Texte zu Filmstarts (7., 14. April 2011)

Morgen startet mit Greg Mottolas Paul eine durchaus vergnügliche Science-Fiction-Komödie mit Simon Pegg und Nick Frost; vor allem Kristen Wiig liefert eine hochgradig komische Performance ab. Der ganz große Wurf, die ganz clevere Alienfilm-Parodie (wie es Shaun of the Dead für den Zombiefilm war) ist Paul zwar nicht geworden; aber wer die Hauptdarsteller mag oder dem Genre verfallen ist, wird mit allerlei cleveren In-Jokes versorgt und viel Verständnis für die Besonderheiten von Nerds. Meine ausführliche Besprechung hier im Blog.

Schon seit vergangener Woche trampeln ein paar ganz irdisch-fantastische Wesen durchs deutsche Kino: Trolle. Der norwegische Film Trollhunter ist sehr eigen, aber m.E. für Freund_innen des fantastischen Films unbedingt sehenswert. Etwas mehr dazu hier.

Foto: Universal

The Mechanic (2011)

Kann es sein, daß sich in letzter Zeit wieder einmal die Filme über Auftragskiller häufen, nur ohne daß man sich die Mühe gibt, ihnen auch nur einen Hauch von psychologischer Tiefe zu schenken? The Mechanic ist ein Remake des gleichnamigen Films aus den 1970ern, der seinerseits auch nichts besonderes ist, aber mit Charles Bronsons traurigem Hundegesicht wenigstens eine überzeugende Visage für die generelle Aura von Trauer und  Einsamkeit vorweisen konnte, die den Protagonisten dieses Filmes umwehen sollte. Das war nicht unbedingt total überzeugend gespielt und geriet insgesamt zu einem dramaturgisch unebenen Film, aber nunja, dafür schleudert Bronson immer mal wieder seine Haartolle hin und her.

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Das kann Jason Statham natürlich mit seiner Standardfrisur – minimal mehr Haar als abrasiert – nicht leisten, wie er auch die grundlegende Traurigkeit der Figur mehr als stirnrunzelnde Schweigsamkeit anlegt – also im Grunde so, wie er im Kino fast immer zu sehen ist, wenn er nicht auch mal lächelt. Der kleine König des B-Actionfilms hat nun mal eben nur ein begrenztes mimisches Repertoire.

The Mechanic folgt, nach einer wesentlich aufregender gemachten Einstiegsszene, in der ersten halben Stunde getreulich den Fußspuren des Originals, verschiebt dann aber seine Gewichte ein ganzes Stück: Der junge Mann (Ben Foster), den der titelgebende Auftragskiller (Statham) zu seinem Lehrling macht, bekommt hier deutlich mehr Gewicht und sogar so etwas ähnliches wie einen interessanten Charakter, ein Alkoholproblem und einen ganz eigenen Mordauftrag. (Ist eigentlich der Mann, den er da töten soll, ein bösartiger Kommentar auf die star persona von Steven Seagal?)

Natürlich findet in The Mechanic keine wirkliche Kommunikation oder Entwicklung zwischen den beiden Protagonisten statt; dem Film ist aber zum Beispiel auch die Grundidee ziemlich wurscht, daß der beste Auftragsmord jener sei, bei dem es sei, als sei der Täter nie da gewesen. Stattdessen wird alsbald alles mögliche unter herzlichem Bleiverbrauch in die Luft gejagt, wie man das schon aus allzu vielen Jason-Statham-Filmen kennt.

Regisseur Simon West ist an seinem Film zu desinteressiert, um aus all den Möglichkeiten des Films irgendetwas Neues zu machen. Allzu brav folgt er den Spuren des Originals, der Rest wird kräftig aufgewumst, aber mehr als durchschnittliches Ballerkino kommt dabei nicht heraus, schlecht computeranimierte Blutspritzer inklusive.

Foto: Kinowelt

Ball-busting women of cinema

Das darf natürlich in diesem Blog nicht fehlen: Ein „Supercut“ von filmdrunk mit lauter Filmszenen mit Damen, die sich mit gezielten Tritten und Schlägen in die Weichteile ihrer Peiniger gegen eben diese zur Wehr setzen. Bei filmdrunk gibt es auch die Liste der verwendeten Filme.

(via)

Pina (2011)

Als Dokumentarfilm über die Tänzerin und Choreographin Pina Bausch eignet sich, das muß man als Warnung vor falschen Erwartungen vielleicht voranschicken, Wim Wenders neuer Film Pina überhaupt nicht. Da dem Film, der eigentlich mit Bausch zusammen gedreht werden sollte (und schon seit längerer Zeit in Planung war) nach ihrem plötzlichen Tod im Juni 2009 die Protagonistin abhanden gekommen war, hat Wenders stattdessen einen Film für Pina Bausch gemacht – weniger eine Dokumentation als eine Hommage, ein Film voll jener Bilder, für die man Pina Bausch – eine der herausragenden Gestalten des modernen Tanzes im 20. Jahrhundert – in Erinnerung behalten sollte.

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Bausch selbst taucht dabei zuweilen in Aufnahmen aus älteren Filmen auf, Bilder die im dreidimensional gedrehten neuen Filmmaterial fast schon museal wirken; körnige, verblasste, oft schwarzweiße Bilder, die aus der Klarheit und Schärfe von Wenders digitalen Bildern herausfallen und Pina Bausch eine historische Patina verleihen, die sie eigentlich noch nicht verdient hat: Die Frau ist ja noch nicht einmal zwei Jahre tot und hat bis zuletzt noch als Choreographin gearbeitet.

Man erfährt auch nicht viel darüber, was Bausch so besonders gemacht hat – es gibt keine Gespräche mit Weggefährten, keine einordnenden Bilder oder Kommentare. Auch die Art und Weise, wie sie mit den Tänzerinnen und Tänzern gearbeitet hat, bleibt weitgehend im Dunkeln. Zwar reminiszieren sie hier in schön gestalteten Szenen (sitzen schweigend vor der Kamera, während aus dem Off ihre Stimme eine Handvoll erinnernde Sätze verlauten läßt), aber das, was man daraus über Bausch erfährt, geht über oberflächliche Sentenzen kaum hinaus. „Ich muß Angst vor Dir haben!“ – mit solchen Glückskekskurzen Anstupsern allein soll ein derart bemerkenswertes choreographisches Oeuvre entstanden sein?

Aber der Film soll das ja gar nicht so genau erklären. All das ist weniger systematische Dokumentation als persönliche Reminiszenz: Deshalb dürfen die Tänzer_innen des Tanztheaters zurückblicken und für die Kamera persönliche Statements tanzen; deshalb gibt es vor allem großartige Aufnahmen aus mehreren Stücken von Bausch zu sehen. Und hier spielt der Film sein größtes Pfund aus: Ganz und gar in 3D gehalten, wirken diese Szenen unglaublich lebendig und nah – die dritte Dimension wird in der Tiefe des Bühnenraumes, in den ausgreifenden Bewegungen so wichtig für die Kunstwerke, die Bausch mit ihren Tänzer_innen geschaffen hat, daß man sich eigentlich Tanzfilm nicht mehr anders vorstellen kann.

Daß Wenders dann historische Aufnahmen, die Bausch als Tänzerin in ihren eigenen Produktionen zeigt, mit seinen neuen verbindet, ist dann wieder völlig stimmig und bindet die ansonsten oft unsichtbare, nur durch ihr Werk vertretene Protagonistin des Films wieder in die Tiefe des Raumes ein. Pina ist zwar nicht (woran ich freundlicherweise erinnert wurde) der bislang erste 3D-Film, in dem die Technik nicht nur Gadget, sondern ästhetisch bedeutsames Element ist (das stimmt auf jeden Fall auch für Coraline, womöglich auch für Resident Evil: Afterlife und wohl auch für Cave of Forgotten Dreams, den ich aber noch nicht kenne), aber doch ein herausragendes Beispiel dafür, was man, all meinen Unkereien zum Trotz, mit dieser Technik Hervorragendes anstellen kann.

Foto: Neue Road Movies/NFP

Wenn When Harry Met Sally eine Fortsetzung bekäme

Funny Or Die hat mit Billy Crystal und Helen Mirren einen netten kleinen Fake-Trailer zu einer eventuellen Fortsetzung von When Harry Met Sally gemacht. Nach kurzer Zeit wird das Ganze etwas, ähm, seltsam.

Und Mike Tyson, auch hier kurz zu sehen, scheint ja derzeit die Runde zu machen mit Kleinstrollen in seltsamen Humorfilmchen.

(via)

The Adjustment Bureau (2011)

Allzu viele Worte möchte ich über The Adjustment Bureau gar nicht verlieren; der Film ist vor allen Dingen ein recht glücklich hingeworferner, sehr leichter Genremix, der Liebeskomödie und Actionverschwörungsfilm kombiniert, und wenn es daran etwas zu beklagen gibt, dann vor allem, daß Verfilmungen von Philip K. Dick-Geschichten doch viel zu oft am Ende in ein Jump-and-Run-Szenario münden, weil sie die Komplexität der Universen nicht anders in Bilder zu fassen verstehen.

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So ist das auch hier; gleichwohl hat mir das Spiel mit den sich sonstwohin öffnenden Türen sehr gut gefallen, auch wenn die (wortwörtliche) Drehung, die zum Showdown führte, halt schon ein ganzes Stück vorher überdeutlich durch die Gegend getragen wurde. Und in der Tat muß man, wie Nino es treffend ausformuliert hat, dem Film zugute halten, daß er sein eigenes Verschwörungsspielchen letztlich ad absurdum führt – und damit eben doch das Komödiantische mehr nach vorne schob, was vielleicht der Hauptgrund ist, warum der Film sich so gut als allzu gedankenfreie Abendunterhaltung eignet.

Schade dann nur zweierlei: Daß erstens mit der eigentlich nicht üblen Besetzung von Matt Damon (zwischen ihm und Emily Blunt, der ich eh sehr gerne zusehe, fliegen in der Tat ein paar Funken) und der ganzen Rennerei zwischendurch der Film ein bißchen wirkt wie Bourne vs. Gottes Geheimdienst, ein Vergleich, der weder den Bourne-Filmen noch The Adjustment Bureau wirklich gut tut.

Und daß ich zweitens die Geschlechterpolitik hinter dem Film nicht verstehe. Denn es erscheint doch ein bißchen seltsam, daß die beiden, angeblich füreinander bestimmt, nie zueinander kommen, nur weil er ihre Telefonnummer verliert. Ist sie als Aspirantin auf den Thron der nächsten Göttin des modernen Tanzes zu verschämt, um ihrerseits die Telefonnummer einer so öffentlichen Person herauszufinden, wie er es ist? Das ist doch gaga; als käme, mit anderen Worten, im göttlichen Plan nur die Möglichkeit vor, daß der Anstoß zu einer Liebesbeziehung nur davon kommen kann, daß er sich aktiv um sie bemüht. Das mag zu Dicks Zeiten noch verbreitet gewesen sein, in die New Yorker Gegenwart paßt es nicht mehr.

Foto: Universal

La Proie

Trailer zum neuen Film von Eric Valette, startet kommende Woche in Frankreich.

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Synopsis:

Un braqueur s’évade de prison pour traquer son ancien codétenu, un tueur en série qui a entrepris de lui coller ses crimes sur le dos.Une policière de la Brigade des Fugitifs se lance à la poursuite du braqueur, devenu bien malgré lui l’ennemi public numéro 1.Quand chacun des protagonistes aura été au bout de lui-même, qui sera le chasseur, et qui sera la proie ?

RIP Cinematical… and thanks for all the fish!

Es läßt sich gar nicht so richtig in Worte fassen, was für ein seltsames Loch das de-facto-Ende von Cinematical für mich und für den massentauglichen amerikanischen Filmjournalismus bedeutet – Stephen Salto hat in seinem „Nachruf“ bei IFC nicht zu Unrecht vom Ende einer Ära gesprochen.

Cinematical begann Mitte der Nuller Jahre als unabhängiges, kleines Blog, das dann schließlich von AOL geschluckt wurde – aber offenbar konnte man in der Redaktion immer noch der vollständigen Übernahme unter das Moviefone-Dach Widerstand leisten. Erst mit der frischen Übernahme dieses ehemaligen Giganten durch die Huffington Post scheint das nicht mehr zu funktionieren.

Mittlerweile sind fast alle großen Namen ausgestiegen – zuletzt Editor-in-Chief Erik Davies -, die Empörung schien sich zuletzt an einer dreisten E-Mail zu entfachen, in der den Freelance-Autor_innen angekündigt wird, man werde die Arbeit jetzt ganz auf ein Team festangestellter Schreiberlinge konzentrieren. Natürlich stehe allen frei, sich auf solche Posten zu bewerben, und ansonsten seien sie herzlich eingeladen, auch für lau weiter mitzuarbeiten.

Dieser letzte Teil ist natürlich ein Affront gegen die Autor_innen – wenn auch das Ganze womöglich symptomatisch ist für die Probleme des Filmjournalismus überall: Geschriebenes möchte man schon, allein, das Geld ist knapp – oder jedenfalls niemand willens, wirkich vernünftige Beträge zu zahlen.

HuffPo rudert inzwischen zurück, ganz so sei das ja nicht gemeint gewesen; neue Texte der ehemaligen Autor_innen von Cinematical wird man sich jetzt jedenfalls an verschiedenen anderen Stellen zusammensuchen müssen. Schade, schön war’s.