4, 3, 2, 1 (2010)

Dies ist ein seltsamer Film, dicht dran und distanziert zugleich, ein Ensembledrama, das gleichzeitig ein wenig Actionfilm sein will, schnell und grob geschnitten in manchen Momenten, die an Tony Scotts Streifen erinnern. Und wenn er zerhackt wirkt, dann letztlich nicht einmal wegen der Schnittgewitter, sondern weil sich die vier Geschichten – vier Frauen, drei Tage, zwei Städte, „eine Chance“, aus dieser Reihung ergibt sich der Filmtitel – zuweilen zu viel Zeit lassen, wieder zueinander zu finden. Ein ganzes Viertel des Films ist mit dem Rest anscheinend nur durch die Notwendigkeit verbunden, eine der Figuren aus der Stadt zu kriegen, damit ihre Wohnung leerstehen kann.

Die Stadt ist London (die andere New York), und die Freundinnen Shannon (Ophelia Lovibond), Joanne (Emma Roberts), Cassandra (Tamsin Engerton) und Kerrys (Shanika Warren-Markland) haben ein aufregendes Wochenende vor sich, nicht zuletzt deshalb, weil Shannon eher versehentlich in den Besitz eines Beutels mit Edelsteinen gerät, hinter dem gleich mehrere unterschiedliche Gruppen her sind.

Regisseur und Autor Noel Clarke (auch in einer wichtigen Nebenrolle) lässt die Geschichte sich nach und nach entwickeln, in dem er das Wochenende viermal hintereinander, jeweils aus der Perspektive einer der vier jungen Frauen noch einmal neu erzählt; das Drehbuch vermeidet dabei gekonnt große Dopplungen, für die richtig großen Überraschungen reicht es allerdings leider auch nicht. Das interessierte Publikum wird dafür aber mit hetereosexuellen und lesbischen Bettszenen bedient, es gibt ein paar Prügeleien und für jede der Freundinnen ein bisschen Familiendrama.

Das entscheidende, verbindende Element aller vier Geschichten allerdings, die Freundschaft zwischen den vier Hauptpersonen, kommt im Film überhaupt nur am Rande vor – und so gelingt das von Clarke wohl beabsichtigte schwarzhumorige Gesellschaftsportrait im Geiste Guy Ritchies leider nur als halbwegs kurzweilige Unterhaltung.

Die Kritik ist zuerst 2011 in der Deadline erschienen.
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