The Hole (2009)

Es ist ja schon eine Weile her, daß Joe Dante als Hoffnung des familienfreundlichen Schreckenskino hat gelten dürfen; man muß im Grunde bis zu den Gremlins-Filmen (1984, 1990) und zu Small Soldiers (1998) zurückgehen, um überhaupt Filme benennen zu können, mit denen er als Regisseur überzeugen konnte; danach kamen auch praktisch nur noch kleinere Arbeiten fürs Fernsehen. Mit The Hole möchte er nun offenbar in genau dieses Segment wieder hineinstoßen, daß er sich seinerzeit eröffnet hatte, und man kann dazu zweierlei sagen: Dies gelingt ihm, der Film aber, der will ihm nicht gelingen.

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Die alleinerziehende Mutter Susan (Teri Polo) zieht mit ihren zwei Söhnen (ein großer Teenager und sein kleiner Bruder) in eine neue Stadt, ein wenig auf der Flucht vor irgendwas (der recht banale Hintergrund wird später aufgeklärt) und in der Hoffnung auf ein wenig Stabilität. Der große Dane (Chris Massoglia) mag sich nicht gewöhnen, vor allem nicht an die Kleinstadtsuburbia, nachdem sie gerade aus Brooklyn weggezogen sind, sein Bruder Lucas (Nathan Gamble) ist da weniger abgeneigt, oder vielleicht: nicht so fatalistisch. Oder einfach noch jünger. Nebenan wohnt dann glücklicherweise die hübsche Julie (Haley Bennett), die Dane aus seinem Grummeln herausreißt. Dann finden die beiden Jungs im Keller ihres gemieteten Hauses unter einer verschlossenen Falltür ein tiefes Loch, das anscheinend keinen Boden hat, und alsbald geschehen seltsame Dinge…

Das Hauptproblem von Mark L. Smiths Skript (eigentlich erstaunlich, der Mann hat auch Vacancy geschrieben) und Dantes Ausführung ist, daß das alles viel zu bekannt ist: Die Kleinfamilie, die Dynamik zwischen den beiden Brüdern, die hübsche Nachbarin. Sogar die auftretenden Erscheinungen lassen sich allzu schnell entschlüsseln, wenn man ein wenig aufpaßt. Ja, man weiß sogar schon in den ersten Szenen, daß das reinliche Suburbia, in dem die Familie ankommt, natürlich bald dunkle Seiten bekommt – das ist schließlich in unzähligen Horrorfilmen so gewesen, das ist auch hier nicht anders.

In Gremlins hat Dante dieses Kleinstadtidyll allerdings noch von subversiven Kräften zerlegen lassen, hier bekommt weder die Nachbarschaft noch die Stadt an sich Gesicht oder Bedeutung; die vier Protagonist_innen sind die einzigen Figuren, denen auch nur ein wenig Leben eingehaucht wird, und schon die Mutter Susan bleibt erschreckend blass.

Gleichwohl ist es nicht das Hauptproblem des Films, daß man mit seinen Figuren nicht mitfiebern würde (obgleich man das nicht tut), oder daß er eigentlich sein Publikum allenfalls im frühen Teenageralter finden wird – für Kinder ist er zu gruselig, für horroraffine Erwachsene wohl zu fad. Sein Hauptproblem ist, daß er flach beginnt und ohne jeden Kratzer auf dem Bauch bis zu Ende kriecht; daß das Coming-of-Age der Hauptfigur Dane hier auf die plattest denkbaren Bilder reduziert wird (sein Begehren für Julie zum Beispiel spielt darin überhaupt keine Rolle) und sich alle Konflikte ohne auch nur die Andeutung einer Narbe lösen lassen.

Wäre er noch ein ganzes Stück schlechter, müßte man also schreiben: Der einzig bodenlose Abgrund dieses Films ist The Hole selbst. Aber damit täte man Joe Dante dann eben doch unrecht.

Fotos: Ascot Elite