Berlinale 2012: Tag 6 und 7 | Butt-kicking Babes
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16Feb/120

Berlinale 2012: Tag 6 und 7

Die Tage verschwimmen langsam miteinander, was auch an der Müdigkeit liegen kann, am Jonglieren mit Rollen und Anforderungen, das ich mir dieses Jahr aufgehalst habe, gerne natürlich: Aber es ist eben ein seltsames Ringen zwischen Potsdamer Platz und Büro anderswo, Bett und (figurativ) Wiege drittens. Ich liebe jedes dieser Teile.

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Einsam bin ich dabei nicht. Aber dennoch sind Filme von Einsamkeit, Isolation und Verzweiflung ja gerne mal überhand nehmend auf der Berlinale, dem Weltproblemfestival unter den Filmfestivals (or so they say). Das Antidot dazu gab Rentaneko, "die japanische Antwort auf Amélie Poulain, nur subtiler und abgründiger", wie ich gleich hinterher schrieb. Das glaube ich immer noch und habe es hier etwas differenzierter ausgeführt.

Der Film kursiert hier derzeit ein wenig als Geheimtip unter den Kolleg_innen, ich glaube aber: wirklich im Sinne eines Antidot gegen all die Schwermut. Und dann finden auch nicht alle den Film toll, aber andere bleiben dran kleben.

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Dann war schon der nächste Tag (gestern); jetzt, kurz vor Festivalschluß, meine erste Wettbewerbs-Pressevorführung im Berlinale-Palast, ganz oben im 2. Rang mit ein paar netten Kolleg_innen. Wir lästern ein wenig über S.' ordentlich geführten (Papier-)Festivalkalender, mit dem sie von uns allen den besten Überblick darüber hat, was sie wann wo tun muss, während wir uns auf unser "Streichelfon" (S.) verlassen. Wehe dem, der von der Technik verlassen wird an solchen Tagen. Oder sein Telefon vergißt.

Bai Lu Yuan - White Deer Plain - also aus luftiger Höhe, von oben herab, betrachtet. (Schwindelfrei muss man sein, da oben.) Eine monumentale Soap-Opera, ein Genderdrama mitten im klassischen Rollendasein, und am Schluss stirbt die Frau durch die Hand eines Mannes, den sie vorher gedemütigt hat. Im Hintergrund geschieht eine Revolution - wir sind mitten im China des frühen 20. Jahrhunderts -, aber die Landwirtschaft und ihre Mittel bleiben noch immer gleich, und auch die Geschehnisse im Theater des Lebens. Politisch mag sich vieles umwälzen, es kommt doch bei den Menschen am Boden nicht an.

Das ist als großes Menschheitstheater inszeniert, wechselnd zwischen grandiosen Landschaftsaufnahmen und Szenerien wie aus Bühnenbild. Und die Wunde am Ende ist nicht nur anatomisch bescheuert positioniert - man sticht nicht so einfach durch ein Schulterblatt hindurch -, sondern auch noch das schlechteste CGI des Festivals: sie zuckt nicht, wenn die Sterbende sich windet, und dadurch sieht es aus, als wandere sie.

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Anschließend stehen vier gestandene Filmkritiker noch eine Viertelstunde vor der Tür und versuchen sich daran, die Verwandtschaftsverhältnisse des Filmes auseinanderzudividieren. Ich darf gleich sagen: So ganz ist es uns nicht gelungen. Wer jetzt mit wem verschwägert, blutsverbrüdert oder verpatet war ---

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Spät nachts dann schließlich Haywire in großer Premiere. Vom Saal aus kann man vor der Vorstellung per Leinwand den Roten Teppich beobachten; da verbringen die Stars viel Zeit, auf der Bühne später, nach Filmende, nur sehr wenig. Es ist aber auch sehr spät: Gegen halb zwei spuckt uns der Palast wieder auf die Straße.

Haywire - Roter Teppich

Toller Film übrigens; Nino und Thomas haben dazu schon fast alles Wesentliche gesagt, während ich mich jetzt an den dazugehörigen Text werfe. Gina Carano macht übrigens den Eindruck, als würde sie nicht nur in ihrer Rolle, sondern auch im wahren Leben lieber aufs Abendkleid verzichten (das allerdings zur Premiere auch schwarz, kurz und aus Leder war). (Eine ausführliche Kritik gibt es jetzt hier.)

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