Lost Girls and Love Hotels (2020)

Die junge Amerikanerin Margaret lebt in Tokio und verdient ein wenig Geld, indem sie jungen Japanerinnen, die Flugbegleiterin werden möchten, an einer Schule die richtige Aussprache des Englischen beibringt. Abends trifft sie sich oft mit ihren Freunden Ines (die wunderbare Carice van Houten in einer viel zu kleinen Rolle) und Liam in einer Kneipe und betrinkt sich, anschließend sucht sie nach sexuellen Abenteuern mit japanischen Männern, mit denen sie dann gemeinsam in ein „Love Hotel“ geht.

Alexandra Daddario ist für diese verletzte, verletzliche Figur natürlich eine physisch perfekte Besetzung, mit blasser Haut und großen runden, blauen Augen, zugleich ein ätherischer Fremdkörper in einer Welt, die Regisseur William Olsson nachts in Dunkelheit und Neonlichter hüllt, die aber tagsüber so gewöhnlich und durchschnittlich wirkt, ein wenig desaturiert, dass man Margarets Wunsch nach Flucht noch einmal anders verstehen kann.

Sie will jedenfalls fort von ihrem Zuhause in den USA; anders als wohl in der Romanvorlage von Catherine Hanrahan (sie schrieb auch das Drehbuch) geht der Film nicht näher darauf ein, welches Trauma sie von dort mitgebracht hat – nur der Wunsch nach Betäubung und Selbstvernichtung bleibt.

Dazu passt, dass Margaret sich dann in Kazu verliebt, einen Yakuza, der sie erst umwirbt, aber schließlich zurückweist, weil er heiraten wird. Die junge Frau verlangt dennoch nach mehr: Ausnüchtern, indem man einfach weitertrinkt, so nennt sie ihr Verhalten gegenüber einer Freundin am Ende. Der Film folgt dieser Erzählung, dass es erst schlimmer werden müsse, bevor es besser wird, einigermaßen konsequent; und während Daddario und ihr Co-Star Takehiro Hira das mit Leben, Sehnsucht und Traurigkeit füllen, kann der Film am Ende seine großen Gesten von Heilung und Wiedergeburt dann doch nicht ganz überzeugend auch in Handlung und Figuren gießen. Da ist ein wenig zu viel Oberfläche an und zu wenig Tiefe in den Figuren.

Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.