Resident Evil: Afterlife – neuer Trailer

Ein neuer Trailer für Resident Evil: Afterlife ist seit wenigen Stunden im Netz unterwegs, und ich freue mich, dem sehr hohen Trashfaktor zum Trotz, zumindest ein bißchen scheckig. Hier wird allerdings noch deutlicher, worauf le M. schon neulich zurecht hinwies: Daß man offenbar für diesen vierten Film die Franchise heftig mit Elementen aus den Blade– und den Matrix-Filmen aufpeppen will. Sowie mit vielerlei Standardelementen aus jeder anderen Actionfranchise da draußen. Oh, und Beile fliegen in den Zuschauerraum, weil es natürlich 3D sein muß.

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Sólo quiero caminar [Las Bandidas] (2008)

Las Bandidas

Sólo quiero caminar, der in Deutschland als Las Bandidas – Kann Rache schön sein! von Sunfilm (amazon-Link) vertrieben wird, ist wie Sexykiller ein schönes Beispiel dafür, wie das spanische Kino mit Genreschablonen umzugehen weiß: sie elegant umtanzend nämlich. (Nein, wir bringen jetzt keine Flamenco-Einlage, bitte. Das wäre doch zu platt.) Und für mich ist es ein weiterer Hinweis darauf, daß ich mich mehr dem iberischen Kino widmen sollte, nachdem auch Gordos mich so positiv überrascht hat, und Hierro nicht eben minder. (Entsprechende Filmvoschläge übrigens gerne in die Kommentare.)

Hier nun haben wir es mit einem wohltuend sperrigen Rache-Heist-Drama zu tun, das sich eine ganze Weile Zeit läßt, bis es so richtig zur Sache kommt.

Nachdem ihr Versuch fehlgeschlagen ist, den Safe eines Russen (der anscheinend sein Geld auch nicht legal verdient) um einige Edelsteine zu erleichtern, verteilen sich die vier daran beteiligten Frauen in alle Winde: Aurora (Ariadna Gil) wandert ins Gefängnis, von wo Paloma (Pilar López de Ayala) sie unbedingt herausbekommen will, während Gloria (Victoria Abril) weiter Pläne schmiedet. Ana (Elena Anaya) hingegen, Auroras Schwester, arbeitet als Prostituierte. So lernt sie den Gangster Félix (José María Yazpik) kennen, der ihr einen Heiratsantrag macht – von seinem Geld wie seinem Charme im ersten Moment gleichermaßen geblendet, folgt sie ihm nach Mexiko.

Las Bandidas

Die Männer in diesem Film sind, mit einer Ausnahme, sämtlich großkotzige Angeber, die auf Emotionen und in Tateinheit auch auf Frauen mit Herablassung, wenn nicht Verachtung reagieren. (Außer natürlich auf die „Patin“ im Hintergrund, Doña Amelia [Ana Ofelia Murguía] – was aber nur unterstreicht, daß die planvoll, beherrscht und bewußt agierenden Figuren in diesem Film praktisch immer Frauen sind.)

Félix ist rasch enttäuscht von seiner jungen Frau, die sich so gar nicht an seine Vorstellungen anpassen will – irgendwann stößt er sie aus dem Auto, Ana fällt ins Koma, und ihre Freundinnen und ihre Schwester schwören Rache.

Sólo quiero caminar ist ein sehr schweigsamer Film – vor allem die Frauen, die Hauptfiguren, sprechen kaum miteinander, es gibt keine Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen, auch über die Planungen für ihre Raubzüge werden wir völlig im Unklaren gelassen. Der Film ist deshalb auch kein weibliches Ocean’s Eleven, auch wenn seine Struktur das zunächst anzudeuten scheint. Es fehlten die Wortwechsel, vor allem aber die Leichtigkeit und die ironische Distanz zum Geschehen.

Las Bandidas

Denn Regisseur Agustín Díaz Yanes (der zuvor Alatriste gemacht hatte) meint es ziemlich ernst mit seinen Protagonistinnen und dem Geschlechterkampf. Allzuviele Machtspielchen werden in diesem Film über die Körper der Frauen ausgetragen, sie haben verfügbar zu sein und gefügig, und in einer Szene macht Díaz Yanes dafür die Parallele zwischen Phallus und Waffe unmittelbar und äußerst vulgär sichtbar.

Las Bandidas - DVD-CoverIn all seiner Arroganz hat Félix eine vage Ahnung davon, was ihm noch bevorstehen könnte, aber er kann es nur in die Ahnung von Fremdheit fassen: „Das sind Spanierinnen, Mann“ sagt er zu seiner rechten Hand, seinem Auftragskiller und Freund Gabriel (Diego Luna), als würde das irgendetwas erklären.

Dieser Gabriel ist ein einsamer Wanderer, natürlich an Delons Samouraï orientiert, den Filmtitel sieht man irgendwann an einer alten Kinofassade stehen, und er ist, obgleich als ohne Zögern mordend inszeniert, unter den Gesetzlosen der Mann mit Prinzipien, der Frauen und Kinder nicht schlägt und nicht tötet und den Félix‘ Verhalten zunehmend abstößt.

An ihm dekliniert der Film durch, wie sehr es der grenzenlose Egoismus, die völlige Wertelosigkeit ist, die Félix und seine Männer schließlich in den Untergang treiben; die drei Frauen sind da nur die ausführenden Rachegöttinnen, Erinnyen gleich, die das Uhrwerk ihrer Taten in Bewegung setzen, bis sich schließlich die tötenden, vergewaltigenden, schlagenden Männern die Schicksalsfäden gegenseitig zerschneiden.

Fotos: Tiberius Film

Die Damen lassen krachen (Trailershow)

Daß der Autor dieses Blogs, dessen Titel eine gewisse filmische Vorliebe seinerseits schon im prominent gezeigten Titel vor sich her trägt, in seinem Herzen eine sehr weiche Stelle für Milla Jovovich hat, mag man ihm, bei all deren schauspielerischen Schwächen, bitte und gerne nachsehen. Und weil er zudem Actiontrash ebensowenig abgeneigt wie er dem Zombiefilm herzlich zugeneigt ist, freut er sich, allen Unkereien zum Trotz, dann eben doch auf Resident Evil: Afterlife, den vierten Film der Franchise (hier meine Besprechung zu Nummer 3, Extinction) der zu allem knallbunten Überfluß auch noch in 3-D zu sehen sein wird. Im Trailer wumst es gewaltig und weitgehend sinnfrei.

Noch mehr freue ich mich freilich auf einen der neuen Filme mit Angelina Jolie (die zu verehren dieses Portrait einige Gründe bereithält), nämlich Salt, in dem sie eine amerikanische Agentin spielt, die vielleicht zugleich eine russische ist – ein Film, der schließlich auch deshalb sehenswert ist, weil Liev Schreiber und Chiwetel Ejiofor mitspielen.

Echelon Conspiracy (2009)

echelon_dvd

Achtung, diese Besprechung enthält so einige Spoiler. Nur als Warnung.

Es hat Echelon Conspiracy (bei Koch Media) nicht besonders geholfen, daß es im Windschatten von Eagle Eye (meine Kritik) auf den Markt kam – natürlich liegt das Thema Überwachung und Kontrolle im Zusammenhang mit den Möglichkeiten moderner Computertechnik nicht nur auf der Hand, sondern buchstäblich auf der Straße und auf jedem Schreibtisch. Die Spatzen pfeifen es ja von den Dächern, was zombiefizierte Computer, allgegenwärtige Handys etc. alles so an Überwachungsmöglichkeiten bieten können, die noch gar nicht ausgelotet und (hoffentlich) nicht genutzt sind.

Aber wie die Dinge stehen, kann Greg Marcks‘ dritter Film (zuletzt hatte er 2003 den gar nicht so schlecht rezpierten 11:14 gemacht) natürlich nur als kleiner Bruder des großen Shia-LaBeouf-Vehikels wahrgenommen werden, der Vergleich liegt nahe und sieht erst einmal nicht gut aus. Überall scheint das kleinere Budget durch: die Schauspieler sind nicht so bekannt (und nicht so teuer), die Verfolungsjagden nicht so lang und vor allem nicht so crashlastig, die Handlung spielt größtenteils nicht in westlichen Großstädten, sondern in osteuropäischen Metropolen.

Aber das heißt eben auch: die Verfolgungsjagden sind nicht so tumb, laut und langatmig, die ganze Handlung spielt sich auf einem Niveau ab, daß deutlich geerdeter wirkt als in Eagle Eye, und hat tatsächlich ein bißchen Zeit dafür, die Dynamik zwischen den Figuren ein bißchen in Bewegung zu bringen.

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Trailer: Hit-Girl kicks Ass

Ich bin mir bei Kick-Ass noch nicht sicher – weder über meine Erwartungen noch deren Gründe. Die Vorlage für diesen Film stammt jedenfalls aus der gleichen Feder wie der reichlich misanthrope Wanted-Comic, das sagt aber natürlich noch nicht viel über das Endergebnis aus.

Menschenfreundlich wird es jedenfalls womöglich nicht zugehen, und dieser Trailer – solche Werbeeinblendungen sind jedenfalls kein Schwerpunkt dieses Blogs, und das soll gerne soll bleiben – fällt in den engeren Aufgabenbereichs dieser Aufzeichnungen, wie ihr Titel schon anzeigen soll.

Deshalb without further ado, hier der frisch erschienene Red Band Trailer zu Kick-Ass, der sich ganz der jugendlichen „Hit-Girl“ widmet, dargestellt von Chloe Moretz.

(Hit-Girl tauchte auch schon in einem vor kurzem veröffentlichten Clip zusammen mit ihrem Filmvater Nicholas Cage auf; und hier gibt es einen weiteren Trailer zum Film.)

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Jennifer’s Body (2009)

Update 13.11.2009: Dieses sehr lesenswerte Portrait von Megan Fox, das zugleich eingehende Analyse ihrer star persona ist (und ihrer eigenen Rolle in der Herstellung derselben) läßt meine letzten paar Absätze unten durchaus noch ein bißchen weiter ausgreifend schillern. Unbedingt empfehlenswert.

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Ich habe mich schon einigermaßen ausführlich auf critic.de zu Jennifer’s Body geäußert, für den ich nach wie vor und auch nach längerem Nachdenken sehr gemischte Gefühle hege.

Ein paar Gedanken und Anmerkungen habe ich, vor allem aus Gründen der Textökonomie, für den Text weggelassen, darauf möchte ich hier noch kurz eingehen. (In der Kritik stehen alle Basisinformationen, auf die ich mich z.T. beziehen werde, die eine oder der andere wird die also vorher lesen wollen… ;-) )

Ein Nebenaspekt, der mir ganz gut gefallen hat, ist die Auseinandersetzung mit dem Post-9/11-Gedenkkitsch, die hier zunächst frontal thematisiert wird und später in der Art und Weise aufgeht, mit der die Menschen von Devil’s Kettle (den gleichnamigen Wasserfall, der im Film eine Rolle spielt, gibt es übrigens tatsächlich) das Gedenken an die Toten des Feuers in der Bar und an die ermordeten jungen Männer praktizieren.

Es beginnt mit einem 9/11-Cocktail, den Jennifer den Bandmitgliedern von „Low Shoulder“ anbietet – in den amerikanischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot, aber man muß schnell trinken, bevor sich die Farben zu einer braunen Suppe vermischen. Das geht dann weiter damit, daß das Gedenken an das Leiden anderer explizit zur Gemeinschaftsbildung dienen soll – inklusive „inoffizieller Hymne“, natürlich von „Low Shoulder“.

Die Art und Weise, wie der Cocktail präsentiert wird, manifestiert die distanzierte Haltung des Films zu solchen Mechanismen, und die Fortsetzung dieses Themenstrangs durch den ganzen Film ist deshalb sicher kein Zufall. Möglicherweise habe ich dabei noch einige Stellen übersehen, an der sich der Film kritisch auf Konzepte wie Nation oder Gemeinschaft bezieht – für entsprechende Hinweise wäre ich sehr dankbar.

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Genevieve/ScarletScribe hat ausführlich argumentiert, warum sie Jennifer’s Body für einen feministischen Film hält; ich bin allerdings noch nicht vollständig von den Argumenten überzeugt.

Natürlich trifft es zu, daß es hier zwei weibliche Hauptpersonen gibt, die nicht nur ausführlich miteinander reden, sondern die auch Interessen haben und miteinander Teilen, die nichts mit Männern zu tun haben – der Film erfüllt also in doppelter Hinsicht den Bechdel-Test, einen möglichen Indikator für Sexismus im Film. (Daß die beiden dennoch an Männern interessiert sind, wenn auch mit unterschiedlichen Motiven – Liebe, Nahrungsaufnahme – spielt dabei keine Rolle.)

Aber genügt es schon, daß ein Film nicht sexistisch ist, um ihn feministisch zu nennen? Es gibt wahrlich nicht genug Filme, die starke Frauen so in den Vordergrund rücken und bei denen auch noch Regie und Drehbuch in Frauenhand liegen, alles heftige Desiderata, aber eine explizit oder implizit politische Position des Films erscheint mir für eine solche Einordnung doch wichtig. Oder sind wir feministisch schon so ausgehungert, daß ein nicht-sexistischer Film gleich als politisches Statement gelten muß?

Oder versteckt sich hier ein politischer Film, und ich habe es nur nicht so genau bemerkt? Ich lasse mich da gerne auf Details oder große Linien aufmerksam machen.

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Stark finde ich an Jennifer’s Body die Art und Weise, wie der Film und Megan Fox mit Fox‘ star persona spielen, denn natürlich ist sie für diese Rolle nahezu perfekt besetzt, gilt sie doch als „Sexbombe“ mit großer Klappe und wenig Hirnschmalz. (Daß sie ihre Rolle nicht mit etwas mehr Tiefe auszustatten weiß und vielleicht wirklich keine besonders talentierte Schauspielerin ist, ist eine andere Sache.)

Hier liegt, glaube ich, auch ein Punkt in dem sich Genevieve in ihrem oben verlinkten Text irrt: Denn natürlich kann man Fox‘ Jennifer dafür kritisieren, daß sie sich selbst als Sexualobjekt wahrnimmt und so wahrgenommen werden will. Allerdings ist sich Jennifer zugleich sehr darüber bewußt, daß sie aus der Umsetzung dieser Haltung heraus etwas erlangt, was man wohl, mit etwas begrifflicher Toleranz, als agency bezeichnen könnte: Aus der Rolle als Sexualobjekt gewinnt sie (schließlich auch noch verstärkt durch ihre Dämonenkräfte) eine Machtposition, die sie zu eigenem Handeln ermächtigt. Ihr Körper ist dabei das Mittel ihrer Wahl.

Daß sie sich dabei gleichzeitig in Abhängigkeit von Anderen, von gesellschaftlichen Schönheitskonventionen etc. begibt und nur innerhalb dieser Kontexte existieren kann, ist davon unbenommen; so einfach sind diese Machtzuweisungen nicht, daß man ohne solches auskäme.

Der Film fällt im übrigen nicht in die Falle, Jennifer nur aus diesen Machtstrukturen heraus ernst zu nehmen; dem entzieht er sich, indem er vor allem Needys Perspektive einnimmt.

Nicht zuletzt deshalb richtet sich der Film womöglich wirklich zunächst an Frauen; bzw. an Menschen, die an Freundschaften zwischen Frauen interessiert sind. Insofern liegt das Marketing für den Film, wie mir scheint, weltweit völlig daneben, wenn es sich immerzu auf Jennifer in sexuell anzüglichen Posen konzentriert; selbst das Werbematerial des deutschen Verleihs gibt kaum Bilder her, in dem Jennifer und Needy gemeinsam zu sehen sind.

Fotos: 20th Century Fox

Pandorum (2009)

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Ich kann das ruhig gleich zu Anfang sagen: Man muß Pandorum nicht unbedingt gesehen haben, man kann unter Umständen auch gar nicht so einfach – hier in Paris läuft er in seiner zweiten Woche nur noch in zwei Kinos, in einem in Originalversion. Und Paris ist glücklicherweise keine an Kinos arme Stadt. (Es folgen gelegentlich ein paar Spoiler.)

Gleichwohl gibt es sicherlich schlechteren Schrott als diesen in Babelsberg und mit viel deutschen Steuergeldern gedrehten Science-Fiction-Schocker, der alle möglichen Versatzstücke des Genres durcheinandermischt: Dunkle Gänge und Schleimspuren etwa aus Alien und seinen Nachfolgern, anderes dann aus Event Horizon (das ist nicht zufällig – produziert wurde Pandorum unter anderem von Paul W.S. Anderson, der bei Event Horizon Regie führte und auch bei Resident Evil, was man dem Film ebenfalls ansieht) und was an finsteren Endzeitgeschichten im All noch so herumfliegt. Nur die Komödien wurden ganz ausgelassen, Pandorum leistet sich nicht einmal einen ganz kleinen Comic Relief.

Ernsthaft ist das also, sehr klaustrophobisch – die Enge der Räume drückt bis auf die Leinwand durch. Aber ein guter Film eben leider doch nicht. Das liegt zum einen daran, daß der Film den Zuschauer_innen die Hintergrundstory gleich am Anfang präsentiert, während die Protagonist_innen eine ganze Weile brauchen, um sich diese aus den dunklen Stellen ihrer Hyperschlaf-induzierten Amnesie herauszukramen. Der Film wäre so noch düsterer geworden, aber das wollte man wohl wirklich nicht, wie auch das Ende zeigt: Da scheint der Film einen Moment lang den Mut aufzubringen zu großer, totaler, endloser Verzweiflung. Dann dreht er sich aber aus dem Geschehenen doch noch eine – immerhin einigermaßen originelle – Schleife zu einem knallkitschige inszenierten Happy-End hin.

Mit Tausenden von Menschen, so will es die Vorgeschichte, ist das Schiff „Elysium“ unterwegs von der überbevölkerten Erde zu einem möglicherweise für Menschen bewohnbaren Planeten; als zwei Mitglieder der Crew aus tiefem Hyperschlaf erwachen, ist jedoch das Schiff lahmgelegt, ohne daß sie herausfinden können, was geschehen ist. Nach und nach und mit Hilfe anderer an Bord herumlaufender Überlebender verstehen sie, was geschehen ist und woher die menschenfressenden Monster kommen, von denen sie durch die dunklen Gänge des Schiffes gejagt werden.

Für Pandorum haben Regisseur Christian Alvart und Drehbuchautor Travis Milloy zwei separate Grundhandlungen miteinander verknüpft – das funktioniert leider nur begrenzt gut, weil sich die beiden nur lose berühren und die an diesen Punkten hervorgerufene Spannung doch sehr bemüht wird. Zu guter Letzt wird auch noch das Fortbestehen der Menschheit an sich in die Wagschale geworfen, als ob das blanke Überleben nicht schon Motivation und Aufreger genug wäre.

Zwischendurch gerät Pandorum recht actionlastig, was aber nicht gut funktioniert; die hektischen, wild geschnittenen Kämpfe erwecken eher den Eindruck, daß für den Film kein guter Choreograph engagiert wurde, als daß durch die raschen Schnitte so etwas wie Geschwindigkeit und Aufregung transportiert würde. Ansonsten hat man es in der filmischen Umsetzung immerhin mit solidem Kunsthandwerk zu tun.

Die Löcher in Plot, Logik und Drehbuch sind allerdings so groß, daß man wohl Crew, Besatzung und „Elysium“ problemlos darin unterbringen könnte. So laufen, nur als Beispiel, die Überlebenden (Antje Traue und Cung Le, die wenig Sinnvolles zu tun haben und ihre Zeit dafür ganz ordentlich nutzen) mit in seltsamen Tribalstilen gehaltenen Messern und Schwertern durch die Gegend – was diese wenig an Praxistauglichkeit orientiert hergestellten Waffen an Bord eines Kolonisationsschiffes suchen, versucht erst gar niemand zu erklären. Dafür ist ja auch gar keine Zeit mehr, weil man sich dauernd der namenlosen Monster erwehren bzw. das Schiff retten muß. So ein Glück! Die sind angeblich aus einigen Mitreisenden durch evolutionsbeschleunigende Enzyme in der Nährlösung entstanden – die sich durch die lange Dauer der Reise allerdings nicht an den Zielplaneten, sondern, und das vermutet eine Figur wörtlich, an den Lebensraum des Schiffes angepaßt hätten.

Da hat wohl jemand seinen Biologie-Grundkurs geschwänzt.

(Oder fandet Ihr Pandorum viel besser? Ich bin ja mal gespannt.)

Foto: Constantin

Twisted Princess

Daß mir die klassischen Disney-Heldinnen nicht immer zusagen, mag manche_r am Titel des Blogs oder an eventuell von mir anderswo getanen Äußerungen sich schon denken können.

Da ist es umso schöner, wenn sich ein Künstler wie Jeffrey Thomas der Prinzessinnen annimmt und ihnen jenen gewissen Twist verpaßt. Die historisch etwas, ähem, unpräzise gezeichnete Pocahontas aus dem gleichnamigen Film bekommt dann plötzlich ein neues Gesicht:

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Und diese kleine Meerjungfrau dürfte auch bzw. gerade René von Nerdcore gefallen:

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Alle Prinzessinnen gibt es in Jeffrey Thomas‘ Blog. Dort auch weitere seiner Arbeiten, ebenso wie auf seiner DeviantArt-Seite.

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G.I. Joe – The Rise of Cobra (2009)

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Die Geographie einer Stadt ist im actionlastigen Kino zwar oft eine implizit wichtige Größe, vor allem wenn es an die Verfolgungsjagden geht, hat aber zugleich ihre produktionstechnischen Tücken. Selten sieht es um die nächste Ecke genau so ansehnlich spannend aus wie auf jener Brücke, und so nimmt man eher Diskontiunitäten in Kauf als einen ranzigen Drehort nach dem anderen abzufilmen. Berlin-Kenner_innen werden das Problem aus Lola rennt kennen, der die Titelheldin innerhalb einer halben Stunde in großen Sprüngen durch ganz West- und Ostberlin schickt, oder auch aus Emil und die Detektive (2001) – da zuckelt etwa eine U-Bahn deutlich sichtbar in den Bahnhof Warschauer Straße ein (in dessen unmittelbarer Nachbarschaft ich einige Jahre gewohnt habe), nur um wenige Sekunden später die Fahrt in die gleiche Richtung fortzusetzen. Bei einem Kopfbahnhof ein eigentlich waghalsiges Unterfangen.

In der Mitte von G.I. Joe – The Rise of Cobra jagen die Protagonist_innen auf einer langen Verfolgungsjagd, an deren Ende die Zerstörung des Eiffelturms steht, quer durch Paris. Man kann einige dieser Szenen z.B. in diesem Video zusammengeschnitten sehen:

Ich kenne Paris inzwischen ein wenig, und da drängte sich mir in der Filmvorstellung gestern abend schon die Frage auf, ob die Prota- wie Antagonist_innen nicht vielleicht einmal kurz hätten anhalten und nach dem Weg fragen sollen. Während der Verfolgungsjagd werden diverse Sehenswürdigkeiten malerisch im Hintergrund gezeigt; von deren gezeigter erster (dem Arc de Triomphe) führt allerdings ein sehr direkter, sehr kurzer Weg zum Tour Eiffel.

Aber sei’s drum: Die geographischen Sprünge machen es leichter, ein bißchen Distanz zu der langen Szene zu bekommen, und das öffnet die Wahrnehmung dafür, wie durchaus gut inszeniert und technisch sauber die Jagd gemacht ist. (Ein bißchen mehr dazu erzählt Regisseur Stephen Sommers in einem kleinen Video, das ich bei den Filmschoolrejects gefunden und unten noch angehängt habe.)

Ansonsten gibt es in G.I. Joe nämlich auch einige halbgare Effekte zu sehen, die andauernden Rückblicke und Erinnerungssequenzen werden rasch nervig, und wie insgesamt der ganze Film ist vor allem die abschließende Actionsequenz, das große Finale viel, viel zu lang.

Spätestens da wird auch deutlich, daß der Film sich nicht so recht entscheiden kann, ob er eher James-Bond-Spektakel mit Gruppendynamik sein will oder doch lieber ein Familien- und Freundschaftsdrama in der Traditionslinie eines terrestrisch orientierten Star Wars.

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FFF 2009: Lesbian Vampire Killers (2009)

Alle Beiträge zum Fantasy Filmfest 2009 unter dem Tag FFF2009

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Was sich der durchschnittlich verunsichert heterosexuelle Mann so gerne mal unter weiblicher Homosexualität vorstellt, dürfte schon bei oberflächlicher Betrachtung des Angebots im entsprechenden Pornographiesegment mehr als offenbar sein: Junge, schlanke Damen mit langen Haaren, die sexuell zwar dem eigenen Geschlecht zugetan, einem hinzukommenden Mann aber auch nicht abgeneigt sind.

Sieht man von letzterem Element ab, ist es diese realitätsfreie Phantasievorstellung, die der Welt von Lesbian Vampire Killers (2009) zugrunde liegt. Das „Lesbian“ im Titel (das auf der britischen DVD schon mal gerne schamvoll verhüllt wird, als sei Homosexualität etwas unanständiges) bezieht sich dabei strikt auf die Vampirinnen des Films, welche allesamt Biss für Biss von der Vampirfürstin Carmilla – wir befinden uns hier, nota bene, im Bereich britischen Humors, wo der Bezug zu Camilla Parker-Bowles nicht weit sein dürfte – nicht nur zum Blutsaugen, sondern eben auch gleich zur jugendfreien Cartoonpornofassung weiblicher Homosexualität bekehrt wurden. (Männern geht es an den Kragen.)

Lesbian Vampire Killers geht dabei in der Entkleidung seiner Protagonistinnen (vampirisch and otherwise) stets so weit, wie es möglich ist, ohne irgendein primäres oder sekundäres Geschlechtsmerkmal wirklich zu entblößen. Das alles zur Freude insbesondere von Fletch (James Corden), einem der beiden jungen Männer, die sich auf einem eher unmotiviert begonnenen Wanderurlaub mitten in dem kleinen, von Carmillas Fluch gebeutelten Dorf Cragwich wiederfinden. Und während sein braver Kumpel Jimmy (Mathew Horne) ob der wiederholten Trennung von seiner Freundin leidet, lechzt Fletch alsbald der Gruppe schwedischer Studentinnen hinterher, die in einem VW-Bus durchs Dorf tuckern, wo sie sich mit lokalen Mythen und insbesondere der Geschichte von Carmilla beschäftigen. (Besonders intellektuell wirken die Damen, mit einer Ausnahme, leider nicht, aber, hey, das hier ist Spaßkino, nicht Logikkino.)

Der Film wandelt sich alsbald, wenn die Sonne untergegangen ist, zu einer fröhlichen Vampirjagdsplatterkomödie, das Ganze ist flott inszeniert, einigermaßen witzig und wirklich sehr erträglich. Und wenn die Vampirkörper dann mit Beilen, Pfählen und dergleichen final traktiert wurden, sondern sie in Fontänen eine weißlich-schleimige Substanz ab. Ob die nur nicht rot sein durfte, um einer harscheren Altersfreigabe zu entgehen, oder ob doch das hier unterschwellig immer präsente Sexuelle eine Rolle spielt? Jedenfalls bekommt die Spritzer vor allem Fletch ab, der nur die logische Konsequenz fürchtet, es demnächst mit einem schwulen Werwolf zu tun zu bekommen. Go figure.

Mit der hemmungslos und vergeblich auf der Suche nach dem weiblichen Geschlecht befindlichen Fletch setzt der Film natürlich zugleich der angepeilten Zielgruppe eine ziemlich unverstellte Spiegelung vor die Augen – und offenbart, daß er um seine eigenen psychosexuellen Voraussetzungen weiß. So entkommt der Film auch einigermaßen sicher all den geschmacklichen Untiefen, die er für seine Scherze aber dennoch ausloten muß.

Mit dem Erlösung versprechenden und als Griff mit einem Dildo versehenen magischen Schwert vergreift sich das Team um Regisseur Phil Claydon dann am Schluß doch noch gänzlich im Ton, aber pubertärer denkende Zuschauer werden auch diese unausgegorene Pointe sicher zu schätzen wissen. Am Ende dann gibt es zwar für den Vampirismus eine Lösung, die Homosexualität der jungen Damen aber ist nicht rückgängig zu machen. Sie ist ja auch schließlich keine Krankheit.

[Daß der Film hier auch unter der Kategorie „Butt-kicking Babes“ erscheint, ist zwar nur gerade so zu rechtfertigen, hat aber durch die Schlagkraft der von MyAnna Buring (The Descent, Doomsday, et al.) gespielten Figur Lotte seine einigermaßen mühsame Begründung.]

Foto: Fantasy Filmfest