Frauen am Rande des Kampfgeschehens

Einige Gedanken zu Geschlechterbildern in The A-Team und The Losers.

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In meiner Besprechung von The A-Team (demnächst jetzt bei critic.de) bin ich nur sehr am Rande darauf eingegangen, welche Nebenrolle Jessica Biel als Charisa Sosa dort spielt: sie gibt die Ermittlerin des Verteidigungsministeriums, die dem „A-Team“ auf der Spur ist und schließlich mit den Protagonisten gemeinsam gegen die Machenschaften der CIA anarbeiten wird.

Natürlich hätte diese Rolle, die in der Original-Fernsehserie nicht vorkommt, genauso gut von einem Mann ausgefüllt werden können. (Der Film ersetzt „Colonel Lynch“, den Arnee-Ermittler aus der Serie, durch die CIA, deren Agenten sich alle Lynch nennen, während die Armee zumindest in Person von Sousa eigentlich auf der Seite des A-Teams steht – näher zu betrachten, welche politischen Verschiebungen sich daraus ergeben, hier die Armee als neutral bis freundlich darzustellen, während wieder einmal die Geheimdienste (Verschwörung! Verschwörung!) als Quell des Bösen dastehen, überlasse ich einem anderen Text.)

Sicher wurde Biel auch angeheuert, um dem anvisierten Zielpublikum nicht nur Waffen und Muskeln, sondern auch etwas schöne Weiblichkeit präsentieren zu können; zugleich hat Sosa innerhalb der Filmkonstruktion die Aufgabe, die Heterosexualität der Protagonisten zu zeigen und zu bestätigen – wird doch diegetisch Sosas Bereitschaft, mit dem A-Team zu sympathisieren, wesentlich damit begründet, daß sie eine längere Liebesbeziehung mit „Faceman“ (Bradley Cooper) hatte, die (natürlich) emotional noch lange nicht abgehakt ist. Biel/Sosa ist damit gewissermaßen so etwas wie ein Gegengewicht zur Erotik der Waffen-, Muskel- und Schweißmännerkörper.

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Diese Körper sind in The A-Team (und auch in The Losers) natürlich nicht so unironisch-panzerartig inszeniert, wie es seinerzeit die 1980er-Actionfilme von Stallone und Schwarzenegger vormachten – denen dabei zugleich auch der Männerkörper als Spektakel, als Schauobjekt unterlief. Für zumindest jene feministische Theorie, die die Position des Objektes filmhistorisch den Frauen zuschrieb, eine Feststellung, die nach einer Neubewertung geradezu schrie, fielen doch hier aktives Subjekt des (diegetischen) Handelns und passives Objekt der Betrachtung (durch die Zuschauer_innen) in eins.

Hier ist nun alles, aber auch alles Spektakel – die Actionszenen schon in einem Maße, daß die ersten Kritiker im massiven Einsatz von CGI das Ende des Actionfilms herannahen sehen – je spektakulärer und unrealistischer die Szenen würden, desto weniger sie also in der Realität verankert seien, umso mehr riskiere man, daß sie das Publikum kaltließen. Aber das ist hier nicht das eigentliche Thema.

Auch die Männerkörper, darauf will ich zunächst hinaus, sind hier Spektakel und Schauobjekte, aber zum einen fällt das nicht weiter auf, weil eben alles hier gutgelauntes, laut wummerndes Spektakel ist, und zum anderen ist sich der Film dessen fortwährend bewußt und spielt damit. Am offensichtlichsten ist das daran zu sehen, wie Faces/Coopers Körper permanent ausgestellt wird und wie viel Zeit der Film damit verbringt, die Zurichtung dieses Körpers auch zu zeigen. Dabei geht es interessanterweise praktisch nie um physisches Training, also das Herstellen der Körperform, sondern immer nur um Szenen, in denen Face seinen Körper bräunt. Die Metrosexualität mit all ihren Schönheitszwängen auch für Männer ist also spätestens mit diesem Film im Actionkino angekommen.

Natürlich war Face immer schon der Schönling im „A-Team“, insofern ist das konsequent. Aber auch die Körper der anderen Protagonisten sind Spektakelträger: Nicht nur sind sie alle in Körperbau und Frisuren den Hauptfiguren der Fernsehserie angeglichen und damit mehr Platzhalter als eigenständige Figuren, sie sind auch über ihre „Rangers“-Tätowierungen körperlich markiert.

So sehr die Männerkörper in The A-Team Spektakel werden, so wenig sind sie aber als physische Körper von Bedeutung. Das liegt nicht nur daran, daß die computergenerierten Effekte eine geradezu ätherische Qualität annähmen, die aller menschlich machbaren Realität enthoben sei – ich bin mir nicht einmal sicher, daß diese Perspektive konsequent durchzuhalten wäre. Aber in The A-Team gibt es, darin ist der Film dann doch fast schon wieder familienfreundlich, weitaus weniger direkte, physische Gewalt zu sehen, etwa aufeinanderprallende oder geöffnete Körper, als dies in Actionfilmen heute sonst oft geschieht, etwa in Filmen wie Kick-Ass oder auch in The Losers.

Letzterer Film ist direkter in seinem Einsatz menschlicher Körper. Das gilt schon für die Kämpfe, die früher oder später fast immer zu Nahkämpfen werden, und in denen es sogar, anders als beim „A-Team“, gelegentlich auch unter den Protagonisten Verletzte gibt. Und es gilt auch für die Liebesszenen zwischen Clay (Jeffrey Dean Morgan) und Aisha (Zoe Saldana), die nicht einmal unbedingt im klassisch-erotischen Sinne körperlich aufgeladen werden, sondern immer kurz davor stehen, sich in physische Auseinandersetzungen zu verwandeln (und dies auch mehr als einmal tun). (Und nicht ganz am Rande: Sollte Hollywood tatsächlich langsam sein Widerstreben gegen Liebesszenen mit Menschen unterschiedlicher Hautfarbe verlieren? Es wäre ja langsam an der Zeit.)

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Das deutet aber auch schon an, in welchem Maße The Losers anders mit der einen nennenswerten Frauenfigur im Film umgeht als The A-Team. Während Sosa wenig mehr ist als erotische Phantasie – so wenig in der Realität verankert, daß sie in einer Szene bei einem Verfolgungseinsatz in High Heels auftaucht – und auch wenig mehr als ausführende Kraft des „A-Teams“, stets eher reaktiv als aktiv, die den Überblick über die Situation nicht aus eigener Kraft herstellen kann, gilt genau dies Aisha für nicht, im Gegenteil: Sie hat von Anfang an einen deutlichen Informationsvorsprung gegenüber den „Losers“, und das macht sie, da sie ihre Informationen nicht freizügig teilt, zu einer durchaus zwiespältigen Figur.

Aisha tritt hier auf als potentiell gefährliche Figur, deren eigene Interessen bis kurz vor Schluß nicht klar werden; sie könnte also auch die Spinne sein, die das Team in einen Hinterhalt lockt – sie funktioniert damit aber zunächst vor allem wie ein im Grunde austauschbarer MacGuffin, im Verlauf des Films wird sie jedoch ausdifferenziert und für die Handlung immer wichtiger.

Interessant dabei ist, wie sehr der Film sie zunehmend als den „Losers“ gleichwertige Figur zu installieren versucht – in ihren physischen Auseinandersetzungen mit Clay wie in ihrem Umgang mit zum Teil schwerem Waffenarsenal. „That’s a bad-ass chick“, wie eine der Figuren sagt. Und darin steckt zugleich natürlich drin: Sie ist „a chick“, und so groß ihre Beteiligung an den Auseinandersetzungen auch sein mag, sie ist zu keinem Zeitpunkt ein Teil der Männergruppe. Dafür ist und bleibt sie zu sehr (auch noch durch andere Mechanismen) als Außenseiterin gekennzeichnet, und es ist erst durch einen Schritt, der sie gänzlich aus der Gruppe herauszutragen scheint, daß sie sich wirklich als ebenbürtige Figur erweist. Jedenfalls für eine mögliche Fortsetzung.

(Zoe Saldana jedenfalls könnte sich womöglich – nachdem sie bereits in Avatar und minimal in Star Trek schon in diese Richtung ging – als Actiondarstellerin etablieren. Eine interessante Entwicklung wäre das allemal.)

Milde gespannt bin ich nun, nach dieser Gegenüberstellung, auf die vermutlich eine Frauenfigur in The Expandables. Das wenige, was man bisher hat sehen können, deutet allerdings darauf hin, daß ihre Rolle eher eine kleine sein wird, den Frauenrollen der Rambo-Filme nahe bzw. der typische Rolle einer Frau im Actionkino: Opfer (auch von Folter), love interest, wärmende Heimstatt. Das hat natürlich auch damit zu tun, daß The Expandables gehypt wird als ultimatives Gipfeltreffen der großen (männlichen, aber das muß man kaum sagen, oder?) Actionstars der Gegenwart (und teilweise schon Vergangenheit). Bei so viel maskuliner Markigkeit bleibt vermutlich kaum Platz für eine in den USA bisher eher unbekannten mexikanischen Fernsehdarstellerin wie Giselle Itié; und auch daß Itié zehn Jahre jünger ist als der jüngste der männlichen Stars (Jason Statham), paßt perfekt in das Bild, das sich der traditionelle Actionfilm von Frauen macht: jung, schön, schutz- und rettungsbedürftig und schließlich verfügbar.

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(Eine schöne Kritik zur Comicserie The Losers hat übrigens Florian Lieb für evolver.at geschrieben.)

Fotos: 20th Century Fox

(Weil’s so schön ist und in der Tat ein wenig Anschauungsmaterial liefert, hier noch die Trailer der drei hauptsächlich behandelten Filme.)

The A-Team

The Losers

The Expendables

4 thoughts on “Frauen am Rande des Kampfgeschehens

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