Gérardmer 2011 – Tag 4 & Auszeichnungen

Gérardmer 2011 - SchriftzugAm letzten Tag macht sich der Raubbau der vergangenen Nächte deutlich bemerkbar: Der Husten sitzt trocken und fest im Hals, so daß der letzte Film des Festivals einen deutlichen Unterton in Menthol bekommt – Apotheken haben in der Vogesen-Provinz natürlich sonntags nicht geöffnet, die Hustenbonbons aus dem Supermarkt (9-12 Uhr) müssen reichen. Später wird sich zum Husten noch ein dumpfer, wenngleich noch leichter Kopfschmerz hinzugesellen, der die Aussichten für die nächsten Tage nicht rosig macht. Ob das die Nachtsitzungen mit Argento und Hybrid wohl wert war? Im Falle von Hybrid kann ich klar sagen: Nein.

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Letzter Film des Wettbewerbs und für mich des ganzen Festivals ist Bedevilled, mehr schonungslose Sozial- und Persönlichkeitsstudie als Horrorfilm, auch wenn die letzte halbe Stunde blutgetränkt ist, Menschenfleisch abgebissen und Köpfe abgetrennt werden. Nach I Saw The Devil ist das der zweite Hinweis darauf, daß das asiatische (hier speziell: das koreanische) Kino auch locker zwei bis zweieinhalb Stunden mit Dramatik füllen kann.

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Fünfzehn Filme in vier Tagen: Kein Wunder, daß ich ziemlich angegriffen bin. Ich hatte mir ja eigentlich vorgenommen, es diesmal nicht zu übertreiben, aber es ist wohl doch wieder passiert. Glücklicherweise waren insgesamt nur wenige richtig schlechte Filme darunter (hatte ich Hybrid schon erwähnt?), aber doch einiges an Mittelmaß. Das ist vermutlich das Leid der Festivalbesucher_innen: Daß das Menü nicht immer in allen Einzelheiten wirklich bekömmlich und beglückend ist, mögen die einzelnen Gänge noch so bezaubernd schmecken.

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Das Interview mit der Hauptdarstellerin von La Casa Muda, Florencia Colucci kommt leider nicht mehr zustande, so daß ich einige Fragen zum Film wohl bei irgendeiner anderen Gelegenheit loswerden muß. In der französischen Filmlandschaft ist für La Casa Muda sogar ein Kinostart vorstellbar, während man für Deutschland befürchten muß, daß das amerikanische Remake zwar auf die Leinwände kommen wird, das Original aus Uruguay allerdings nicht. Und auch wenn die ersten Kritiken zum Remake vom Sundance Festival durchaus positiv waren, eine Schande wäre das doch.

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Sonntags fahren aus Gérardmer genau zwei öffentliche Busse in den Bahnhof, von dem aus ich nach Paris zurückkomme – und dummerweise versäumt es die Onlineauskunft der regionalen Verkehrsbetriebe, den zweiten Bus am späten Nachmittag auch in ihrer Datenbank zu führen. Jedenfalls komme ich mit reichlich Herzklopfen und den Telefonnummern zweier Taxianbieter versorgt an der Bushaltestelle an, wo aber nicht nur ich auf die Angaben vertraue, die das Fremdenverkehrsamt auf seiner Website macht. Und siehe da, in der Tat fährt der Bus, zügig und ohne große Verzögerungen, pünktlich mit uns allen ab. In Èpinal bleibt dann immerhin noch Zeit für ein gut gefülltes Baguette und reichlich Tee gegen den Husten. In der Brasserie, die zur Bahnhofshalle offen ist, fühlen sich auch zwei Tauben sehr wohl, die unbehelligt zwischen den Tischen hin- und herspazieren und ab und zu ein kleines Geschenk für das Putzpersonal fallen lassen.

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Während ich schon im Regionalzug durch die Vogesen nach Nancy sitze, von wo es dann mit dem TGV nach Paris weitergeht, beginnt in Gérardmer die Preisverleihung – und die Ergebnisse sind durchaus interessant. Bedevilled gewinnt zwar den Hauptpreis, und The Loved Ones (das außerdem den Prix SyFy zuerkannt bekommt) sowie Sonos lo que hay teilen sich den Jurypreis, aber I Saw The Devil geht mit drei Auszeichnungen (Preise der Kritik und der Jugendjury sowie dem Publikumspreis) doch als recht eindeutiger Sieger aus dem Festival hervor. Alles verdiente Sieger, auch wenn ich andere gewählt hätte; und daß schließlich Triangle als Sieger aus der Videosektion hervorging, kann schließlich niemanden wirklich überrascht haben.

Hier noch einmal die Preise im Überblick:

  • Grand Prix (Meilleur Film): Bedevilled
  • Grand Prix du Jury: ex-aequo an The Loved Ones und Sonos lo que hay
  • Grand Prix de la Critique: I Saw The Devil
  • Prix du public: I Saw The Devil
  • Prix SyFy: The Loved Ones
  • Prix du Jury jeune: I Saw The Devil
  • Prix de l’inédit vidéo Mad Movies: Triangle

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Meine Berichterstattung aus Gérardmer ist damit noch nicht ganz am Ende, weil hier jetzt noch die kurzen und längeren Kritiken erscheinen werden, die ich in den letzten Tagen oft nicht habe ganz fertig- oder onlinestellen können.

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