Luna (2017)

Es geht eigentlich sehr vielversprechend los. Luna möchte eigentlich noch weiterfeiern, aber es geht ja früh los am nächsten Morgen – wie das so ist für Teenager in den Ferien, die schon selbständig sind, aber doch noch mit den Eltern in Urlaub fahren müssen. Sie fährt dann gleich mal mit dem Boot auf den See raus, Kopfhörer im Ohr, Bergpanorama vor Augen – und bekommt zunächst nicht mit, wie die Männer kommen, die russisch sprechen und Pistolen ziehen.

Im Handumdrehen ist Luna auf der Flucht, die einzige Überlebende ihrer Familie, von allen gesucht – und erst einmal ist nicht so ganz klar, warum überhaupt. Dann taucht Hamid (Carlo Ljubek) auf, der mit Lunas Vater als Agent für den russischen Geheimdienst gearbeitet hatte – nur war sein Freund gleichzeitig auch noch Doppelagent für den BND. Khaled Kaissars Luna macht aus seiner Titelheldin keine übermenschliche Spontankämpferin, und so sieht man Lisa Vicari eine Weile dabei zu, wie ihre Luna mehr und mehr zum Spielball der Agentenwelt wird und sich erst im letzten Drittel wieder ein wenig Handlungsmacht erobert (auch wenn dann am Schluss ein ziemlich unrealistisches Ende drangeflanscht ist, aber was soll man machen).

Einigermaßen überzeugende Agentenfilme sind rar im deutschen Kino, und Kaissar hält eine lange Weile auch alle Fäden ganz gut in der Hand – inklusive natürlich, das braucht das Genre, einer Verwicklung höherer Kreise: Ohne Spionage und Gegenspionage wäre das alles nicht so spannend. Leider wird der Film allerdings in vielen Details unaufmerksam und nachlässig, und das schadet natürlich immer dann, wenn man, auf der Suche nach Hinweisen und Besonderheiten, in jeder Szene genau hinschaut. Carlo Ljubek (Tatort-Schauer werden ständig hoffen, dass nicht plötzlich auch noch Til Schweiger auftaucht: tut er nicht) macht seine Sache ebenso gut wie Branko Tomović als sein Antagonist – nur wäre es halt schön gewesen, wenn der Film etwas konstanter super wäre und seine Titelfigur auch eine wirkliche Hauptrolle hätte.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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