FFF 2009: Secret défense (Secrets of State)

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Als letzten französischen Agentenfilm hatte ich vor schon längerer Zeit Agents secrets (2004) gesehen, und obwohl ich den Film wegen seiner dramaturgischen Schwächen insgesamt nicht besonders gut und eher langweilig fand, war er doch ein interessantes Beispiel dafür, wie das französische Kino mit den Grundzügen eines Genres umgehen kann: Sehr frei, antithetisch den qua Genre auf den Film gerichteten Erwartungen zuwiderlaufend.

Secret défense macht das ähnlich (und ungleich spannender). Hier geht es um Spionage und Gegenspionage, Aufklärung und Verwirrung. Eine Einheit des französischen Geheimdienstes will islamistische Anschläge in Frankreich verhindern, während eine Terrorgruppe mitten in Paris zuschlagen will. Wahrheit ist hier etwas, was die Akteure einander nur in sehr zurückhaltender Dosierung verabreichen, nach innen wie nach außen wird getäuscht und verborgen, während auf der Oberfläche die Schritte immer klar zu sein scheinen.

Vertrauen, sagt ein Geheimdienstler zu seiner jungen Agentin, ist wichtig. Wie sonst sollte man überzeugend lügen können?

Diese junge Agentin (Vahina Giocante), frisch von der Uni rekrutiert, steht dann auch im Mittelpunkt des Geschehens, sie wird später nach Beirut gehen, um den mutmaßlichen Drahtzieher des geplanten Anschlags zu observieren, aus nächster Nähe, so nahe eben möglich. Macht, Geschlechterfragen: In der rauen Welt von Secret défense wird auch mit dem Körper der jungen Frau geschachert, und wie sehr, das erfährt man erst in den letzten Minuten des Films.

Die Inhalte der großen politischen Auseinandersetzung, die hier im Hintergrund schwelt – die Konfrontation zwischen dem Westen und dem politischen Islam – spart der Film ebenso aus wie echte Glaubensfragen; aber er umgeht dennoch einfache Zuschreibungen durch die Figur eines überzeugten Muslim im Antiterrorteam, der gleichwohl von seinem Chef mit Argwohn und massiven Vorurteilen beobachtet wird. Einzig mit der Genese des potentiellen Attentäters kann der Film nicht so recht überzeugen, da er auch hier auf die Konfrontation politischer Inhalte komplett verzichtet.

Regisseur Philippe Haïm baut seine Hauptfiguren zunächst in kurzen Fragmenten auf, die ihre Hintergrundgeschichten beleuchten; in den ersten Minuten ist das verwirrend, wird aber zunehmend und immerhin vermeintlich klarer. Es gehört zur Struktur und zum Thema des Films, daß einige dieser Klarheiten im Laufe des Films wieder beseitigt werden. Bis dahin ist aus Agents secrets längst ein flotter, wirkungsvoller Thriller geworden, ein Agentenfilm ohne jeden Glamour und jede Ironie. Am Ende steht nur die große Einsamkeit des Agenten.

Foto: Fantasy Filmfest

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