Süßes Gift – Hilfe als Geschäft (2012)

Süßes Gift

Dass die Form, in der Entwicklungshilfe geleistet wird und geleistet wurde, inzwischen das eigentliche Problem sein könnte, das viele afrikanische Gesellschaften an einem wirtschaftlichen Aufstieg hindert, ist ja mittlerweile eigentlich keine besonders originelle These mehr. Peter Heller hat jetzt mit Süßes Gift – Hilfe als Geschäft zu diesem Thema einen so unvollkommenen wie interessanten Film gemacht, dem viele Kontextualisierungen fehlen und der dabei aber doch die beschriebene Position klar vertritt: dass jedenfalls die Entwicklungshilfe in ihrer jetzigen Form eher schadet als nützt und die Menschen nicht aus Unmündigkeit und Abhängigkeit befreit, sondern sie genau darin belässt.

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Man bekommt das hier sehr schön an wenigen, konkreten Beispielen aus Mali, Kenia und Tansania dargestellt, und die Argumente werden hauptsächlich von Personen vertreten, die – so dürfen wir vermuten – die lokalen Verhältnisse und Entwicklungen wesentlich besser kennen als die meisten Menschen im reichen Europa.

Hellers Kronzeugen bieten dabei weder einfache Lösungen noch widerspruchsfreie Analysen an, aber in der Tendenz sind sie sich eben doch einig, und das darf zu denken geben. Dass dabei in der Kürze der Zeit vieles verloren geht, mag angehen – da wird schonmal Afrika zu einem „Land“, die Afrikaner zu einem „Volk“, als gebe es da nicht ganz erhebliche kulturelle, wirtschaftliche und politische Unterschiede; und ein Problem scheint eine durchaus problematische Lösung zu finden, als ein afrikanischer Investor nach Viktoriabarsch fischen will – wer Darwin’s Nightmare gesehen hat, dem eröffnet schon die Nennung dieses Fisches eine große Breite an politischen und wirtschaftlichen Implikationen (die gleichwohl mit Entwicklungshilfe nichts zu tun und deshalb wohl in Süßes Gift nichts zu suchen haben).

Aber ich schweife ab, oder? Nunja – so klar Süßes Gift seine Argumentation darlegt, so viele Fragen bleiben offen; die afrikanischen Städte etwa kommen erst in den letzten vier Minuten in einer dynamischen Monatesequenz vor. Aber letztlich geht es ja auch nicht um Antworten, sondern um neue Fragen.

(Foto: W-Film)

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