Echelon Conspiracy (2009)

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Achtung, diese Besprechung enthält so einige Spoiler. Nur als Warnung.

Es hat Echelon Conspiracy (bei Koch Media) nicht besonders geholfen, daß es im Windschatten von Eagle Eye (meine Kritik) auf den Markt kam – natürlich liegt das Thema Überwachung und Kontrolle im Zusammenhang mit den Möglichkeiten moderner Computertechnik nicht nur auf der Hand, sondern buchstäblich auf der Straße und auf jedem Schreibtisch. Die Spatzen pfeifen es ja von den Dächern, was zombiefizierte Computer, allgegenwärtige Handys etc. alles so an Überwachungsmöglichkeiten bieten können, die noch gar nicht ausgelotet und (hoffentlich) nicht genutzt sind.

Aber wie die Dinge stehen, kann Greg Marcks‘ dritter Film (zuletzt hatte er 2003 den gar nicht so schlecht rezpierten 11:14 gemacht) natürlich nur als kleiner Bruder des großen Shia-LaBeouf-Vehikels wahrgenommen werden, der Vergleich liegt nahe und sieht erst einmal nicht gut aus. Überall scheint das kleinere Budget durch: die Schauspieler sind nicht so bekannt (und nicht so teuer), die Verfolungsjagden nicht so lang und vor allem nicht so crashlastig, die Handlung spielt größtenteils nicht in westlichen Großstädten, sondern in osteuropäischen Metropolen.

Aber das heißt eben auch: die Verfolgungsjagden sind nicht so tumb, laut und langatmig, die ganze Handlung spielt sich auf einem Niveau ab, daß deutlich geerdeter wirkt als in Eagle Eye, und hat tatsächlich ein bißchen Zeit dafür, die Dynamik zwischen den Figuren ein bißchen in Bewegung zu bringen.

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Daß die einzige Frau im Ensemble (Tamara Feldman) die Handlung nach etwa zwei Dritteln des Films schlagartig verläßt, nachdem sie ihrer Aufgabe als Nahkämpferin und love interest nachgekommen ist, gibt dem Film zwar eine seltsame Schlagseite, aber naja: Das ist natürlich ein Jungsfilm, und am Schluß entscheiden dann doch die Finger der Männern auf den Abzügen und den Tastaturen.

Shane West gibt den eher versehentlich in den ganzen Schlamassel hineingeratenen Computerspezialisten hart an der Grenze zum Hysterie vermittelnden Overacting; sein Max ist aber immerhin anscheinend einigermaßen lebens- und beziehungstüchtig, wenngleich das Drehbuch ihm kein außerhalb der direkten Filmhandlung existierendes Sozialleben zuschreibt. Also gar nichts: der Mann verschwindet für Stunden und ändert dauernd seine Reisepläne, ohne daß er wenigstens seine Mutter mal anrufen will, oder sonstwen.

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Für den Schußwaffengebrauch an seiner Seite sind vor allem Edward Burns und Ving Rhames zuständig; Rhames ist ja inzwischen so etwas wie der Standard-Rammbock des B-Actionkinos, wortkarg und schwergewichtig. Zuletzt durfte er damit in The Tournament fast schon ironisch spielen, das war sehr vergnüglich anzusehen.

Richtig wüste Schießereien gibt es hier freilich nicht zu sehen, selbst die Verfolgungsjagden wirken teilweise sehr gesittet (einmal, quer durch ein Casino, scheint niemand wirklich rennen zu wollen, alle schreiten allenfalls beschleunigten Schrittes, bis Rhames dazutritt, wahrhaft als Rammbock). Vieles wirkt auch unausgegoren und übermäßig kompliziert: Die Rolle des von Jonathan Pryce gegebenen Patriarchen etwa habe ich nicht wirklich verstanden; für die Handlung ist sie praktisch ohne Bedeutung.

Das Ende dann ist, im Grunde zum Film sehr passend, konsequent und einigermaßen logisch, aber fast schon antiklimaktisch unaufgeregt, mit einem deutlichen Nicken in Richtung eines Klassikers des Hackerfilms.

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Fotos: Koch Media

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