Wounded (1997)

Wounded hatte in Deutschland schon viele Namen – er war als Wounded – Beute eines Psychopathen (Amazon-Link) oder Wounded – Eine Spur zu weit zu sehen, die IMDb verzeichnet darüber hinaus auch noch Die einzige Zeugin, Frei zum Abschuß und Zum Abschuss freigegeben als deutsche Alternativtitel. Jetzt hat Atlas Film Home Entertainment den Film als Wild Prey noch einmal veröffentlicht, in einer anscheinend ungekürzten Fassung.

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Immer wieder hat man allerdings den Eindruck, als seien die schlimmsten Blutigkeiten entfernt worden – es geht um einen Wilderer (Adrian Pasdar), der Braunbären und andere geschützte Fauna im Akkord umbringt und Menschen gegenüber nicht eben zimperlicher ist. Wildhüterin Julie (Mädchen Amick, im Bett wie auf der Wildererjagd stets vortrefflich geschminkt) ist bei einem vom FBI initiierten Einsatz gegen den Mann dabei und überlebt als einzige – eher zufällig, weil sie dank eines bisher nicht entdeckten Situs inversus das Herz auf der rechten Seite hat. (Das ist übrigens so ein Motiv, das gerne mal als deux ex medicina bemüht wird, aber m.W. allein schon deshalb Quatsch, weil ein Situs inversus den Symptomen nach zu urteilen früh entdeckt werden dürfte.)

Der Wilderer macht einen auf Vietnam-Psychopath, samt Stolperfallen, angespitzten Holzpfählen und Rambo-Messer, er macht auch vor seinen eigenen Auftraggebern nicht halt, wenn die ihm blöd kommen: Er ist also ein rechter Fiesling, und das versteht man auch schon bald. Man versteht freilich nie so recht, warum, aber das ging mir mit allen Figuren so: Charakterzeichnung ist die Stärke von Wounded nicht, noch ist eine solche in der Inszenierung oder der Dramaturgie zu finden. Es gibt eher absurde (und wie nur angerissen wirkende) Trainings- und Vorbereitungsmontagen, der Zeitverlauf verschiedener Handlungsebenen paßt hinten und vorne nicht zusammen, und der depressive Cop (Graham Greene), der Julie zur Seite steht, bleibt leider auch völlig unterentwickelt. Ach, der Film strotzt nur so vor verschenktem Potenzial.

Das gilt vor allem für das sehr kurze und ziemlich enttäuschende Finale, aus dem sich nicht nur leicht mehr Spannung hätte herauskitzeln lassen, sondern daß vor allem in Sachen Identität und Geschlecht noch viel Dehnungsspielraum gelassen hätte. Da gleicht sich nämlich Julie in Kleidung, Habitus, Bewaffnung und Gesichtsbemalung ihrem Antagonisten an, legt in der Wildhüterhütte Feuer und geht allein in den Wald, mit dem Ziel zu töten. Mädchen Amick hier ganz hinter ihrer Tarnung und ihren Waffen verschwinden zu lassen… ach, aber dem Film fehlt der Mut zu großen Schritten.

Foto: Atlas Film Home Entertainment