Violet & Daisy (2011)

Noch haben sie einen gewissen Schockwert, mordende Mädchen, junge Frauen mit der Knarre in der Hand. Aber VIOLET & DAISY legt es gar nicht auf den Schockwert an. Es gibt einen furiosen Einstieg, ein choreographiertes Gemetzel, in dem die Kugeln nur so fliegen und das Blut spritzt, und danach wird es fast bedächtig, nachdenklich; dann löst sich der Film auch vom dröge Chronologischen und fängt an zu forschen, in den Gedanken und Träumen der beiden Titelheldinnen (wunderschön: Alexis Bledel und Saoirse Ronan). Die sind noch nicht so richtig erwachsen, das Dasein als Auftragskillerinnen scheint eher zufällig, sie sind fast erschreckend harmonisch und genügsam miteinander, aber gelegentlich stammen die Sätze, die sie sagen, aus den Ratgeberspalten ihrer Illustrierten: „Everything’s a test when you’re a career woman.“ Die machen einen Job eigentlich nur, weil sie ihrem Popstar-Idol nacheifern, zum Konzert wollen, ihre Kleider kaufen. Und dann geht alles schief – sie schlafen in der Wohnung der Zielperson auf dem Sofa ein, und als der nach Hause kommt (James Gandolfini in einer seiner letzten Rollen), deckt er sie warm zu und macht ihnen dann was zu essen.

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Im Grunde schickt der Mann, längst todgeweiht und zum Tod bereit, sie auf eine Reise zu sich selbst; da wird es dann gelegentlich surreal und blutig, eine andere Killerin, ganz oben in der Hierarchie der Unterwelt, wird zum Schutzengel, und am Ende des Tages gibt es viele Tote, Geschenke und das vage Gefühl von etwas mehr Reife. Das ist zu bedächtig und verworren, um richtig spannend zu sein; aber Geoffrey Fletcher (er hat vorher das Drehbuch zu PRECIOUS geschrieben) gelingt in seinem Erstling eine verträumte Atmosphäre mit rabiaten Brüchen, von der man sich gerne aufsaugen lässt. Und clever ist es zudem, anspielungsreich und schön anzusehen, nicht nur der beiden Protagonistinnen wegen.

(Zuerst erschienen im September 2013 in der deadline #41.)

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