Sólo quiero caminar [Las Bandidas] (2008)

Las Bandidas

Sólo quiero caminar, der in Deutschland als Las Bandidas – Kann Rache schön sein! von Sunfilm (amazon-Link) vertrieben wird, ist wie Sexykiller ein schönes Beispiel dafür, wie das spanische Kino mit Genreschablonen umzugehen weiß: sie elegant umtanzend nämlich. (Nein, wir bringen jetzt keine Flamenco-Einlage, bitte. Das wäre doch zu platt.) Und für mich ist es ein weiterer Hinweis darauf, daß ich mich mehr dem iberischen Kino widmen sollte, nachdem auch Gordos mich so positiv überrascht hat, und Hierro nicht eben minder. (Entsprechende Filmvoschläge übrigens gerne in die Kommentare.)

Hier nun haben wir es mit einem wohltuend sperrigen Rache-Heist-Drama zu tun, das sich eine ganze Weile Zeit läßt, bis es so richtig zur Sache kommt.

Nachdem ihr Versuch fehlgeschlagen ist, den Safe eines Russen (der anscheinend sein Geld auch nicht legal verdient) um einige Edelsteine zu erleichtern, verteilen sich die vier daran beteiligten Frauen in alle Winde: Aurora (Ariadna Gil) wandert ins Gefängnis, von wo Paloma (Pilar López de Ayala) sie unbedingt herausbekommen will, während Gloria (Victoria Abril) weiter Pläne schmiedet. Ana (Elena Anaya) hingegen, Auroras Schwester, arbeitet als Prostituierte. So lernt sie den Gangster Félix (José María Yazpik) kennen, der ihr einen Heiratsantrag macht – von seinem Geld wie seinem Charme im ersten Moment gleichermaßen geblendet, folgt sie ihm nach Mexiko.

Las Bandidas

Die Männer in diesem Film sind, mit einer Ausnahme, sämtlich großkotzige Angeber, die auf Emotionen und in Tateinheit auch auf Frauen mit Herablassung, wenn nicht Verachtung reagieren. (Außer natürlich auf die „Patin“ im Hintergrund, Doña Amelia [Ana Ofelia Murguía] – was aber nur unterstreicht, daß die planvoll, beherrscht und bewußt agierenden Figuren in diesem Film praktisch immer Frauen sind.)

Félix ist rasch enttäuscht von seiner jungen Frau, die sich so gar nicht an seine Vorstellungen anpassen will – irgendwann stößt er sie aus dem Auto, Ana fällt ins Koma, und ihre Freundinnen und ihre Schwester schwören Rache.

Sólo quiero caminar ist ein sehr schweigsamer Film – vor allem die Frauen, die Hauptfiguren, sprechen kaum miteinander, es gibt keine Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen, auch über die Planungen für ihre Raubzüge werden wir völlig im Unklaren gelassen. Der Film ist deshalb auch kein weibliches Ocean’s Eleven, auch wenn seine Struktur das zunächst anzudeuten scheint. Es fehlten die Wortwechsel, vor allem aber die Leichtigkeit und die ironische Distanz zum Geschehen.

Las Bandidas

Denn Regisseur Agustín Díaz Yanes (der zuvor Alatriste gemacht hatte) meint es ziemlich ernst mit seinen Protagonistinnen und dem Geschlechterkampf. Allzuviele Machtspielchen werden in diesem Film über die Körper der Frauen ausgetragen, sie haben verfügbar zu sein und gefügig, und in einer Szene macht Díaz Yanes dafür die Parallele zwischen Phallus und Waffe unmittelbar und äußerst vulgär sichtbar.

Las Bandidas - DVD-CoverIn all seiner Arroganz hat Félix eine vage Ahnung davon, was ihm noch bevorstehen könnte, aber er kann es nur in die Ahnung von Fremdheit fassen: „Das sind Spanierinnen, Mann“ sagt er zu seiner rechten Hand, seinem Auftragskiller und Freund Gabriel (Diego Luna), als würde das irgendetwas erklären.

Dieser Gabriel ist ein einsamer Wanderer, natürlich an Delons Samouraï orientiert, den Filmtitel sieht man irgendwann an einer alten Kinofassade stehen, und er ist, obgleich als ohne Zögern mordend inszeniert, unter den Gesetzlosen der Mann mit Prinzipien, der Frauen und Kinder nicht schlägt und nicht tötet und den Félix‘ Verhalten zunehmend abstößt.

An ihm dekliniert der Film durch, wie sehr es der grenzenlose Egoismus, die völlige Wertelosigkeit ist, die Félix und seine Männer schließlich in den Untergang treiben; die drei Frauen sind da nur die ausführenden Rachegöttinnen, Erinnyen gleich, die das Uhrwerk ihrer Taten in Bewegung setzen, bis sich schließlich die tötenden, vergewaltigenden, schlagenden Männern die Schicksalsfäden gegenseitig zerschneiden.

Fotos: Tiberius Film

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