Metaluna 4 antwortet nicht (1955)

Jack Meacham ist schon ein Teufelskerl – man sieht es schon an Rex Reasons markantem Kinn. Der Mann ist promovierter Wissenschaftler und steht womöglich kurz davor, aus Blei Uran herstellen zu können, fliegt locker und allein in einem Kampfjet durch die Gegend und legt im Labor natürlich selbst Hand an. Es waren die aufregenden 1950er Jahre, als Atomenergie schon bedrohlich und dennoch wissenschaftlich alles möglich schien, und Science Fiction-Filme noch mit seltsamem Licht, mit Plastik und Gummi fremde Welten in Szene setzen konnten. Metaluna 4 antwortet nicht (The Island Earth) war bahnbrechend, was die Spezialeffekte anging (Jack Arnold mischte auch mit), aber sonst hat hier noch alles seine Ordnung, die Männer sind klug und heldenhaft, die Frauen zwar vielleicht auch klug, aber jedenfalls oft hilflos und gelegentlich schmachtend. Dr. Meacham erhält seltsame Postsendungen, dann jede Mengen Holzkisten, und unversehens steht er im Kontakt mit außerirdischen Wesen. Anders als in vielen anderen Filmen seiner Zeit sind die Aliens aber keineswegs nur böse; Joseph Newmans Film zeichnet (in breiten Pinselstrichen) auch die außerirdische Zivilisation als moralisch zerstritten. Am Ende stürzt eine fliegende Untertasse ins Meer, die Wissenschaftlern lehnt sich an Meachams Schulter – alles ist gut.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Wynonna Earp – Staffel 1 (2016)

Wynonna war lang nicht mehr zuhause. Purgatory, egal ob man es mit Vorhölle oder Fegefeuer übersetzen will, trägt schon in seinem Namen wenig Beglückendes; für die junge Frau, die sich nur für eine Beerdigung aus Griechenland zurück hat holen lassen, ist das Kaff irgendwo mitten im Nirgendwo vor allem mit schlechten Erinnerungen verbunden. Denn Wynonna Earp ist eine direkte Nachfahrin von Wyatt Earp, Revolverheld, zeitweise auch Gesetzeshüter und generell Legende des Wilden Westens. Earp hat allerdings, und das ist das zentrale Element von Wynonna Earps Vorgeschichte, seinen Nachfahren ein beharrliches Problem hinterlassen: Einige der Verbrecher, die er erschoss, sind nicht wirklich gestorben, sondern kehren immer wieder als „Revenants“, als Dämonen von den Toten zurück, bis ein direkter Nachkomme von Earp sie mit dessen Peacemaker-Revolver umbringt.

Wynonna (Melanie Scrofano), die immer noch mit dem Trauma kämpft, dass sie nicht nur den Tod ihres Vaters erlebt, sondern auch den Tod ihrer großen Schwester Willa verursacht hat, will sich in diese alte Geschichte eigentlich nicht mehr hineinziehen lassen – aber schon bald stellt sich heraus, dass sie gar nicht darum herumkommt. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Waverly (Dominique Provost-Chalkley) nimmt sie den Kampf gegen die Dämonen in und um Purgatory auf und wird zum gleichen Zweck auch von Xavier Dolls (Shamier Anderson) für seine „Black Badge Division“ rekrutiert, eine Sondereinheit der amerikanischen Bundespolizei, die sich mit übernatürlichen Phänomenen beschäftigt.

Die Fernsehserie Wynonna Earp geht relativ frei mit der Vorlage um, einer seit 1996 entstandenen Comicserie von Beau Smith – aus Vampiren werden Dämonen, reichlich neue Figuren kommen hinzu. Für eine Serie, deren dritte Staffel in den USA inzwischen bereits ausgestrahlt wurde, ist das aber wenig überraschend. Wynonna Earp lässt sich in der ersten Staffel viel Zeit mit den sieben Dämonen, die Wynonnas und Waverleys Vater umgebracht haben – diese endgültig ins Jenseits zu bringen, ist der beiden Frauen erstes Ziel. Aber schon dabei deutet sich an, dass das Universum des Übernatürlichen größer ist als nur das „Ghost River Triangle“, in dem die Earp’schen Revenants gefangen sind: Eine mysteriöse Hexe spielt eine Rolle, von Vampiren ist die Rede, und nichts an Xavier Dolls ist so geradeheraus, wie es zuerst den Anschein hat.

Und dann ist da natürlich auch noch Doc Holliday (Tim Rozon), vor einigen Generationen Wyatt Earps Partner und bester Freund – und nun erstaunlich jugendlich immer noch lebendig. Wynonna Earp mischt diese Figuren zu einem wilden Gemisch, hält alles in gelegentlich eher flapsigem Tonfall: Mit Wynonna als Bad Girl, das sich in Purgatory sehr unbeliebt gemacht hatte, bevor sie irgendwann nach Europa abgehauen ist. Ihre Schwester Waverley wird zunächst als braves Mädchen gezeigt, jedenfalls intelligenter als der Typ, mit dem sie rumhängt – und ist außerdem die, die seit Jahren gründlichste Recherchen zu den Dämonen gemacht hat, zur Geschichte von Wyatt Earp und den Bedingungen des Fluchs. Hinter der Dämonengeschichte entwickelt WYNONNA EARP so noch die Geschichte, wie sich die Hauptfiguren, und schließlich sogar weitere Teile der Bevölkerung des doch sehr provinziellen Purgatory, langsam aber sicher weiterentwickeln.

Dass damit das Fernsehen nicht neu erfunden wird – geschenkt. Dass die Serie nie die auch ästhetischen Höhen von True Blood erreicht – geschenkt. Und dass es hier nie allzu sehr ums große Ganze geht – pffft. Wynonna Earp ist eher leichtere Unterhaltung statt Südstaaten-Schwermut, eher hell beleuchteter Western auf staubigen Hauptstraßen als sumpfige Düsternis. Aber auch das muss es geben – und vor diesem Hintergrund erzählt die Serie ohne jeden Furor von weiblicher Selbstermächtigung, männlicher Arroganz und der schweren Last eines familiären Erbes. Und sieht dabei immer noch gut aus.

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Bad Spies (2018)

Audrey ist so eine Frau, bei dem eigentlich immer alles schiefgeht, vor allem mit den Männern will es nicht so richtig klappen. Drew wäre eigentlich genau der richtige Typ gewesen – gutaussehend, smart, nett… aber dann macht er per SMS einfach Schluss. Noch während ihre beste Freundin Morgan sich darum bemüht, ihre Laune aufzubessern, stellt sich auf einmal heraus: Drew wollte Audrey nur schützen, er ist eigentlich ein Superspion, und ob sie vielleicht diese alberne Statuette nach Wien bringen und dort einer geheimnisvollen Kontaktperson übergeben könnte? Das Schicksal der Welt hänge nämlich davon ab… Unter den Agentenkomödien der letzten Jahre ist der Plot von Bad Spies (The Spy Who Dumped Me) bei weitem nicht der flachste, Susanna Fogels Film trumpft allerdings mit hervorragend inszenierten und choreographierten Kampfszenen auf, die zwar nicht so viszeral und dramatisch ausufern wie z.B. in Atomic Blonde – aber wer behauptet, Frauen ließen sich in Actionthrillern nicht als Hauptrollen besetzen, sollte 2018 endgültig eines besseren belehrt sein. Mila Kunis als zunächst etwas hilflose Audrey und Kate McKinnon als ordinäres Plappermaul, die ihren Eltern alles, wirklich alles erzählt, funktionieren als Duo ausgesprochen gut und bekommen mit Ivanna Sakhno auch noch ein mörderisch-weibliches Gegenüber.

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Rampage: Big Meets Bigger (2018)

Die Älteren unter uns werden sich erinnern, dass es in den später 1980er Jahren ein Videospiel namens „Rampage“ gab, in dem man die ehrenvolle Aufgabe hatte, als einer von drei Menschen, die zu riesenhaften Monstern in Tiergestalt (Gorilla, (Wer-)Wolf und Dinosaurier) wurden, in diversen Städten möglichst viel Bausubstanz zu zerlegen. Jüngere Menschen kennen vielleicht auch die späteren Fortsetzungen und Adaptionen – jedenfalls hielt irgendjemand es für eine Super-Idee, Brad Peyton das als Monster-Katastrophenfilm inszenieren und Dwayne Johnson die Hauptrolle spielen zu lassen – leider nicht als George, der Gorilla, sondern als dessen menschlicher Freund Davis. What could possibly go wrong? Erstaunlich wenig. Es gibt eine neue Rahmenstory – irgendwas mit CRISPR, genetischen Experimenten und spontanen Mutationen, also völlig pseudowissenschaftlicher Quark –, durch die Naomie Harris als reuige Wissenschaftlerin zu Johnsons Sidekick gemacht werden kann, und dann geht’s los mit Monstern, die Wolkenkratzer zermalmen und sich außerdem mit Söldnern und dem Militär herumstreiten. Das ist ein einziges wildes CGI-Gekloppe, aber als solches macht es erstaunlich viel Spaß, auch wenn es für den humoristisch angelegten Grundton gelegentlich zu brutal (aber jugendfreigabefreundlich recht unblutig) zugeht.

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Per Anhalter durch die Galaxis (TV, 1980)

Wer betont, wie eigentlich unverfilmbar Douglas Adams‘ Per Anhalter durch die Galaxis (nebst seiner Fortsetzungen) ist, kommentiert vermutlich auch den Umstand, dass morgens die Sonne aufgeht. Die Geschichte des Erdlings Arthur Dent, der von seinem Freund Ford Prefect, eigentlich ein Außerirdischer, kurz vor der Zerstörung der Erde gerettet wird und anschließend in einem Raumschiff mit Unwahrscheinlichkeitsantrieb das Universum bereist, ist eigentlich schon als reines Wortkunstwerk so bizarr und vielfältig – jede visuelle Ausgestaltung nimmt gewissermaßen der Fantasie zu viele Möglichkeiten aus der Hand. Neben Garth Jennings‘ fehlgeleitetem Versuch von 2005 gab es allerdings auch noch eine 1981 erstmals ausgestrahlte TV-Serie der BBC gibt, die durch zeitgenössische Spezialeffekte voller Charme ebenso glänzt wie durch universelle „Britishness“, die den Geist von Adams‘ Meisterwerk trifft – schließlich hat Adams selbst – auf Basis der Hörspiels, als das der ANHALTER ursprünglich die Welt erblickte – das Drehbuch geschrieben und ist sogar mehrfach selbst zu sehen. Die neue Blu-ray-Ausgabe zeigt die Serie digital überarbeitet und restauriert in neuem Glanz und legt auf einer zweiten Disk noch zahlreiche Special Features drauf, die es in Deutschland bisher nicht zu sehen gab.

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Kategorien TV