Gérardmer 2011 – Tag 3

Gérardmer 2011 - Schriftzug[Wieder verspätet dank des anfälligen Internets im Hotel. Gnarf.] Und mit der Crowd kommen die Schlangen. Am Wochenende ist es ja bei allen Publikumsfestivals immer besonders voll, und Gérardmer macht da keine Ausnahme. Deshalb gibt es hier eben nach Cold Prey 3 auch noch (SCNR) Cold Feet 3, nach dem großen Erfolg der ersten beiden Teile vor den Filmen zuvor. Für die Nuit Giallo läßt man uns bis wortwörtlich bis fünf vor zwölf in der Eiseskälte stehen, denn natürlich ist es jetzt auch noch einmal deutlich kälter geworden. Dafür war es in der Mitternachtsvorstellung nicht so voll wie im hervorragenden La Casa Muda, für den ich trotz meiner Akkreditierungsprivilegien gerade noch so als einer der letzten Sieben in den Saal gelassen wurde. Für I Saw The Devil kurz darauf habe ich mich dann sicherheitshalber fast eine Stunde lang angestellt.

Besonders schade ist nach solchen Erlebnissen übrigens, daß es dieses Jahr nicht mehr, wie im vergangenen, von einem Sponsoren für jede Zuschauer_in vor jeder Vorstellung ein kleines Eis gibt. Das war zwar 2010 angesichts der geringen Auswahl von drei einander sehr ähnlichen Sorten am Ende des Festivals schon nicht mehr der totale Genuß, aber wenigstens war die Grundversorgung mit Zucker und Fett gewährleistet. Da das Hauptkino ja leider etwas außerhalb des Ortes liegt, gibt es dort sonst nur kleinere Snacks zu kaufen.

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Talal Selhami (Mirages)Beim Interview mit Talal Selhami passiert mir dann der größte anzunehmende Anfängerfehler: Nach 25 Minuten interessantem Gespräch über die Wüste, die sich verändernde Gesellschaft in Marokko und kartesianische Zuschauer stelle ich fest, daß das Mikrofon nicht eingeschaltet war. Stillschweigend beiße ich mir in einen Finger, bis sicher ist, daß immerhin mein – Semiprofi-Routine – als Backup mitlaufendes Diktiergerät wohl das meiste aufgenommen hat. Die Transkription und Übersetzung wird vermutlich trotzdem die Hölle – das war mein erstes Interview, das ich komplett auf Französisch gehalten habe.

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Bei der doch arg frühen Pressevorführung von The Hunters morgens um halb neun – der Film wird heute abend das Festival beschließen – entschuldigt sich das Personal im Casino wortreich dafür, daß sie uns keinen Kaffee anbieten können. Dafür bekomme ich dann später ein sehr nettes Mittagessen dank der Restaurantwahl von @jcdrf3, einem sehr charmanten Journalisten, der beim Lokalableger des Fernsehsender France 3 für den Internetauftritt verantwortlich ist.

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Florencia Colucci (La Casa Muda)Die Hauptdarstellerin von La Casa Muda ist da, um ihren Film vorzustellen – man erkennt sie, auch wenn man den Film gesehen und nicht nur Standbilder gesehen hat, praktisch nicht wieder. Eine Transformation, die aber vielleicht so erstaunlich auch nicht ist, immerhin ist das ihr Beruf. Sie freut sich, jetzt in Frankreich die endgültige Fassung des Filmes vorstellen zu können, bei der nach dem Abspann noch eine Szene angefügt ist. Ich würde sie gerne fragen, ob diese auch nachträglich entstanden sind, und einiges mehr.

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@SebastianSelig berichtet von einem Gespräch mit französischen Journalisten, für die Dream Home und I Saw The Devil die Favoriten im Wettbewerb seien. Meine persönlichen Highlights waren bisher stattdessen La Casa Muda und The Troll Hunter, aber beides sind eher leise Filme mit wenig sozialpolitischen Untertönen, während die asiatischen Filme soziale bzw. moralische Fragen mit viel Blut unterfüttern. Womöglich ist die entscheidende Frage, was diese spezielle Jury besonders interessiert, und, wer weiß, vielleicht waren die französischen Journalisten da ganz gut informiert.

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Vor der Giallo-Nacht machen sie ein bißchen minimale Show auf der Bühne, um das Publikum auf die kommenden Attraktionen einzustimmen.

Ich habe dann trotzdem nach dem ersten Film die Segel gestrichen. Schließlich steht heute mit Bedevilled noch ein letzter Wettbewerbsfilm auf dem Programm, bevor es mit Bus und Bahn wieder zurück nach Paris geht.

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