Thor (2011)

Irgendwie kann ich die Begeisterung für die neue Marvel-Verfilmung Thor nicht ganz teilen. Gewiß, der Film ist ordentlich gemacht und hinreichend flott inszeniert, daß keine Langeweile aufkommt. Die Erzählstruktur ist etwas eigenwillig – mit einer langen, sehr actionreichen Exposition – und die nordische Mythologie, die die Grundlage für diesen eigentümlichen Superhelden ist, wurde recht einfallsreich integriert. (Inwieweit das mit der Hintergrundgeschichte der Comics übereinstimmt, vermag ich allerdings nicht zu sagen; vielleicht können meine belesenen Leser_innen dazu Genaueres beitragen?)

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Zugleich aber ist Thor in allem zu viel: zu viel Krach und Getöse, zu viel CGI, das zudem übertrieben und künstlich wirkt – die Kostüme von Odin, Thor und ihren Gefährt_innen sehen aus wie das Plastik, aus dem sie vermutlich gemacht sind. Die Handlung ist, nordische Götterwelt hin, Kenneth Branaghs Shakespeare-Andeutungen her, dünn und brüchig wie nordisches Knäckebrot, aber das ist natürlich bei Samstagabendpopcornunterhaltung in Form einer Comicverfilmung kein wirklich valider Kritikpunkt. Daß sie bis in Details vorhersehbar bleibt, womöglich schon eher, weil es den unbeschwerten, auch hirntoten Genuß empfindlich stören kann; aber vielleicht übertreibe ich. Die geschätzte Jenny jedenfalls weiß durchaus einige starke Argumente für den Film aufzuzählen.

Was mich dann aber doch empfindlich nervt, ist die nur an der Oberfläche nicht altbackene Geschlechterordnung, die der Film vor sich herträgt. Gewiß, es geht hier um einen männlichen Helden, der (das verlangt gewissermaßen schon die Vorlage) natürlich im Mittelpunkt stehen muß. Und immerhin kehrt Branagh die immer noch üblichen Blickrichtungen dahingehend um, daß er Thor-Darsteller Chris Hemsworth ganz dezidiert und explizit zum Schauobjekt macht (siehe das Bild ganz oben), das von den Protagonistinnen (gegeben von Natalie Portman und Kate Jennings) bewertet wird. Und damit eben auch: Bewundert. Aber das ist im Actionkino nichts Neues, das läßt sich, mit weniger Selbstironie, schon bei den frühen Schwarzenegger- und Stallone-Filmen finden.

Geschenkt, außerdem natürlich, Thor ist ja der Held. Und sieht in der Tat gut aus. Aber daß die ihrerseits ziemlich gutaussehende Astrophysikerin (Portman) sich ohne das geringste Nachdenken in diesen etwas tumben und sehr arroganten Schönling verliebt, ist dann doch etwas, hm, eigenartig. Als ob sie solche Typen nicht schon zuhauf in Highschool und College erlebt hätte (und womöglich abwehren mußte), von sich selbst überzeugte Muskelberge mit charmantem Lächeln.

So darf eine Frau in Thor zwar ein bißchen klug sein, aber es darf keine allzu große Rolle spielen, schließlich wird sie dann doch rasch Randfigur und Hinschmachtende. Und die durchaus präsente Kämpferin Sif (Jaimie Alexander) aus Asgard ist auch dort, das wird extra betont, eine Ausnahmeerscheinung, deren Sichtbarkeit allenfalls ihre Besonderheit betont. Und natürlich leistet sie hier auch als Kämpferin nichts wirklich Außergewöhnliches. Die ungeschriebene Regel der Filme mit Superheld_innen lautet ja: Du sollst keine Superheld_in neben mir haben.

Das wird für The Avengers noch zu einem ernsthaften Problem werden, der so viele Singulärfiguren irgendwie zu einem Ensemble verschmelzen soll. Ob Regisseur Joss Whedon es wohl richten können wird?

Fotos: Paramount

Thor (2011), 5.0 out of 5 based on 1 rating

4 Gedanken zu “Thor (2011)

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