Cold Blooded (2012)

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Eine ganz normale, langweilige Nacht in einem Copleben soll das werden; Constable Frances Jane (Zoie Palmer) soll – das Haus ist überfüllt – in einem ansonsten stillgelegten Teil eines Krankenhauses auf den Juwelendieb Cordero (Ryan Robbins) aufpassen, bis er in ein Gefängnis verlegt werden kann. Cordero wurde auf der Flucht verletzt und hat vorher angeblich seinen Komplizen erschossen hat; seiner Bewacherin gegenüber aber streitet er das ab und setzt seinen ganzen Charme ein, um wenigstens interessante Gespräche zu führen und im Idealfall das Weite suchen zu können. Jane geht auf seine Avancen nicht ein, aber die Lage ändert sich schlagartig, als mit Louis Holland (William MacDonald) plötzlich einer von Corderos Komplizen auftaucht, der nicht nur seinen toten Kumpel rächen will, sondern auch gerne wissen würde, wo denn eigentlich die geklauten Diamanten stecken. Jason Lapeyre, Regisseur und Drehbuchautor, ist mit diesem Film und I DECLARE WAR gleich mit seinen ersten beiden fiktionalen Langfilmen auf dem Fantasy Filmfest vertreten. Er macht aus diesem Set-Up ein stark reduziertes Kammerspiel mit wenig Personal und engen Räumen – man darf vermuten, dass hier auch Budgetgrenzen den Rahmen begrenzten, aber das tut dem kleinen Film sehr gut, der zu den ersten gehört, die unter dem neuen Filmlabel der OFDb erscheinen.

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Cold Blooded konzentriert sich auf seine Figuren und gibt jeder einzelnen einen Hauch von Leben (nur der Oberbösewicht wirkt schlicht unfreundlich) – den Rest erledigt eine immer wieder Haken schlagende Jagd, bei der Jäger, Gejagte und Allianzen gerne hin- und herwechseln, während reichlich Blut fließt. Das ist nicht immer alles großartig; gelegentlich wirken die Finten und Wendungen auch mal konstruiert, aber für all das wird man entlohnt, wenn man wieder einmal direkt und unverstellt (oder hinter Strömen von Blut) in Zoie Palmers Gesicht blicken kann, vor allem diese AUGEN! Die machen vieles wett, was ansonsten stören würde. Und Holland schließlich findet ein würdiges, hingezogenes Ende; wie, das soll nicht verraten werden.

(Zuerst erschienen im September 2013 in der deadline #41.)

(Foto: OFDb Filmworks/Ascot Elite)

De l’autre côté du périph (2012)

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Omar Sy war ja schon vor Ziemlich beste Freunde in Frankreich kein ganz Kleiner, aber natürlich hat ihm der Überraschungshit einen richtigen Karriereschub verpasst; aber weil auch französische Produzenten manchmal nicht einfallsreicher sind als anderswo, hat man ihn für Ein MordsTeam in eine ganz ähnliche Konstellation gepackt: Hier Ousmane (Sy), der schnodderige Schwarze aus der Pariser Banlieue, dort François (Laurent Lafitte), der überkorrekte Weiße aus der Hauptstadt. Nur sind diesmal beide Polizisten, so dass das Ergebnis sich doch sehr den Stereotypen der amerikanisch geprägten Buddy-Cop-Komödie annähert. Dabei funktioniert das über weite Teile nicht schlecht: Ousmane mischt die schicken Kreise auf, mit denen sich der Karrierist François gut stellen will, während François in Bobigny zwar völlig verloren ist, aber auch feststellt, dass Ousmane ein ziemlicher Aufschneider ist, der Harold Faltermeyers „Axel F“ als Klingelton hat. Der eigentliche Fall ist dabei natürlich ziemlich egal, und so wird er auch behandelt; leider hebt sich dann aber auch die Beziehung der beiden Cops nie so richtig über die Genrestandards hinaus. David Charhon inszeniert solide und flott – und am Ende hat sich, natürlich, ein Paar gefunden.

(Zuerst erschienen im November 2013 in der deadline #42.)