel eine schöne Struktur, in der zunächst alles zusammengreift, bis dann allerdings der ganze Film rasch in ein Actionabenteuer zerfällt. Zugleich konzentriert sich die Handlung zunehmend auf eine eher schlichte Gut-Böse-Konstellation, während viele der vorher recht schön eingeführten Figuren stark in den Hintergrund treten.

Hoodwinked bleibt dann immer noch ziemlich harmlos-unterhaltsam (und wahrscheinlich brauchbar für Kinder so ab ca. 6 Jahren aufwärts), aber ohne das Verwirrspiel à la The Usual Suspects, das am Anfang eingeführt wird, gerät das letzte Drittel des Films zur eher flachen, vorhersehbaren Standardware. Die jüngst angekündigte Fortsetzung sieht nicht unbedingt vielversprechender aus.

Bail Enforcers

Ah ja: sinnlose Gewalt, zumindest im Trailer angedeutete Sexualisierung der weiblichen Hauptfigur, Dialoge ohne ästhetischen und intellektuellen Mehrwert: das C-Movie lebt und atmet noch! Demnächst in Ihrer Videothek.

(via)