The Best & the Wurst of 2009

(Bin spät dran; weitere Gedanken zum Filmjahr 2009 etwa von Peter, Thorsten, Sascha, Stefan, Thomas, Abspannsitzenbleiber und Lukas.)

Ich habe im vergangenen Jahr lange nicht so viele Filme gesehen, wie ich gerne hätte sehen wollen; vor allem habe ich viele (noch) nicht gesehen, die mir wichtig gewesen wären, namentlich etwa The Hurt Locker, Eastwoods Gran Torino, Moon, Milk, In the Electric Mist, The Fall, Thirst, The Wrestler, Adventureland oder Fish Tank. Etwa die Hälfte davon steht schon als DVD in meinem Regal oder ist bestellt, und da ich in den nächsten Wochen mehr Zeit haben werde, bin ich optimistisch, da einiges nachholen zu können.

Beginnen wir ganz unten, und ganz am Anfang. Mein erster Film des Jahres war zugleich einer der schlechtesten, den ich 2009 gesehen habe: The Spirit (meine Kritik). Ähnliche Erlebnisse boten Twilight, 300 und The Unborn, übertroffen allein und fulminant nur von The Mutant Chronicles, dem wirrsten und planlosesten (not in a good way) Film des Jahres, den zu verstehen mir nur dadurch möglich war, daß ich, es irrtümlich für die Romanvorlage haltend, vorher das Buch zum Film gelesen hatte, das in der Tat besser ist als der Film. Was wirklich kein Lob ist.

Weitere echte Belästigungen für Auge und Ohr waren Miss March, ein schwächlich-machististischer Teenagertraum (meine Kritik), und The Marine, der alles vereint, was Actionfilme uninteressant machen kann. Unglücklicherweise gibt es davon sogar noch eine Fortsetzung, allerdings ohne John Cena.

Zu den Besten des Jahres gehören für mich jedenfalls nicht die Großfilme wie 2012 (meine Kritik) oder Avatar. Die laufen allenfalls unter „interessant“, was ebenso auch für die kleine Kontroverse um Gamer gilt, den ich eher mau fand („Schrott auf hohem Niveau, näher kommt das Kino dem Cyberpunk nur selten.“), eine Einschätzung, die wohl die meisten Kritiker_innen teilen, dem aber Ekkehard Knörer und Steven Shapiro einiges abgewinnen können, und das mit guten Argumenten. Ich werde mich wohl bei Erscheinen der DVD noch einmal damit auseinandersetzen.

Viele „meiner“ Filme des vergangenen Jahres waren wirklich gut (die meisten sind hier bei moviepilot aufgelistet, mit vage hilfreichen und immerhin teilweise zutreffenden Bewertungen in Punkten von 10), und ich habe mich zum Beispiel gefreut, daß ich endlich Zeit für Donnie Darko und Southland Tales hatte, kurz bevor Richard Kellys neuer Film The Box hier zu sehen war.

Und dann waren da aber auch noch die Watchmen, die immerhin so gut funktionierten, daß man nicht schreiend aus dem Kino rennen mußte, auch wenn der Film gegen die Wucht und Enzyklopedität der Vorlage eigentlich nicht einmal näherungsweise anrennen konnte und letztlich doch zu sehr in die Falle lief, Superheld_innen primär gut zu finden. Und natürlich hat der Film den besten Vorspann des Jahres.

Was war das Beste am Filmjahr 2009? Erst einmal die Animationsfilme: Up, Coraline und Cloudy With a Chance of Meatballs sind auf ihre je sehr eigene Art witzig, flott, emotional und ernst. Kaum etwas kann die Möglichkeiten dieser Technik besser zeigen als dieser wunderbare, im zweiten Teil fast ohne Worte auskommende Clip aus Up:

Mein Film des Jahres war im Rückblick wohl dann doch Tarantinos Inglorious Basterds, über den Thorsten so kluge Dinge geschrieben hat, daß ich lieber schweigen möchte. Aber die brennende Leinwand: Toll! Die langen Dialogszenen im Bauernhaus und in der Kneipe: Umwerfend! Christoph Waltz: Jeder Auszeichnung würdig. Etcetera.

Die ersten Verfolger fahren dicht auf und in engem Pulk: Antichrist natürlich (meine Kritik), prätentiös und gelegentlich maniriert bis an die Grenze, aber ungemein effektiv und in jeder Hinsicht unter die Gürtellinie zielend. Langweilig ist dieser Film jedenfalls nicht, selbst wenn man Lars von Trier dafür aufrichtig und lange beschimpfen möchte. Dann Hanekes Das weiße Band, der unter seiner Oberfläche so einiges zu verstecken weiß. Zu Bronson (meine Kritik) und The Brothers Bloom (meine Kritik) habe ich mich schon ausführlich geäußert, und so fehlt nur noch ein Film zum Jahresabschluß, über den ich mir zugleich noch nicht ganz sicher bin.

Bei Where the Wild Things Are frage ich mich nach wie vor, ob dieser Film nicht Eltern auf eine sehr direkte Art gänzlich anders anspricht als Nicht-Eltern: Weil mir die ganzen Szenen mit den „Wild Things“ in ihren zugegeben tollen Kostümen recht bald langweilig wurden und zu sehr als küchenpsychologische Rumklempnerei erschienen (um es jetzt mal sehr platt ins Blaue hinein zu formulieren), während ich vor allem den Anfang und den Schluß, die Auseinandersetzungen von Max mit seiner Schwester, deren Freunden sowie mit seiner Mutter, derartig herzzerreißend präzise fand, so sehr mit elterlichen Ängsten um ihre Kinder korrespondierend. Ist das nun längst nicht mehr unbewußte Furcht des Vaters um das Dasein seiner Kinder, oder bin ich da auf eine kleine Wahrheit gestoßen? Da würde mich Eure Meinung doch interessieren.