Mortal Engines: Krieg der Städte (2018)

Wenn man es recht betrachtet, war die Hintergrundgeschichte von Mortal Engines schon in Romanform nicht unbedingt besonders leicht zu glauben. Philip Reeves 2001 erschienener Roman erzählte jedoch eine spannende Steampunk-Fantasy-Geschichte: In einer Welt nach dem „Sechzig-Minuten-Krieg“ wurden die meisten Städte auf große Antriebsmotoren montiert und fahren durch die Welt, immer auf der Suche nach Rohstoffen und kleineren Städten, die sie aufnehmen und deren Baumaterial sie zum Antrieb ihrer Maschinen verwenden können.

Die junge Hester Shaw, frisch per Städtefraß in London angekommen, verübt ein Attentat auf dessen Chef-Archäologen Thaddeus Valentine – als es fehlschlägt, stürzt sie sich von der Stadt herunter, und Tom, ein braver Londoner, stürzt mit ihr. Nach und nach kommt schließlich nicht nur Valentines Vergangenheit ans Licht kommt, sondern auch seine gefährlichen Pläne für die Welt…

Vielleicht ist es schlicht so, dass Reeves Bilderwelten im Buch interessant und faszinierend wirken, auf der Leinwand aber ihre ganze Absurdität überdeutlich wird. Vielleicht gibt uns auch Regisseur Christian Rivers in seinem ersten Langfilm nicht genug Zeit, uns die Wunder gerade Londons in Ruhe anzusehen. Schon in den ersten Minuten ziehen da Alltagssequenzen in hektisch kurzen Sequenzen an uns vorbei; man hätte sie gerne in Ruhe betrachtet und sich in diese Phantasiewelt hineinziehen lassen. (Die Kampfszenen später sind noch viel schlimmer, unfassbar hektisch und unübersichtlich geschnitten.)

Peter Jackson hatte sich die Rechte am Buch gesichert und wollte den Film wohl unbedingt selbst drehen; wer weiß, was daraus geworden wäre. Das von ihm, Philippa Boyens und Fran Walsh verfasste Drehbuch strafft viele Handlungsstränge zu einer einigermaßen filmtauglich verknappten Erzählung; da dabei aber auch die inneren Konflikte der Hauptfiguren rausgeschmissen werden, bleibt nicht viel, was uns außer Spektakel an dem Film interessieren könnte. Die eine clevere Anspielung auf Metropolis kann es jedenfalls nicht sein.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Die Wildgänse kommen (1978)

Was macht man im gerade so postkolonialen Afrika, wenn man schmutzige Geschäfte machen und einen Gefangenen befreien will? Man bezahlt einen Trupp Söldner – nicht mehr ganz junge, ehemalige Soldaten, die den Auftrag sicher ausführen, zur Not aber auch verzichtbar sind. Andrew V. McLaglens Die Wildgänse kommen gehört zu den durchaus umstrittenen Klassikern des Söldnerfilms, ist aber in vierzig Jahren seit seiner Entstehung nicht gut gealtert. Das liegt zum Teil daran, dass der Rassismus mancher Szenen unwidersprochen bleibt – laut Darsteller Hardy Krüger wurden entscheidende Stellen, die das konterkarierten und insbesondere die Entwicklung des südafrikanischen Söldners, den Krüger spielte, im Schnitt geopfert. Durchaus progressiv ist, dass ein offen schwuler Söldner mitkämpft – aber alles andere wirkt eben nicht mehr zeitgemäß: Von den unglaubwürdigen Ballereien rechts und links, der lebensverachtenden Macho-Haltung der Söldner bis hin zur relativ steifen Inszenierung der Intrigen, die natürlich im Hintergund vor sich hin schwelen. Ganz zu schweigen eben davon, wie sehr der Film hier pauschal ehrenwert kämpfende Weiße gegen das böse, folternde Afrika setzt. All das können auch Granden vom Format Richard Burton, Roger Moore, Richard Harris und Stewart Granger nicht wirklich retten.

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Tobruk (1967)

September 1942: Eine Spezialeinheit aus britischen Soldaten und deutschen Juden soll sich durch die nordafrikanische Wüste aufmachen, um als Deutsche getarnt das Treibstofflager des Afrikakorps in der Küstenstadt Tobruk zu sprengen. So einfach ist die (lose auf historischen Ereignissen basierende) Prämisse des amerikanischen Kriegsfilms Tobruk (früher auch als Die Kanonen von Tobruk), aber wie jede Undercover-Operation hat das Abenteuer so seine Tücken. In der Tat hat es womöglich zu viele Tücken, so dass sich hier Spionage und Gegenspionage in verschiedenen Ebenen überlagern, ohne dass deshalb fortwährend in größerer Menge Spannungsfunken schlügen – da ist ein wenig Potential verschenkt. Dafür gibt es zu Beginn des Films und ausgedehnt am Ende Actionsequenzen, die sich auch fünfzig Jahre später nicht verstecken müssen – bis hin zum etwas abrupten Ende. Vor allem die Befreiung (und Zwangsrekrutierung) eines kanadischen Offiziers (Rock Hudson) am Anfang ist wirklich sehenswert. Neben Hudson glänzen noch George Peppard (Das A-Team lässt grüßen) als jüdischer Kämpfer und aber vor allem Nigel Green als sehr steif-trockener britische Kommandant. Und selbst wenn die Umgebung gelegentlich sehr nach Studio-Kulisse aussieht: Immer wieder hört man förmlich Sand aus dem Bildschirm rieseln.

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Penny Dreadful – Staffel 3 (2016)

Es lässt sich wahrscheinlich genau zurückverfolgen, wann jemand auf die Idee gekommen ist, die Monster aus verschiedenen Horrorgeschichten zusammenzubringen – eine gute Idee war das beileibe nicht immer, wie sich an solch, sagen wir freundlich: ambivalenten Unternehmungen wie Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen oder Van Helsing ablesen lässt. Und aktuell unternimmt Universal einiges, um den Ruf seiner klassischen Monstergeschichten im „Dark Universe“ zu melken – Die Mumie ist da nicht unbedingt der hoffnungsfroheste Neubeginn.

Aber sei’s drum. Die Serie Penny Dreadful, die jetzt mit der dritten Staffel zu Ende geht (hier meine Besprechung von Staffel 2), ist da eine ganz andere Nummer. Hier durchdringt das Konzept des „gothic horror“ jede einzelne Szene, jede Dialogzeile und, natürlich, jedes Bild. Die Farbtöne leuchten zwischen dunklem Sand und finsterem Blau, und Monster aller Provinienz bevölkern das London (und zeitweise den Wilden Westen) dieser Welt. Dr. Frankenstein und seine Geschöpfe, Dorian Gray, ein Werwolf und Revolvermann: Sie sind hier alle verbunden – in Selbstzweifeln und Hoffnungslosigkeit, und schließlich im Kampf gegen den großen Feind, der die Stadt mit Nebel heimsucht, der Ratten und Ungeziefer auf die Straßen treibt.

Dracula also. Und natürlich dreht sich alles, alles um Vanessa Ives (Eva Green), die schon in den ersten zwei Staffeln der feste Anker von Penny Dreadful war. Zum Ende hin wird es nun alles noch etwas düsterer und nachdenklicher, leiden die Figuren noch etwas mehr an ihren Geschichten, Fehlern und Sünden. Die Serie findet darin ihr zwingendes, auch wohl notwendiges Ende – viele Fäden werden zu Ende erzählt, einige flattern anschließend im Wind. Aber das ist gut so: Penny Dreadful ist und bleibt der eindringliche und tiefgehende Versuch, die moralischen Ambivalenzen der Monster, ihrer Herkunft und Schicksale auszuloten, miteinander zu verknüpfen und daraus mehr zu machen als ein Actionspektakel.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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