Gérardmer 2011: The Objective (2008)

Gérardmer 2011 - SchriftzugSchon bevor das Festival in Gérardmer am kommenden Mittwochabend beginnt, werde ich einige der Filme besprechen, die dort zu sehen sein werden, aber mir entweder schon auf Festivals begegnet oder schon – wo auch immer – auf DVD erhältlich sind. Kritiken gibt es von mir zudem schon zu Rare Exports: A Christmas Tale, Devil, Proie, Prowl und Vanishing On 7th Street.

The Objective ist ein eigenartiger Film. Er beginnt wie einer dieser typischen Harte-Jungs-Militär-Streifen: Aus dem Off erzählt die Stimme eines CIA-Agenten, direkt nach dem 11. September 2001 habe man in Afghanistan an bestimmten Punkten seltsames Hitzeaufkommen gemessen – man habe zuerst befürchtet, die Taliban hätten eine Atomwaffe in die Finger bekommen, aber vermutete dann doch, es handle sich um etwas ganz, ganz anderes…

Bei solchen dunklen Andeutungen bleibt es dann erstmal, wenn der CIA-Mann Keynes (Jonas Ball) mit ein paar Männern von den Special Forces und einem ortskundigen Dorfbewohner in die Berge aufbricht. Angeblich will er sich der Unterstützung eines Geistlichen versichern, aber auch den Soldaten geht langsam auf, daß das ein vorgeschobener Auftrag ist.

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Worum es dann eigentlich genau geht, erfährt man bis zum Schluß kaum, und der Film changiert da einigermaßen unentschlossen bis gezielt verwirrend mit den Möglichkeiten des Horror- und des Science-Fiction-Films herum, ohne sich je ganz aufzulösen. Das ist zwar zunächst bezaubernd anzusehen, verliert aber nach einer Weile an Reiz, auch wenn zwischendrin immer ein paar kleine Seltsamkeiten passieren (Trinkwasser wird zu Sand, elektronische Geräte funktionieren nicht mehr und ein Hubschrauber scheint ganz nahe zu sein, bis sein Geräusch plötzlich abbricht – derlei).

Regisseur Daniel Myrick ist weniger für seinen vorherigen Film Solistice bekannt denn für seine Beteiligung an The Blair Witch Project, und man entdeckt hier noch den ans Dokumentarische erinnernden Eifer dieses Erstlings wieder – es fehlt gleichwohl an interessanten, vielschichtigen Figuren, die mehr miteinander verbinden (oder voneinander trennen) würde als das Standardgequatsche, das solche Commando-Filme üblicherweise aufbringen, auch wenn The Objective sicher dialoglastiger ist als die meisten Vertreter dieses Genres. Die Schwangerschaft der Partnerin reicht als Alleinstellungsmerkmal für eine Persönlichkeit eben doch nicht aus.

Richtig nervtötend wird der Film allerdings durch das permanente Voice Over des Protagonisten, das vermutlich halbgar tiefsinnig sein soll, aber letztlich neben seiner expositorischen Funktion nur Stereotypen aufwärmt. Da mögen die akustischen Täuschungen und seltsamen Sandfiguren, die im letzten Drittel auftauchen, noch so geheimnisvoll sein: Der Mann redet das alles in Grund und Langeweile.

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