Warum ich nun ein wenig Angst vor ‚Mars Needs Moms‘ habe

Irgendwo in meiner Seele habe ich einen ganz, ganz weichen Punkt, und es gibt mindestens einen Autor, der diesen Punkt mit atemberaubender Sicherheit in jedem seiner Bilder-/Kinderbücher präzise trifft: Berkeley Breathed (Homepage, Wikipedia).

Wenn Ihr den nicht kennt, ist das nicht weiter verwunderlich: Er ist in Deutschland und Europa kaum bekannt; in den USA ist er vor allem als linksliberaler und ziemlich politischer Cartoonist durch seine Reihe Bloom County (Wikipedia) bekannt geworden – ein Spin-Off war außerdem Opus (Wikipedia), mit dem vermutlich sympathischsten flugunfähigen Vogel der Cartoongeschichte.

Zu seinen Arbeiten gehören aber inzwischen auch eine ganze Reihe von Kinderbüchern, die mir eben herzzerreißend präzise Tränen in die Augen jagen. Das sind vor allem und zunächst zwei Weihnachtsbücher: A Wish for Wings That Work mit dem oben genannten Opus als Hauptfigur, der sich zu Weihnachen nur wünscht, endlich einmal fliegen zu können; und Red Ranger Came Calling, in der Breathed eine Geschichte wiedergibt, die ihm sein Vater zu Weihnachten immer von sich selbst erzählt habe: Wie er nämlich einen Mann getroffen habe, der angeblich Santa Claus gewesen sei… Die Pointe des Buches gehört zum überraschendsten, lustigsten, das mir in Bilderbüchern je untergekommen ist. (Wenn jemand noch wunderschöne und sehr rührende Weihnachtsgeschenke für des Englischen mächtige Menschen sucht, hier sind sie.)

Ich kenne nicht alle von Breatheds Kinderbüchern, aber bei mir im Regal stehen noch Edwurd Fudwupper Fibbed Big über einen hochstapelnden kleinen Jungen, der eine Invasion von Außerirdischen herbeifabuliert (Außerirdische sind immer wieder ein Thema bei Breathed), das phantastische Goodnight Opus, und dann schließlich: Mars Needs Moms!. Das ist ein eigentlich recht schmaler Band, das in seiner Grundidee ein wenig an Wo die wilden Kerle wohnen erinnert, rezipiert womöglich unter dem Eindruck bewußtseinsverändernder Substanzen und zu vieler Science-Fiction-Filme.

Es geht, knapp gesagt, um einen kleinen Jungen, der mit seiner Mutter gar nicht zufrieden ist, aber dann doch – er weiß gar nicht so genau, warum – hinterherrennt, als sie von einer paar Marsianern entführt wird. Viel mehr passiert in dem Buch, von der (darf ich’s nochmal sagen? herzzerreißend schmalzigen, sehr treffenden) Auflösung dieser Situation auch gar nicht, es ist wirklich sehr schmal.

Und jetzt hat sich, wenn man dem Trailer glauben darf, Disney also dieses Stoffes angenommen und ihn als computeranimierten Film für März 2011 angekündigt. Ich habe gar nichts gegen Disney, die letzten Animationsfilme des Studios waren durchaus sehr handfest, aber mich irritiert allein schon, daß die grotesken Überzeichnungen von Breatheds Bildern hier in eine pseudorealistische Animationswelt transferiert wurden, die nach diesem ersten Eindruck so wirken, als müßte man in den Tiefen des Uncanny Valley nach ihnen suchen.

Und natürlich habe ich Angst, daß so ein Film mir meine ganz persönliche Berkeley-Breathed-Erfahrung nehmen könnte. Andererseits: Macht die offenbar große ästhetische und erzählerische Differenz zwischen Buch und Film das deutlich unwahrscheinlicher. Vielleicht muß man also höchstens aus anderen Gründen vor dem Film Angst haben.

(via)

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