Gérardmer 2011 – Tag 1

Gérardmer 2011 - SchriftzugIm Umgang mit den Journalist_innen stottert das Festival in diesem Jahr noch ein wenig. Am Morgen machte zwar das Pressebüro pünktlich um zehn Uhr auf, aber da das Team die Morgenbesprechungen offenbar noch nicht abgeschlossen hatte, mußte die stetig wachsende hungrige Meute sich noch zehn, fünfzehn Minuten gedulden. Und dann gab es offenbar ein Durcheinander bei der Kennzeichnung der Eingänge für die unterschiedlichen Akkreditierungen, so daß ich zur ersten Vorstellung (Dream Home) zwar den nominell „richtigen“ Weg nahm, aber dann wortreich darüber aufgeklärt wurde, welcher Weg wirklich und eigentlich richtig sei. (Am Nachmittag waren die Schilder dann umgehängt, das machte es leichter.)

Offenbar haben die Sicherheitsleute aber auch klare Anweisungen. Denn als ich mit zwei anderen Besucher_innen gemeinsam durch die Kontrolle gehen wollte, die aber beide nur „gewöhnliche“ Tickets hatten, bestand ein junger Mann darauf, ich sollte mich in meine Schlange mit höherer Priorität einreihen. Ich dachte zuerst, er scherze; aber auch mein Hinweis darauf, daß es derzeit überhaupt keine Schlange gebe (die Argento-Retrospektivevorstellung zu Tenebre war nicht unbedingt überfüllt) und sich die beiden Gänge zehn Meter weiter wieder zu einem vereinten, konnten ihn nicht umstimmen.

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Leider war zur Vorstellung von Dream Home niemand von der Equipe des Films anwesend – zu gerne hätte ich doch vom Regisseur gehört, wie ernst oder unernst er diese Mischung aus Immobilienkrise und Over-the-Top-Splatter eigentlich meint; und wie man sich die Wohnungsrealität in Hong Kong eigentlich wirklich vorstellen muß. („Inspired by real events“, of course.)

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Das La Neptune ist der geographisch zum Festivalhauptkino naheliegendste Ort, wenn man mittags wirklich rasch eine kleine Mahlzeit braucht; der Kellner der Brasserie ist immer noch so unfreundlich-freundlich wie im vergangenen Jahr, und sie bieten den Festivaliers auch in diesem Jahr die gleichen zwei Mittagsmahlzeiten an, croque monsieur und eine Art Kartoffelauflauf, dessen genauen Namen ich nicht präzise notieren konnte.

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Gérardmer - Talal SelhamiRegisseur Talal Selhami freute sich bei der Vorstellung seines Films Mirages offenbar ganz besonders, seinen Film – der hier überhaupt erst, nach dem Festival in Marrakesch, zum zweiten Mal gezeigt wurde – vor Dario Argento vorführen zu können, und hatte schon aus lauter Nervosität und offenbar um niemanden zu vergessen, einen Spickzettel mitgebracht. Auch wenn der nicht ganz zehn Seiten Umfang hatte, wie er anfangs scherzte, dauerte es doch eine ganze Weile, bis er seine Ansprache hinter sich gebracht hatte. (Der Film seinerzeit neigt auch zur Langatmigkeit, aber das ist eine andere Geschichte.)

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Für längere Kritiken war durch das dichte Programm heute keine Zeit; morgen hoffe ich etwas mehr Luft zu haben. Da geht es los mit Somos lo que hay, dann folgt aber eine ausgedehnte Mittagspause nebst einer Pressekonferenz mit Argento, auf der er hoffentlich auch ein wenig von seinem Projekt Dracula 3D erzählen wird, das ab Februar gedreht werden soll. Anschließend geht es zu Cold Prey 3, einem Prequel zu den bisherigen zwei Filmen, sowie dem heiß erwarteten The Troll Hunter, in dem einige den Geheimtipp des Festivals vermuten. Eventuell schließt der Abend dann zu später Stunde mit Hybrid ab. Aktuelles Kurzes dazu gibt es stets von mir bei Twitter.

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2 Gedanken zu “Gérardmer 2011 – Tag 1

  1. Die Wohnungsrealität in Hongkong ist tatsächlich furchtbar. Darauf spielen viele HK-Komödien an, aber ob der Film wirklich auf wahren Ereignissen beruht, war aus der Berichterstattung vor und während der Produktion leider nicht herauszulesen. Der bessere Film von Pang Ho-Cheung aus dem letzten Jahr ist eindeutig der ganz unblutige Love in a Puff, der hier in Europa sicher nicht wahrgenommen wird, weil in dem schließlich keine schwangere Frau gemeuchelt wird. Schade eigentlich.

    • Also von mir wurde und wird „Love in a Puff“ auf jeden Fall wahrgenommen. Übrigens ist das gerade nach der Ansicht von „Dream Home“ ein herrlich missverständlicher Titel, den Pang Ho-Cheung gewählt hat. Damit rechnet man einfach nicht, dass der Regisseur, der den besten Slasherfilm seit dem französischen Meisterwerk „Inside“ drehte, im selben Jahr auch eine romantische Komödie über die Raucherproblematik in Hongkong auf die Beine stellte.

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Zugegeben, eigentlich war spätestens mit Die Bestimmung - Divergent und was da noch folgen mag (z.B. Die Bestimmung - Insurgent),...

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