FFF 2012: 96 Minutes (2011)

Alle meine Beiträge zum Fantasy Filmfest (FFF) 2012 finden sich unter dem Schlagwort FFF2012

96 Minutes - Szenenbild

Langsam gerinnen sie schon zu einem eigenen Genre, die Filme, die das Schicksal einer Handvoll (meist junger) Leute im Brennglas eines Tages (oder weniger Stunden, oder einer halben Woche) verfolgen – die Lebenslinien berühren sich, trennen sich womöglich wieder, aber natürlich verlassen alle diese Erfahrungen als veränderte Menschen. Es sind Sozialdramen meist, in denen die Protagonisten aus ihrer Existenz geschüttelt werden und die zugleich, so wohl meist die Hoffnung von Drehbuchautoren und Regisseuren, zugleich als pars pro toto den Zustand der Gesellschaft darstellen oder zumindest beleuchten.

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Aimée Lagos‘ Film 96 Minutes ist da keine Ausnahme, und der Film unterstreicht seinen Anspruch auf Realitätsnähe noch, indem er das beherrschende dokumentarische Darstellungsmittel der Gegenwart verwendet: die Handkamera, dicht an den Gesichtern der Handelnden dran – immer nur einen Ausschnitt des Ganzen zeigend, so dass das Bild, wie die Handlung, zum Puzzlespiel gerät, in dem die Oberfläche, die aktuelle Perspektive immer nur einen Teil der Welt darstellen kann.

96 Minutes - Szenenbild

Dem entspricht die Erzählweise genau: Ausgehend von einer hektischen nächtlichen Autofahrt – hinten zwei Frauen, davon eine mit Schusswunde am Kopf, vorne zwei junge Männer, einer hält die Pistole noch in der Hand – macht sich 96 Minutes daran, die Vorgeschichte dieser gefährlichen Konstellation auszubreiten, Person für Person, bevor dann schließlich die Stränge ineinandergreifen und der Film nach etwa einer Stunde den Konflikt einer ungewissen Auflösung entgegentreibt.

Die Konfrontation ist hier zunächst recht deutlich eine der Gesellschaftsklassen: die zwei Frauen sind Collegestudentinnen, einigermaßen wohlhabend und gebildet, die jungen Männer Schüler in einem der armen Viertel der Stadt – Kevin (Jonathan Michael Trautmann) ist Sohn einer Prostituierten und sucht nach Bestätigung bei den kriminellen Halbstarken seiner Nachbarschaft, Dre (Evan Ross) hat just seinen Highschool-Abschluß geschafft und hofft eigentlich, selbst auf College gehen zu können.

96 Minutes - Szenenbild

Es ist in dieser Figur, dass sich die Grundfrage des Films bündelt – er will zugleich seinem Viertel entkommen und doch die Verbindung zu seinen Freunden dort – die gleichen Kriminellen, an die sich Kevin richtet – halten. Seine Freundin warnt ihn noch, er könne nicht ewig auf dieser Mittellinie balancieren. „Irgendwann wirst du auf die eine oder andere Seite fallen.“ Allerdings reduziert Lagos ihren Film nicht auf diesen Balanceakt bzw. sein Scheitern; Dres Motive und Handlungen sind doch etwas komplexer, und sowohl Ross als auch Brittany Snow, die eine der beiden jungen Frauen spielt und sich mit dieser Rolle einigermaßen erfolgreich am Charakterfach erprobt, geben ihren Figuren genug Tiefe, um 96 Minutes aus der Masse herauszuheben.

(Fotos: Fantasy Filmfest)

Avengers fürs Heimkino zu gewinnen

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Seit vergangener Woche gibt es The Avengers auf DVD und Blu-ray zu kaufen – der Film, der all die Superhelden aus dem guten Iron Man und den eher nicht so tollen Thor und Captain America und noch einige mehr zusammenbringt – und das Ganze unter der Regie von Joss Whedon so richtig gelungen zusammenschmeißt.

Ich habe je eine DVD und eine Blu-ray von The Avengers zu verlosen – und dafür müßt Ihr nur in den Kommentaren eine funktionierende E-Mail-Adresse hinterlassen und mir aufschreiben, wer Eure liebste Superheldin ist.

Teilnahmeschluß ist am Sonntag, 23. September 2012, 23:59 Uhr.

(Mit Dank an Marvel, Walt Disney Studios Home Entertainment und Frandly PR für die Bereitstellung der Preise! – Foto: Marvel)

Filmstarts dieser Woche (13. September 2012)

Parada Filmszene

Diese Woche bin ich leider sehr spät dran mit den Kinostarts der Woche (von Donnerstag), aber es war einfach zu viel los. Immerhin zwei der Starts habe ich schon gesehen, und auch wenn ich auf keine langen Texte dazu verweisen kann, seien sie doch kurz angesprochen:

Parada habe ich kurz in der neuen Deadline besprochen – das ist eine bitterkomische Tragödie, eine sehr lustige, sehr ernsthafte Geschichte über das Dasein Homosexueller im zeitgenössischen Serbien. Mich hat sie, trotz aller Klischees und Überzeichnungen, amüsiert, berührt und getroffen – aber das sind so subjektive Kriterien, dass sie vermutlich niemand so recht als Kriterium für seine eigene Wahl treffen sollte.

La Cara Oculta/Das verborgene Gesicht habe ich hier bereits kurz im Kontext des FFF angesprochen: Haunted-House-Variation, die mit dem Genre spielt, aber an und für sich genommen leider nicht vollständig überzeugen kann, was vor allem an der eigentümlichen (und eigentlich, weil gewagten, sehr beglückenden) Erzählstruktur des Filmes liegt.

(Foto: Neue Visionen Filmverleih)

Erste Videos aus Spring Breakers

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Bisher war von Spring Breakers vor allem deshalb zu lesen, weil Bilder bekannter Teeniestars in Bikinis im Netz kursierten. Aber wenn man Regisseur Harmony Korine kennt und z.B. Trash Humpers gesehen hat, der sich so gar nicht in gewöhnliche Kategorien des Kinos einsortieren lässt. Und erste Kritiken aus Venedig (wie diese schöne z.B.) deuten darauf hin, dass wir es hier in der Tat mit einem aufregenden Stück Kino zu tun bekommen werden.

Die Produktionsfirma Muse Film hat auf ihrer Vimeo-Seite erste Clips aus dem Film bereitgestellt. Ich freue mich sehr, sehr vor.

http://vimeo.com/48702709

http://vimeo.com/48406777

(Foto: Muse Productions)

Filmstarts dieser Woche (6. September 2012)

Der kleine Rabe Socke

Von den schönen Filmen, die in dieser Woche starten, kann ich zu dreien mehr oder minder kurze Empfehlungen aussprechen:

Schon auf der Berlinale habe ich Herr Wichmann aus der dritten Reihe sehen können, und möchte den Dokumentarfilm nach wie vor gerne allen ans Herz legen, die ein Herz für seltsame Momente haben oder mal wissen möchten, wie Politik eigentlich so im Alltag der Niederungen passiert. Hier meine Kritik auf kino-zeit.de.

Der kleine Rabe Socke ist, wie ich auf Facebook schon geschrieben habe, ein durchaus sehr schöner deutscher Trickfilm für Kinder:

Deutsche Zeichentrickfilme als Spin-Offs etablierter Figuren (und damit: Marken) sind mir ja eigentlich ein Graus. Aber DER KLEINE RABE SOCKE ist erstaunlich gut und vor allem gut zu seinen kleinen Zuschauer_innen: Zärtlich, ambivalent, spannend, immer auf Augenhöhe, aber nie herablassend. Es gibt weder furchtbaren Schrecken noch einen bösen Antagonisten, aber deshalb ist das noch lange kein süßlicher Kitsch, vor allem nicht mit diesem Protagonisten, der sich um alle Konflikte herumlügt, so lange es geht. Großes Kino, ich würde sagen: ab vier Jahren.

Last but not least: The Cabin in the Woods (produziert vom großartigen Joss Whedon) ist der womöglich großartigste Meta-Horrorfilm der letzten Jahre. In der ersten Hälfte folgt er in dem einen Handlungsstrang den genretypischen Vorhersagbarkeiten, um auf der anderen Seite schon ganz, ganz eigentümlich zu werden; und wir dann derartig gaga-großartig, dass ich vor Lachen mich im Kinosessel kugelte und im Übrigen hocherfreut aus dem Saal kam.

(Foto: Universum Film)

Hansel and Gretel: Witch Hunters

Hansel and Gretel: Witch Hunters

Meine Güte, was habe ich auf diesen Trailer gewartet. Der Film wurde ja anscheinend nicht zuletzt deshalb weit, weit nach hinten geschoben, auf dass er von Jeremy Renners post-Avengers, post-Bourne-4 zu erwartender Popularität profitieren möchte; man wird sehen, ob das gelingt.

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Das Problem von Setting und Ton jedenfalls ist für mich, dass dieses Action-Märchen-Grusel-Zeugs mit den Schrotthaufen Brothers Grimm und (leider, leider) Van Helsing so belastet ist, dass ich mir kaum vorstellen mag, wie Hansel and Gretel: Witch Hunters das anders und besser machen können sollte. Der Trailer jedenfalls versteckt nicht, dass sein Sujet eher ein wenig albern ist; vielleicht schafft Tommy Wirkola (Dead Snow) ja das kleine Wunder großer Leichtfüßigkeit. Auf Ms Arterton an der Armbrust freue ich mich jedenfalls auf jeden Fall.

(Foto: Paramount)