Das kalte Herz (2016)

Man muss auf jeden Fall und wenigstens dies sagen: Es ist ein Wagnis, einen solchen Film zu versuchen. Märchenverfilmungen aus Deutschland haben, mit hart erarbeiteter Basis in bedauerlichen Fakten, nicht unbedingt einen guten Ruf. Daraus werden meist Fernsehfilme für den Sonntagvormittag, also harmlos und kindertauglicher, als es für viele Kinder sein müsste; mit einem Wort: eher langweilig. Das kalte Herz will das alles nicht sein, sondern düster und ernsthaft, und wenigstens ein bisschen brutal, etwas blutig. Das gelingt, sagen wir es geradeheraus: nicht immer so richtig gut.

Die Darsteller mühen sich nach Kräften, vor allem Frederick Lau als Hauptfigur Peter Munk und David Schütter als Bastian, der mit ihm um Lisbeth (Henriette Confurius) konkurriert. Auch Milan Peschel als wild geschminktes Glasmännchen kommt noch ganz gut an, aber Moritz Bleibtreus Holländer-Michel, der eigentliche Bösewicht im ganzen Ensemble, wirkt dann doch etwas übertrieben. Er darf aber auch nicht allzu viele Nuancen entwickeln – das kommt bei allen anderen Rollen doch noch etwas stärker heraus.

Regisseur Johannes Naber hatte vorher mit Zeit der Kannibalen einen ganz anderen Film gedreht, ein Groteske vom Puls der Gegenwart, fast ein Kammerspiel… für Das kalte Herz will er nun das Märchen von Wilhelm Hauff für’s Publikum ein wenig in Richtung Fantasy und zugleich aber die sozialen Grundlagen der Erzählung herausarbeiten. Das funktioniert auf einer schlichten Ebene zunächst ganz gut, aber je emotional komplexer die Handlung werden könnte, desto deutlicher wird, dass es für die fast zwei Stunden Laufzeit dann doch nicht genug zu erzählen gibt. Dafür ist der Film dann auch visuell zu platt: Moralische Verhärtung und Läuterung lassen sich sofort an Kleidung und Frisur ablesen, die Konflikte zwischen richtig und falsch sind dann doch etwas zu schlicht, Grauzonen und Komplexitäten lagern sich eher auf die Nebenfiguren aus. Das Happy End, immerhin, steht so oder etwas anders auch schon im Märchen.

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

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