Gérardmer 2010 – Tag 1

gerardmer_logoVielleicht war es einfach die Unruhe, die mich gestern umtrieb, und die inzwischen etwas nachgelassen hat; vielleicht ist es der Schnee, der letzte Nacht gefallen ist und nun wieder fällt, der die ganze Welt in und um Gérardmer in weißen Schleier hüllt, See und Luft und Stadt: Jedenfalls muß ich konstatieren, daß ich die Stadt gestern womöglich negativer beschrieben habe, als sie es verdient. Denn eines ist man hier: freundlich (sieht man vom Kellner in der Brasserie vorhin ab, aber da gehört das zum Berufsbild, denke ich). Und die Innenstadt ist in der Tat zwar vielleicht kein Kleinod, aber ein Sammelsurium lebendiger Straßen, offenbar am Tourismus ausgerichtet, aber nichtsdestoweniger nicht aufgesetzt-künstlich, sondern kleinstädtisch-nett.

An der furchtbaren Lage des Friedhofs ändert sich dadurch leider nichts.

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Von den bisher gesehenen Filmen, Dans ton sommeil und Possessed, später mehr. Bei kino-zeit.de ist inzwischen mein ausführlicher Vorabbericht zum Festival erschienen (allerdings in einer eigentlich schon veralteten Version, in der ich noch versehentlich von einem deutschen Kinostart für Halloween 2 faselte – doch, doch, das Internet läßt alle unsere Schwächen zum Vorschein kommen. Und ich leuchte sie noch aus. Halloween 2 erscheint Mitte März direkt auf DVD).

Und Fotos gibt es jetzt nach und nach in meinem Flickr-Account.

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John McTiernan kam, als die anderen Mitglieder der Jury schon auf der Bühne standen, eher angeschlurft als dynamisch geeilt; ging zum Pult und erklärte, ohne weitere Einleitung und Abfederung, sehr schnodderig das Festival für eröffnet. Das (nur mit schriftlicher Einladung eingelassene) Publikum war davon so überrascht, daß der Applaus nur sehr halbherzig ausfiel. Als dann heute morgen der erste Film des Wettbewerbs gezeigt wurde, offenbar für viele Zuschauer der inoffizielle Eröffnungsfilm, wurde der Festivaltrailer hingegen mit großer Begeisterung und ausdauernd bejubelt.

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L'Equipe du film 'Dans ton sommeil'

Anne Parillaud, eine hauchdünne Erscheinung in Schwarz, lobte vor der Vorführung des Eröffnungsfilms Dans ton sommeil dessen Direktheit, die rauen Wahrheiten, die ein Erstlingsfilm noch transportiere. Ob Arthur Dupont, neben Parillaud Hauptdarsteller des Films, gegen solchen Charme des Anfangs den Gestus der gelangweilten Routine setzen wollte, ist nicht überliefert. Jedenfalls war sein kurzes, eher belangloses Statement zum Film (es hat ihm viel Spaß gemacht), unter seinem Kaugummikauen fast nicht zu verstehen. Aber vielleicht liegt das auch an meinem Französisch.

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Lee Yong-Ju, réalisateur de 'Possessed/Bulshin Jiok'

Lee Yong-Ju (so die französische Umschrift des Namens) hatte zur Vorstellung seines Films Possessed eine Dolmetscherin mitgebracht. Daß sein Französisch womöglich noch schlechter ist als meines, ist für einen Südkoreaner (hier ist er noch einmal einzeln im Bild) ja sicher eine läßliche Sünde. Er hielt dann, offenbar mit dem Ziel, Verständnis für das Thema seines Films im Kontext südkoreanischer Verhältnisse zu wecken, nach einigen einleitenden Worten einen nicht ganz kurzen, pausenfreien Vortrag über Religion in Korea und im koreanischen Film.

Die Dolmetscherin, die sichtbar zögerte, als er endlich fertig war, bekam spontanen Szenenapplaus, und nach erfolgter Übersetzung ganz persönlichen Jubel vom Publikum.

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Weiter geht es für mich heute noch mit Cargo, La Horde sowie schließlich dem Dokumentarfilm-Double-Feature Viande d’origine française und Nightmares in Red, White and Blue.

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