Skyline (2010)

In den frühen Morgenstunden kommen die Aliens. Erst leuchten Sie mit blauem Licht in die Fenster hinein, durch die Straßen, man kann den Blick nicht mehr davon lösen – und wer nicht gelöst wird, den zieht es anschließend hinein in die großen Schiffe, die über der Stadt schweben; wie Wollflusen zum Staubsauger fliegen die Menschen zu Hunderten hinauf und verschwinden.

Das sind die großen Szenen in Skyline der „Brothers“ Greg und Colin Strause, diese Tableaus der drohenden Zerstörung, wenn kleine Menschenfiguren aufsteigen aus einer schon versehrten amerikanischen Wolkenkratzerstadt; und wäre nicht dieses kalte Blau, man könnte fast sogar ein bißchen Hoffnung es sei Himmelfahrt und Erlösung. Gibt es eigentlich eine Farbgeschichte des Science-Fiction-Films? Wann welches Lichtschwert grün, rot oder blau war, aus wessen Augenschlitzen es gelb oder weiß schimmerte?

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Das ist hier keine Trivialität, denn das eigentliche Pfund des Films sind seine Spezialeffekte, die, wenn man so will, Heimatkompetenz der Regisseure, die sich darin zum Beispiel in 2012 (meine Kritik) oder Avatar bewiesen haben und deren Künste man etwa im Trailer zu Battle: Los Angeles wieder sehen kann. Und auch wenn man nach Alien vs Predator: Requiem (meine Kritik) die Hoffnung haben konnte, die beiden Brüder könnten vielleicht wirklich ordentliche Regisseure werden, so werden diese Gemütsregungen mit Skyline aufs deutlichste zerklopft.

Natürlich liegt es auch am jämmerlichen Skript von Joshua Cordes und Liam O’Donnell, das dieser Film kalt läßt, und an den die jämmerlich uninteressanten Figuren (zweibeinige Stereotype mit jeweils einem einzelnen markierenden Charakteristikum, scheint’s) mit noch mehr Leblosigkeit ausstattenden Schauspieler_innen. Aber die Strauses füllen dann dieses blutleere Monstrum eben auch nur mit altbackenen Inszenierungstechniken und mit dem üblichen Effektgesumse des technokratisch ambitionierten Alien-Invasions-Actionfilms à la Transformers & Cie.

Da tritt dann mal ein außerirdischer mechanoider Godzilla auf den Lamborghini – oder war es ein Ferrari? – einer bis eben noch wichtigen Figur, die Aufnahmegeschwindigkeit wechselt zwischen Timelapse und Zeitlupe, und wen das noch nicht hinreichend irritiert hat, der bekommt genau dann eine große Totale der zerstörten Stadt zu sehen, wenn er sich an die fast an Cloverfield (meine Kritik) erinnernde Dichte gewöhnt hat, die der Film eine Zeitlang zu seinen Figuren einhielt, und die er auch in der Erzählperspektive konsequent durchzieht.

Das ist denn auch das Einzige, was man dem Film wirklich, wirklich gutschreiben muß: Daß er den Einfall der Außerirdischen, ihr seltsames Licht und ihre Gründe konsequent unerklärt läßt, darin die Perspektive der Protagonist_innen wahrend, und so bis zum Schluß ein Mysterium behält – das allerdings nur ein großes, kugeliges Nichts im Innersten des Films übertüncht. Gegen diese Leere saugt Skyline dem Publikum wortwörtlich das Gehirn aus. Warten Sie’s ab, kurz vor Schluß bekommt man das genau zu sehen, und dann macht der Film eine Wendung, die logisch klänge, wenn den Figuren vorher Leben eingehaucht und nicht nur aufbehauptet worden wäre.

Foto: Centralfilm

Skyline (2010), 4.3 out of 5 based on 4 ratings

4 Gedanken zu “Skyline (2010)

  1. Das Ende ist ne Nummer für sich. Keine Ahnung wie das logisch zum Film passt. Das ist, als wollte man einen laufenden Wasserhahn dadurch schließen, dass man den Wasserstrahl einfriert, abbricht und ihn ins Kühlfach legt…

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