Red Riding Hood (2011)

Kommt es mir nur so vor, als ob sich in letzter Zeit besonders viele Filme auf das Rotkäppchen-Märchen beziehen? Die britische Red Riding-Trilogie ist natürlich noch die offensichtlichste, in Trick’r Treat spielt die Geschichte eine Rolle, in Hoodwinked! natürlich sowieso, von Hard Candy zu schweigen. Und auch Hanna versteckt (nicht nur) dieses Märchen unter seiner Actionoberfläche.

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Wollte man böse sein, so bräuchte man nur zu behaupten, Regisseurin Catherine Hardwicke (Twilight) habe sich allein deshalb für dieses Projekt interessiert, weil es (wie in Twilight) eine pseudo-starke, schmachtende weibliche Hauptfigur gibt und im Hintergrund (wie in Twilight) ein Werwolf lauert. Natürlich ist der Film dennoch ganz anders als die Vampir-Schmonzette (sorry, ich bin schon beim zweiten Buch immer eingeschlafen und konnte Hardwickes Verfilmung kaum ertragen), aber eine wirklich aufregende neue Sicht auf den Märchenstoff bietet das Drehbuch von David Johnson auch nicht.

Der Film beginnt mit einem ausführlichen Flug über eine anscheinend am Computer erzeugte Märchenwelt – und genau dieser ästhetische Zugriff, das Märchenhaft-Artifizielle, bleibt dann auch die entscheidende Perspektive des Films. Sobald das Böse hier sein behaartes Haupt regt (auch wenn man’s noch nicht sieht), beginnt es zu schneien, und hört dann für den Rest des Filmes nicht mehr auf. Die Holzhütten in diesem angeblich ärmlichen Dorf sind solides Blockhäusermaterial, das alles pittoresk, aber eigentlich unpraktisch an- und nebeneinandergetürmt. Natürlich gibt es zwei Männer, die um die Hand der schönen Valerie (Amanda Seyfried) werben, und natürlich könnte jeder von ihnen auch der Werwolf sein, der den Ort heimsucht. Sie mögen sich nicht besonders, und zwar auf die plattest mögliche Weise. („If you are the wolf, I will chop your head off.“ – „And I will do the same to you.“ Werdet mal erwachsen, Jungs.)

Mit Gary Oldmans Father Solomon bricht dann ein bißchen dringend benötigter Wahnsinn in diese Geschichte ein, und gerne sähe man ihn seine Dracula-Zähne ausfahren, selbst auf das Risikio, damit wieder näher an Twilight zu rutschen; einfach nur, damit Oldman mehr zu sehen ist. Aber, alas, seine Rolle beschränkt sich hier auf den milde historisch begründbaren Wahnsinn (und zugleich eine Zwischenfigur zwischen Dracula und van Helsing), das wird recht bald geklärt und sich dann seiner vorhersehbar entledigt; wie man im übrigen auch recht blind sein muß, um die sonstigen Andeutungen über die Identität des Monstrums zu übersehen. (Man kann sich aber dennoch ein wenig täuschen.)

Es gibt haufenweise Seltsamkeiten in diesem Film; eine sehr steampunky daherkommende Apparatur, groß und aufwändig, die nach einer kurzen Szene niemand mehr braucht; ein rotes Cape, das zwar viel rumgezeigt, herumgetragen und ausgebreitet wird, aber doch seine ja nicht nur vagen Bedeutungsebenen psychosexueller und anatomischer Art bloß auf keinen Fall ausstellen soll. Was dabei herauskommt, ist ein ziemlich lieblos dahinkleckernder Film, der aus dem Märchen kaum mehr macht als ein Werwolf-Whodunnit mit schmalzigem Ende und seltsamer Geschlechterpolitik und -ikonografie, in der das Männliche (Schwarz, Mut, Ehre, Kraft, Lust) und das Weibliche (Rot/Weiß, Weisheit, Verständnis, Sehnsucht) einander Kontrastfolie sind. Altbackener geht’s ja nun kaum.

Immerhin sieht das alles von Anfang bis Ende gut aus, und nicht allein wegen Amanda Seyfried.

Foto: Warner Bros.

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