Gérardmer 2011: The Troll Hunter (2010)

The Troll Hunter (Trolljegeren) beginnt, wie so viele Found-Footage-Filmchen der letzten Jahre, mit der Behauptung von Authentizität: Das Filmmaterial sei anonym eingegangen, und natürlich habe man es geprüft und für authentisch befunden, aber man möge doch bitte selbst entscheiden. Was dann folgt, erinnert schon sehr an Cloverfield (oder auch Diary of the Dead): Ein kleines Filmteam von Studenten einer norwegischen Provinzhochschule will einen kleinen Dokumentarfilm darüber machen, wer ohne Genehmigung in ihrer Gegend Bären tötet.

Gérardmer 2011 - SchriftzugSie stoßen alsbald auf den verschlossenen Jäger Hans (Otto Jespersen), der aber gar nicht hinter Bären her zu sein scheint – und werden von ihm, nachdem er sie vergeblich abzuweisen versucht hat, schließlich leicht entnervt auf die Jagd mitgenommen, weil er möchte, daß die Welt verstehe, unter welchen katastrophalen Arbeitsbedingungen er seinen Pflichten nachkomme. Und die Norweger_innen davor beschütze, von wild umherstreifenden Trollen aufgefressen zu werden.

The Troll Hunter bleibt konsequent in der Perspektive der studentischen Filmkamera – und geht damit deutlich weiter als die genannten Vorbilder –, will aber gar nicht unbedingt ein Monsterfilm im klassischen Sinne sein. Denn was den kleinen (vielleicht einen Hauch zu langen) Streifen im Wesentlichen auszeichnet ist der Wille, hier ein magisch angehauchtes, unheimliches Paralleluniversum zu schaffen, das sich nur an den Rändern von unserem unterscheidet, aber von Hans‘ Erzählungen und durch die Erfahrungen der Student_innen immer weiter ausgeformt und präzisiert wird. Regisseur André Øvredal hat sich in seinem Drehbuch viel Mühe gegeben, eine stimmige, konsequente neue Welt vorzubereiten. Dadurch sieht man dann die ganz gewöhnliche (unsrige) Welt auf einmal mit anderen Augen, Hochspannungsleitungen, ausgewilderte Tiere, das alles bekommt neue Bedeutung, neue Zwecke.

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Mich erinnert das ein wenig an das Verfahren, das Philip Pullman in der His Dark Materials-Trilogie verwendet hat, in dem sich die Verschiebungen zu unserer realen Welt nur ganz unterschwellig einschleichen. Hier kommen sie zwar vergleichsweise deutlich dahergetrampelt (in Form riesenhafter, hungriger Trolle), aber die Methode ist nicht weniger bezaubernd. Da vergißt man gerne, daß die Figuren ein wenig blaß bleiben, weil sie zum Beispiel nicht allzu viele Konflikte untereinander auszutragen haben – stattdessen rückt eben hier die seltsame neue Welt in den Vordergrund.

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Gérardmer 2011: The Troll Hunter (2010), 5.0 out of 5 based on 2 ratings

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