Oscars 2012: Liveblogging

Ab irgendwann heute nacht werde ich hier bzw. direkt hier im Blog über die Oscars livebloggen, zusammen mit Anne, Beatrice, Peter und Philipp – und allen Gästen und Kommentator_innen, die dazu stoßen mögen. Minus all jenen Leuten, die zwischendrin einschlafen. Enjoy!

Oscars-Vorglühen 2012: Razzies, Liveblog und Chat

Als Vorbereitung auf die Oscars auf der Gegenfahrbahn wurden gestern die Nominierungen für die diesjährigen Razzie Awards aka Goldene Himbeeren verkündet.

Heute abend nacht werde ich in illustrer Gesellschaft bei nomnomnom livebloggen, so gut lange ich kann. Zwischendrin schaue ich aber sicher auch im Oscar-Chat von moviepilot vorbei, auch wenn ich die Nacht nicht im Büro verbringe, sondern lieber vom heimischen Sofa aus blogge und schnarche.

Kommt vorbei, schaut und mischt Euch ein! Oder so!

Vorab könnt Ihr noch schnell bei Peter Euren Tipp für die Oscargewinner abgeben oder den Großteil der fünf nominierten Animated Shorts ansehen.

Und dann die Frage: Kommt er?

Vorglühen zu den Oscars

Noch knappe 29 Stunden bis zur Verleihung der diesjährigen Academy Awards, und natürlich kann man sich ohne Ende und bis in unendliche Details wie Fussballreporter mit Statistiken darüber vorbereiten, wie oft Billy Crystal in seinen Moderationen schon Tom Cruise erwähnt hat und… ach, egal.

Hier gibt es einfach, in einem schönen Player, die Trailer für die Filme in den Hauptkategorien versammelt:

Hier stellt mein Kollege Batzman die Nominierten nochmal vor und läßt uns dabei subtil wissen, dass er gerade erst in Kalifornien weilte:

Feminist Frequency hat die für den besten Film nominierten dem Bechdel-Test unterzogen – mit dem erwartbar vernichtenden Ergebnis:

Den Abend schöner macht man sich natürlich mit dem Oscar-Bullshit Bingo des Comedyfilmfestivals, und auf den Roten Teppich warte ich vor allem wegen des potentiellen Auftritts von Sacha Baron Cohen.

Ach ja, und livebloggen werde ich dann auch. Falls ich nicht vorher einschlafe bzw. vorher erst gar nicht aufwache. (Dass ich während der Zeremonie einschlafen werde, darf allerdings als gesichert gelten. ;-) )

Brave: Das Bogenschießen

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Die Vorfreude wächst und wächst und …

Kurze Synopsis (nach imdb):

Set in Scotland in a rugged and mythical time, „Brave“ features Merida, an aspiring archer and impetuous daughter of royalty. Merida makes a reckless choice that unleashes unintended peril and forces her to spring into action to set things right.

brave_poster

Fantasy Filmfest Nights 2012

Die Filme für die diesjährigen Fantasy Filmfest Nights (an den Wochenenden vom 17.3. bis 1.4.2012) sind jetzt offiziell, und es sind ein paar hoffnungsvolle dabei und ein paar Stinker.

Childish Games aka Dictado habe ich auf der Berlinale gesehen, ein solider, aber wenig überraschender spanischer Mysterythriller mit leichten Horroreinschlägen. Kann man sehen.

Unbedingt empfehlenswert: Der kubanische Juan of the Dead (Juan de los Muertos), den ich in Sitges gesehen und dann ausführlich besprochen habe. Zombiekino in seiner besten Form.

Am gleichen Ort habe ich auch Livid (Livide) gesehen und war nicht sehr begeistert. Eine ästhetisch überambitionierte Vampir(o.s.ä.)geschichte, die dann am Schluß doch nicht bringt, was sie will. Noch schlechter ist The Theatre Bizarre, ein Episodenfilm, dem ich so gar nichts abgewinnen konnte.

Anders hingegen Sleep Tight (Mientras Duermes), noch so ein spanischer Film, den ich ziemlich stark fand – aber dazu gab es auch von geschätzten Kolleg_innen ganz andere Meinungen. So soll’s sein.

Unbekannt, aber vielversprechend: Chronicle und We Need To Talk About Kevin. Unbekannt und womöglich egal: Love, The Prodigies (La Nuit des Enfants Rois), [REC]3, Rosewood Lane.

Berlinale 2012: Tag 6 und 7

Die Tage verschwimmen langsam miteinander, was auch an der Müdigkeit liegen kann, am Jonglieren mit Rollen und Anforderungen, das ich mir dieses Jahr aufgehalst habe, gerne natürlich: Aber es ist eben ein seltsames Ringen zwischen Potsdamer Platz und Büro anderswo, Bett und (figurativ) Wiege drittens. Ich liebe jedes dieser Teile.

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Einsam bin ich dabei nicht. Aber dennoch sind Filme von Einsamkeit, Isolation und Verzweiflung ja gerne mal überhand nehmend auf der Berlinale, dem Weltproblemfestival unter den Filmfestivals (or so they say). Das Antidot dazu gab Rentaneko, „die japanische Antwort auf Amélie Poulain, nur subtiler und abgründiger“, wie ich gleich hinterher schrieb. Das glaube ich immer noch und habe es hier etwas differenzierter ausgeführt.

Der Film kursiert hier derzeit ein wenig als Geheimtip unter den Kolleg_innen, ich glaube aber: wirklich im Sinne eines Antidot gegen all die Schwermut. Und dann finden auch nicht alle den Film toll, aber andere bleiben dran kleben.

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Dann war schon der nächste Tag (gestern); jetzt, kurz vor Festivalschluß, meine erste Wettbewerbs-Pressevorführung im Berlinale-Palast, ganz oben im 2. Rang mit ein paar netten Kolleg_innen. Wir lästern ein wenig über S.‘ ordentlich geführten (Papier-)Festivalkalender, mit dem sie von uns allen den besten Überblick darüber hat, was sie wann wo tun muss, während wir uns auf unser „Streichelfon“ (S.) verlassen. Wehe dem, der von der Technik verlassen wird an solchen Tagen. Oder sein Telefon vergißt.

Bai Lu YuanWhite Deer Plain – also aus luftiger Höhe, von oben herab, betrachtet. (Schwindelfrei muss man sein, da oben.) Eine monumentale Soap-Opera, ein Genderdrama mitten im klassischen Rollendasein, und am Schluss stirbt die Frau durch die Hand eines Mannes, den sie vorher gedemütigt hat. Im Hintergrund geschieht eine Revolution – wir sind mitten im China des frühen 20. Jahrhunderts -, aber die Landwirtschaft und ihre Mittel bleiben noch immer gleich, und auch die Geschehnisse im Theater des Lebens. Politisch mag sich vieles umwälzen, es kommt doch bei den Menschen am Boden nicht an.

Das ist als großes Menschheitstheater inszeniert, wechselnd zwischen grandiosen Landschaftsaufnahmen und Szenerien wie aus Bühnenbild. Und die Wunde am Ende ist nicht nur anatomisch bescheuert positioniert – man sticht nicht so einfach durch ein Schulterblatt hindurch -, sondern auch noch das schlechteste CGI des Festivals: sie zuckt nicht, wenn die Sterbende sich windet, und dadurch sieht es aus, als wandere sie.

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Anschließend stehen vier gestandene Filmkritiker noch eine Viertelstunde vor der Tür und versuchen sich daran, die Verwandtschaftsverhältnisse des Filmes auseinanderzudividieren. Ich darf gleich sagen: So ganz ist es uns nicht gelungen. Wer jetzt mit wem verschwägert, blutsverbrüdert oder verpatet war —

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Spät nachts dann schließlich Haywire in großer Premiere. Vom Saal aus kann man vor der Vorstellung per Leinwand den Roten Teppich beobachten; da verbringen die Stars viel Zeit, auf der Bühne später, nach Filmende, nur sehr wenig. Es ist aber auch sehr spät: Gegen halb zwei spuckt uns der Palast wieder auf die Straße.

Haywire - Roter Teppich

Toller Film übrigens; Nino und Thomas haben dazu schon fast alles Wesentliche gesagt, während ich mich jetzt an den dazugehörigen Text werfe. Gina Carano macht übrigens den Eindruck, als würde sie nicht nur in ihrer Rolle, sondern auch im wahren Leben lieber aufs Abendkleid verzichten (das allerdings zur Premiere auch schwarz, kurz und aus Leder war). (Eine ausführliche Kritik gibt es jetzt hier.)

Kid-Thing (Berlinale 2012: Forum)

Womöglich täuscht der Eindruck, aber er drängt sich doch auf: Dass im amerikanischen Independent-Kino der vergangenen Jahre vor allem das Leben in den Südstaaten immer wieder als einsames, menschenfeindliches Dasein beschrieben wird, dessen Trost- und Ausweglosigkeit selbst den aus der sicheren Entfernung des Kinosessel zuschauenden Europäer in die Depression reißen möchte.

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So ist denn auch die Welt in Kid-Thing von David Zellner, der im Forum der Berlinale seine Europapremiere erfährt, öd und voll. Der Himmel mag weit sein, die Wolken ziehen da zügig vorbei, aber das verbirgt nur mühsam wie ausweglos und gleichförmig selbst die Natur zu sein scheint, die immergleichen Straßen, Geschäfte und Weiden. Mittendrin liegt jede Menge Wohlstandsmüll herum, die Menschen kümmern sich hier nicht um die Dinge, die sie in die Gegend stellen.

Mittendrin die zehnjährige Annie (Sydney Aguirre), um die sich auch niemand recht kümmern will. Sie scheint gelegentlich reifer, wenigstens nachdenklich als ihr Vater Marvin (Nathan Zellner, Bruder des Regisseurs und auch für die Kameraführung verantwortlich); aber schon dieses Kind weiß nichts rechtes mit der Welt, den Dingen und Menschen darin anfangen zu können: In einem Schuppen wirft sie Bücher und altes Spielzeug zu Boden, sie zerreißt einen morschen Baumstamm, knipst einem Busch mit einer Zange die Dornen ab und zerschlägt schließlich einem anderen Kind die Geburtstagstorte.

All das findet fast ohne Gespräche statt: Im ländlichen Texas von Annies Welt sind die Gespräche verstummt oder fast bedeutungslos, die Menschen körperlich oder geistig versehrt. Die Abstumpfung ist total, und Zellner rückt dafür nicht, wie es ja populär wäre, Medienkonsum oder ähnliches in den Vordergrund, im Gegenteil: Die Menschen wissen schlichtweg nichts miteinander anzufangen. Annies Tage vergehen in ziellosem Herumwandern durch die Umgebung – die Schule, behauptet sie, ist wegen eines Lecks in einer Gasleitung geschlossen.

Bei einer ihrer Wanderungen stößt Annie schließlich mitten im Wald auf ein Loch im Boden, aus dem eine Frau um Hilfe ruft – Esther (Susan Tyrrell) ist dort hineingestürzt und nun auf Annies Hilfe angewiesen. Das Mädchen aber will oder kann ihr zunächst nicht helfen, bringt dann aber Sandwiches, Getränke und Funksprechgeräte. Esther wird schließlich zu ihrer wichtigsten Gesprächspartnerin im Film – sie weiß nicht einmal, wie sie ihrem Vater davon erzählen sollte, was ihr da im Wald widerfahren ist.

Die freudige Überraschung des Films ist natürlich die junge Aguirre, die ihrer Annie ein leeres Gesicht und gelegentlich wohldosierte Andeutungen von Emotion verleiht und somit die Grundstimmung des Filmes effektiv unterfüttert. Zugleich wirken die stellenweise etwas erratisch wirkende Musik und die doch etwas zu stark verlangsamte Erzählweise dem wieder deutlich entgegen.

Aber vielleicht gehört die Ausweglosigkeit und Trägheit der Erzählung genau dazu, dass Zellner hier wirklich keine Hoffnung mehr sieht: Das Loch, aus dem Esther spricht, in der Annie abwechselnd teuflische Versuchung und Freundin sieht, das ist natürlich längst ein Loch in ihrer Seele, das nicht mehr verschwinden wird, im Gegenteil: Es wird sie vertilgen, und mit ihr die ganze Welt, aus der sie kommt.

Berlinale 2012: Tag 5

Noch ein Arbeits- und Familientag; morgen wird das ähnlich, voller Erwerbsarbeit mit einem abendlichen Abstecher zu Rentanenko. Reingequetscht habe ich heute immerhin eine Iron Sky-Wiederholung mit dem lieben M. (aus Gründen), zu der wir noch fast zu spät gekommen wären, weil ich im Tran der Gewohnheit ihn in die U-Bahn Richtung Potsdamer Platz zerrte. Statt ins Cubix. Es ist gut, wenn man viel zu früh ist. Vor allem, wenn einen das Festival schon etwas schlafversehrt hat.

Regisseur Timo Vuorensola war nach dem Screening noch da, der Mann läuft vermutlich seit Tagen auf einem High von körpereigenen Endorphinen; seine Hibbeligkeit war schon fast verstörend. Dann beantwortete er alle Fragen mit knappen Sätzen in einem Affentempo, dann immer gleich der nächsten Frage erwartend entgegenblickend, was ihm seltsamerweise den Anschein gab, wortkarg und geschwätzig zugleich zu sein. Aber seeeeehr gut gelaunt.

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Weil ich hier heute nicht so viel zu sagen habe, noch einmal der Verweis auf Kluges an anderer Stelle: Das Berlinale-Special etwa von critic.de, wo man auch die Berlinale im Dialog begeht. Die tägliche Presseschau gibt uns film-zeit.de, während beim Perlentaucher und auf kino-zeit.de gewohnt lesbar gebloggt wird. Last but not least schreibt Kollegin Sophie in ihrem Blog und im Berlinale-Tagebuch bei meinem Arbeitgeber moviepilot über die Filme, die sie gesehen hat.

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Meinen ausführlichen Text zu Herr Wichmann aus der dritten Reihe findet die interessierte Leser_innenschaft jetzt übrigens auch hier.

Berlinale 2012: Tag 4

Ein Festivaltag, der wie ein Wirbelwind in der Mitte des Tages hereinbrach, um dann vorbeizuschießen wie nichts. Manchmal stimmen die eigenen Zeitwahrnehmungen ja nicht mit dem fragilen Gewebe „Realität“ überein. Es begann jedenfalls mit einer kleinen Verspätung. Die Macher von Kid-Thing, David und Nathan Zellner, hatten noch Q&A nach ihrer zweiten Berlinale-Vorführung und kamen deshalb etwas verspätet zum Interview. Erste Erkenntnis daraus: Susan Tyrrell hat sich, wenn ich sie da richtig verstanden habe, wirklich in dieses Erdloch gesetzt und von dort aus gesprochen. Oha. Viel schauspielerischer Einsatz für eine reine Sprechrolle.

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Danach zur politischen Prominenz geeilt: Herr Wichmann war natürlich da, aber auch der Ministerpräsident selbst. Andreas Dresen und sein Team sowieso. Herr Wichmann aus der dritten Reihe ist gewissermaßen das Follow-Up zu Herr Wichmann von der CDU und ist eher noch launiger, sicher aber: ziemlich, ziemlich gut. Das Publikum lachte viel, am Ende gab’s Topfpflanzen, und der Protagonist zeigte sich abgeklärt und völlig unzynisch. Grundsympathisch, auch wenn ich seine politischen Ansichten sehr, sehr oft nicht teile. (Update: ausführliche Kritik jetzt hier.)

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Bestiaire: Tiere sehen Dich an. Und wenn Du sie anguckst, blickst Du auf Dich zurück. Vielleicht. Jedenfalls ist das ein toller Dokumentarfilm, der fast nur Tiere zeigt, und dezidiert von ganz anderem handelt. Hochartifiziell, seine Künstlichkeit verbergend, aufregend. Vermutlich das einzige Mal in der Geschichte war er heute abend auf richtig großer – Imax – Leinwand zu sehen. Der Regisseur war schwerst glücklich.

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Whitney Houston ist verstorben, und wer’s noch nicht wußte, war vermutlich davon irritiert, als gegen elf Uhr abends in der „Lounge“ einer Berlinale-Sektion einige der Staff-Mitglieder lautstark „One Moment In Time“ mitsangen. Ich bin dann sicherheitshalber mal gegangen, bevor es noch schlimmer werden konnte. Draußen begann es dann zu schneien.

Berlinale 2012: Tag 3

Leicht magischer Moment des Tages: Als sich im Zeughauskino das Feuerwerk des Berlinale-Trailers in der spiegelnden Oberfläche des bereitstehenden Flügels doppelt. Licht und Ton und Abenteuer.

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Es ist kalt. Das ist kein so großes Problem, wenn man sich nur im engen Festivaldunstraum aufhält, wo man sich gegenseitig mit Ausdünstungen warmhält, am Potsdamer Platz also, da kann man schon mal, wie Joachim oder Shah Rukh Khan, auf die langen Unterhosen verzichten.

Ich übe solchen Verzicht nicht (wahnsinnig sexy, ich weiß), und wurde heute mit nur geringfügigen Erfrierungen belohnt, als ich mich auf den Weg zum Zeughauskino machte. Das ist zwar nur eine kurze Busfahrt weit entfernt, aber auf dem Rückweg muss man Unter den Linden an einer äußerst zugigen Bushaltestelle warten und blickt dabei auch noch auf die seltsame Humboldt-Box, die schon mal provisorisch den zukünftigen Schloßplatz verschandelt. Naja.

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Ich bin kein Partytier. Auch keine neue Erkenntnis.

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Lauter nette Kolleginnen und Kollegen. Hoffentlich sind wir alle an den letzten Festivaltagen so erschöpft, dass wir uns auch mal länger zusammensitzen als nur zwischen zwei Filmen im Kalten stehend, eine Zigarette lang. Und dann schlafen wir nebeneinander auf den Caféstühlen ein. Das wird schön!

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Iron Sky: Der Publikumsrenner des Festivals, bevor ihn auch nur irgendjemand gesehen hatte. Man darf die schlimmsten Befürchtungen schonmal zerstreuen: Er saugt keineswegs total. Ein großes Kunstwerk ist er wohl nicht, aber solide Trash-Unterhaltung aus der geballten Macht der Volksfinanzierung, gewissermaßen. Und zwischendrin sind einige Momente, die sind richtig groß: Für Begeisterung sorgten insbesondere der finnische und der nordkoreanische UN-Botschafter. Sollte man sich ansehen, jetzt kann ich sagen: nicht nur, weil es ein cooles Projekt ist. Freund_innen des Steampunk kommen eh nicht drum herum.

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Von Dictado bin ich jetzt, on second thought, etwas weniger angetan als zunächst. Zuallererst ist Antonio Chavarrías‘ Film (sein erster seit sechs Jahren) ein sehr solider Mysterythriller mit Horrorelementen, der motivisch an Orphan denken lässt und vielleicht noch stärker auf klassische Spannungsstrukturen zurückgreift – Hitchcock lässt grüßen.

Dann ist er aber eben doch ein bißchen zu ähnlich wie viele spanische Thriller, die ich (dank Sitges, wohin dieser Film perfekt gepaßt hätte) in den letzten Jahren gesehen habe. Solides Kino für starke Nerven ist das aber trotzdem immer noch.

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Die Animationskurzfilme in der Retrospektive: Sehr politisch, sehr Kinder ihrer Zeit. Vielleicht auch durch die Häufung in rasch aufeinanderfolgenden kurzen Filmen drückte der politische Bildungsauftrag noch deutlich stärker durch als in Aelita, und das wird dann doch recht bald anstrengend bzw. aus heutiger Sicht oft komisch. Interessanter ist als das Ästhetische; und die Einschränkungen, denen die Filmemacher unterlagen, und die zum Teil direkt in den Filmen sichtbar werden.

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Death for Sale: Das fängt am Anfang recht ausgelassen an, als einer von drei Freunden aus dem Gefängnis entlassen wird, aber schon darin deutet sich an, dass das wohl kein gutes Ende nehmen wird. Wie nebenbei werden Gesellschaft und Geschlechterverhältnisse in Marokko mit angedeutet und verhandelt; vor allem aber sinkt die Ausweglosigkeit als todtraurige Grundstimmung in alle Bilder ein, bevor am Ende so richtig deutlich wird, dass auch die engsten Beziehungen zwischen den Menschen zerstoßen sind. Ach, wie die letzten Minuten weh tun.