Armored (2009)

„No one is going to get hurt. Promise.“

Das ist so ein Satz, mit dem zumindest im Film die Katastrophe ex negativo praktisch immer schon angekündigt wird. Wer auf diese Weise in eine kleine oder auch größere Straftat hinein überredet wird, darf davon ausgehen, bald mit den Füßen knietief durch Blut waten zu müssen – und entweder die erwünschte Unschuld zu verlieren, oder sie mit womöglich nicht weniger Brutalität verteidigen zu müssen.

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Insofern nimmt die Geschichte von Armored ihren gewissermaßen zwingenden Verlauf: Die Besatzungen zweier Geldtransporter verabreden sich, gemeinsam das Geld aus ihren Wagen verschwinden zu lassen und einen Überfall vorzutäuschen. Und daß Drahtzieher Mike (Matt Dillon) den Neuling Ty (Columbus Short) erst mühsam und in letzter Minute zur Teilnahme bringen kann, macht natürlich schon zu Beginn beispielhaft deutlich, daß die Motivation der Teilnehmer an diesem Raubzug womöglich recht unterschiedlich ist.

Mike und Ty sind eng verbunden: Tys Eltern waren Mikes Freunde und sind frisch verstorben; Ty, gerade aus der Armee entlassen, muß für sich und seinen kleinen Bruder sorgen, aber die Schulden wachsen ihm über den Kopf. Und gerade, als er sich entschieden hatte, Mike und seinen Kumpanen nicht zu helfen, steht natürlich die Frau von der Kinderfürsorge in seiner Küche und will Ty zu einer Pflegefamilie schicken.

Nimród Antal macht das hier wieder sehr dicht und sehr klassisch, wie er die Figuren aufstellt, Ty klar ins Zentrum der Erzählung rückt; alle anderen Beteiligten werden nur en passant charakterisiert, aber klar zueinander (und natürlich, später wird sich die Gruppe ja in Blut, Schweiß und Tränen auflösen: gegeneinander) positioniert.

So altmodisch-rustikal das eingefädelt und inszeniert ist, so kommen auch die Geldtransporter daher, fast sind sie schon aus der Zeit gefallen, so unwirklich wirkt das heutzutage: Noch ohne GPS, viel Metall und Stahl. Der Rost der alten Fabrik, die zum hauptsächlichen Schauplatz wird, spiegelt den Rost der Technik wieder. Altmodisches Suspense-Kino also, das sich am Anfang viel Zeit läßt und dann aber in wenigen Momenten vollständig kippt. Oder, wie Jochen Werner das für critic.de beschrieben hat:

Die Zeit, die Antal braucht, um vom scheinbar reibungslosen Ablauf zur vollständigen Eskalation zu gelangen und eine Frontlinie durch die Clique seiner Protagonisten zu ziehen, ist in Sekunden zu bemessen […].

Anschließend stapelt Antal Verzweiflung auf Verwicklung, während die Menschen aufeinander losgehen, in den Folgen ihrer eigenen Entscheidungen gefangen, und natürlich muß das auf eine zwingende Katastrophe hinauslaufen, in der niemand ohne Verletzungen bleibt. Dies ist kein Gentlemen’s Meeting wie bei Danny Ocean, hier geht es sehr proletarisch mit Schweiß und Fluchen zur Sache.

Der Titel Armored beschreibt auch nicht nur das Auto, sondern geht darüber hinaus: Denn der Film bildet Schichten von Ausweglosigkeit und persönlicher Seelenpanzerung ab, aber eben auch jene alte Fabrik, in der es keinen Funkempfang gibt, sondern Stahlwände ringsum, komplette Abgrenzung nach außen, gar die Unmöglichkeit jeder Kontaktaufnahme.