The Hangover Part II (2011)

The Hangover Part II ist vielleicht das, was man ein archetypisches Sequel nennen könnte, oder jedenfalls: die Bestätigung all der Vorurteile, die man über nachgereichte Zweitfilme so haben kann. Immerhin ist diesmal mit Todd Phillips noch der gleiche Regisseur mit an Bord wie vor zwei Jahren, ein Spezialist in Sachen Junggesellen- oder Großejungs-Filme also, der außerdem noch den gräßlichen Old School sowie Due Date gemacht hat. Dennoch: The Hangover Part II ist strukturell wie inhaltlich nahezu identisch mit The Hangover, auch wenn natürlich Figuren, Tiere, Entführungsopfer und -täter ausgetauscht und hin- und hergeschoben werden. Und statt „Viva Las Vegas“ ist es hier eben „One Night in Bangkok“.

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Diesmal soll Stu (Ed Helms) heiraten, der brave Zahnarzt, der sich im ersten Film im Drogeneinfluß mit einer Stripperin verheiratet hatte und dadurch letzten Endes aus seiner doch sehr beengenden Beziehung ausbrechen konnte – jetzt hat er sich mit Lauren (Jamie Chung) ein bezauberndes Wesen geangelt, von dem man nie so recht versteht, was sie an ihm findet, aber das spielt hier auch nicht wirklich eine Rolle. Frauen sind in der Hangover-Welt nachsichtige Randgestalten – durchweg positive Figuren, das sollte man vielleicht betonen, stets erwachsener oder mindestens vernünftiger als die Männer.

Das Erstaunliche an diesen beiden Filmen ist eigentlich, daß sie die Identitätskrisen der Männer praktisch ohne Bezug auf und Abgrenzung von Frauen bewerkstelligen. Es fehlt damit völlig jene tendenzielle Abwertung des anderen Geschlechts, die andere Jungsfilme so unangenehm macht. Natürlich geht es dennoch auch um (Hetero-)Sexualität und um das Überschreiten von Grenzen auch sexueller Natur; aber es sind immer die Männer, die dabei – wenn sie dann wieder klaren Kopfes sind – unentspannt auf eine irre Welt reagieren, auf die sie sich unter Drogeneinfluß entspannt eingelassen hatten.

Denn natürlich nimmt auch in The Hangover Part II ein diesmal sehr klein geplanter Junggesellenabend einen rapide anderen Verlauf, an dem sich Stu und seine Freunde plötzlich in einer Absteige in Bangkok wiederfinden – die Hochzeitsgesellschaft wartet so einige Kilometer entfernt an der thailändischen Küste -, mit einem Affen, dem abgeschnittenen Finger von Laurens Bruder Teddy (Mason Lee) und keiner Ahnung, was passiert ist – oder wo der Rest von Teddy steckt.

Die harmlosen Jungs aus der Vorstadt – der Zahnarzt, der verheiratete Grundschullehrer, der Irre – in der wilden weiten Welt. Nach und nach finden sie heraus, was sie in der vergangenen Nacht alles angerichtet haben; irgendwie geht immer alles gut, das ist natürlich die Vorbedingung, der Exzeß, aus dem sich der Humor des Filmes speist, ist hier nie fundamental bedrohlich, sondern eröffnet neue Möglichkeiten und Horizonte: Erst im Exzeß finden wir zu uns selbst.

Das ist, wenn man es recht bedenkt, nicht nur ein Topos des Jungmännerfilms der letzten Jahre – man denke nur zuletzt an Get Him to the Greek (meine Kritik) – erstaunlich nah an den hippiesken Selbstfindungsphantasien durch LSD und andere Rauschmittel – die 68er sind also im amerikanischen Mainstream angekommen: so brav sind sie aber dann doch (der verheiratete Grundschullehrer macht nämlich keine allzu schlimmen sachen), daß die wahren Exzesse vor der Hochzeit abgehakt werden müssen.

Fotos: Warner Bros.

The Hangover Part II (2011), 4.0 out of 5 based on 1 rating

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