VANish (2015)

Man kennt das Setup: Ein paar Amateure planen eine Entführung, aber das Opfer ist so einige Nummern zu groß für sie – und das rächt sich früher oder später ganz gewaltig. Oder eben nicht. VANish steigt, nach einem kurzen Prolog, dessen Bedeutung erst später klar wird, genau damit ein: Zwei Männer entführen eine junge Frau, ein neugieriger Nachbar kommt dazu. Schüsse fallen. Als der dritte Freund hinzukommt und das Entführungsopfer ihre Gesichter sieht, ist schon eine ganze Menge schief gelaufen, und es wird anschließend nicht besser. Vor allem aber will ihr Entführungsopfer sich so gar nicht passiv und friedlich verhalten; nachdem sich der erste Staub gelegt hat, fragt sie ziemlich direkt, warum die Jungs nicht das doppelte verlangt hätten? Allerdings geht es natürlich gar nicht wirklich ums Geld…

Man sieht dem Film seine etwas hemdsärmelige Entstehung, sein nicht eben riesiges Budget schon an; aber Regisseur, Autor und Produzent (und auch noch Darsteller) Bryan Bockbrader macht in seinem Debütfilm mit dem, was er aufbieten kann, eine eigentlich recht ordentliche Figur – so richtig merkt man erst in den etwas splattrigen Gewaltszenen des Finales, dass da noch der letzte Schliff fehlt. Bis dahin aber geht die Handlung recht ordentlich voran, auch wenn der letzte, besondere Glanz fehlt; aber der Film ist solide genug, dass sich Bockbrader – der vorher nur zum Kurzfilm Maniac Cop das Drehbuch schrieb – zur Ergänzung seines weitgehend noch unbekannten Casts auch Gastauftritte zweier Genre-Veteranen sichern konnte. Danny Trejo ist kurz (und wortkarg wie immer) im Finale zu sehen, während Tony Todd einen schönen Auftritt als passiv-aggressiver Provinzpolizist hat.

Beschränkung ist in jeder Hinsicht die Stärke des Films: In hageren 80 Minuten legt die Entführergruppe nach und nach ihre Freundschaftsbande ab, und auch wenn der zentrale Twist nicht so richtig überraschend kommt: Es macht Freude, diesem kleinen Film zuzusehen, wie er sich erfolgreich an Genrekonventionen abarbeitet. Gebt dem Mann mehr Geld und ein ordentliches Team, dann wird das richtig, richtig spannend.

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Kartoffelsalat (2015)

Es gibt so Filme, bei denen weiß man gar nicht so recht, wo man anfangen soll. Vielleicht damit, dass dies der wohl drittschlechteste Film ist, den ich 2015 sehen musste? Aber das ist natürlich ein wenig unfair. Also: Einige YouTube-Stars (u.a. FreshTorge, Dagi Bee, Bibi und Melina) haben sich zusammengetan, um einen lustigen Kinofilm zu machen, Otto Waalkes hat sich mit seiner Produktionsfirma TransWaalFilm und in einer eigenen Rolle beteiligt. Herausgekommen ist eine Quasi-Zombie-Komödie aus einem deutschen Provinzgymnasium, der man sowohl den Wille zum Ausprobieren und stetes Bemühen (das ist durchaus positiv gemeint) als auch das Provinzielle in jedem Moment anmerkt. Der Bildungsanspruch des Gymnasiums freilich bleibt auf der Strecke. Die Pointen kommen in hoher Frequenz, als sei das ein neverending YouTube-Spot, von fünf auf über achtzig Minuten gedehnt, aber es sind eben stets die naheliegenden Scherze. Leider sind weder die Auflösung noch die filmischen Mittel wirklich überraschend, und Otto belebt seine untote Reporterfigur Harry Hirsch wieder neu: Alles also schon gesehen, vor allem besser, lustiger und in jeder Hinsicht interessanter. Die neue Generation Filmemacher aus dem Netz sieht jedenfalls anders aus.

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.