The Zombie Diaries (2006)

Daß die Handkameras, deren Träger damals im Blair Witch Project ein so schweres Schicksal traf, auch rasch in andere Horrorsubgenres Einzug halten würden, war ja nur eine Frage der Zeit. Neue Technologien schreien nach neuen Formaten, und im Horrorgenre (pun intended) lechzte man ja schon immer dem letzten Schrei hinterher.

Noch vor dem Monsterfilm Cloverfield (2008; meine Kritik) und Altmeister Romeros very own Zombievariation Diary of the Dead (2007) hatten die Briten sich an den lebenden Toten versucht. The Zombie Diaries erzählt von den Ereignissen, die auf einen wohl durch Viren verursachten Zombieausbruch (weltweit, dann auch in Großbritannien) folgen. Das Virus wird dabei anfangs in Verbindung mit dem Vogelgrippevirus gebracht; das war eben, bevor man stattdessen die Schweinegrippe fürchtete.

In seiner Perspektive bleibt The Zombie Diaries frelich nicht ganz konsequent und verheimlicht das auch zu keinem Zeitpunkt. Anders als Cloverfield oder auch [REC]/Quarantine (meine Kritik), dessen Fiktion es will, daß wir das kontinuierlich aufgenommene, ungeschnittene Material einer Kamera zu sehen bekommen, sind es hier offenbar Aufnahmen mehrerer Kameras, die in ihrer zeitlichen Abfolge verändert (und markiert durch Überschriften und Zeitangaben) in Episoden zusammengefaßt wurden. Gelegentlich ist auch offenbar nachträglich eingefügte Musik zu hören; die Grundhaltung des Films ist damit zwar nicht vollends flöten, es entsteht aber doch die Frage, wessen Film, wessen Werk das zu Sehende nun ist. (Romero hat für Diary of the Dead sein Problem etwas eleganter gelöst, indem er seinem Film eine zusätzliche Fiktion seiner eigenen Genese unterschob.)

Wie bei den anderen genannten Filmen auch bleibt dabei stets das Problem, daß der Film zwar größtmögliche Authentizität vorgibt, diese aber im Rahmen der Handlung schwer vermittelbar ist: Wer im Angesicht solcher Ereignisse immer noch die Kamera nicht nur mitlaufen läßt, sondern eben auch insbesondere weiter trägt (und so weniger handlungsfähig wird), kann nicht so normal und menschlich sein, wie er von den anderen Figuren behandelt wird. Zumal der Kameramann (hier sind es augenscheinlich nur Männer) anscheinend über wenig ausgeprägte Überlebensinstinkte verfügt.

Andererseits fungiert hier die Kameralampe oft genug als einzige Lichtquelle – und das macht dann auch den Reiz der Perspektive aus: Nicht nur ist sie eh‘ schon auf das Bild der Kamera begrenzt, die zuweilen wild herumgeschwenkt wird und so für reichliche Desorientierung sorgt (ein durchaus beabsichtiger Effekt), in den Nachtaufnahmen, zum Teil mit Kameralampe, zum Teil als Infrarotbilder gefilmt, verengt und verschlechtert sich dieses Bild auch noch – einem Horrorfilm kommt das nur gelegen. Die gelegentlich vorkommenden unscharfen Bilder verstärken das Ungewisse der Bilder noch zusätzlich.

Wie sich das für einen ordentlichen Zombiefilm gehört, ist The Zombie Diaries ein bißchen selbstreflexiv und letztlich vor allem daran interessiert, was mit den Menschen passiert, die einem solchen Ereignis ausgesetzt sind und es (vorerst) überleben. Eine spannende Geschichte haben Michael Bartlett und Kevin Gates, die gemeinsam für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnen, allerdings nicht zu erzählen. Die Szenen sind alle stereotype Momente des Zombiefilms, die Auseinandersetzungen zunächst wenig dramatisch und vor allem deshalb egal, weil man sich für die Figuren nicht wirklich erwärmen kann. Erst im letzten Kapitel des Films geschehen dann wirklich aufregende, furchtbare Dinge, die aber dann so eng zusammengedrängt und so schludrig miteinander verbunden werden, daß sich das bislang fehlende emotionale Engagement zumindest bei mir auch nicht mehr einstellen wollte.

Genrefanboys werden da womöglich schon abgeschaltet haben, denn an Zombiesplatter ist hier nicht viel zu sehen: In letzter Konsequenz geht es in The Zombie Diaries nicht besonders und vor allem: nicht besonders oft blutig zugeht. Die alte Weisheit, daß der Mensch des Menschen Wolf sei und es dazu keiner Zombies bedürfe, haben wir schon unterhaltsamer und auch eindringlicher präsentiert bekommen.

Schreibe einen Kommentar

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Orphan Black – Staffel 4 (2016)

Tatiana Maslany ist ein Wunder. Mit jedem Jahr, in dem sie die Klone aus Orphan Black spielt, wird ihre Darstellung...

Schließen