The Tourist (2010)

Ursprünglich erschienen in Deadline #27, Juni 2011

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Als Florian Henckel von Donnersmarcks Film Das Leben der Anderen 2007 mit dem Oscar als bester ausländischer Film prämiert wurde, stolzierte der Regisseur, die Älteren werden sich erinnern, mit Begeisterung vor Kameras umher und platzte schier vor übersteigertem Selbstbewusstsein. Der durch den Preis erworbene Ruhm dürfte der Grund gewesen sein, warum man ihm als ersten Hollywood-Film einen Thriller mit Angelina Jolie und Johnny Depp in den Hauptrollen anvertraute; zugleich dürfte die Produzenten beruhigt haben, dass Donnersmarck wohl nicht viel falsch machen könne beim Versuch, einen Streifen von Jérôme Salle neu zu inszenieren. Aber, ach und weh, Donnersmarcks Arroganz offenbart sich hier als leere Geste; sein Remake von Anthony Zimmer ist trotz oder ein bisschen auch wegen der zwei Superstars eine einzige Übung in Fremdschämen geworden.

Jolie darf meist nur hübsch und ahnungslos in der Gegend herumstehen, während Depp in diesem Film teigig und blass aussieht wie vielleicht noch nie in seiner Karriere; beide Schauspieler scheinen sich unendlich zu langweilen. Der Film beginnt in Paris und wechselt dann rasch nach Venedig, aber außer den abgegriffensten Postkartenbildern fällt Donnersmarck dazu visuell nichts ein, selbst Verfall ist bei ihm nur pittoresk. Die zahlreichen Verfolgungsjagden durch Kanäle und über Palastdächer sind langsam und gähnend langweilig, und selbst der böse Russe oder auch Engländer, der alle anderen Beteiligten gerne ermorden würde, wirkt kein bisschen furchteinflößend. Dass es eigentlich um ein Verwirrspiel geht, um geheime Identitäten und viel gestohlenes Geld, spielt sowieso sehr schnell nur noch eine oberflächliche Rolle – dafür ist das zu geradlinig abgefasst, so verwirrungslos, dass selbst Zuschauer, die Anthony Zimmer nicht kennen, bald allein aus Alternativlosigkeit den Twist am Schluss vorhersehen werden. Bestürzend auch, welche Leute selbst für kleinere Rollen engagiert wurden – Paul Bettany, Timothy Dalton, Steven Berkoff, Rufus Sewell – ohne dass Donnersmarck irgendetwas mit ihnen anzufangen gewusst hätte.

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