Halloween II (2009)

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Man durfte ja ob Rob Zombies Versuch, das Halloween-Franchise wiederzubeleben, mehr als skeptisch sein. Die Fortsetzungen von Carpenters Halloween (1978) sind zwar nach weitgehend einhelliger Meinung von Horrorfans wie Kritiker_innen größtenteils Zelluloidverschwendung, aber das Original darf, zumal im Kontext seiner Zeit, als nahezu vollkommener Horrorfilm gelten. Wegweisend, stilbildend war es sowieso.

So sind es denn auch die Remake-Elemente an Zombies „Reboot“ Halloween (2007), die am wenigsten beeindrucken; was ihm hingegen interessant und zum Teil bestürzend dicht gerät, ist der Versuch einer psychologisch basierten „Origin-Story“, eines ausführlichen Blicks auf Michael Myers‘ Kindheit vor seinem ersten Mord. Dazu habe ich mich aber an anderer Stelle schon ausführlicher geäußert.

Die Fortsetzung nun findet in Deutschland (wie auch hier in Frankreich) den Weg in die Kinos nicht, sondern rutscht direkt auf DVD – und wenn man, so viel gleich eingangs, den Film gesehen hat, dann weiß man auch, warum das so ist.

Halloween II (amazon.de-Link) hat durchaus starke Elemente und Szenen. So gibt Zombie der Figur des Psychologen Loomis (Malcolm McDowell) hier eine ganz andere Richtung als in den Originalfilmen: Er hat sich in den zwei Jahren nach Myers‘ erster Mordserie zu einem Trommler in ausschließlich eigener Sache gewandelt, der mit Real-Crime-Schinken über den Serienkiller Ruhm und Geld eingeheimst hat. Nun kehrt er ausgerechnet zu Halloween mit seinem neuen Buch an den Schauplatz der Morde zurück.

Dort ist derweil Laurie (Scout Taylor-Compton), die Myers‘ Mordserie nur knapp überlebt hat, ziemlich vergeblich damit beschäftigt, ihre Traumata zu überwinden; zu Beginn des Films weiß sie immer noch nicht, daß sie selbst eigentlich Michaels Schwester Angela ist.

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Der mordende Riese, wieder dargestellt von Tyler Mane, ist natürlich nach seinem vermeintlichen Tod verschwunden, seine Leiche wurde, wie das bei Halloween-Filmen so üblich ist, nie gefunden, und natürlich macht er sich auf, seine Schwester zu finden, denn in immer wiederkehrenden Visionen fordert seine Mutter (Sheri Moon Zombie) ihn auf, die Familie endlich wieder zusammenzuführen.

Diesen familiären Touch, und sei das Gefüge noch so dysfunktional und mörderisch, hatte Zombie ja bereits in den Vorgänger eingebaut, hier gerät er allerdings in filmischer Überhöhung dessen, was offensichtlich psychische Wahnzustände sein sollen, zum Mordskitsch. Wenn Deborah Myers ihrem Sohn erscheint, wabert gern Nebel, das Gegenlicht strahlt heftig, und stets ist sie in Weiß gekleidet; bei Bedarf (wofür auch immer) führt sie einen Schimmel bei sich. So weit, so abgedreht; nur hat auch Laurie/Angela Wahnzustände, heftige, von physischen Reaktionen begleitete Tagträume, die mit Michaels Visionen und seinen konkreten Handlungen auch aus großer Entfernung seltsam eng synchronisiert erscheinen.

Hier scheint ein geradezu übersinnliches Band zu bestehen, für dass der Film (und auch Zombies Vorgängerstreifen) allerdings keine Erklärungs- oder Integrationsbasis liefert. Im Gegenteil, ein positives Merkmal von Zombies Reboot war ja gerade, daß er die Geschichte so klar in einer auch psychologisch faßbaren Realität positionierte und Michael Myers damit (zunächst) jeder Übermenschlichkeit entkleidete, alles Dämonische wegnahm, das nicht genauso auch furchtbar menschlich sein konnte.

In Halloween II nun ist das Psychologische allerdings so stark unterentwickelt, bis die Figuren keinerlei Tiefe mehr aufweisen und nur noch generische Typen sind, wie sie in jedem Slasherfilm vorkommen könnten. Schlimmer noch, Myers‘ Mordopfer fallen ihm auch in präzise stereotypen Situationen in die Hände.

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Filmisch geht Zombie durchaus eigene Wege und setzt sich von Carpenters Original ab, wirklich originelle Bilder oder Situationen gelingen ihm dabei leider jedoch nicht. Natürlich sind, das gehört auch schon zum Genrekanon, Traumsequenzen nicht immer gleich als solche erkennbar, und so springt schon mal gerne die Szenerie von einem Mord zum erschreckt aufwachenden Opfer. Mutig ist daran allein, wie sehr und wie weit Zombie diese Täuschung auszudehnen bereit ist. Daran ahnt man: er könnte noch mehr.

Vielleicht macht er eigentlich auch noch mehr. Die in Deutschland irreführenderweise als „Director’s Cut“ ab 18 Jahren käufliche Fassung ist wohl um etwa drei Minuten geschnitten, von den Kürzungen sind laut Marcus Stiglegger (natürlich) vor allem die Mordszenen betroffen (detaillierter Schnittbericht). Allerdings bin ich skeptisch, ob diese Szenen in der Tat meine Wahrnehmung des Films zu ändern imstande wären; ehrlich gesagt, ist er eh schon zu lang.

Zwei Szenen gibt es, die aus dem Film herausstechen und eindrucksvoll bleiben: Einmal steht Loomis bei einem Vortrag unter einem riesigen Foto von Michael Myers als kleinem Jungen (diesmal dargestellt von Chase Wright Vanek) – die ganze Bedrohlichkeit dieser Person ist natürlich nur behauptet, und dennoch wirkt er beängstigend, und Loomis so fundamental von ihm abhängig. Die andere Szene ist ein Traum von Laurie, vielleicht auch von Michael (ganz klar wird das nicht), eine vage ans Letzte Abendmahl gemahnende Szenerie in Schwarz und überstrahltem Weiß, in dem sich allerlei Erzählebenen der Halloween-Filme ansammeln.

Auch diese Szenen wirken allerdings im Gesamtkontext des Films seltsam haltlos, unaufgehoben, bindungsfrei. Als seien da nur Szenerien aneinandergereiht, die letztlich auch nur deshalb vage Sinn ergeben, weil ihre Bestimmung und ihr Kontext ja schon vorgegeben, schon geschrieben sind. Dann wäre Zombie selbst mit diesem übermäßig langen, insgesamt uninteressanten Film ein fades Meisterwerk des postmodernen Remakes gelungen.

(Seine eigene Filmgeschichte verwurstet er jedenfalls schon mal: Da wird Michael Myers, der sich den Anschein eines Landstreichers gibt, von einer White-Trash-Familie ähnlich den Fireflys aus House of 1000 Corpses (2003) und The Devil’s Rejects (2005) verdroschen. Und als sie selbstgefällig davonfahren wollen, zeigt Myers ihnen deutlich, wer der Stärkere ist. — Und ganz vielleicht will Zombie damit auch nur sagen: Ich weiß schon selbst, daß Carpenter den besseren Film gemacht hat.)

Fotos: Tiberius Film

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